hallo@onlinebilanz.de 0711 · 968 881 55 Werktags von 10:00 bis 18:00 Uhr erreichbar Steuer-Chat Login
OnlineBilanz
Jahresabschluss
ÜbersichtKosten & FestpreisFristenSelbst feststellenOhne SteuerberaterNach Geschäftsjahr202520242023202220212020
Software
DATEVLexwareLexware OfficesevdeskBuchhaltungsButlerDebitoorAccountableTaxfixMIKAeBilanz-OnlineCollmexTaxpoolMonkeyOfficeSyskaSimbaAgendaAddisonSage 50PapierkramorgaMAXWISO BuchhaltungScopevisioweclappJTL-WawimyebilanzAlle Programme →
Bestandteile
BilanzGewinn- und VerlustrechnungE-BilanzSteuererklärungenOffenlegung UnternehmensregisterFinanzbuchhaltungLohnbuchhaltungBWA
Bilanzarten
EröffnungsbilanzBilanz zum 31.12.ZwischenbilanzLiquidationsbilanzSchlussbilanzHandelsbilanzSteuerbilanzKonzernbilanzUmwandlungsbilanzInsolvenzbilanz
Für wen
GmbHUG (haftungsbeschränkt)GmbH & Co. KGHoldingAGGbRKGOHGVerein & StiftungFreiberuflerGewerbebetriebAlle 69 Branchen
Rechner & Tools
RechtsformrechnerHolding-SteuerrechnerGmbH-AusschüttungUmsatzsteuer-RechnerKleinunternehmer-GrenzeSteuernummer-UmrechnerBehördenbrief-ÜbersetzerFirmenwertschätzungSäumniszuschlag-RechnerGmbH-AusschüttungGründungskostenRückstellungsrechnerFirmenwagenrechnerVerpflegungsmehraufwandFirmenwertschätzungVergleich DATEVVergleich LexwareVergleich LexofficeVergleich sevDesk
Steuerberater & Team
SteuerberatungOnline-SteuerberaterBetriebsprüfungEinspruch FinanzamtInsolvenzberatungFirmenlöschungDas TeamKontakt & SupportAktuellesMandantenportal
hallo@onlinebilanz.de 0711 · 968 881 55 Mo – Do 10:00 – 18:00 Uhraußerhalb: KI-Assistenz am Telefon

Frist läuft?
Ihr Festpreis in 60 Sekunden.

Mehr Leistung, weniger zahlen. Buchhaltung, Jahresabschluss und Steuererklärungen: Sie laden Ihre Unterlagen ins Portal, wir bereiten alles vor. Auf Wunsch prüft und übermittelt ein Steuerberater.

  • Fester Ansprechpartner: ein Buchhalter, der Ihr Unternehmen kennt
  • Wechsel oder Import: Ihre bisherige Software wird angebunden
  • Weniger Fehlerrisiko: ein Steuerberater prüft bei Einreichung
  • Festpreis: ab 499,95 € netto pro Jahr zzgl. USt.
Fabian KlementJakob RößDr. Jeannine DinnebierUnsere KooperationspartnerFabian Klement · Jakob Röß · Dr. Jeannine DinnebierSteuerberater · Wirtschaftsprüfer | Steuerberater | Rechtsanwältin
  • Fabian KlementSteuerberater · Wirtschaftsprüfer
  • Jakob RößSteuerberater
  • Dr. Jeannine DinnebierRechtsanwältin

Datum

Lesedauer

14–20 Minuten

OnlineBilanz›Blog›Incoterms 2020: Alle 11 Klauseln im Überblick – Tabelle, Steuer & Bilanz

Incoterms 2020: Alle 11 Klauseln im Überblick – Tabelle, Steuer & Bilanz

Veröffentlicht: 22.07.2026Aktualisiert: 22.07.2026Lesezeit: ca. 9 Minuten

Ob EXW, DDP oder FOB – die Wahl der richtigen Incoterm-Klausel entscheidet nicht nur über Transportkosten und Haftungsrisiken, sondern hat direkte Auswirkungen auf die Umsatzsteuer, die Einfuhrumsatzsteuer und den handelsrechtlichen Bilanzstichtag. Dieser Hub-Artikel verschafft GmbH-Geschäftsführern und kaufmännischen Leitern einen vollständigen Überblick über alle 11 Incoterms 2020 – inklusive der steuerlichen Stolperfallen, die in der Praxis regelmäßig übersehen werden.

SG
Servet Gündogan

Büroleiter OnlineBilanz · Stuttgart

Erster Ansprechpartner für Kunden, koordiniert auf Wunsch die Zusammenarbeit mit kooperierenden Steuerberatern.

FK
BerufsprofilFabian Klement

Wirtschaftsprüfer & Steuerberater · M.A.
Berufsangaben im persönlichen Profil

Schwerpunkt Jahresabschlussprüfung, Konzernreporting und E-Bilanz. Schwerpunkt fachliche Abschlussfragen. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Prüfung Ihres Einzelfalls.

Kurzantwort

Incoterms (International Commercial Terms) sind standardisierte Lieferbedingungen der Internationalen Handelskammer (ICC), die regeln, wer Transportkosten trägt, wo die Gefahr auf den Käufer übergeht und welche Partei Einfuhr- bzw. Ausfuhrzoll übernimmt. Die aktuelle Fassung Incoterms 2020 umfasst 11 Klauseln. Steuerlich entscheidend: Incoterms bestimmen nicht den umsatzsteuerlichen Lieferort nach § 3 Abs. 6–8 UStG, liefern aber starke Indizien dafür, wer die Beförderung veranlasst, wer zum EUSt-Schuldner wird und wessen Vorratsvermögen eine rollende Ware am Bilanzstichtag zuzurechnen ist.

Was sind Incoterms? – Definition und Rechtsgrundlage

Incoterms (kurz für International Commercial Terms) sind weltweit anerkannte Handelsklauseln, die von der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris herausgegeben werden. Sie definieren in standardisierter Form, wer zwischen Verkäufer und Käufer die Kosten des Transports trägt, an welchem Punkt die Gefahr des zufälligen Untergangs oder der Beschädigung der Ware übergeht und welche Partei für Zollformalitäten zuständig ist.

Rechtlich sind Incoterms keine gesetzliche Regelung, sondern vertragliche Handelsbräuche. Sie entfalten ihre Wirkung ausschließlich dann, wenn die Parteien sie im Kaufvertrag ausdrücklich vereinbaren und die Fassung benennen – also z. B. „CIF Hamburg, Incoterms® 2020″. Die aktuelle Fassung gilt seit dem 1. Januar 2020 und ist bis heute (Stand: 2026) unverändert maßgeblich; eine „Incoterms 2025″ gibt es bislang nicht. Wer ältere Fassungen (2010, 2000) verwendet, sollte prüfen, ob Abweichungen zu den Incoterms 2020 vertragsrelevant sind.

Wichtig für GmbH-Geschäftsführer

Incoterms regeln das Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer. Sie ersetzen weder das anwendbare Kaufrecht (z. B. UN-Kaufrecht CISG, BGB) noch begründen sie selbst Eigentumsübergang. Das Eigentum an der Ware geht nach dem jeweils anwendbaren nationalen Recht über – in Deutschland gemäß §§ 929 ff. BGB durch Einigung und Übergabe ; die Gefahrtragung beim Versendungskauf regelt § 447 BGB.

Alle 11 Incoterms 2020 im Überblick (Tabelle)

Die folgende Tabelle gibt eine kompakte Incoterms-Übersicht aller 11 Klauseln mit Gefahrübergang, Kostentragung und Transportpflichten. Die Klauseln sind nach Verkäuferpflicht aufsteigend geordnet – von minimaler Pflicht (EXW) bis zur maximalen Pflicht (DDP).

Kürzel Name Verkehrsmittel Gefahrübergang Kostentragung bis Ausfuhrzoll Einfuhrzoll
EXW Ex Works Alle Ab Werk des Verkäufers (bei Bereitstellung) Ab Werk Käufer Käufer
FCA Free Carrier Alle Bei Übergabe an ersten Frachtführer Bis Übergabeort Verkäufer Käufer
CPT Carriage Paid To Alle Bei Übergabe an ersten Frachtführer Bis Bestimmungsort Verkäufer Käufer
CIP Carriage and Insurance Paid To Alle Bei Übergabe an ersten Frachtführer Bis Bestimmungsort inkl. All-Risk-Versicherung Verkäufer Käufer
DAP Delivered at Place Alle Am vereinbarten Bestimmungsort (nicht entladen) Bis Bestimmungsort Verkäufer Käufer
DPU Delivered at Place Unloaded Alle Nach Entladung am Bestimmungsort Bis Bestimmungsort inkl. Entladung Verkäufer Käufer
DDP Delivered Duty Paid Alle Am Bestimmungsort (nicht entladen) Vollständig inkl. Einfuhrzoll und EUSt Verkäufer Verkäufer
FAS Free Alongside Ship See-/Binnenschiff Wenn Ware längsseits Schiff gebracht Bis Hafen Verkäufer Verkäufer Käufer
FOB Free on Board See-/Binnenschiff Wenn Ware an Bord des Schiffes gebracht Bis Verladen Verkäufer Käufer
CFR Cost and Freight See-/Binnenschiff Wenn Ware an Bord des Schiffes gebracht Bis Bestimmungshafen (ohne Versicherung) Verkäufer Käufer
CIF Cost, Insurance and Freight See-/Binnenschiff Wenn Ware an Bord des Schiffes gebracht Bis Bestimmungshafen inkl. Mindestversicherung Verkäufer Käufer

Klauselgruppen verstehen: Von der Abholung bis zur Ankunft

Die 11 Klauseln der Incoterms-Liste lassen sich in drei funktionale Gruppen einteilen:

Gruppe 1: Abholklausel (EXW)

EXW – Ex Works ist die Klausel mit der geringsten Pflicht des Verkäufers. Er stellt die Ware am eigenen Werk bereit; der Käufer übernimmt sämtliche Kosten und Risiken ab diesem Moment. Für den Export aus der EU ist EXW problematisch, da der Verkäufer häufig keinen eigenen Nachweis der tatsächlichen Ausfuhr erhält und damit die Steuerbefreiung nach § 4 Nr. 1 Buchst. a UStG i. V. m. § 6 UStG gefährdet (→ mehr dazu unter Ausfuhrlieferung steuerfrei).

Gruppe 2: Frachtführer-/Hauptlauf-Klauseln (FCA, CPT, CIP, FAS, FOB, CFR, CIF)

Bei FCA übergibt der Verkäufer die Ware an den ersten Frachtführer am benannten Ort; er übernimmt Ausfuhrzoll, aber nicht den Hauptlauf. Neu in Incoterms 2020: Auf Wunsch kann der Käufer eine Bordkonnossement-Klausel vereinbaren – wichtig für Akkreditivgeschäfte. CPT und CIP verpflichten den Verkäufer zusätzlich zur Zahlung des Hauptlaufs; der Gefahrübergang bleibt aber beim ersten Frachtführer. CIP schreibt seit 2020 eine umfassende All-Risk-Versicherung (Institute Cargo Clauses A) vor, während CIF nur Mindestdeckung (Clause C) verlangt. Die reinen Seefrachtklauseln FAS, FOB, CFR, CIF sind nur für den See- und Binnenschiffstransport vorgesehen – bei Containern empfiehlt die ICC stattdessen FCA/CPT/CIP.

Gruppe 3: Ankunftsklauseln (DAP, DPU, DDP)

DAP und DPU legen Kosten und Gefahr bis zum Bestimmungsort beim Verkäufer; der Einfuhrzoll obliegt beim Käufer. DPU (früher DAT) ist die einzige Klausel, bei der der Verkäufer die Ware auch entladen muss. DDP ist die „Alles-inklusive“-Klausel: Der Verkäufer liefert verzollt und versteuert – mit erheblichen steuerlichen Konsequenzen (→ DDP-Falle, siehe unten).

Steuerliche Bedeutung der Incoterms: Umsatzsteuer und Einfuhrumsatzsteuer

Ein verbreiteter Irrtum in der Praxis: Viele Unternehmen glauben, Incoterms würden den umsatzsteuerlichen Lieferort festlegen. Das stimmt nicht. Der Lieferort bestimmt sich ausschließlich nach § 3 Abs. 6–8 UStG: Bei einer bewegten Lieferung ist der Lieferort dort, wo die Beförderung oder Versendung beginnt; bei Reihengeschäften gelten gesonderte Zuordnungsregeln.

Incoterms liefern aber wichtige Indizien, wer die Beförderung veranlasst:

  • Bei EXW: Käufer holt ab → Käufer veranlasst die Beförderung → Lieferort ist der Beginn der Beförderung, also das Werk des Verkäufers (§ 3 Abs. 6 UStG, Abholfall).
  • Bei CPT, CIP, CFR, CIF beauftragt der Verkäufer den Hauptlauf, bei FCA und FOB regelmäßig der Käufer → in beiden Fällen beginnt die Lieferung beim Verkäufer → bei innergemeinschaftlichen Lieferungen oder Ausfuhrlieferungen steuerbefreiungsfähig.
  • Bei DDP: Der Verkäufer übernimmt Einfuhrabgaben und Einfuhrumsatzsteuer im Bestimmungsland → er wird Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer im Bestimmungsland und muss sich dort in der Regel steuerlich registrieren lassen.

DDP-Falle: Registrierungspflicht im Ausland

Wenn eine deutsche GmbH Ware unter DDP nach Großbritannien oder in andere Drittländer mit Einfuhrumsatzsteuer liefert, übernimmt sie die Einfuhrumsatzsteuer (bzw. Import-VAT) des Bestimmungslandes. Das bedeutet: Die GmbH muss sich in der Regel im Bestimmungsland umsatzsteuerlich registrieren lassen, eine lokale Steuernummer beantragen und regelmäßig Voranmeldungen abgeben – mit erheblichem administrativem und finanziellem Aufwand. Im EU-Binnenmarkt fällt keine Einfuhrumsatzsteuer an; bei B2C-Lieferungen in andere EU-Staaten kann für Fernverkäufe das OSS-Verfahren genutzt werden. Detaillierte Berechnungshinweise zur Einfuhrumsatzsteuer finden Sie in unserem Artikel zur Einfuhrumsatzsteuer: Berechnung, Zahlung und Vorsteuerabzug.

DDP-Warnung

Wer als deutscher Exporteur DDP vereinbart, ohne im Bestimmungsland steuerlich registriert zu sein, riskiert Bußgelder, Nachzahlungen und Reputationsschäden. Prüfen Sie vor Vertragsabschluss, ob eine Fiskalvertretung oder indirekte Zollvertretung möglich ist.

Bilanzierung nach HGB: Wem gehört die rollende Ware am Bilanzstichtag?

Für die Bilanzierung nach HGB ist entscheidend, wessen Vorratsvermögen eine sich auf dem Transportweg befindende Ware am Bilanzstichtag zuzurechnen ist. Maßgeblich ist dabei nicht das zivilrechtliche Eigentum, sondern das wirtschaftliche Eigentum (§ 246 Abs. 1 Satz 2 HGB; steuerlich § 39 AO). Die Gefahr- und Kostentragung nach Incoterms ist ein wichtiges Indiz für die wirtschaftliche Zurechnung.

Konkret bedeutet das:

FOB / CFR / CIF – Seefrachtklauseln

Gefahrübergang „an Bord des Schiffes im Verladehafen“. Liegt der Bilanzstichtag während des Seetransports, ist die Ware dem Käufer zuzurechnen (wirtschaftliches Eigentum ab Verladung). Der Verkäufer hat den Umsatz realisiert; er darf die Ware nicht mehr im Vorratsvermögen bilanzieren.

DAP / DPU / DDP – Ankunftsklauseln

Gefahrübergang erst am Bestimmungsort. Die Ware bleibt bis zur Übergabe am Bestimmungsort wirtschaftlich dem Verkäufer zuzurechnen. Der Umsatz ist erst bei Übergabe zu realisieren. Bei einem Bilanzstichtag während des Transports bleibt die Ware im Vorratsvermögen des Verkäufers (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB – Realisationsprinzip).

Die Umsatzrealisierung nach HGB orientiert sich am Realisationsprinzip (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB): Erträge dürfen erst erfasst werden, wenn sie realisiert sind – also wenn der Gefahrübergang stattgefunden hat. Bei internationalen Lieferungen mit langen Transportzeiten (z. B. Containerschiff Asien → Europa: 4–6 Wochen) kann die Klauselwahl erhebliche Auswirkungen auf den Jahresabschluss haben.

Fehlerklassiker: EXW im Export und die DDP-Falle

Fehler 1: EXW bei Drittlandsexporten

EXW klingt für den Exporteur attraktiv – er hat minimale Pflichten. Das Problem: Bei EXW ist der Käufer für die Ausfuhrabfertigung zuständig. Der deutsche Verkäufer hat keinen eigenen Zugriff auf die Ausfuhranmeldung und damit keinen belastbaren Buch- oder Belegnachweis für die Steuerfreiheit der Ausfuhrlieferung (§ 6 UStG, § 8 UStDV). Verweigert der ausländische Käufer die Herausgabe der Ausfuhrnachweise, schuldet die GmbH die deutsche Umsatzsteuer auf den vollen Rechnungsbetrag – ein existenzbedrohender Fehler bei großen Exportvolumina. Besser: FCA mit Exportzollpflicht beim Verkäufer.

Fehler 2: DDP ohne steuerliche Vorbereitung

Wie oben dargestellt, löst DDP im Bestimmungsland eine Registrierungspflicht aus. Viele mittelständische GmbHs unterschätzen den laufenden Compliance-Aufwand (Voranmeldungen, länderspezifische Steuererklärungen, ggf. Fiskalvertreter) und die Bindung von Liquidität durch die vorläufig gezahlte Einfuhrumsatzsteuer bis zur Erstattung. Im EU-Binnenmarkt kann für B2C-Lieferungen das OSS-Verfahren eine Alternative sein.

Innergemeinschaftliche Lieferungen

Bei Lieferungen zwischen EU-Mitgliedstaaten spielen Incoterms ebenfalls eine Rolle: Ob eine innergemeinschaftliche Lieferung nach § 4 Nr. 1 Buchst. b UStG i. V. m. § 6a UStG steuerfrei ist, hängt u. a. vom Nachweis ab, dass die Ware in das übrige Gemeinschaftsgebiet gelangt ist (§§ 17a ff. UStDV). Mehr dazu im Artikel zur innergemeinschaftlichen Lieferung.

Praxisbeispiel: Maschinenbau-GmbH wählt falsche Klausel

Die Muster-Maschinenbau GmbH (Sitz: Stuttgart) verkauft eine CNC-Fräsmaschine (Nettorechnungswert: 180.000 EUR) an einen Käufer in der Türkei. Der Geschäftsführer wählt EXW-Stuttgart, da er „keine Logistikverantwortung“ übernehmen will. Das Finanzamt prüft und stellt fest: Die GmbH kann keinen Ausfuhrnachweis vorlegen, da der türkische Käufer die ATLAS-Ausfuhranmeldung selbst durchgeführt hat und dem Verkäufer keine Ausfuhrbegleitdokumente übermittelt hat.

Ergebnis: Die Steuerbefreiung nach § 6 UStG entfällt; der vereinbarte Preis gilt als Bruttobetrag (§ 10 Abs. 1 UStG). Die GmbH schuldet Umsatzsteuer i. H. v. 19/119 × 180.000 EUR = 28.739,50 EUR. Hinzu kommen Nachzahlungszinsen nach § 233a AO (1,8 % p. a.).

Buchungssatz (Korrektur):
Umsatzsteuer-Nachzahlung / Steueraufwand 28.739,50 EUR
an Verbindlichkeiten gegenüber Finanzamt 28.739,50 EUR

Lösung: Bei Verwendung von FCA – Stuttgart, Incoterms® 2020 hätte die GmbH als Exportzollanmelderin im ATLAS-System die Ausfuhranmeldung selbst gestellt, den Ausgangsvermerk elektronisch erhalten und die Steuerfreiheit lückenlos belegt. Der Verwaltungsmehraufwand wäre minimal, die Steuerersparnis 28.739,50 EUR.

Richtige Klauselwahl für Exporteure und Importeure

Empfehlungen für Exporteure (Verkäufer)

  • Drittlandsexport: FCA (Ausfuhrnachweis beim Exporteur), CPT oder CIP für Standardlieferungen
  • EU-Export B2B: FCA oder CPT, um den innergemeinschaftlichen Liefernachweis sicherzustellen
  • Vermeiden: EXW (fehlender Ausfuhrnachweis), DDP (Registrierungspflicht im Ausland)
  • Container: FCA statt FOB; CPT/CIP statt CFR/CIF (ICC-Empfehlung)
Empfehlungen für Importeure (Käufer)

  • Drittlandsimport: DAP oder DDP, wenn Verkäufer zuverlässig verzollt; alternativ FCA + eigene Spedition für Kostenkontrolle
  • Einfuhrumsatzsteuer als Vorsteuer: Den Vorsteuerabzug der EUSt hat, wer im Zeitpunkt der Einfuhr die Verfügungsmacht über die Ware hat (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 UStG) – bei DDP-Lieferungen nach Deutschland regelmäßig der ausländische Lieferer, der sich dann hier steuerlich registrieren muss (§ 3 Abs. 8 UStG).
  • Bilanzstichtag: Lange Transportwege (Asien) + Ankunftsklauseln verlängern die Kapitalbindung im Vorratsvermögen des Verkäufers.

Was der Jahresabschluss-Service von OnlineBilanz für Ihre GmbH kostet, zeigt der Kostenrechner auf onlinebilanz.de. Einen Eindruck von der Software vermittelt die Demo-Plattform.

Fazit: Incoterms – mehr als Logistik, Chefsache für die GmbH

Die richtige Wahl der Incoterms-Klausel ist für eine GmbH weit mehr als eine logistische Entscheidung. Sie beeinflusst drei zentrale Bereiche: die umsatzsteuerliche Liefernachweisführung (insbesondere bei Drittlandsexporten und innergemeinschaftlichen Lieferungen), die steuerliche Registrierungspflicht im Ausland (vor allem bei DDP) und die handelsrechtliche Bilanzzurechnung rollender Ware am Bilanzstichtag. Die Incoterms 2020 bieten mit ihren 11 Klauseln ein flexibles Werkzeug – vorausgesetzt, der Geschäftsführer versteht die Konsequenzen jeder Wahl. EXW im Export ist in der Regel ein Fehler; DDP ohne steuerliche Vorbereitung ein noch größerer. FCA ist für viele deutsche Exporteure eine gut geeignete Wahl. Lassen Sie die Klauselwahl künftig vor Vertragsabschluss durch Ihren Steuerberater validieren.

28.739,50 EUR

USt-Nachzahlung bei falschem EXW-Export (Beispiel 180.000 EUR Maschine)

11

Klauseln umfassen die Incoterms 2020

Häufig gestellte Fragen

Was sind Incoterms und wofür werden sie verwendet?

Incoterms (International Commercial Terms) sind standardisierte Lieferbedingungen der Internationalen Handelskammer (ICC). Sie legen im Kaufvertrag fest, wer Transportkosten trägt, wann die Gefahr auf den Käufer übergeht und wer Zollformalitäten übernimmt. Sie sind kein Gesetz, sondern vertragliche Handelsbräuche.

Bestimmen Incoterms den umsatzsteuerlichen Lieferort?

Nein. Der umsatzsteuerliche Lieferort richtet sich ausschließlich nach § 3 Abs. 6–8 UStG. Incoterms liefern aber starke Indizien, wer die Beförderung veranlasst – was wiederum für die Steuerbefreiung bei Ausfuhren und innergemeinschaftlichen Lieferungen relevant ist.

Warum ist EXW für Exporteure gefährlich?

Bei EXW ist der Käufer für die Ausfuhrabfertigung zuständig. Der deutsche Verkäufer erhält den Ausfuhrnachweis nur, wenn der Käufer ihn weitergibt; fehlt er, kann die Steuerfreiheit der Ausfuhrlieferung nach § 6 UStG nicht belegt werden. Im schlimmsten Fall schuldet er die Umsatzsteuer (19 %), die aus dem vereinbarten Preis herauszurechnen ist.

Was bedeutet die DDP-Falle?

Bei DDP (Delivered Duty Paid) übernimmt der Verkäufer die Einfuhrumsatzsteuer im Bestimmungsland. Das kann eine steuerliche Registrierung im Bestimmungsland erforderlich machen; bei Verstößen drohen Sanktionen und Nachzahlungen. Innerhalb der EU fällt keine Einfuhrumsatzsteuer an; für B2C-Fernverkäufe kann das OSS-Verfahren genutzt werden.

Welche Incoterms-Klausel eignet sich am besten für den Export aus Deutschland?

Für Drittlandsexporte ist FCA (Free Carrier) häufig gut geeignet, da der Exporteur die Ausfuhranmeldung selbst stellt und den ATLAS-Ausgangsvermerk als Nachweisdokument erhält. Für Containerlieferungen empfiehlt die ICC FCA, CPT oder CIP statt der reinen Seefrachtklauseln FOB, CFR oder CIF.

Wie beeinflussen Incoterms die Bilanzierung?

Der Gefahrübergang nach Incoterms ist ein wichtiges Indiz für die wirtschaftliche Zurechnung der Ware. Bei Ankunftsklauseln (DAP, DPU, DDP) bleibt die Ware bis zur Übergabe am Bestimmungsort im Vorratsvermögen des Verkäufers; der Umsatz wird erst dann realisiert. Das kann bei langen Transportzeiten (z. B. Schiff Asien–Europa) erhebliche Auswirkungen auf den Jahresabschluss haben.

Gibt es Incoterms 2025?

Nein. Die aktuell gültige Fassung sind die Incoterms 2020, die seit dem 1. Januar 2020 in Kraft sind und unverändert gelten (Stand: 2026). Eine Nachfolgefassung hat die ICC bislang nicht in Kraft gesetzt.

Über Autor und Berufsprofil

Autor

Servet Gündogan

Büroleiter OnlineBilanz · Stuttgart

Erster Ansprechpartner für Kunden, koordiniert auf Wunsch die Zusammenarbeit mit kooperierenden Steuerberatern.

Berufsprofil

Fabian Klement

Wirtschaftsprüfer & Steuerberater · M.A.

Berufsangaben im persönlichen Profil

Schwerpunkt Jahresabschlussprüfung, Konzernreporting und E-Bilanz. Schwerpunkt fachliche Abschlussfragen. Informationen zum Tätigkeitsgebiet; keine individuelle Beratung durch diesen Beitrag.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Steuerliche Beratung im Einzelfall erteilen nur die nach dem Steuerberatungsgesetz dazu befugten Personen und Gesellschaften, insbesondere Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung. Stand der Rechtslage: Juli 2026.

Ben
Ben
KI-Assistenz
Kennenlerntermin15 Min · Raphael Diener