Eröffnungsbilanzkonto: Buchungstechnik, Buchungssätze & SKR-Praxis für GmbH/UG
Das Eröffnungsbilanzkonto ist das buchhalterische Herzstück jedes Geschäftsjahresstarts: Ohne korrekte Übertragung der Eröffnungssalden aus der Vorjahresschlussbilanz – oder bei Neugründung aus der Gründungsbilanz – ist keine ordnungsgemäße Buchführung nach § 242 HGB möglich. Wer die Technik des Eröffnungsbilanzkontos versteht, beherrscht nicht nur den Jahresauftakt, sondern vermeidet auch kritische Fehler bei Betriebsprüfungen, Stammkapitalverbuchungen und der Behandlung ausstehender Einlagen.
Kurzantwort
Das Eröffnungsbilanzkonto (EBK) ist ein buchhalterisches Hilfskonto, über das zu Beginn eines Geschäftsjahres alle Anfangssalden der Aktiv- und Passivkonten eröffnet werden. Es ist die spiegelbildliche Gegenbuchung zur Eröffnungsbilanz: Aktivkonten werden im Soll des jeweiligen Kontos, im Haben des EBK eröffnet; Passivkonten im Haben des jeweiligen Kontos, im Soll des EBK. Am Ende des Buchungsvorgangs ist das EBK ausgeglichen und wird nicht weitergeführt.
Inhaltsverzeichnis
- Grundlagen: EBK vs. Eröffnungsbilanz
- Buchungstechnik: So funktioniert das EBK
- SKR03 und SKR04: Die richtigen Konten
- Neugründung GmbH/UG: Eröffnungsbilanz buchen
- Ausstehende Einlagen in der Eröffnungsbilanz
- Praxisbeispiel: GmbH-Gründung vollständig gebucht
- Folgegeschäftsjahr: Vortrag aus Schlussbilanz
- DATEV & Lexware: Technische Besonderheiten
- Bilanzänderung nach Betriebsprüfung
- Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag
- Häufige Fehler & Checkliste
Grundlagen: Unterschied zwischen Eröffnungsbilanz und Eröffnungsbilanzkonto
Die Begriffe Eröffnungsbilanz und Eröffnungsbilanzkonto werden in der Praxis häufig synonym verwendet – sie bezeichnen jedoch zwei konzeptionell verschiedene Dinge, die sauber getrennt werden müssen.
Externes Rechnungslegungsdokument nach § 242 Abs. 1 HGB. Stellt zu Beginn des Handelsgewerbes (Neugründung) oder zum Start eines Geschäftsjahres die Vermögens- und Schuldenlage gegenüber. Zeigt Aktiva und Passiva in Kontoform. Hat Außenwirkung (Handelsregister bei Gründung, Vorlage gegenüber Finanzamt, Banken).
Internes buchhalterisches Hilfskonto (Spiegelkonto). Dient ausschließlich der technischen Verbuchung der Anfangssalden in der doppelten Buchführung. Hat keine Außenwirkung, erscheint in keiner Bilanz und wird nach vollständiger Eröffnung aller Konten auf null gestellt. Es ist das Gegenkonto zu allen Aktiv- und Passivkonten bei der Kontoeröffnung.
Kurz: Die Eröffnungsbilanz ist das Dokument, das Eröffnungsbilanzkonto ist die buchhalterische Technik dahinter. Beide stehen in einem Spiegelverhältnis: Was links (Aktiva) in der Eröffnungsbilanz steht, steht im Soll der Bestandskonten und im Haben des EBK; was rechts (Passiva) steht, steht im Haben der Bestandskonten und im Soll des EBK. Mehr zur inhaltlichen Ausgestaltung der Eröffnungsbilanz selbst – insbesondere bei Neugründung – lesen Sie in unserem Grundlagenartikel zur Eröffnungsbilanz.
Gesetzliche Grundlage
§ 242 Abs. 1 HGB verpflichtet jeden Kaufmann, zu Beginn seines Handelsgewerbes und für den Schluss eines jeden Geschäftsjahres einen das Verhältnis seines Vermögens und seiner Schulden darstellenden Abschluss aufzustellen. Das GmbHG konkretisiert dies für Kapitalgesellschaften. Die Buchführungspflicht selbst ergibt sich aus § 238 HGB i.V.m. § 140 AO.
Buchungstechnik: So funktioniert das Eröffnungsbilanzkonto im Detail
Das Grundprinzip der Kontoeröffnung
In der doppelten Buchführung muss jeder Buchungsvorgang zu einem ausgeglichenen System führen (Soll = Haben). Das Eröffnungsbilanzkonto löst das Problem, wie man Anfangssalden einbuchen kann, ohne einen externen Beleg zu haben: Es fungiert als internes Gegenkonto für alle Eröffnungsbuchungen.
Die Grundregel lautet:
| Kontoart | Buchung im Bestandskonto | Gegenbuchung EBK |
|---|---|---|
| Aktivkonto (Vermögen) | Soll (Anfangsbestand) | Haben (Gegenbuchung) |
| Passivkonto (Kapital/Schulden) | Haben (Anfangsbestand) | Soll (Gegenbuchung) |
Am Ende aller Eröffnungsbuchungen muss das EBK ausgeglichen sein: Die Summe aller Aktiva-Eröffnungen im Haben des EBK entspricht der Summe aller Passiva-Eröffnungen im Soll des EBK – denn in einer ordnungsgemäßen Bilanz gilt immer: Aktiva = Passiva.
Der formale Buchungssatz bei der Eröffnungsbilanz
Der allgemeine Buchungssatz Eröffnungsbilanz für Aktivkonten lautet:
Für Passivkonten:
In der Praxis werden alle Eröffnungsbuchungen auf den 01.01. (oder den ersten Tag des Wirtschaftsjahres) datiert und als Sammelbuchung oder Einzelbuchungen je Konto erfasst. Das EBK selbst ist danach saldiert und zeigt null – es hat seinen Zweck erfüllt.
SKR03 und SKR04: Die richtigen Konten für das Eröffnungsbilanzkonto
DATEV stellt in beiden Standardrahmen ein dediziertes Konto für das Eröffnungsbilanzkonto bereit. Dieses Konto ist ein reines Hilfskonto und erscheint nicht in der GuV oder Bilanz.
| Kontenrahmen | Kontonummer EBK | Bezeichnung | Klasse |
|---|---|---|---|
| SKR03 | 0998 | Eröffnungsbilanzkonto | Klasse 0 (Anlage- und Kapitalkonten) |
| SKR04 | 9000 | Saldenvortragskonten / EBK | Klasse 9 (Vortrags- und Abschlusskonten) |
Praxis-Hinweis SKR04
Im SKR04 wird das Konto 9000 häufig als „Saldenvortragskonto“ bezeichnet und bei aktiviertem automatischem Saldenvortrag in DATEV Kanzlei-Rechnungswesen direkt befüllt. Bei manueller Erfassung ist Konto 9000 das korrekte Gegenkonto für alle Eröffnungsbuchungen. Beim Buchen der Eröffnungsbilanz im SKR04 gelten dieselben Grundregeln wie im SKR03.
Wichtige Eigenkapitalkonten im SKR03 und SKR04
| Position | SKR03-Konto | SKR04-Konto | Bezeichnung |
|---|---|---|---|
| Gezeichnetes Kapital | 0800 | 3000 | Stammkapital GmbH |
| Ausstehende Einlagen | 0860 / 0861 | 1180 / 1181 | Ausstehende Einlagen, eingefordert/nicht eingefordert |
| Kapitalrücklage | 0850 | 3100 | Kapitalrücklage |
| Gewinnvortrag | 0870 | 3560 | Gewinnvortrag vor Verwendung |
| Verlustvortrag | 0868 | 3570 | Verlustvortrag vor Verwendung |
| Jahresüberschuss/-fehlbetrag | 0890 / 0891 | 3600 / 3610 | Jahresergebnis (Vorjahr) |
Neugründung GmbH/UG: Eröffnungsbilanz buchen
Bei der Gründung einer GmbH oder UG entsteht erstmals eine Eröffnungsbilanz. Der Buchungsvorgang unterscheidet sich vom laufenden Jahresbeginn, da kein Vorjahressaldo existiert, sondern Einlagen der Gesellschafter und ausstehende Einlagen zu verbuchen sind.
Stammkapital und Einlagepflicht nach GmbHG
Nach § 7 Abs. 2 GmbHG muss auf jede Stammeinlage mindestens ein Viertel eingezahlt sein, insgesamt aber mindestens 12.500 EUR. Das gezeichnete Kapital (Stammkapital) wird in voller Höhe eingebucht, der noch nicht eingezahlte Teil erscheint als ausstehende Einlage auf der Aktivseite der Eröffnungsbilanz.
Buchungssätze GmbH-Gründung (Standardfall)
Schritt 1: Stammkapital in voller Höhe einbuchen
Schritt 2: Einzahlung der Mindesteinlage auf das Bankkonto
Nach diesen Buchungen zeigt die Eröffnungsbilanz auf der Aktivseite: Bank 12.500 EUR + Ausstehende Einlagen 12.500 EUR = 25.000 EUR; Passivseite: Stammkapital 25.000 EUR. Das EBK ist durch die Gegenbuchungen ausgeglichen.
Achtung: Ausweis ausstehender Einlagen nach § 272 HGB
Nach § 272 Abs. 1 HGB sind nicht eingeforderte ausstehende Einlagen offen vom gezeichneten Kapital abzusetzen (Netto-Ausweis) oder auf der Aktivseite gesondert auszuweisen. Eingeforderte, aber noch nicht eingezahlte Einlagen sind unter den Forderungen auszuweisen. In der Buchführung (SKR03: 0860 vs. 0861; SKR04: 1180 vs. 1181) muss zwischen eingefordert und nicht eingefordert unterschieden werden.
Ausstehende Einlagen in der Eröffnungsbilanz: GmbH, UG und GmbH & Co. KG
Die Buchung ausstehender Einlagen ist einer der fehleranfälligsten Bereiche bei der Erstellung der Eröffnungsbilanz einer GmbH. Folgende Konstellationen sind zu unterscheiden:
| Konstellation | Buchhalterische Behandlung | SKR03-Konto | SKR04-Konto |
|---|---|---|---|
| Nicht eingeforderte ausstehende Einlagen | Kürzung des gezeichneten Kapitals (Passivseite) oder gesonderter Aktivausweis | 0861 | 1181 |
| Eingeforderte, nicht eingezahlte Einlagen | Forderung gegen Gesellschafter (Aktivseite) | 0860 | 1180 |
| Vollständig eingezahlte Einlagen | Bankzugang, keine ausstehende Position | 1200 | 1800 |
GmbH & Co. KG: Besonderheiten bei der Eröffnungsbilanz
Bei der GmbH & Co. KG sind sowohl das Kommanditkapital als auch das Kapital der Komplementär-GmbH in der Eröffnungsbilanz zu erfassen. Ausstehende Kommanditeinlagen folgen denselben Grundsätzen wie bei der GmbH. Besonderheiten bestehen beim variablen Kapitalkonto (Konto II) und etwaigen Darlehenskonten der Gesellschafter, die je nach Vertragsgestaltung als Fremd- oder Eigenkapital einzustufen sind (§ 264c HGB).
Praxisbeispiel: GmbH-Gründung vollständig gebucht (SKR03)
Die Muster-Service GmbH wird am 02.01.2024 gegründet. Stammkapital: 25.000 EUR. Gesellschafter A hält 60 % (15.000 EUR), Gesellschafter B hält 40 % (10.000 EUR). A zahlt sofort 7.500 EUR ein, B zahlt sofort 2.500 EUR ein. Die restlichen Einlagen (A: 7.500 EUR, B: 7.500 EUR) werden eingefordert, aber noch nicht gezahlt. Zusätzlich beschafft die GmbH ein Fahrzeug per Kredit: Fahrzeug 18.000 EUR, Bankdarlehen 18.000 EUR.
Buchungssätze Eröffnungsbilanz SKR03 – Muster-Service GmbH
| # | Buchungssatz (Soll / Haben) | Betrag | Erläuterung |
|---|---|---|---|
| 1 | Ausstehende Einlagen eingef. (0860) / EBK (0998) | 15.000 EUR | Eingeforderte, nicht gezahlte Einlagen A+B gesamt |
| 2 | Bank (1200) / EBK (0998) | 10.000 EUR | Eingezahlte Einlagen A (7.500) + B (2.500) |
| 3 | Fuhrpark/Fahrzeuge (0320) / EBK (0998) | 18.000 EUR | Aktivierung Fahrzeug (Anlagevermögen) |
| 4 | EBK (0998) / Stammkapital (0800) | 25.000 EUR | Gezeichnetes Kapital GmbH |
| 5 | EBK (0998) / Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (1600) | 18.000 EUR | Bankdarlehen für Fahrzeug |
Probekontrolle EBK-Saldo
| EBK Soll (Passiveröffnungen) | Betrag | EBK Haben (Aktiveröffnungen) | Betrag |
|---|---|---|---|
| Stammkapital (Buch. 4) | 25.000 EUR | Ausstehende Einlagen (Buch. 1) | 15.000 EUR |
| Bankdarlehen (Buch. 5) | 18.000 EUR | Bank (Buch. 2) | 10.000 EUR |
| Fahrzeug (Buch. 3) | 18.000 EUR | ||
| Summe Soll | 43.000 EUR | Summe Haben | 43.000 EUR |
Das EBK ist ausgeglichen → die Eröffnungsbilanz ist buchhalterisch korrekt abgebildet. Aktiva (43.000 EUR) = Passiva (43.000 EUR).
Eigenkapital berechnen in der Eröffnungsbilanz
Das Eigenkapital in der Eröffnungsbilanz entspricht dem gezeichneten Kapital abzüglich noch nicht eingeforderter ausstehender Einlagen, zuzüglich etwaiger Kapitalrücklagen und Gewinnvorträge, abzüglich Verlustvorträge. Im obigen Beispiel: Eigenkapital = Stammkapital 25.000 EUR – ausstehende eingeforderte Einlagen 15.000 EUR (als Forderung auf Aktivseite, nicht Abzug) = Eigenkapital brutto 25.000 EUR. Das Eigenkapital der GmbH ist vollständig, da die eingeforderten Einlagen als Forderungen aktiviert sind.
Folgegeschäftsjahr: Saldenvortrag und Eröffnungsbuchungen aus der Schlussbilanz
In jedem folgenden Geschäftsjahr gilt der Grundsatz der Bilanzkontinuität nach § 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB: Die Eröffnungsbilanz des nachfolgenden Geschäftsjahres muss mit der Schlussbilanz des vorhergehenden Geschäftsjahres übereinstimmen (formelle Bilanzkontinuität).
Die Buchungssätze Eröffnungsbilanz aus Schlussbilanz folgen exakt demselben Schema: Alle Endbestände der Bestandskonten aus dem Vorjahr werden über das EBK als neue Anfangssalden eröffnet. Der Jahresüberschuss oder -fehlbetrag des Vorjahres wird dabei entweder als Gewinnvortrag (0870/3560) oder Verlustvortrag (0868/3570) vorgetragen – je nach Gesellschafterbeschluss zur Ergebnisverwendung.
DATEV & Lexware: Technische Besonderheiten beim Buchen der Eröffnungsbilanz
DATEV Kanzlei-Rechnungswesen: Automatischer Saldenvortrag
In DATEV Kanzlei-Rechnungswesen (KORE) und DATEV Unternehmen online besteht die Möglichkeit, den automatischen Saldenvortrag zu aktivieren. Dabei überträgt DATEV die Endbestände des Vorjahres automatisch als Anfangssalden in das neue Geschäftsjahr – technisch über Konto 9000 (SKR04) bzw. 0998 (SKR03). Der Buchhalter muss in diesem Fall keine manuellen EBK-Buchungen vornehmen.
Bei der Neugründung oder nach einer Bilanzkorrektur (z.B. nach Betriebsprüfung) ist eine manuelle Erfassung der Eröffnungsbuchungen erforderlich. In DATEV wird dafür der Buchungsschlüssel mit dem EBK-Konto (9000/0998) als Gegenkonto verwendet.
DATEV-Praxistipp: Eröffnungsbilanz buchen bei Neugründung
Bei der GmbH-Gründung in DATEV: Wirtschaftsjahr anlegen → Mandant anlegen → Buchungsperiode 01 des Gründungsjahres öffnen → alle Eröffnungspositionen mit Gegenkonto 9000 (SKR04) oder 0998 (SKR03) zum Datum des Gründungstages buchen. Achten Sie auf die korrekte Buchungsart (Eröffnungsbuchung) und auf die Trennung zwischen eingeforderten (1180) und nicht eingeforderten (1181) ausstehenden Einlagen.
Lexware: Eröffnungsbilanz buchen
In Lexware buchhaltung wird die Eröffnungsbilanz über die Funktion „Anfangsbestand buchen“ erfasst. Das Programm führt intern die Gegenbuchungen über das EBK-Konto. Für die GmbH-Gründung sind die Stammkapital-, Einlagen- und Bankpositionen manuell einzugeben. Lexware übernimmt bei Jahresabschluss die Endbestände automatisch als Anfangssalden des Folgejahres, sofern der Jahresabschluss korrekt durchgeführt wurde.
Bilanzänderung nach Betriebsprüfung: Saldenvortrag und Eröffnungsbilanz
Eine der buchhalterisch anspruchsvollsten Situationen entsteht, wenn eine Betriebsprüfung zu einer Bilanzänderung führt. Hier sind folgende Grundsätze zu beachten:
- Korrekturbuchungen betreffen immer zunächst das geprüfte Geschäftsjahr (Berichtigungsbuchung in der Schlussbilanz des betroffenen Jahres).
- Die Korrektur pflanzt sich über den Saldenvortrag in alle Folgejahre fort – das Eröffnungsbilanzkonto der Folgejahre muss entsprechend angepasst werden.
- In DATEV führt dies dazu, dass der automatische Saldenvortrag rückwirkend korrigiert werden muss. Häufig ist ein manuelles Eingreifen in den Saldenvortragskonten (9000/0998) erforderlich.
- Steuerliche Folgen (z.B. Änderungsbescheide nach § 164 AO oder § 173 AO) und handelsrechtliche Bilanzberichtigung (§ 253 HGB) müssen strikt getrennt behandelt werden.
Achtung: Bilanzkontinuität bei Betriebsprüfungskorrekturen
Eine Änderung der Eröffnungsbilanz eines Jahres infolge einer Betriebsprüfung zieht zwingend eine Anpassung aller Folgejahres-Eröffnungsbilanzen nach sich. Der Grundsatz der Bilanzkontinuität nach § 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB ist nicht disponibel. Bei mehrstufigen Korrekturen empfiehlt sich eine jahresweise Fortschreibung der Salden, beginnend beim ältesten betroffenen Jahr.
Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag in der Eröffnungsbilanz
Weist eine GmbH bereits in der Eröffnungsbilanz eines Folgejahres einen sogenannten nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag aus, hat dies weitreichende Konsequenzen. Dieser Posten erscheint auf der Aktivseite der Bilanz, wenn die kumulierten Verluste das gezeichnete Kapital und alle Rücklagen übersteigen.
Buchhalterisch wird er wie folgt erfasst:
Parallel werden die Passivkonten Stammkapital, Kapitalrücklage und Verlustvortragskonten über das EBK eröffnet. Der Geschäftsführer ist bei Vorliegen eines solchen Fehlbetrags verpflichtet, die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft genau zu beobachten und ggf. die Insolvenzantragspflicht nach § 15a InsO zu prüfen. Die Eröffnungsbilanz zeigt hier unmittelbar das Krisensignal.
Häufige Fehler und Checkliste: Eröffnungsbilanzkonto korrekt buchen
Folgende Fehler treten in der Praxis beim Buchen der Eröffnungsbilanz am häufigsten auf:
| Fehler | Konsequenz | Lösung |
|---|---|---|
| Aktivkonto und Passivkonto vertauscht (EBK-Seite falsch) | EBK nicht ausgeglichen, Bilanz falsch | Grundregel prüfen: Aktiva → Soll Konto / Haben EBK |
| Ausstehende Einlagen nicht nach eingef./nicht eingef. getrennt | Falschausweis nach § 272 HGB | Konten 0860/0861 (SKR03) oder 1180/1181 (SKR04) korrekt trennen |
| Vorjahres-Jahresergebnis nicht umgebucht (Vortrag fehlt) | Doppelausweis Jahresergebnis + Vortrag | Umbuchung Jahresergebnis → Gewinn-/Verlustvortrag vor Eröffnung |
| EBK nach Abschluss der Eröffnung nicht auf null | Buchungsfehler, Saldendifferenz | Probekontrolle EBK-Saldo durchführen |
| Bilanzkorrektur nach BP nicht in alle Folgejahre fortgeschrieben | Verletzung Bilanzkontinuität | Jahresweise Korrekturbuchungen ab BP-Jahr |
Für eine vollständige Auseinandersetzung mit der inhaltlichen Erstellung und den rechtlichen Anforderungen an die Eröffnungsbilanz – insbesondere bei GmbH-Gründung und Umwandlungsvorgängen nach UmwG – lesen Sie unseren weiterführenden Artikel zur Eröffnungsbilanz.
Wenn Sie die Erstellung Ihrer Eröffnungsbilanz und Buchhaltung automatisiert und revisionssicher abwickeln möchten, können Sie unverbindlich unsere Plattform testen oder mit unserem Kostenrechner den Aufwand für Ihre GmbH ermitteln.
Fazit: Eröffnungsbilanzkonto als buchhalterisches Fundament
Das Eröffnungsbilanzkonto ist kein optionales Hilfsmittel, sondern das technische Herzstück einer ordnungsgemäßen doppelten Buchführung zu jedem Jahresbeginn und bei jeder Neugründung. Wer die Systematik – Aktivkonten im Soll des Bestandskontos und im Haben des EBK, Passivkonten im Haben des Bestandskontos und im Soll des EBK – sicher beherrscht, legt den Grundstein für eine fehlerfreie Buchhaltung. Besondere Sorgfalt ist bei ausstehenden Einlagen, Ergebnisvorträgen, Bilanzänderungen nach Betriebsprüfungen und dem nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag geboten. Die korrekte Abbildung im SKR03 (Konto 0998) oder SKR04 (Konto 9000) sowie die Nutzung der DATEV- oder Lexware-Funktionen zur Saldeneröffnung schließen die buchhalterische Kette lückenlos.
25.000 EUR
Mindest-Stammkapital GmbH (§ 5 GmbHG)
12.500 EUR
Mindest-Einzahlung bei Gründung (§ 7 Abs. 2 GmbHG)
0998 (SKR03) / 9000 (SKR04)
EBK-Kontonummer je Kontenrahmen
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Eröffnungsbilanz und Eröffnungsbilanzkonto?
Die Eröffnungsbilanz ist das externe Rechnungslegungsdokument nach § 242 HGB, das Vermögen und Schulden zu Beginn eines Geschäftsjahres darstellt. Das Eröffnungsbilanzkonto (EBK) ist das interne buchhalterische Hilfskonto, das als Gegenkonto bei der Eröffnung aller Bestandskonten dient. Nach Abschluss aller Eröffnungsbuchungen ist das EBK ausgeglichen und wird nicht weitergeführt.
Welches Konto ist das Eröffnungsbilanzkonto im SKR03 und SKR04?
Im SKR03 ist das Eröffnungsbilanzkonto das Konto 0998, im SKR04 das Konto 9000 (Saldenvortragskonto/EBK). In DATEV wird bei aktiviertem automatischem Saldenvortrag das Konto 9000 (SKR04) automatisch befüllt.
Wie buche ich die Eröffnungsbilanz einer GmbH-Neugründung?
Das Stammkapital wird in voller Höhe im Haben des Stammkapitalkontos (0800/SKR03 oder 3000/SKR04) und im Soll des EBK gebucht. Eingezahlte Einlagen erscheinen als Bankzugang (Soll Bank / Haben EBK), ausstehende eingeforderte Einlagen als Forderung (Soll Ausstehende Einlagen eingefordert / Haben EBK). Das EBK muss nach allen Buchungen den Saldo null aufweisen.
Was sind ausstehende Einlagen in der Eröffnungsbilanz?
Ausstehende Einlagen sind der Teil des gezeichneten Kapitals, der bei Gründung noch nicht eingezahlt wurde. Nach § 272 Abs. 1 HGB sind nicht eingeforderte Einlagen vom gezeichneten Kapital abzusetzen; eingeforderte, aber noch nicht gezahlte Einlagen sind als Forderung gegen Gesellschafter zu aktivieren. Im SKR03 werden sie auf Konto 0860 (eingefordert) bzw. 0861 (nicht eingefordert) gebucht.
Was passiert, wenn das EBK nach der Eröffnung nicht auf null steht?
Ein offener Saldo im EBK zeigt einen Buchungsfehler an: Entweder wurden nicht alle Aktiv- oder Passivpositionen gebucht, oder eine Position wurde auf der falschen Seite erfasst. Es muss eine Probekontrolle durchgeführt und die fehlende oder fehlerhafte Buchung identifiziert und korrigiert werden.
Wie verändert eine Betriebsprüfung die Eröffnungsbilanz?
Korrekturen aus einer Betriebsprüfung betreffen zunächst das geprüfte Jahr. Da die Schlussbilanz eines Jahres identisch mit der Eröffnungsbilanz des Folgejahres sein muss (Bilanzkontinuität § 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB), müssen alle Folgejahrseröffnungen ebenfalls angepasst werden. In DATEV ist häufig ein manueller Eingriff in den Saldenvortragskonten erforderlich.
Was bedeutet „nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag" in der Eröffnungsbilanz?
Dieser Posten erscheint auf der Aktivseite, wenn die kumulierten Verluste einer GmbH das gezeichnete Kapital und alle Rücklagen übersteigen. Er ist buchhalterisch über das EBK zu eröffnen. Sein Auftreten ist ein ernst zu nehmendes Krisensignal und verpflichtet den Geschäftsführer zur Prüfung der Insolvenzantragspflicht nach § 15a InsO.
Über Autor und fachliche Prüfung
Autor
Servet Gündogan
Büroleiter OnlineBilanz · Stuttgart
Erster Ansprechpartner für Mandanten, koordiniert den Erstellungsprozess zwischen Mandant und Steuerberater.
Fachliche Prüfung
Fabian Klement
Wirtschaftsprüfer & Steuerberater · Dipl.-Kfm.
✓ Steuerberaterkammer Stuttgart · Wirtschaftsprüferkammer
Schwerpunkt Jahresabschlussprüfung, Konzernreporting und E-Bilanz. Qualitätssicherung aller Abschlüsse. Verantwortet die fachliche Prüfung dieses Beitrags.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Alle steuerlichen Beratungsleistungen erbringt der angeschlossene Steuerberater bzw. Wirtschaftsprüfer. OnlineBilanz ist eine Steuerberater-Plattform: Ihr Jahresabschluss wird von einem zugelassenen Steuerberater erstellt und unterzeichnet. Stand der Rechtslage: June 2026.


