Drohverlustrückstellung ausweisen 2026: Bilanz & Buchung
Zuletzt aktualisiert: May 2026 · Lesezeit: ca. 10 Minuten
Eine Drohverlustrückstellung muss gebildet werden, wenn aus schwebenden Geschäften künftige Verluste drohen – das Imparitätsprinzip nach § 249 Abs. 1 HGB verpflichtet dazu. Der Ausweis in der Bilanz erfolgt unter den sonstigen Rückstellungen auf der Passivseite, die korrekte Bewertung und Buchung erfordern präzise Kenntnis der handelsrechtlichen Vorgaben. Dieser Artikel erklärt, wie Sie Drohverlustrückstellungen nach HGB 2026 rechtskonform ausweisen, berechnen und im Anhang dokumentieren.
Kurzantwort
Eine Drohverlustrückstellung wird nach § 249 Abs. 1 HGB gebildet, wenn aus schwebenden Geschäften künftige Verluste drohen. Sie wird in der Bilanz unter den sonstigen Rückstellungen auf der Passivseite ausgewiesen. Die Höhe ermittelt sich aus der Differenz zwischen den künftigen Ausgaben und den noch zu erwartenden Einnahmen aus dem Vertrag, wobei noch nicht angefallene Gemeinkosten außer Betracht bleiben.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine Drohverlustrückstellung und wann muss sie gebildet werden?
- Wie wird die Höhe der Drohverlustrückstellung korrekt berechnet?
- Wo wird die Drohverlustrückstellung in der Bilanz ausgewiesen?
- Wie wird die Drohverlustrückstellung korrekt gebucht?
- Welche Anhangsangaben sind bei Drohverlustrückstellungen erforderlich?
- In welchen Fällen entstehen Drohverlustrückstellungen in der Praxis?
- Welche Fehler sollten bei der Bildung und beim Ausweis vermieden werden?
- Wie werden latente Steuern bei Drohverlustrückstellungen berücksichtigt?
Was ist eine Drohverlustrückstellung und wann muss sie gebildet werden?
Eine Drohverlustrückstellung ist nach § 249 Abs. 1 HGB für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften zu bilden. Ein schwebendes Geschäft liegt vor, wenn beide Vertragsparteien ihre vertraglichen Hauptleistungspflichten noch nicht oder nur teilweise erfüllt haben. Die Rückstellung wird erforderlich, sobald der zu erwartende wirtschaftliche Nachteil aus der Erfüllung des Vertrags die noch zu erwartenden Erträge übersteigt.
Voraussetzungen für die Bildung
- Es muss ein schwebendes Geschäft vorliegen (beidseitige Verpflichtungen noch nicht erfüllt)
- Der Vertrag führt bei Erfüllung zu einem Nettoverlust (Aufwendungen übersteigen Erträge)
- Die Verlustwahrscheinlichkeit ist hinreichend konkret (mehr als 50 %)
- Der Verlust betrifft das abgelaufene Geschäftsjahr (wirtschaftliche Verursachung am Bilanzstichtag)
Praxis-Hinweis
Die Drohverlustrückstellung ist nach handelsrechtlichen Grundsätzen verpflichtend zu bilden. Steuerrechtlich ist sie nach § 5 Abs. 4a EStG seit 2010 nicht mehr anzusetzen, sodass sich hier eine latente Steuerdifferenz ergibt. Diese führt zu einer Ansatzpflicht für passive latente Steuern, die gemäß § 274 HGB zu berücksichtigen sind.
Typische Beispiele sind langfristige Lieferverträge mit fixierten Preisen bei gestiegenen Beschaffungskosten, Mietverträge für nicht mehr genutzte Räumlichkeiten oder Wartungsverträge, deren Erfüllung teurer wird als die vereinbarte Vergütung.
Wie wird die Höhe der Drohverlustrückstellung korrekt berechnet?
Die Bewertung der Drohverlustrückstellung folgt dem Grundsatz der vorsichtigen Bewertung nach § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB. Es sind sämtliche noch ausstehenden Aufwendungen den noch zu erwartenden Erträgen aus dem schwebenden Geschäft gegenüberzustellen. Maßgeblich ist die Differenz, die als Nettoverlust ermittelt wird.
Berechnungsschema in der Praxis
| Position | Betrag (€) | Erläuterung |
|---|---|---|
| Noch zu erwartende Erträge | 50.000 | Vertraglich vereinbarte Vergütung (netto) |
| Noch anfallende Einzelkosten | −35.000 | Material, Fremdleistungen, direkte Löhne |
| Noch anfallende Gemeinkosten | −20.000 | Anteilige Verwaltungs- und Vertriebskosten |
| Drohverlust (Rückstellungsbetrag) | 5.000 | Zu passivierende Rückstellung |
Bei der Ermittlung der Gemeinkosten ist umstritten, ob nur variable oder auch fixe Gemeinkosten einzubeziehen sind. Nach herrschender Meinung und IDW RS HFA 4 sind nur die dem schwebenden Geschäft zurechenbaren Kosten anzusetzen – also variable Gemeinkosten und solche Fixkosten, die durch das konkrete Geschäft verursacht werden.
Bewertungsvorbehalt
Künftige Preis- oder Kostensteigerungen dürfen nur dann berücksichtigt werden, wenn sie am Bilanzstichtag bereits hinreichend konkret absehbar sind. Allgemeine Inflationserwartungen oder spekulative Entwicklungen sind nicht ansatzfähig. Die Dokumentation der zugrunde gelegten Annahmen ist für die Abschlussprüfung zwingend erforderlich.
„In der Praxis erleben wir häufig, dass GmbHs die Gemeinkosten zu pauschal ansetzen oder künftige Entwicklungen nicht ausreichend dokumentieren. Eine saubere, nachvollziehbare Kalkulation ist nicht nur prüfungssicher, sondern schützt auch vor späteren Diskussionen mit dem Finanzamt bei der steuerlichen Mehr-Weniger-Rechnung.“
— Das OnlineBilanz Steuerberater-Team
Wo wird die Drohverlustrückstellung in der Bilanz ausgewiesen?
Der Ausweis der Drohverlustrückstellung erfolgt nach § 266 Abs. 3 HGB auf der Passivseite der Bilanz unter dem Posten B. Rückstellungen. Innerhalb der Rückstellungen ist sie nach § 266 Abs. 3 B. HGB unter Position 3. sonstige Rückstellungen zu subsumieren, da es sich weder um Pensionsrückstellungen noch um Steuerrückstellungen handelt.
Gliederungsschema nach § 266 HGB
- B. Rückstellungen
- 1. Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen
- 2. Steuerrückstellungen
- 3. Sonstige Rückstellungen ← hier: Drohverlustrückstellungen
In der Regel wird die Drohverlustrückstellung nicht gesondert ausgewiesen, sondern gemeinsam mit anderen Rückstellungen (z. B. für Gewährleistungen, Urlaubsansprüche, ausstehende Rechnungen) in einem Sammelposten sonstige Rückstellungen dargestellt. Eine Aufgliederung erfolgt dann im Anhang nach § 285 Nr. 12 HGB bzw. bei mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften im Rückstellungsspiegel.
Anhangangaben nach § 285 Nr. 12 HGB
Kapitalgesellschaften müssen im Anhang die Entwicklung der einzelnen Rückstellungsposten erläutern, sofern diese nicht von untergeordneter Bedeutung sind. Dazu gehören Angaben zum Anfangsbestand, Zuführungen, Verbrauch, Auflösungen und Endbestand. Für Drohverlustrückstellungen ist zudem eine kurze Erläuterung der zugrunde liegenden Geschäfte empfehlenswert, um die Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten.
Kleine Kapitalgesellschaften (§ 288 HGB)
Erleichterungen bei den Anhangangaben möglich, aber Rückstellungsentwicklung muss bei Wesentlichkeit trotzdem dargestellt werden.
Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften
Detaillierter Rückstellungsspiegel im Anhang erforderlich mit Aufgliederung nach Arten und Entwicklung im Geschäftsjahr.
Wie wird die Drohverlustrückstellung korrekt gebucht?
Die Buchung der Drohverlustrückstellung erfolgt erfolgswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung. Die Zuführung mindert das Ergebnis des Geschäftsjahres, die Auflösung erhöht es entsprechend. Die korrekte Verbuchung ist entscheidend für die periodengerechte Erfolgsermittlung nach § 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB (Abgrenzung der Sache und der Zeit nach).
Buchungssätze bei Bildung und Auflösung
| Geschäftsvorfall | Soll | Haben | Betrag (€) |
|---|---|---|---|
| Bildung der Rückstellung zum 31.12.2025 | Aufwand für Drohverlustrückstellung | Sonstige Rückstellungen | 5.000 |
| Auflösung bei Vertragserfüllung (Folgejahr) | Sonstige Rückstellungen | Ertrag aus Auflösung von Rückstellungen | 5.000 |
| Teilauflösung bei geringerem Verlust | Sonstige Rückstellungen | Ertrag aus Auflösung von Rückstellungen | 2.000 |
Der Aufwand wird in der GuV nach dem Gesamtkostenverfahren unter Position 10. sonstige betriebliche Aufwendungen (§ 275 Abs. 2 Nr. 10 HGB) oder beim Umsatzkostenverfahren in den entsprechenden Funktionsbereichen (Herstellungskosten, Vertriebskosten, Verwaltungskosten) erfasst. Die Auflösung erfolgt analog unter den sonstigen betrieblichen Erträgen (§ 275 Abs. 2 Nr. 5 HGB).
Steuerliche Mehr-Weniger-Rechnung
Da die Drohverlustrückstellung steuerlich nach § 5 Abs. 4a EStG nicht anerkannt wird, muss in der Steuerbilanz bzw. bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens eine außerbilanzielle Hinzurechnung erfolgen. Ebenso ist die spätere Auflösung außerbilanziell wieder abzuziehen. Diese Differenz führt zu latenten Steuern, die nach § 274 HGB zu bilanzieren sind.
„Die korrekte Verbuchung der Drohverlustrückstellung ist nicht nur eine Frage der HGB-Konformität, sondern auch der Transparenz gegenüber Gesellschaftern und Banken. Wer seinen Jahresabschluss durch einen Steuerberater erstellen lässt, kann sicher sein, dass alle erforderlichen Buchungen, Anhangangaben und latenten Steuern fachgerecht berücksichtigt werden.“
— Servet Gündogan, Büroleiter OnlineBilanz Stuttgart
Welche Anhangsangaben sind bei Drohverlustrückstellungen erforderlich?
Nach § 285 Nr. 12 HGB sind Kapitalgesellschaften verpflichtet, im Anhang die Entwicklung der einzelnen Rückstellungsposten darzustellen, sofern diese nicht von untergeordneter Bedeutung sind. Für Drohverlustrückstellungen bedeutet das: Es muss nachvollziehbar sein, wie sich der Bestand im Geschäftsjahr verändert hat und auf welchen Sachverhalten die Rückstellung basiert.
Pflichtangaben im Rückstellungsspiegel
-
Anfangsbestand zum 01.01.2025
-
Zuführungen im Geschäftsjahr (erfolgswirksam)
-
Verbrauch (d. h. tatsächlicher Eintritt des Verlusts)
-
Auflösungen (nicht benötigte Beträge)
-
Endbestand zum 31.12.2025
Darüber hinaus ist es empfehlenswert, im Anhang kurz zu erläutern, welche Art von schwebenden Geschäften der Rückstellung zugrunde liegt (z. B. Lieferverträge, Mietverträge, Werkverträge) und welche wesentlichen Annahmen bei der Bewertung getroffen wurden. Dies erhöht die Transparenz und erleichtert die Abschlussprüfung.
Offenlegung beim Unternehmensregister
Der Jahresabschluss samt Anhang ist nach § 325 HGB innerhalb von 12 Monaten nach dem Bilanzstichtag beim Unternehmensregister offenzulegen (nicht beim Bundesanzeiger – diese Zuständigkeit ist seit dem DiRUG zum 01.08.2022 auf das Unternehmensregister übergegangen). Für den Bilanzstichtag 31.12.2025 endet die Offenlegungsfrist somit am 31.12.2026.
Sanktionen bei Fristversäumnis
Bei verspäteter oder unterlassener Offenlegung droht ein Ordnungsgeldverfahren nach § 335 HGB mit Ordnungsgeldern zwischen 500 und 25.000 Euro. Die Festsetzung erfolgt durch das Bundesamt für Justiz nach Aufforderung durch das Unternehmensregister. Eine fristgerechte Einreichung ist daher dringend zu beachten.
Wer die Erstellung und Offenlegung des Jahresabschlusses professionell und fristgerecht abwickeln möchte, kann auf digitale Steuerberater-Plattformen wie OnlineBilanz zurückgreifen. Dort übernehmen zugelassene Steuerberater die gesamte Abwicklung – von der Buchführung über die Erstellung des Jahresabschlusses bis zur elektronischen Übermittlung ans Unternehmensregister.
In welchen Fällen entstehen Drohverlustrückstellungen in der Praxis?
Drohverlustrückstellungen werden in der Unternehmenspraxis vor allem bei langfristigen Verträgen erforderlich, deren wirtschaftliche Rahmenbedingungen sich nach Vertragsschluss nachteilig verändert haben. Die häufigsten Anwendungsfälle betreffen Beschaffungs-, Absatz- und Dienstleistungsverträge.
Typische Fallkonstellationen
Lieferverträge mit Preisbindung
Ein Unternehmen hat sich vertraglich verpflichtet, Waren zu einem Festpreis zu liefern. Die Beschaffungskosten sind zwischenzeitlich so stark gestiegen, dass jede weitere Lieferung einen Verlust erzeugt.
Langfristige Mietverträge
Ein Unternehmen hat Büroräume angemietet, die aufgrund von Umstrukturierungen nicht mehr genutzt werden. Die Miete läuft weiter, ohne dass ein wirtschaftlicher Nutzen erzielt wird. Die künftigen Mietzahlungen begründen einen Drohverlust.
Werkverträge mit Festpreis
Ein Bauunternehmen oder Dienstleister hat einen Werkvertrag zu einem Festpreis abgeschlossen. Aufgrund von Verzögerungen, Mehraufwand oder gestiegenen Lohnkosten wird die Fertigstellung teurer als die vereinbarte Vergütung.
Auch im Beschaffungsbereich können Drohverlustrückstellungen erforderlich werden, etwa bei langfristigen Abnahmeverpflichtungen von Rohstoffen oder Vorprodukten, wenn der Marktpreis unter den vertraglich fixierten Preis fällt und eine Weiterverarbeitung oder ein Weiterverkauf nur mit Verlust möglich ist.
Abgrenzung zu anderen Rückstellungen
| Rückstellungsart | Charakteristik | Abgrenzung |
|---|---|---|
| Drohverlustrückstellung | Schwebendes Geschäft, Nettoverlust erwartet | Beide Parteien haben Hauptleistung noch nicht erbracht |
| Gewährleistungsrückstellung | Für bereits erbrachte Leistungen | Leistung bereits erfüllt, Nachbesserungspflicht droht |
| Prozessrückstellung | Für drohende Verbindlichkeiten aus Rechtsstreitigkeiten | Kein schwebendes Geschäft, sondern rechtliche Auseinandersetzung |
| Rückstellung für unterlassene Instandhaltung | Nachholung innerhalb von 3 Monaten geplant | Keine vertragliche Verpflichtung, sondern Verschiebung eigener Maßnahme |
„Wir sehen regelmäßig, dass GmbHs unsicher sind, ob eine Rückstellung für drohende Verluste oder eine andere Rückstellungsart anzusetzen ist. Entscheidend ist immer die Frage: Liegt ein schwebendes Geschäft vor, bei dem beide Seiten noch zu leisten haben? Wenn ja, und wenn ein Nettoverlust droht, ist die Drohverlustrückstellung der richtige Ansatz.“
— Das OnlineBilanz Steuerberater-Team
Welche Fehler sollten bei der Bildung und beim Ausweis vermieden werden?
Die korrekte Bildung und der Ausweis von Drohverlustrückstellungen gehören zu den anspruchsvolleren Aufgaben im Jahresabschluss. In der Praxis treten immer wieder typische Fehler auf, die zu fehlerhaften Bilanzen, Beanstandungen durch den Abschlussprüfer oder steuerlichen Nachteilen führen können.
Die häufigsten Fehlerquellen
- Zu späte Bildung: Die Rückstellung wird erst gebildet, wenn der Verlust bereits eingetreten ist – dann handelt es sich aber um eine Verbindlichkeit, nicht mehr um eine Rückstellung.
- Falsche Bewertung: Gemeinkosten werden pauschal angesetzt, ohne dass eine verursachungsgerechte Zurechnung erfolgt. Dies führt zu einer Überbewertung der Rückstellung.
- Fehlende Dokumentation: Die Annahmen und Berechnungsgrundlagen werden nicht schriftlich festgehalten, sodass die Nachvollziehbarkeit fehlt.
- Nichtberücksichtigung künftiger Erträge: Nur die zusätzlichen Kosten werden betrachtet, nicht aber die noch zu erwartenden Einnahmen aus dem Vertrag.
- Steuerliche Nichtanpassung: Die handelsrechtliche Rückstellung wird ohne Korrektur in die Steuerbilanz übernommen, obwohl sie dort nicht ansatzfähig ist (§ 5 Abs. 4a EStG).
Vorsicht bei pauschalen Ansätzen
Pauschale Ansätze (z. B. ‚wir bilden 10 % des Umsatzes als Drohverlustrückstellung‘) sind handelsrechtlich unzulässig. Jede Drohverlustrückstellung muss einzeln, konkret und nachvollziehbar ermittelt werden. Bei Betriebsprüfungen oder Abschlussprüfungen wird genau hierauf geachtet.
Checkliste zur Fehlervermeidung
-
Prüfung, ob tatsächlich ein schwebendes Geschäft vorliegt
-
Ermittlung aller noch ausstehenden Erträge und Aufwendungen
-
Berücksichtigung nur der verursachungsgerechten Gemeinkosten
-
Schriftliche Dokumentation der Berechnungsgrundlagen und Annahmen
-
Abstimmung mit dem Steuerberater zur steuerlichen Behandlung und latenten Steuern
-
Aufnahme in den Rückstellungsspiegel im Anhang
-
Prüfung der Notwendigkeit einer Anpassung oder Auflösung im Folgejahr
Unternehmen, die ihren Jahresabschluss nicht selbst erstellen möchten oder unsicher bei der Rückstellungsbildung sind, können auf spezialisierte Steuerberater zurückgreifen. Plattformen wie OnlineBilanz bieten digitale Steuerberater-Leistungen mit transparenten Festpreisen an – die fachliche Prüfung und rechtssichere Erstellung des Jahresabschlusses erfolgt durch zugelassene Steuerberater.
Wie werden latente Steuern bei Drohverlustrückstellungen berücksichtigt?
Die Drohverlustrückstellung führt zwangsläufig zu einer Differenz zwischen Handels- und Steuerbilanz, da sie nach § 5 Abs. 4a EStG steuerlich seit 2010 nicht mehr anerkannt wird. Diese Differenz ist nach § 274 HGB bzw. § 306 HGB als latente Steuer zu bilanzieren, sofern die Gesellschaft nicht von den Erleichterungen für kleine Kapitalgesellschaften Gebrauch macht.
Entstehung und Berechnung latenter Steuern
Handelsrechtlich mindert die Drohverlustrückstellung den Gewinn und damit das Eigenkapital. Steuerlich erfolgt keine Gewinnminderung. Es entsteht eine passive Differenz, die zu einer aktiven latenten Steuer führt. Die aktive latente Steuer ergibt sich aus der Differenz multipliziert mit dem geltenden Ertragsteuersatz (Körperschaftsteuer 15 % + Solidaritätszuschlag 5,5 % auf KSt + Gewerbesteuer je nach Hebesatz).
| Position | Handelsbilanz (€) | Steuerbilanz (€) | Differenz (€) |
|---|---|---|---|
| Drohverlustrückstellung | 5.000 | 0 | 5.000 |
| Gewinn vor Steuern | 95.000 | 100.000 | −5.000 |
| Steuerbelastung (30 % effektiv) | 28.500 | 30.000 | −1.500 |
| Aktive latente Steuer | 1.500 | — | — |
Die aktive latente Steuer von 1.500 Euro wird auf der Aktivseite der Bilanz unter Position D. Aktive latente Steuern (§ 266 Abs. 2 D. HGB) ausgewiesen. Sie führt handelsrechtlich zu einer Erhöhung des Jahresüberschusses um 1.500 Euro, da die Steuerbelastung niedriger ausfällt als handelsrechtlich erwartet.
Umkehrung der Differenz im Folgejahr
Sobald die Drohverlustrückstellung im Folgejahr aufgelöst wird (weil der Verlust eingetreten ist oder der Vertrag ohne Verlust erfüllt wurde), kehrt sich die Differenz um. Handelsrechtlich entsteht ein Ertrag (Auflösung der Rückstellung), steuerlich ist dieser Ertrag ebenfalls zu versteuern, da die Rückstellung steuerlich nie gebildet wurde. Die aktive latente Steuer ist entsprechend aufzulösen.
Erleichterungen für kleine Kapitalgesellschaften
Kleine Kapitalgesellschaften im Sinne des § 267 Abs. 1 HGB können nach § 274a Nr. 5 HGB auf den Ansatz aktiver latenter Steuern verzichten. Dies vereinfacht den Abschluss erheblich, ist aber ein Wahlrecht – einmal ausgeübt, sollte es stetig beibehalten werden (Stetigkeitsprinzip nach § 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB).
„Die Bilanzierung latenter Steuern ist für viele Mandanten eine Herausforderung. Wir empfehlen, diese Thematik nicht selbst zu bearbeiten, sondern dem Steuerberater zu überlassen. Gerade bei GmbHs mit mehreren temporären Differenzen (z. B. Drohverlustrückstellung, Abschreibungsunterschiede, Rückstellungen) ist eine professionelle Berechnung und Dokumentation unerlässlich.“
— Das OnlineBilanz Steuerberater-Team
Häufig gestellte Fragen
Muss eine Drohverlustrückstellung auch bei geringfügigen drohenden Verlusten gebildet werden?
Ja, grundsätzlich besteht nach § 249 Abs. 1 HGB eine Passivierungspflicht für alle drohenden Verluste aus schwebenden Geschäften, unabhängig von der Höhe. Eine Wesentlichkeitsgrenze gibt es im Gesetz nicht. In der Praxis werden jedoch aus Wirtschaftlichkeitsgründen Bagatellbeträge häufig vernachlässigt, sofern dies den Grundsatz der Bilanzwahrheit nicht verletzt und keine wesentliche Auswirkung auf das Bilanzbild hat.
Wie ist bei mehrjährigen Verträgen mit Drohverlusten vorzugehen?
Bei mehrjährigen Verträgen ist der gesamte künftige Verlust bis Vertragsende am Bilanzstichtag zu berücksichtigen. Künftige Verluste sind grundsätzlich abzuzinsen, wenn der Erfüllungszeitpunkt mehr als ein Jahr nach dem Bilanzstichtag liegt. Die Rückstellung ist in jedem Folgejahr neu zu bewerten und gegebenenfalls anzupassen, wenn sich die Verlusterwartung ändert.
Kann eine bereits gebildete Drohverlustrückstellung wieder aufgelöst werden?
Ja, wenn die Gründe für die Rückstellungsbildung entfallen sind – etwa weil der Vertrag vorzeitig beendet wurde, sich die Kostensituation verbessert hat oder der drohende Verlust tatsächlich nicht mehr zu erwarten ist. Die Auflösung erfolgt erfolgswirksam über das Konto ‚Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen‘ und ist im Anhang zu erläutern, wenn sie wesentlich ist.
Welche Rolle spielt das Realisationsprinzip bei Drohverlustrückstellungen?
Das Imparitätsprinzip durchbricht hier das Realisationsprinzip: Während Gewinne erst bei Realisation ausgewiesen werden dürfen, müssen drohende Verluste bereits dann berücksichtigt werden, wenn sie am Bilanzstichtag erkennbar sind – auch wenn der Vertrag noch nicht erfüllt wurde. Dies folgt aus dem Vorsichtsprinzip des § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB und soll eine Überbewertung des Eigenkapitals verhindern.
Gibt es Unterschiede zwischen HGB und IFRS bei Drohverlustrückstellungen?
Ja, erhebliche. Nach HGB besteht eine eigenständige Passivierungspflicht für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften gemäß § 249 Abs. 1 HGB. Nach IFRS (IAS 37) gibt es diese Kategorie nicht: Hier werden nur ‚onerous contracts‘ berücksichtigt, wenn die unvermeidbaren Kosten aus dem Vertrag den erwarteten Nutzen übersteigen. Die Bewertungsmaßstäbe und Ansatzkriterien unterscheiden sich teilweise deutlich.
Wer haftet bei fehlerhaftem Ausweis einer Drohverlustrückstellung?
Die Geschäftsführung bzw. der Vorstand trägt die Verantwortung für die ordnungsgemäße Bilanzierung nach § 264 Abs. 1 HGB. Bei vorsätzlich oder grob fahrlässig fehlerhafter Bilanzierung können Schadensersatzansprüche der Gesellschaft, der Gesellschafter oder Dritter entstehen. Der Abschlussprüfer haftet bei schuldhafter Pflichtverletzung im Rahmen seiner Prüfungstätigkeit. Steuerberater, die den Jahresabschluss erstellen, haften nach den Grundsätzen des Dienstvertrags.
Hinweis: Dieser Artikel dient zu allgemeinen Informationszwecken. Für Ihren konkreten Jahresabschluss erstellt ein zugelassener Steuerberater von OnlineBilanz die Bilanz, prüft sie fachlich und unterzeichnet rechtsverbindlich. Gesetzliche Grundlagen: § 249 HGB (Rückstellungen), § 252 HGB (Allgemeine Bewertungsgrundsätze), § 264 HGB (Pflicht zur Aufstellung), § 285 HGB (Sonstige Pflichtangaben). Nächste redaktionelle Prüfung: Oktober 2026.


