Verbindlichkeitenspiegel: Pflichtangabe nach § 285 Nr. 1 HGB mit Muster
Der Verbindlichkeitenspiegel ist für viele GmbH-Geschäftsführer eine der unübersichtlichsten Pflichtangaben im Jahresabschluss – dabei folgt er einer klaren gesetzlichen Systematik. Wer Restlaufzeiten falsch gliedert, Sicherheiten nicht offenlegt oder die Erleichterungen für kleine Gesellschaften übersieht, riskiert einen eingeschränkten Bestätigungsvermerk oder Nachfragen des Finanzamts. Dieser Artikel zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie den Verbindlichkeitenspiegel korrekt aufbauen, mit einer vollständigen Mustertabelle.
Kurzantwort
Der Verbindlichkeitenspiegel ist eine Pflichtangabe im Anhang nach § 285 Nr. 1 HGB, die alle bilanziellen Verbindlichkeiten nach Restlaufzeiten (bis 1 Jahr, 1–5 Jahre, über 5 Jahre) und gesicherten Beträgen aufschlüsselt. Kleine GmbH im Sinne des § 267 Abs. 1 HGB sind nach § 288 Abs. 1 Nr. 1 HGB von der Aufgliederung je Posten (§ 285 Nr. 2 HGB) befreit, müssen die Gesamtbeträge nach § 285 Nr. 1 HGB aber angeben; mittelgroße und große GmbH müssen den vollständigen Spiegel im Anhang ausweisen.
Inhaltsverzeichnis
- Rechtsgrundlage & BilRUG-Stand
- Was gehört in den Verbindlichkeitenspiegel?
- Restlaufzeiten-Gliederung: bis 1 Jahr, 1–5 Jahre, über 5 Jahre
- Besicherte Verbindlichkeiten: Offenlegungspflicht & Fallstricke
- Anhangangabe vs. Bilanzvermerk: Wer muss was?
- Erleichterungen für kleine GmbH
- Verbindlichkeitenspiegel Muster: Mustertabelle & Excel-Vorlage
- Praxisbeispiel: Muster-GmbH mit Rechenweg
- Verbindlichkeitenspiegel in DATEV & Software erstellen
- Fazit
Rechtsgrundlage & BilRUG-Stand
Die Pflicht zum Verbindlichkeitenspiegel ergibt sich unmittelbar aus § 285 Nr. 1 HGB. Danach sind im Anhang der Gesamtbetrag der Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren sowie der Gesamtbetrag der durch Pfandrechte oder ähnliche Rechte gesicherten Verbindlichkeiten unter Angabe von Art und Form der Sicherheiten anzugeben; § 285 Nr. 2 HGB verlangt die Aufgliederung dieser Angaben für jeden Posten der Verbindlichkeiten nach dem Gliederungsschema des § 266 Abs. 3 HGB. Der Betrag mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr ist nach § 268 Abs. 5 Satz 1 HGB bei jedem Posten zu vermerken.
Das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) von 2015, in Kraft seit dem Geschäftsjahr 2016, hat die Schwellenwerte für die Größenklassen (§ 267 HGB) angehoben und damit den Kreis der kleinen Gesellschaften erweitert, die Erleichterungen beanspruchen können. Die aktuell geltenden Schwellenwerte wurden zuletzt durch die Schwellenwertrichtlinie 2023/2775/EU angepasst und sind in Deutschland ab dem Geschäftsjahr 2024 anzuwenden: Kleine GmbH liegt vor bei Bilanzsumme ≤ 7,5 Mio. €, Umsatzerlöse ≤ 15 Mio. € und ≤ 50 Arbeitnehmer (zwei von drei Merkmalen). Für ältere Abschlüsse galten niedrigere Werte – prüfen Sie daher stets den maßgeblichen Stichtag.
Hinweis BilRUG
Die erhöhten Größenklassenschwellen haben deutlich mehr GmbH in die Erleichterungszone verschoben. Prüfen Sie jedes Geschäftsjahr neu, welcher Größenklasse Ihre GmbH angehört.
Was gehört in den Verbindlichkeitenspiegel?
Der Verbindlichkeitenspiegel erfasst sämtliche Verbindlichkeitenposten der Passivseite nach § 266 Abs. 3 C HGB, also:
- Anleihen (davon konvertibel)
- Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
- Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen
- Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
- Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung eigener Wechsel
- Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen
- Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht
- Sonstige Verbindlichkeiten
Nicht erfasst werden Rückstellungen, passive Rechnungsabgrenzungsposten und latente Steuern – auch wenn diese auf der Passivseite ausgewiesen sind. Ebenso sind Eventualverbindlichkeiten (§ 251 HGB) getrennt zu behandeln; sie erscheinen nicht im Verbindlichkeitenspiegel, sondern in einer eigenen Angabe im Anhang (§ 268 Abs. 7 HGB).
Mehr zu den Grundlagen des vollständigen Jahresabschlusses finden Sie in unserem Überblicksartikel auf onlinebilanz.de.
Restlaufzeiten-Gliederung: bis 1 Jahr, 1–5 Jahre, über 5 Jahre
Das Gesetz verlangt explizit nur zwei Restlaufzeitkategorien: bis zu einem Jahr (§ 268 Abs. 5 Satz 1 HGB) und mehr als fünf Jahre (§ 285 Nr. 1 Buchst. a HGB). Die mittlere Kategorie 1–5 Jahre ergibt sich zwingend als Restgröße (Gesamtbetrag minus Kurzfrist minus Langfrist) und wird in der Praxis stets mitgezeigt, weil der Leser sonst keine vollständige Laufzeitstruktur erhält.
Maßgeblicher Zeitpunkt
Die Restlaufzeit bemisst sich nach dem Bilanzstichtag, nicht nach dem Ursprungslaufzeitbeginn. Ein Darlehen mit ursprünglich 10 Jahren Laufzeit, das am Stichtag noch 4 Jahre läuft, fällt in die Kategorie „1–5 Jahre“.
Besonderes Augenmerk ist auf Tilgungsvereinbarungen zu richten: Wenn ein langfristiges Darlehen vertraglich vereinbarte Jahrestilgungen enthält, ist der im nächsten Jahr fällige Tilgungsanteil in die Spalte „bis 1 Jahr“ zu stellen, der verbleibende Restbetrag entsprechend auf die anderen Laufzeitbänder aufzuteilen. Einmalige Endfälligkeitsdarlehen werden demgegenüber komplett in dem Band ausgewiesen, in das ihr Fälligkeitsdatum fällt.
Bei Kontokorrentkrediten (revolvierende Linien) gilt die formal vereinbarte Kündigungs- oder Verlängerungsfrist. Ist die Kreditlinie unbefristet oder jederzeit kündbar, ist sie als kurzfristig (bis 1 Jahr) auszuweisen, auch wenn sie dauerhaft in Anspruch genommen wird.
Besicherte Verbindlichkeiten: Offenlegungspflicht & Fallstricke
Nach § 285 Nr. 1 Buchst. b HGB sind Art und Form der Sicherheiten für besicherte Verbindlichkeiten anzugeben. Typische Sicherheitenarten:
- Grundpfandrechte (Hypothek, Grundschuld) auf Betriebsgrundstücke
- Sicherungsübereignung von Maschinen oder Warenlagern
- Abtretung von Forderungen (stille Zession)
- Verpfändung von Wertpapieren oder Bankguthaben
Achtung: Bürgschaften von Gesellschaftern sind keine Pfandrechte oder ähnlichen Rechte im Sinne des § 285 Nr. 1 Buchst. b HGB. Sie sind bei der GmbH auch kein Haftungsverhältnis: Haftungsverhältnisse (§ 251, § 268 Abs. 7 HGB) betreffen nur Haftungen, die die GmbH selbst für Dritte eingegangen ist.
Die Angabe muss qualitativ (Art der Sicherheit) und quantitativ (Betrag der besicherten Verbindlichkeit) erfolgen. Ein bloßer Hinweis „dinglich gesichert“ ohne Betrag genügt den Anforderungen nicht. In der Praxis empfiehlt sich eine Fußnote oder Spalte in der Tabelle, die den besicherten Betrag und die Sicherheitenart kombiniert.
Anhangangabe vs. Bilanzvermerk: Wer muss was?
Hier liegt eine der häufigsten Verwechslungen in der Praxis. Das HGB unterscheidet zwei Darstellungsorte:
Gilt für mittelgroße und große GmbH (§ 267 Abs. 2 und 3 HGB). Der vollständige tabellarische Verbindlichkeitenspiegel mit Restlaufzeiten und Sicherheitenangaben muss im Anhang erscheinen. Kleine GmbH sind nach § 288 Abs. 1 Nr. 1 HGB nur von der Aufgliederung je Posten (§ 285 Nr. 2 HGB) befreit; die Gesamtbeträge nach § 285 Nr. 1 HGB müssen sie angeben.
Gilt für alle GmbH als Mindestpflicht: Die Beträge der Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr und von mehr als einem Jahr sind bei jedem gesondert ausgewiesenen Posten zu vermerken. Kleine GmbH können sich neben diesem Vermerk auf die Gesamtangaben nach § 285 Nr. 1 HGB beschränken; mittelgroße/große GmbH müssen Bilanzvermerk und Anhangangabe erbringen.
Der Bilanzvermerk nach § 268 Abs. 5 HGB lautet typischerweise in der Bilanz: „davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr: 1.200.000 €“ – unmittelbar unter dem entsprechenden Verbindlichkeitenposten. Er ersetzt für kleine GmbH den ausführlichen Anhang-Spiegel, nicht aber die Gesamtangaben nach § 285 Nr. 1 HGB (Restlaufzeit über fünf Jahre, gesicherte Verbindlichkeiten mit Art und Form der Sicherheiten).
Wichtig: Auch kleine GmbH müssen im Anhang den Gesamtbetrag der Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren sowie den Gesamtbetrag der gesicherten Verbindlichkeiten mit Art und Form der Sicherheiten angeben – § 288 Abs. 1 Nr. 1 HGB befreit nur von § 285 Nr. 2 HGB, nicht von § 285 Nr. 1 HGB.
Erleichterungen für kleine GmbH
Kleine Kapitalgesellschaften im Sinne von § 267 Abs. 1 HGB dürfen nach § 288 Abs. 1 Nr. 1 HGB auf die Aufgliederung des Verbindlichkeitenspiegels je Posten (§ 285 Nr. 2 HGB) verzichten. Sie müssen lediglich:
- Den Bilanzvermerk nach § 268 Abs. 5 HGB je Verbindlichkeitenposten ausweisen (Beträge mit Restlaufzeit bis 1 Jahr und > 1 Jahr)
- Im Anhang den Gesamtbetrag mit Restlaufzeit über fünf Jahren sowie den Gesamtbetrag der gesicherten Verbindlichkeiten mit Art und Form der Sicherheiten angeben (§ 285 Nr. 1 HGB)
- Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern gesondert vermerken (§ 42 Abs. 3 GmbHG)
- Die Größenklasse zweimal hintereinander erfüllt haben (§ 267 Abs. 4 HGB – Stichtagsprinzip)
Mikro-Kapitalgesellschaften nach § 267a HGB genießen noch weitergehende Erleichterungen: Sie dürfen den Anhang vollständig weglassen, wenn sie die Angaben nach § 264 Abs. 1 Satz 5 HGB unter der Bilanz ausweisen – der Verbindlichkeitenspiegel entfällt damit vollständig. Schwellenwerte für Mikro: Bilanzsumme ≤ 450.000 €, Umsatz ≤ 900.000 €, ≤ 10 Arbeitnehmer (zwei von drei).
Verbindlichkeitenspiegel Muster: Mustertabelle & Excel-Vorlage
Die folgende Tabelle zeigt einen vollständigen Verbindlichkeitenspiegel im Format, das für mittelgroße und große GmbH als Anhangangabe erforderlich ist.
| Verbindlichkeitenposten (§ 266 Abs. 3 C HGB) | Gesamtbetrag 31.12. (€) |
davon bis 1 Jahr (€) |
davon 1–5 Jahre (€) |
davon > 5 Jahre (€) |
davon besichert (€) / Art |
|---|---|---|---|---|---|
| Anleihen | 0 | 0 | 0 | 0 | – |
| Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten | 1.800.000 | 120.000 | 480.000 | 1.200.000 | 1.800.000 / Grundschuld |
| Erhaltene Anzahlungen | 45.000 | 45.000 | 0 | 0 | – |
| Verbindlichkeiten aus L+L | 320.000 | 320.000 | 0 | 0 | – |
| Wechselverbindlichkeiten | 0 | 0 | 0 | 0 | – |
| Verbindlichkeiten ggü. verbundenen Unternehmen | 250.000 | 250.000 | 0 | 0 | – |
| Verbindlichkeiten ggü. Beteiligungsunternehmen | 0 | 0 | 0 | 0 | – |
| Sonstige Verbindlichkeiten | 98.000 | 98.000 | 0 | 0 | – |
| Summe Verbindlichkeiten | 2.513.000 | 833.000 | 480.000 | 1.200.000 | 1.800.000 |
| Vorjahr | 2.680.000 | 910.000 | 530.000 | 1.240.000 | 1.960.000 |
Anmerkungen zur Tabelle: Vorjahreszahlen sind für Anhangangaben nicht ausdrücklich vorgeschrieben (§ 265 Abs. 2 HGB betrifft die Posten der Bilanz und der GuV), werden aber häufig mit angegeben. Die Spalten „1–5 Jahre“ und „> 5 Jahre“ ergeben zusammen die langfristigen Verbindlichkeiten; die Summe aller drei Laufzeitspalten muss dem Gesamtbetrag entsprechen (Kontrollsumme).
Die Mustertabelle können Sie als Vorlage für eine eigene Tabelle mit Kontrollsumme nutzen; den Jahresabschluss selbst können Sie im Demo-Zugang von onlinebilanz.de testen.
Praxisbeispiel: Muster-GmbH mit Rechenweg
Die Muster-GmbH (mittelgroße GmbH, Geschäftsjahr = Kalenderjahr) hat zum 31.12. des Berichtsjahres folgende Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten:
- Investitionsdarlehen A: Restschuld 900.000 €, endfällig in 7 Jahren, besichert durch Grundschuld 900.000 €
- Investitionsdarlehen B: Restschuld 600.000 €, jährliche Tilgung 120.000 €, Laufzeit noch 5 Jahre, besichert durch Grundschuld 600.000 €
- Kontokorrentlinie: 300.000 € in Anspruch genommen, unbefristet kündbar
Laufzeitaufteilung Darlehen B:
Tilgung Jahr 1 (bis 1 Jahr): 120.000 €
Tilgung Jahre 2–5 (1–5 Jahre): 4 × 120.000 € = 480.000 €
Restbetrag > 5 Jahre: 0 € (Laufzeit endet nach 5 Jahren)
Kontokorrentlinie: Unbefristet kündbar → vollständig „bis 1 Jahr“: 300.000 €
Darlehen A: Endfällig in 7 Jahren → vollständig „> 5 Jahre“: 900.000 €
Ergebnis für den Verbindlichkeitenspiegel (Posten „Verbindlichkeiten ggü. Kreditinstituten“):
| Laufzeitband | Darlehen A | Darlehen B | Kontokorrent | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Bis 1 Jahr | 0 | 120.000 | 300.000 | 420.000 |
| 1–5 Jahre | 0 | 480.000 | 0 | 480.000 |
| > 5 Jahre | 900.000 | 0 | 0 | 900.000 |
| Gesamt | 900.000 | 600.000 | 300.000 | 1.800.000 |
Besicherungsangabe im Anhang: „Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten in Höhe von 1.500.000 € (Darlehen A und B) sind durch Grundschulden auf das Betriebsgrundstück in [Ort] dinglich gesichert.“
Verbindlichkeitenspiegel in DATEV & Software erstellen
In Buchhaltungs- und Jahresabschlusssoftware lassen sich die Gesamtbeträge aus den Kontensalden ableiten, sofern die Konten korrekt den HGB-Bilanzpositionen zugeordnet sind. Die Laufzeitbänder ergeben sich dagegen nicht aus dem Kontostand, sondern müssen je Verbindlichkeit gepflegt werden.
Wichtige Arbeitsschritte:
- Verbindlichkeitenkonten den Bilanzpositionen nach § 266 Abs. 3 C HGB zuordnen
- Restlaufzeiten je Einzelverbindlichkeit in den Stammdaten hinterlegen
- Sicherheitenart je Verbindlichkeit dokumentieren
- Vorjahreszahlen aus dem Vorjahresabschluss übernehmen
Mit onlinebilanz.de erstellen Sie einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf, den Sie selbst prüfen und feststellen; die Kosten des OnlineBilanz-Service ermitteln Sie mit dem Kostenrechner.
Fazit
Der Verbindlichkeitenspiegel ist mehr als eine formale Pflichtangabe – er gibt Gläubigern, Gesellschaftern und dem Finanzamt einen klaren Blick auf die Fälligkeitsstruktur und Besicherung der Unternehmensverbindlichkeiten. Mittelgroße und große GmbH müssen die vollständige Tabelle im Anhang ausweisen; kleine GmbH können sich auf den Bilanzvermerk beschränken, müssen aber Sicherheiten weiterhin offenlegen. Die Laufzeiteinteilung (bis 1 Jahr, 1–5 Jahre, über 5 Jahre) folgt dem Bilanzstichtag, nicht dem Vertragsabschluss. Besonderes Augenmerk verdienen tilgungsplanbasierte Darlehen und unbefristete Kontokorrentlinien. Nutzen Sie die Mustertabelle und die Checkliste als Arbeitsgrundlage und prüfen Sie jedes Jahr neu, welcher Größenklasse Ihre GmbH angehört – die Schwellenwerte des § 267 HGB haben sich zuletzt 2024 geändert.
3 Laufzeitbänder
Restlaufzeiten-Gliederung nach § 285 Nr. 1 HGB
7,5 Mio. € Bilanzsumme
Schwelle kleine GmbH (ab GJ 2024)
450.000 € Bilanzsumme
Schwelle Mikro-GmbH (§ 267a HGB)
Häufig gestellte Fragen
Müssen kleine GmbH einen Verbindlichkeitenspiegel erstellen?
Nicht in vollem Umfang: Kleine GmbH nach § 267 Abs. 1 HGB sind nach § 288 Abs. 1 Nr. 1 HGB von der Aufgliederung je Posten (§ 285 Nr. 2 HGB) befreit. Sie müssen den Bilanzvermerk nach § 268 Abs. 5 HGB ausweisen (Beträge mit Restlaufzeit bis zu einem Jahr und über einem Jahr je Bilanzposten) und im Anhang die Gesamtbeträge nach § 285 Nr. 1 HGB angeben (Restlaufzeit über fünf Jahre; gesicherte Verbindlichkeiten mit Art und Form der Sicherheiten).
Was ist der Unterschied zwischen Anhangangabe und Bilanzvermerk beim Verbindlichkeitenspiegel?
Der Bilanzvermerk nach § 268 Abs. 5 HGB erscheint direkt beim Bilanzposten und nennt die Beträge mit Restlaufzeit bis zu einem Jahr und über einem Jahr. Die Anhangangabe nach § 285 Nr. 1 und 2 HGB enthält zusätzlich die vollständige Restlaufzeitgliederung (bis 1 Jahr, 1–5 Jahre, über 5 Jahre) und die Sicherheitenangaben in Tabellenform. Mittelgroße und große GmbH benötigen beides.
Wie werden Kontokorrentkredite im Verbindlichkeitenspiegel ausgewiesen?
Unbefristet kündbare oder täglich fällige Kontokorrentkredite werden vollständig im Laufzeitband „bis 1 Jahr" ausgewiesen, auch wenn sie dauerhaft in Anspruch genommen werden. Maßgeblich ist die formal vereinbarte Kündigungsfrist, nicht die tatsächliche Nutzungsdauer.
Muss der Verbindlichkeitenspiegel Vorjahreszahlen enthalten?
Gesetzlich nicht ausdrücklich: § 265 Abs. 2 HGB verlangt Vorjahresbeträge für die Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung. Im Verbindlichkeitenspiegel werden Vorjahreszahlen in der Praxis häufig freiwillig mit angegeben.
Wie behandle ich teilweise besicherte Verbindlichkeiten im Verbindlichkeitenspiegel?
Nur der tatsächlich besicherte Teilbetrag ist als „besichert" auszuweisen. Ist beispielsweise ein Darlehen von 1.000.000 € nur in Höhe von 800.000 € durch eine Grundschuld gesichert, sind 800.000 € als besicherter Betrag anzugeben. Art der Sicherheit und der besicherte Betrag müssen aus der Angabe klar hervorgehen.
Über Autor und Berufsprofil
Autor
Servet Gündogan
Büroleiter OnlineBilanz · Stuttgart
Erster Ansprechpartner für Kunden, koordiniert auf Wunsch die Zusammenarbeit mit kooperierenden Steuerberatern.
Berufsprofil
Fabian Klement
Wirtschaftsprüfer & Steuerberater · M.A.
Berufsangaben im persönlichen Profil
Schwerpunkt Jahresabschlussprüfung, Konzernreporting und E-Bilanz. Schwerpunkt fachliche Abschlussfragen. Informationen zum Tätigkeitsgebiet; keine individuelle Beratung durch diesen Beitrag.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Steuerliche Beratung im Einzelfall erteilen nur die nach dem Steuerberatungsgesetz dazu befugten Personen und Gesellschaften, insbesondere Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung. Stand der Rechtslage: Juli 2026.










Fabian Klement
Jakob Röß
Dr. Jeannine Dinnebier
