Gegenstandswert Jahresabschluss: Berechnung, Formel und Bedeutung
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026 · Lesezeit: ca. 8 Minuten
Der Gegenstandswert beim Jahresabschluss ist die Grundlage, nach der ein Steuerberater den Jahresabschluss nach der StBVV abrechnet – sofern keine abweichende Vergütung vereinbart ist. Dieser Artikel zeigt die Formel nach § 35 Abs. 2 StBVV, die Sonderregeln und was sich daraus nach Tabelle B ergibt.
Kurzantwort
Der Gegenstandswert für die Aufstellung des Jahresabschlusses ist nach § 35 Abs. 2 StBVV das Mittel zwischen der berichtigten Bilanzsumme und der betrieblichen Jahresleistung. Daraus ergibt sich nach Tabelle B die volle Gebühr; für Bilanz und GuV fallen 10/10 bis 40/10 davon an, die Mittelgebühr liegt bei 25/10. Beispiel: Bei einem Gegenstandswert von 300.000 € beträgt die volle Gebühr 641 € – also 641 € bis 2.564 €.
Inhaltsverzeichnis
Was ist der Gegenstandswert?
Die Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) regelt, wie Steuerberater ihre Leistungen abrechnen, wenn keine abweichende Vergütung vereinbart ist. Für Abschlussarbeiten gilt § 35 StBVV: Er bestimmt die Gebührenrahmen und den Gegenstandswert – den Wert, nach dem in der Gebührentabelle die Gebühr abgelesen wird. Die zugehörige Tabelle ist Tabelle B (Abschlusstabelle, Anlage 2).
Eine höhere oder niedrigere als die gesetzliche Vergütung kann in Textform vereinbart werden (§§ 4, 4a StBVV). Genügt eine Vereinbarung den Formanforderungen nicht, kann der Steuerberater daraus keine höhere als die gesetzliche Vergütung fordern (§ 4b StBVV).
Die Formel nach § 35 Abs. 2 StBVV
Für die Aufstellung des Jahresabschlusses (Bilanz und GuV) ist der Gegenstandswert das Mittel zwischen der berichtigten Bilanzsumme und der betrieblichen Jahresleistung:
Gegenstandswert = (berichtigte Bilanzsumme + betriebliche Jahresleistung) ÷ 2
Berichtigte Bilanzsumme
Sie ergibt sich aus der Summe der Posten der Aktivseite der Bilanz, zuzüglich Privatentnahmen und offener Ausschüttungen, abzüglich Privateinlagen, Kapitalerhöhungen durch Einlagen und Wertberichtigungen.
Betriebliche Jahresleistung
Sie umfasst nicht nur die Umsatzerlöse, sondern auch sonstige betriebliche Erträge, Erträge aus Beteiligungen, Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens, sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen sowie andere aktivierte Eigenleistungen.
Sonderregeln
| Situation | Folge nach § 35 Abs. 2 StBVV |
|---|---|
| Betrieblicher Jahresaufwand höher als die Jahresleistung | Der Jahresaufwand wird statt der Jahresleistung angesetzt |
| Negative berichtigte Bilanzsumme | Wird als positiver Wert angesetzt |
| Jahresleistung (bzw. höherer Jahresaufwand) über dem 5-Fachen der berichtigten Bilanzsumme | Der übersteigende Betrag bleibt außer Ansatz |
| Jahresleistung unter 3.000 € | Gegenstandswert = nur die berichtigte Bilanzsumme |
| Berichtigte Bilanzsumme unter 3.000 € | Gegenstandswert = nur die betriebliche Jahresleistung |
Von der vollen Gebühr zum Honorar
Mit dem Gegenstandswert wird in Tabelle B die volle Gebühr (10/10) abgelesen. Für die Aufstellung von Bilanz und GuV beträgt die Gebühr 10/10 bis 40/10 davon (§ 35 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a StBVV). Die Mittelgebühr liegt bei 25/10; 10/10 ist die Untergrenze des Rahmens.
Innerhalb des Rahmens bestimmt der Steuerberater die Gebühr nach billigem Ermessen unter Berücksichtigung insbesondere der Bedeutung der Angelegenheit, des Umfangs und der Schwierigkeit der Tätigkeit sowie der Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Auftraggebers (§ 11 StBVV).
Berechnung in Textform
Der Steuerberater kann seine Vergütung nur aufgrund einer Berechnung in Textform fordern. Darin sind u. a. die Gebühren, eine kurze Bezeichnung des Gebührentatbestands, die angewandten Vorschriften und bei Wertgebühren der Gegenstandswert anzugeben (§ 9 StBVV).
Rechenbeispiele nach Tabelle B
Alle Werte nach Tabelle B in der seit 1. Juli 2025 geltenden Fassung, netto, nur für die Aufstellung von Bilanz und GuV.
| Beispiel | Gegenstandswert | Volle Gebühr (10/10) | Mittelgebühr (25/10) | Rahmen (10/10–40/10) |
|---|---|---|---|---|
| Berichtigte Bilanzsumme 150.000 €, Jahresleistung 450.000 € | 300.000 € | 641 € | 1.602,50 € | 641 – 2.564 € |
| Berichtigte Bilanzsumme 600.000 €, Jahresleistung 1.400.000 € | 1.000.000 € | 1.126 € | 2.815 € | 1.126 – 4.504 € |
| Berichtigte Bilanzsumme 100.000 €, Jahresleistung 900.000 € (Kappung auf das 5-Fache: 500.000 €) | 300.000 € | 641 € | 1.602,50 € | 641 – 2.564 € |
Das dritte Beispiel zeigt die Kappung: Die Jahresleistung von 900.000 € übersteigt das Fünffache der berichtigten Bilanzsumme (500.000 €). Der übersteigende Betrag bleibt außer Ansatz, der Gegenstandswert beträgt daher (100.000 € + 500.000 €) ÷ 2 = 300.000 €.
Was gesondert berechnet wird
| Leistung | Abrechnung nach StBVV |
|---|---|
| Erstellung des Anhangs | 2/10 bis 12/10 nach Tabelle B (§ 35 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b) – im ersten Beispiel 128,20 € bis 769,20 € |
| Steuerbilanz aus der Handelsbilanz entwickeln | 5/10 bis 12/10 nach Tabelle B (§ 35 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. b) |
| Ableitung des steuerlichen Ergebnisses aus dem Handelsbilanzergebnis | 2/10 bis 10/10 nach Tabelle B (§ 35 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. a) |
| Körperschaft-, Gewerbe-, Umsatzsteuererklärung | Gesondert nach § 24 StBVV, mit eigenem Gegenstandswert |
| Offenlegung im Unternehmensregister, sonstige Tätigkeiten | Je nach Vereinbarung, ggf. Zeitgebühr (§ 13 StBVV) |
Einen Überblick über alle Kostenpositionen beim Jahresabschluss finden Sie im Ratgeber Steuerberater Kosten Jahresabschluss.
Alternative: Festpreis
Bei OnlineBilanz gilt statt einer Abrechnung nach Gegenstandswert ein Festpreis nach Umsatzklasse, ab 499,95 € netto (zzgl. USt.) pro Geschäftsjahr – mit Bilanz, GuV, Anhang, Steuererklärungen, E-Bilanz und Offenlegung. Sie stellen den Abschluss selbst fest; OnlineBilanz stellt Software und die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung. Ihren genauen Festpreis berechnen Sie im Festpreis-Rechner – vier Fragen, ohne Konto.
Häufige Fragen
Wie berechnet sich der Gegenstandswert für einen Jahresabschluss?
Nach § 35 Abs. 2 StBVV ist der Gegenstandswert für die Aufstellung des Jahresabschlusses das Mittel zwischen der berichtigten Bilanzsumme und der betrieblichen Jahresleistung. Ist der betriebliche Jahresaufwand höher als die Jahresleistung, wird der Aufwand angesetzt. Jahresleistung oder Jahresaufwand werden höchstens bis zum Fünffachen der berichtigten Bilanzsumme berücksichtigt.
Welche Gebührentabelle gilt für den Jahresabschluss?
Tabelle B (Abschlusstabelle, Anlage 2 StBVV). Für die Aufstellung von Bilanz und GuV beträgt die Gebühr 10/10 bis 40/10 der vollen Gebühr, für die Erstellung des Anhangs 2/10 bis 12/10.
Was ist die Mittelgebühr beim Jahresabschluss?
Bei einem Rahmen von 10/10 bis 40/10 liegt die Mittelgebühr bei 25/10. 10/10 ist die Untergrenze, nicht der Mittelwert.
Sind Anhang und Steuererklärungen in der Jahresabschlussgebühr enthalten?
Nein. Der Anhang ist ein eigener Gebührentatbestand (§ 35 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b StBVV), die Steuererklärungen werden nach § 24 StBVV gesondert berechnet.
Gibt es eine Alternative zur Abrechnung nach Gegenstandswert?
Ja. Mit einem Steuerberater kann in Textform eine abweichende Vergütung vereinbart werden (§§ 4, 4a StBVV). Bei OnlineBilanz gilt ein Festpreis nach Umsatzklasse ab 499,95 € netto (zzgl. USt.).
Hinweis: Allgemeine Information, Rechtsstand Oktober 2026; keine individuelle Steuerberatung. Rechtsgrundlagen: § 35 StBVV, Anlage 2 StBVV (Tabelle B), § 4 StBVV. Steuerliche Beratung im Einzelfall erteilen nur die nach dem Steuerberatungsgesetz dazu befugten Personen und Gesellschaften, insbesondere Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer. Stellen Sie den Abschluss selbst fest, stellen wir Software sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Beauftragen Sie Prüfung und Freigabe, erbringt ein namentlich benannter Steuerberater sämtliche Vorbehaltsaufgaben in eigener beruflicher Verantwortung.









Fabian Klement
Jakob Röß
Dr. Jeannine Dinnebier
