Bilanz Architekturbüro 2026: Pflichten & Fristen
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 · Lesezeit: ca. 10 Minuten
Architekturbüros in der Rechtsform einer GmbH oder UG unterliegen stets der Bilanzierungspflicht nach HGB; freiberuflich tätige Einzelarchitekten und Partnerschaften können ihren Gewinn dagegen per Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln. Besondere Herausforderungen liegen in der Bewertung unfertiger Leistungen nach § 255 HGB, der Forderungsbewertung bei langfristigen Projekten und der korrekten Rückstellungsbildung. Ähnliche Fragestellungen kennen auch junge Unternehmen – mehr dazu in unserem Beitrag zur Bilanz im Startup. Dieser Leitfaden erklärt alle Pflichten, Fristen und fachlichen Besonderheiten für Jahresabschlüsse von Architekturbüros im Jahr 2026.
Kurzantwort
Architekturbüros in der Rechtsform einer GmbH oder UG müssen stets eine Bilanz erstellen; freiberuflich tätige Einzelarchitekten und Partnerschaften sind nicht buchführungspflichtig und können eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellen. Typische Herausforderungen sind die Bewertung unfertiger Leistungen nach § 255 HGB, die Forderungsbewertung bei langfristigen Projekten und projektbezogene Rückstellungen. Ähnliche Pflichten gelten auch für Personengesellschaften: Wer etwa als Offene Handelsgesellschaft bilanziert, muss vergleichbare Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung beachten. Kapitalgesellschaften unterliegen darüber hinaus den Offenlegungspflichten nach § 325 HGB mit Fristen von 12 Monaten nach dem Bilanzstichtag.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist die Bilanz eines Architekturbüros und welche Besonderheiten gelten?
- Wer muss im Architekturbüro eine Bilanz erstellen?
- Wie werden unfertige Leistungen im Architekturbüro bewertet?
- Welche Besonderheiten gelten bei der Forderungsbewertung?
- Welche Rückstellungen sind für Architekturbüros relevant?
- Welche Größenklassen und Offenlegungspflichten gelten?
- Welche Fristen gelten für Feststellung und Offenlegung?
- Wie unterstützen digitale Buchhaltung und Software die Bilanzerstellung?
- Sollte die Bilanz durch einen Steuerberater erstellt werden?
Was ist die Bilanz eines Architekturbüros und welche Besonderheiten gelten?
Die Bilanz eines Architekturbüros ist die systematische Gegenüberstellung von Vermögen (Aktiva) und Kapital (Passiva) zum Bilanzstichtag, in der Regel dem 31.12.2025 für das Geschäftsjahr 2025. Für Architekturbüros in der Rechtsform der GmbH besteht nach § 242 HGB die Pflicht zur Aufstellung eines Jahresabschlusses, bestehend aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung. Nach § 264 Abs. 1 HGB ist dieser um einen Anhang zu erweitern.
Architekturbüros weisen branchenspezifische Besonderheiten auf, die sich in der Bilanzierung niederschlagen. Dazu zählen insbesondere langfristige Projektlaufzeiten, die Abrechnung nach Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI), sowie die Notwendigkeit zur Abgrenzung angefangener, aber noch nicht abrechenbarer Leistungen. Diese unfertigen Leistungen sind nach § 266 Abs. 2 HGB unter den Vorräten als unfertige Erzeugnisse bzw. unfertige Leistungen zu aktivieren.
Typische Bilanzpositionen eines Architekturbüros
Aktivseite
- Anlagevermögen: Software, Büroausstattung, ggf. Immobilien
- Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (oft hoher Anteil)
- Unfertige Leistungen (Projekte in Bearbeitung)
- Kassenbestand und Bankguthaben
Passivseite
- Eigenkapital (Stammkapital, Gewinnrücklagen)
- Rückstellungen (z. B. für Gewährleistungen, ausstehende Rechnungen)
- Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
- Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
Hinweis
Die korrekte Bewertung unfertiger Leistungen ist für Architekturbüros erfolgsentscheidend. Nicht aktivierte Leistungen führen zur Unterbewertung des Vermögens und verfälschen das Ergebnis. Eine saubere Projektbuchhaltung ist daher unerlässlich.
Wer muss im Architekturbüro eine Bilanz erstellen?
Die Bilanzierungspflicht für Architekturbüros hängt von der Rechtsform und der Größe des Unternehmens ab. Nach § 238 Abs. 1 HGB ist jeder Kaufmann verpflichtet, Bücher zu führen und einen Jahresabschluss aufzustellen. Für Architekturbüros in der Rechtsform einer GmbH gilt diese Pflicht unabhängig von der Größe, da Kapitalgesellschaften nach § 6 HGB immer als Kaufleute einzustufen sind.
Freiberuflich tätige Architekten (§ 18 EStG) als Einzelunternehmer oder in einer GbR bzw. Partnerschaftsgesellschaft sind weder nach HGB noch nach § 141 AO buchführungspflichtig – § 141 AO gilt nur für gewerbliche Unternehmer sowie Land- und Forstwirte. Sie können ihren Gewinn per Einnahmen-Überschuss-Rechnung (§ 4 Abs. 3 EStG) ermitteln. Ist das Architekturbüro als GmbH organisiert, besteht dagegen stets Bilanzierungspflicht.
Übersicht: Bilanzierungspflicht nach Rechtsform
| Rechtsform | Bilanzierungspflicht | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| GmbH (Architektur-GmbH) | Ja, immer | § 242 HGB, § 264 HGB |
| Einzelunternehmen | Bei freiberuflicher Tätigkeit nein (EÜR möglich) | § 4 Abs. 3 EStG; § 141 AO gilt nicht für Freiberufler |
| GbR / Partnerschaft | Bei freiberuflicher Tätigkeit nein (EÜR möglich) | § 4 Abs. 3 EStG; § 141 AO gilt nicht für Freiberufler |
| UG (haftungsbeschränkt) | Ja, immer | § 242 HGB, § 264 HGB |
Wie werden unfertige Leistungen im Architekturbüro bewertet?
Unfertige Leistungen stellen für Architekturbüros eine der wichtigsten und zugleich anspruchsvollsten Bilanzpositionen dar. Sie entstehen, wenn Planungs- oder Betreuungsleistungen erbracht wurden, die noch nicht abgerechnet werden können, weil die Leistungsphasen nach HOAI noch nicht abgeschlossen oder die Abschlagsrechnungen noch nicht gestellt sind. Nach § 266 Abs. 2 HGB sind diese als Umlaufvermögen unter den Vorräten auszuweisen.
Die Bewertung erfolgt nach § 255 Abs. 2 und 3 HGB zu Herstellungskosten. Dazu zählen sämtliche Aufwendungen, die dem jeweiligen Projekt direkt zugeordnet werden können: insbesondere Personalkosten der Architekten und technischen Mitarbeiter, anteilige Gemeinkosten (z. B. Büromiete, Software, Versicherungen) sowie Fremdleistungen (z. B. Fachingenieure, externe Gutachter). Nicht einzubeziehen sind Vertriebskosten und Finanzierungskosten.
Praxisbeispiel: Bewertung eines laufenden Projekts
Ein Architekturbüro erbringt für ein Bauprojekt Leistungen der Leistungsphasen 1–5 nach HOAI. Bis zum Bilanzstichtag 31.12.2025 wurden folgende Kosten erfasst: Personalkosten 45.000 Euro, anteilige Gemeinkosten 8.000 Euro, Fremdleistungen (Statiker) 6.000 Euro. Die Abrechnung gegenüber dem Auftraggeber erfolgt erst im Januar 2026 nach Abschluss der Leistungsphase 5. Die unfertigen Leistungen sind daher mit insgesamt 59.000 Euro zu aktivieren.
Achtung
Werden unfertige Leistungen nicht oder falsch bewertet, entsteht eine erhebliche Ergebnisverfälschung. Eine zu niedrige Aktivierung führt zu einem zu geringen Gewinn im laufenden Jahr und einer Gewinnverlagerung in das Folgejahr. Eine detaillierte Projektzeiterfassung und Kostenzuordnung ist daher zwingend erforderlich.
Herausforderungen bei der Erfassung
- Lückenhafte Zeiterfassung: Nicht alle Mitarbeiter erfassen ihre Stunden projektscharf.
- Fehlende Kostenstellenrechnung: Gemeinkosten werden pauschal geschätzt, nicht verursachungsgerecht zugeordnet.
- Abgrenzungsprobleme: Welche Leistungen sind wirtschaftlich schon erbracht, aber noch nicht abgerechnet?
- Fremdleistungen: Rechnungen von Subunternehmern oder Ingenieuren gehen nachträglich ein.
- Gewährleistungsrisiken: Bei bereits abgerechneten Projekten können nachträgliche Mängelbeseitigungen anfallen.
Welche Besonderheiten gelten bei der Forderungsbewertung?
Architekturbüros weisen häufig einen hohen Anteil an Forderungen aus Lieferungen und Leistungen auf. Die Bewertung erfolgt grundsätzlich zum Nennwert nach § 253 Abs. 1 HGB. Allerdings sind zum Bilanzstichtag alle erkennbaren Risiken durch Abschreibungen oder Wertberichtigungen zu berücksichtigen (§ 253 Abs. 4 HGB). Dies betrifft insbesondere Forderungen, die älter als 90 Tage sind, oder Auftraggeber, die sich in Zahlungsschwierigkeiten befinden.
In der Baubranche kommt es häufig zu Zahlungsverzögerungen durch Streitigkeiten über die Abnahme, Mängel oder die Honorarhöhe nach HOAI. Solche Forderungen sind kritisch zu prüfen. Bei konkreten Ausfallrisiken (z. B. Insolvenzverfahren, gerichtliche Auseinandersetzung) ist eine Einzelwertberichtigung vorzunehmen. Darüber hinaus empfiehlt sich eine pauschale Wertberichtigung (z. B. 1–2 % auf alle Forderungen) zur Berücksichtigung des allgemeinen Ausfallrisikos.
Typische Forderungsrisiken im Architekturbüro
-
Streitigkeiten über die Abrechnung nach HOAI (z. B. Anrechenbarkeit von Leistungen)
-
Bauherren in finanziellen Schwierigkeiten oder Insolvenz
-
Mängelrügen, die zur Zurückhaltung von Zahlungen führen
-
Forderungen gegen öffentliche Auftraggeber: lange Zahlungsziele, aber geringes Ausfallrisiko
-
Gewährleistungsvorbehalt: Einbehalt von 5–10 % bis zur Abnahme oder Ablauf der Gewährleistungsfrist
Hinweis
Bei der Bewertung von Forderungen sollte stets eine detaillierte Fälligkeitsanalyse (Aging-Liste) erstellt werden. Forderungen über 90 Tage, die nicht geltend gemacht oder angemahnt wurden, sind erfahrungsgemäß mit einem höheren Ausfallrisiko behaftet.
In der Praxis sehen wir häufig, dass Architekturbüros ihre Forderungen zu optimistisch bewerten. Gerade bei Bauprojekten mit nachträglichen Mängelrügen oder Nachträgen sollten Risiken frühzeitig erkannt und in der Bilanz abgebildet werden.
Welche Rückstellungen sind für Architekturbüros relevant?
Rückstellungen sind nach § 249 HGB für ungewisse Verbindlichkeiten und drohende Verluste aus schwebenden Geschäften zu bilden. Für Architekturbüros sind insbesondere Rückstellungen für Gewährleistungsverpflichtungen von zentraler Bedeutung. Nach § 634a BGB beträgt die Verjährungsfrist für Mängelansprüche bei Bauwerken fünf Jahre ab Abnahme. Bis zu diesem Zeitpunkt können Auftraggeber Nachbesserungen oder Schadensersatz verlangen.
Weitere häufige Rückstellungen betreffen ausstehende Rechnungen von Fremdleistern (z. B. Fachingenieure, Gutachter), noch nicht genommenen Urlaub der Mitarbeiter, Prozesskosten bei Rechtsstreitigkeiten sowie Steuerberatungs- und Abschlussprüfungskosten. Die Bewertung erfolgt nach § 253 Abs. 1 Satz 2 HGB in Höhe des nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrags.
Typische Rückstellungen im Architekturbüro
| Rückstellungsart | Rechtsgrundlage | Bewertungsansatz |
|---|---|---|
| Gewährleistung / Mängelhaftung | § 634a BGB | Schätzung auf Basis betrieblicher Erfahrungswerte |
| Ausstehende Eingangsrechnungen | § 249 Abs. 1 HGB | Erwartete Rechnungsbeträge für bereits erbrachte Leistungen |
| Urlaubsrückstellung | § 249 Abs. 1 HGB | Offene Urlaubstage × Tagessatz inkl. Arbeitgeberanteile |
| Steuerberatungs- und Prüfungskosten | § 249 Abs. 1 HGB | Geschätzte Honorare für Jahresabschluss und Beratung |
| Prozesskosten | § 249 Abs. 1 HGB | Anwalts-, Gerichts- und Gutachterkosten bei laufenden Verfahren |
Achtung
Die Gewährleistungsrückstellung wird in der Praxis oft unterschätzt. Gerade bei großen Bauprojekten können nachträgliche Mängel erhebliche Kosten verursachen. Eine Pauschalrückstellung auf Basis betrieblicher Erfahrungswerte ist möglich, sollte aber projektspezifisch angepasst werden.
Für die Bildung von Rückstellungen ist eine genaue Dokumentation der zugrunde liegenden Sachverhalte notwendig. Die Rückstellung muss am Bilanzstichtag wirtschaftlich verursacht, hinreichend konkretisiert und ernsthaft wahrscheinlich sein. Schätzungen sind nachvollziehbar zu begründen.
Welche Größenklassen und Offenlegungspflichten gelten?
Kapitalgesellschaften werden nach § 267 HGB in drei Größenklassen eingeteilt: klein, mittelgroß und groß. Die Zuordnung erfolgt anhand von drei Kriterien — Bilanzsumme, Umsatzerlöse und durchschnittliche Arbeitnehmerzahl —, die an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen über- bzw. unterschritten werden müssen. Für Architekturbüros in der Rechtsform einer GmbH hat die Größenklasse erhebliche Auswirkungen auf Umfang und Fristen des Jahresabschlusses sowie die Offenlegungspflichten.
Größenklassen nach § 267 HGB (Stand 2026)
| Größenklasse | Bilanzsumme | Umsatzerlöse | Arbeitnehmer |
|---|---|---|---|
| Klein | ≤ 7,5 Mio. € | ≤ 15 Mio. € | ≤ 50 |
| Mittelgroß | ≤ 25 Mio. € | ≤ 50 Mio. € | ≤ 250 |
| Groß | > 25 Mio. € | > 50 Mio. € | > 250 |
Eine GmbH gilt als klein, wenn sie mindestens zwei der drei Kriterien an zwei aufeinanderfolgenden Bilanzstichtagen nicht überschreitet. Kleine Kapitalgesellschaften genießen Erleichterungen: Sie dürfen die Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung in verkürzter Form aufstellen (§ 266 Abs. 1 Satz 3 HGB, § 276 HGB) und müssen keinen Lagebericht erstellen. Zudem entfällt die Prüfungspflicht nach § 316 Abs. 1 HGB.
Offenlegungspflichten nach § 325 HGB
Seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Umsetzung der Digitalisierungsrichtlinie (DiRUG) am 01.08.2022 erfolgt die Offenlegung des Jahresabschlusses ausschließlich beim Unternehmensregister, nicht mehr beim Bundesanzeiger. Die Offenlegungsfrist beträgt nach § 325 Abs. 1 HGB zwölf Monate nach dem Bilanzstichtag. Für einen Bilanzstichtag 31.12.2025 endet die Frist somit am 31.12.2026.
- Kleine GmbH: Offenlegung von Bilanz und Anhang; GuV muss nicht offengelegt werden (§ 326 Abs. 1 HGB).
- Mittelgroße GmbH: Offenlegung von Bilanz, GuV, Anhang, Lagebericht und Bestätigungsvermerk (Erleichterungen nach § 327 HGB).
- Große GmbH: Offenlegung aller Unterlagen einschließlich Bestätigungsvermerk ohne Erleichterungen.
- Bei Nichtoffenlegung droht ein Ordnungsgeldverfahren nach § 335 HGB mit Ordnungsgeldern von 2.500 bis 25.000 Euro.
Hinweis
Kleinere Architekturbüros mit GmbH-Struktur profitieren von den Erleichterungen für kleine Kapitalgesellschaften. Die verkürzte Darstellung und der Verzicht auf den Lagebericht reduzieren den Aufwand erheblich — die Offenlegungspflicht beim Unternehmensregister bleibt aber bestehen.
Welche Fristen gelten für Feststellung und Offenlegung?
Für GmbHs gelten neben den allgemeinen handelsrechtlichen Fristen besondere gesellschaftsrechtliche Vorgaben. Nach § 42a Abs. 1 GmbHG hat die Geschäftsführung den Jahresabschluss aufzustellen und der Gesellschafterversammlung zur Feststellung vorzulegen. Für die Feststellung gilt nach § 42a Abs. 2 GmbHG je nach Größenklasse:
- Kleine GmbH: 11 Monate nach Ablauf des Geschäftsjahrs (für 2025: bis 30.11.2026)
- Mittelgroße und große GmbH: 8 Monate nach Ablauf des Geschäftsjahrs (für 2025: bis 31.08.2026)
Die Offenlegungsfrist nach § 325 Abs. 1 HGB beträgt einheitlich zwölf Monate nach dem Bilanzstichtag, also für das Geschäftsjahr 2025 bis zum 31.12.2026. Diese Frist ist unabhängig von der Größenklasse und läuft ab dem Bilanzstichtag – nicht ab der Feststellung. Wird der Jahresabschluss erst im November 2026 festgestellt, verbleibt also nur noch ein Monat bis zur Offenlegung.
Übersicht: Fristen für Bilanzstichtag 31.12.2025
| Vorgang | Kleine GmbH | Mittelgroße/Große GmbH |
|---|---|---|
| Aufstellung Jahresabschluss | Bis 30.06.2026 (6 Monate) | Bis 31.03.2026 (3 Monate) |
| Feststellung Jahresabschluss | Bis 30.11.2026 | Bis 31.08.2026 |
| Offenlegung (§ 325 HGB) | Bis 31.12.2026 | Bis 31.12.2026 |
| Ordnungsgeld bei Versäumnis | 2.500 – 25.000 € | 2.500 – 25.000 € |
Achtung
Wird die Offenlegungsfrist nicht eingehalten, leitet das Bundesamt für Justiz von Amts wegen ein Ordnungsgeldverfahren nach § 335 HGB ein. Das Ordnungsgeld beträgt mindestens 2.500 Euro und kann bis zu 25.000 Euro betragen. Eine Offenlegung erst nach Ablauf der sechswöchigen Nachfrist befreit nicht von einem festgesetzten Ordnungsgeld; dieses kann aber herabgesetzt werden (§ 335 Abs. 4 HGB).
In der Praxis wird die Fristenkette oft unterschätzt: Jahresabschluss aufstellen, Gesellschafterbeschluss herbeiführen, Unterlagen digital einreichen. Gerade bei kleinen Architekturbüros ohne eigene Buchhaltungsabteilung ist eine frühzeitige Planung entscheidend. Wer den Jahresabschluss digital durch einen Steuerberater erstellen lässt, gewinnt hier Planungssicherheit.
Wie unterstützen digitale Buchhaltung und Software die Bilanzerstellung?
Moderne Architekturbüros setzen zunehmend auf digitale Buchhaltungslösungen, um Belege, Rechnungen und Projektzeiten effizient zu erfassen. Die Integration zwischen Projektverwaltungs-Software (z. B. für Zeiterfassung und HOAI-Abrechnung) und Buchhaltungssoftware ermöglicht eine durchgängige Datenerfassung ohne Medienbrüche.
Für die Bilanzerstellung ist eine saubere Kostenstellenrechnung entscheidend: Jedes Projekt sollte als eigene Kostenstelle geführt werden, um Personal- und Sachkosten verursachungsgerecht zuzuordnen. So können unfertige Leistungen zum Bilanzstichtag präzise bewertet und Projektrentabilitäten laufend überwacht werden. Eine digitale Zeiterfassung mit Projektzuordnung ist dafür die Grundlage.
Vorteile digitaler Buchhaltung für Architekturbüros
Prozesseffizienz
- Automatische Belegerfassung (OCR-Erkennung)
- Schnittstellen zwischen Projekt- und Finanzsoftware
- Digitale Freigabeworkflows
- Echtzeit-Liquiditätsübersicht
Bilanzqualität
- Lückenlose Projektzeiterfassung
- Verursachungsgerechte Kostenverteilung
- Frühzeitige Erkennung von Forderungsrisiken
- Nachvollziehbare Bewertung unfertiger Leistungen
Die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater wird durch digitale Schnittstellen erheblich vereinfacht. Belege und Kontenbewegungen können per DATEV Unternehmen Online oder anderen Cloud-Lösungen tagesaktuell ausgetauscht werden. Der Steuerberater erhält so frühzeitig Einblick in die wirtschaftliche Lage und kann die Bilanz auf Basis qualitativ hochwertiger Daten erstellen. Dabei gelten je nach Rechtsform unterschiedliche Anforderungen — so unterliegen etwa UGs eigenen Regelungen, was die Offenlegungspflichten und Fristen der UG betrifft. Für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf steht zudem OnlineBilanz.de zur Verfügung; optional prüft gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater.
Hinweis
Die Investition in eine integrierte Projekt- und Finanzsoftware kann sich für Architekturbüros lohnen: Zeitgewinn in der Abrechnung und eine bessere Datenbasis für die Bilanz stehen den Lizenzkosten gegenüber.
Sollte die Bilanz durch einen Steuerberater erstellt werden?
Die Erstellung einer Bilanz erfordert fundierte Kenntnisse im Handels- und Steuerrecht sowie in der branchenspezifischen Bewertung. Zwar ist die Aufstellung des Jahresabschlusses grundsätzlich Aufgabe der Geschäftsführung (§ 42a GmbHG), in der Praxis übernehmen häufig Steuerberater diese Aufgabe. Gründe sind vor allem fachliche Expertise und Zeitersparnis.
Gerade bei Architekturbüros, die neben operativen Projektaufgaben wenig Kapazität für komplexe Bilanzierungsfragen haben, ist die Delegation an einen Steuerberater sinnvoll. Dieser prüft die Vollständigkeit und Richtigkeit der Buchführung, nimmt notwendige Korrekturen vor (z. B. Abgrenzungen, Rückstellungen, Bewertung unfertiger Leistungen) und stellt sicher, dass alle gesetzlichen Anforderungen eingehalten werden.
Leistungsumfang eines Steuerberaters bei der Bilanzerstellung
-
Prüfung und ggf. Korrektur der laufenden Finanzbuchhaltung
-
Bewertung von Anlagevermögen (Abschreibungen nach § 253 HGB)
-
Bewertung von Vorräten und unfertigen Leistungen
-
Bildung und Auflösung von Rückstellungen
-
Forderungsbewertung inkl. Wertberichtigungen
-
Erstellung von Bilanz, GuV und Anhang nach HGB
-
Steuerliche Überleitungsrechnung und Steuererklärungen (Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer)
-
Offenlegung beim Unternehmensregister (optional als Zusatzleistung)
Für GmbH-Geschäftsführer, die erstmals einen Jahresabschluss erstellen lassen müssen oder mit ihrem bisherigen Steuerberater unzufrieden sind, bieten digitale Plattformen wie OnlineBilanz.de eine digitale Möglichkeit: einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf, feste Ansprechpartner und digitale Zusammenarbeit ohne Vor-Ort-Termine; optional prüft, gibt frei und unterzeichnet gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater.
Achtung
Selbst erstellte Bilanzen ohne steuerliche Begleitung bergen erhebliche Risiken: Fehler bei Bewertungen können zu falschen Steuervorauszahlungen, Nachforderungen oder sogar zur Anfechtung des Jahresabschlusses führen. Die Geschäftsführung bleibt in jedem Fall haftbar — auch bei Beauftragung eines Steuerberaters, wenn offensichtliche Fehler nicht erkannt werden.
Häufig gestellte Fragen
Kann ein Architekturbüro von der Bilanzierung zur EÜR wechseln?
Freiberuflich tätige Architekten ohne Buchführungspflicht können grundsätzlich zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung wechseln; dabei ist ein Übergangsgewinn zu ermitteln. Einzelkaufleute sind nach § 241a HGB befreit, wenn sie an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen höchstens 800.000 Euro Umsatz und 80.000 Euro Jahresüberschuss aufweisen. Bei Kapitalgesellschaften (GmbH, UG) ist ein Wechsel ausgeschlossen, da diese stets bilanzierungspflichtig sind.
Wie werden Anzahlungen von Bauherren bilanziert?
Erhaltene Anzahlungen von Auftraggebern werden passivisch als Verbindlichkeiten unter dem Posten ‚Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen‘ ausgewiesen. Sie werden gesondert auf der Passivseite ausgewiesen oder offen von den Vorräten abgesetzt (§ 268 Abs. 5 Satz 2 HGB). Bei Rechnungsstellung werden die Anzahlungen mit den Forderungen verrechnet.
Müssen Architekturbüros eine Gewährleistungsrückstellung bilden?
Ja, für erbrachte Planungsleistungen ist nach § 249 Abs. 1 HGB eine Rückstellung für Gewährleistungsverpflichtungen zu bilden, wenn mit Inanspruchnahme zu rechnen ist. Die Höhe bemisst sich nach Erfahrungswerten und berücksichtigt Art und Komplexität der Projekte sowie der vertraglichen Gewährleistungsdauer.
Wie werden Softwarelizenzen für CAD- und BIM-Programme bilanziert?
Erworbene Softwarelizenzen werden als immaterielle Vermögensgegenstände nach § 266 Abs. 2 A. I. HGB aktiviert und planmäßig über die Nutzungsdauer abgeschrieben, üblicherweise 3–5 Jahre. Abo-Modelle (SaaS) werden hingegen nicht aktiviert, sondern laufend als Aufwand erfasst. Eigenentwickelte Software kann unter engen Voraussetzungen aktiviert werden.
Was passiert bei verspäteter Offenlegung der Bilanz?
Bei verspäteter oder unterlassener Offenlegung leitet das Bundesamt für Justiz nach § 335 HGB ein Ordnungsgeldverfahren ein. Das Ordnungsgeld beträgt zwischen 2.500 und 25.000 Euro und kann mehrfach festgesetzt werden. Die Offenlegungspflicht bleibt bestehen, selbst wenn bereits ein Ordnungsgeld gezahlt wurde.
Können Partnerschaftsgesellschaften von Architekten bilanzierungspflichtig sein?
Partnerschaftsgesellschaften (PartG, PartG mbB) sind Personengesellschaften und betreiben kein Handelsgewerbe und sind daher nicht nach HGB buchführungspflichtig; da Architekten freiberuflich tätig sind, greift auch § 141 AO nicht. Sie können ihren Gewinn per Einnahmen-Überschuss-Rechnung nach § 4 Abs. 3 EStG ermitteln, sofern sie nicht freiwillig bilanzieren.
Hinweis: Dieser Artikel dient zu allgemeinen Informationszwecken. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung. Gesetzliche Grundlagen: § 241a HGB – Befreiung von der Buchführungspflicht, § 255 HGB – Bewertungsmaßstäbe, § 267 HGB – Größenklassen, § 325 HGB – Offenlegung. Nächste redaktionelle Prüfung: Oktober 2026.









Fabian Klement
Jakob Röß
Dr. Jeannine Dinnebier
