Darlehen an Gesellschafter ausweisen 2026
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 · Lesezeit: ca. 10 Minuten
Wer als GmbH Geld an Gesellschafter verleiht, muss das Darlehen an Gesellschafter korrekt ausweisen – sowohl bilanziell nach HGB als auch steuerlich im Fremdvergleich. Dieser Ratgeber zeigt, wo in der Bilanz Gesellschafterdarlehen erscheinen, wie sie bewertet werden und welche Dokumentationspflichten bestehen, um verdeckte Gewinnausschüttungen und insolvenzrechtliche Risiken zu vermeiden. Die Gegenperspektive – wenn die GmbH selbst Kapital vom Gesellschafter erhält – wird im Beitrag Darlehen von Gesellschafter ausweisen behandelt. Wenn das Darlehen zurückgeführt oder beendet werden soll, gelten zusätzliche Vorschriften – mehr dazu im Leitfaden Darlehen an Gesellschafter auflösen.
Fremdvergleich, marktüblicher Zins, Nachrang und Rangrücktritt im Überblick: mehr unter Gesellschafterdarlehensvertrag.
Kurzantwort
Darlehen an Gesellschafter werden in der Bilanz unter „Forderungen gegen Gesellschafter“ (§ 42 Abs. 3 GmbHG, innerhalb der Forderungen nach § 266 Abs. 2 B. II. HGB) ausgewiesen. Sie müssen zu Nennwert angesetzt, auf Werthaltigkeit geprüft und durch schriftlichen Darlehensvertrag dokumentiert werden. Steuerlich gilt der Fremdvergleich: Zinssatz, Laufzeit und Besicherung müssen marktüblich sein, sonst droht eine verdeckte Gewinnausschüttung nach § 8 Abs. 3 KStG.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Darlehen an Gesellschafter und wann entsteht es?
- Wo muss das Darlehen an Gesellschafter in der Bilanz ausgewiesen werden?
- Wie werden Darlehen an Gesellschafter bewertet und geprüft?
- Welche steuerlichen Anforderungen gelten für Darlehen an Gesellschafter?
- Wie lässt sich eine verdeckte Gewinnausschüttung vermeiden?
- Welche insolvenzrechtlichen Folgen haben Gesellschafterdarlehen?
- Praxisbeispiel: Wie funktioniert das Verrechnungskonto mit Gesellschafter?
- Welche häufigen Fehler sollten GmbH-Geschäftsführer vermeiden?
- Welche Dokumentations- und Nachweispflichten bestehen?
Was ist ein Darlehen an Gesellschafter und wann entsteht es?
Ein Darlehen an Gesellschafter entsteht, wenn die GmbH einem oder mehreren ihrer Gesellschafter Geldmittel zur Verfügung stellt. Diese Forderung ist nach § 246 Abs. 1 HGB in der Bilanz zu aktivieren und stellt einen eigenständigen Vermögensgegenstand dar. Der Gesellschafter wird zum Schuldner der Gesellschaft, die GmbH zum Gläubiger. Da die Richtung des Darlehens zwischen GmbH und Gesellschafter unterschiedliche steuerliche Konsequenzen nach sich zieht, ist die exakte bilanzielle Erfassung von besonderer Bedeutung.
In der Praxis entstehen solche Darlehen häufig durch Barentnahmen des Gesellschafter-Geschäftsführers, durch Überweisungen vom Geschäftskonto auf private Konten oder durch Verrechnung offener Gehaltszahlungen. Ohne schriftliche Vereinbarung spricht man von einer Gesellschafterforderung ohne formalisierte Darlehensvereinbarung – was steuerlich und rechtlich problematisch sein kann.
Achtung
Achtung bei fehlender Verzinsung: Verzichtet die GmbH auf Darlehenszinsen, kann das Finanzamt eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) annehmen. Die Folge: Der Zinsvorteil wird beim Gesellschafter als Einkommen versteuert, bei der GmbH wird der entgangene Zins dem Einkommen außerbilanziell hinzugerechnet.
Typische Entstehungssituationen
- Privatentnahmen des Gesellschafter-Geschäftsführers über das Verrechnungskonto
- Finanzierung privater Anschaffungen (z. B. Immobilien, Fahrzeuge) durch die GmbH
- Verrechnung offener Gehaltsforderungen mit Gesellschafterdarlehen
- Auszahlung von Gesellschafterkonten ohne Gegenleistung
Wo muss das Darlehen an Gesellschafter in der Bilanz ausgewiesen werden?
Nach § 42 Abs. 3 GmbHG sind Forderungen gegen Gesellschafter in der Regel gesondert auszuweisen oder im Anhang anzugeben; werden sie unter anderen Posten ausgewiesen, ist dies zu vermerken. Zu unterscheiden sind eingeforderte ausstehende Einlagen (nach § 272 Abs. 1 HGB gesondert unter den Forderungen) und sonstige Forderungen gegen Gesellschafter (innerhalb der Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände, § 266 Abs. 2 B. II. HGB). Darlehen an Gesellschafter fallen unter die sonstigen Forderungen.
| Bilanzposition | Rechtsgrundlage | Inhalt |
|---|---|---|
| Eingeforderte ausstehende Einlagen | § 272 Abs. 1 HGB | Noch nicht geleistete, eingeforderte Stammeinlagen (gesondert unter den Forderungen) |
| Forderungen gegen Gesellschafter | § 42 Abs. 3 GmbHG, § 266 Abs. 2 B. II. HGB | Darlehen, Verrechnungskonten, sonstige Forderungen |
Kleine Kapitalgesellschaften dürfen eine verkürzte Bilanz aufstellen (§ 266 Abs. 1 Satz 3 HGB) und müssen nach § 326 HGB nur Bilanz und Anhang offenlegen, jedoch sind Forderungen gegen Gesellschafter auch dann gesondert auszuweisen oder im Anhang anzugeben (§ 42 Abs. 3 GmbHG).
Hinweis
Die getrennte Ausweisung dient der Transparenz für Gläubiger und das Finanzamt. Forderungen gegen Gesellschafter unterliegen besonderer Beobachtung, da Auszahlungen an Gesellschafter der Kapitalerhaltung (§ 30 GmbHG) unterliegen und steuerlich verdeckte Gewinnausschüttungen sein können.
Restlaufzeit und Gliederung
Bei den Forderungen ist nach § 268 Abs. 4 HGB anzugeben, welcher Betrag eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr hat. Diese Angabe erfolgt entweder durch Untergliederung in der Bilanz selbst oder im Anhang. Kurzfristige Gesellschafterdarlehen (Laufzeit unter 12 Monate) und langfristige Darlehen sind damit erkennbar.
Wie werden Darlehen an Gesellschafter bewertet und geprüft?
Die Bewertung von Forderungen gegen Gesellschafter erfolgt nach § 253 Abs. 1 HGB zu Anschaffungskosten, das heißt zum Nennwert der ausgereichten Darlehenssumme zuzüglich vereinbarter und aufgelaufener Zinsen. Entscheidend ist jedoch die Werthaltigkeit der Forderung: Ist zweifelhaft, ob der Gesellschafter das Darlehen zurückzahlen kann, muss nach § 253 Abs. 4 HGB eine Abschreibung auf den beizulegenden Wert erfolgen.
Kriterien für die Werthaltigkeitsprüfung
- Bonität des Gesellschafters: Verfügt dieser über ausreichendes Privatvermögen oder Einkommen?
- Tilgungsverhalten: Werden vereinbarte Tilgungs- und Zinszahlungen geleistet?
- Dokumentation: Existiert ein schriftlicher Darlehensvertrag mit klaren Konditionen?
- Sicherheiten: Wurden Sicherheiten bestellt (z. B. Grundschulden, Bürgschaften)?
Fehlt eine ordnungsgemäße Darlehensvereinbarung oder wird das Darlehen über Jahre nicht bedient, nimmt die Finanzverwaltung häufig an, dass keine echte Rückzahlungsverpflichtung besteht. Die Folge: Das Darlehen wird steuerlich als verdeckte Gewinnausschüttung umqualifiziert.
Angaben im Anhang
Werden Forderungen gegen Gesellschafter nicht in der Bilanz gesondert ausgewiesen, sind sie im Anhang anzugeben (§ 42 Abs. 3 GmbHG). Ist der Gesellschafter zugleich Geschäftsführer, sind gewährte Vorschüsse und Kredite mit Zinssätzen und wesentlichen Bedingungen im Anhang anzugeben (§ 285 Nr. 9 Buchst. c HGB).
Welche steuerlichen Anforderungen gelten für Darlehen an Gesellschafter?
Steuerlich unterliegen Darlehen an Gesellschafter dem Fremdvergleichsgrundsatz nach § 8 Abs. 3 KStG. Das bedeutet: Die Konditionen müssen den Bedingungen entsprechen, die auch unter fremden Dritten üblich wären. Andernfalls droht die Annahme einer verdeckten Gewinnausschüttung (vGA), die sowohl die Körperschaftsteuer als auch die Gewerbesteuer der GmbH erhöht.
Anforderungen an eine fremdübliche Gestaltung
-
Schriftlicher Darlehensvertrag mit klaren Konditionen (Darlehenssumme, Laufzeit, Zinssatz, Tilgungsplan)
-
Marktübliche Verzinsung (orientiert an aktuellen Kapitalmarkt- bzw. Bankzinsen für vergleichbare Risiken)
-
Tatsächliche Bedienung: Zinszahlungen und Tilgungen müssen regelmäßig erfolgen
-
Besicherung bei größeren Beträgen (z. B. Grundschuld, Verpfändung von Wertpapieren)
-
Keine ungeklärten oder unbefristeten Darlehen ohne Rückzahlungsvereinbarung
Fehlt eine dieser Voraussetzungen, kann das Finanzamt bei einem Darlehen der GmbH an den Gesellschafter eine vGA annehmen. Bei einer vGA wird der Vorteil beim Gesellschafter als Kapitaleinkommen nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG besteuert, unterliegt also der Abgeltungsteuer (25 % zzgl. Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %, ggf. zzgl. Kirchensteuer).
Achtung
Praxis-Hinweis: Die Finanzverwaltung prüft Gesellschafterdarlehen besonders kritisch. Werden Zinsen nicht gezahlt oder gar nicht vereinbart, wird regelmäßig eine vGA angenommen. Die Folge: Nachzahlung von Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag für die GmbH sowie Kapitalertragsteuer für den Gesellschafter.
Steuerliche Risiken
- Verdeckte Gewinnausschüttung (vGA)
- Nachzahlung Körperschaftsteuer + SolZ
- Kapitalertragsteuer beim Gesellschafter
- Nachzahlungszinsen nach § 233a AO
Vermeidung durch
- Schriftlicher Darlehensvertrag
- Marktübliche Verzinsung
- Regelmäßige Zins- und Tilgungszahlungen
- Dokumentation im Jahresabschluss
Wie lässt sich eine verdeckte Gewinnausschüttung vermeiden?
Eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) entsteht, wenn die GmbH ihrem Gesellschafter einen Vermögensvorteil zuwendet, der seine Ursache im Gesellschaftsverhältnis hat und nicht auf einer klaren, fremdüblichen Vereinbarung beruht. Bei Darlehen an Gesellschafter prüft das Finanzamt vor allem drei Aspekte: Vertragliche Vereinbarung, Verzinsung und tatsächliche Bedienung.
Die wichtigsten Maßnahmen zur Vermeidung
- Schriftlicher Darlehensvertrag: Alle Konditionen (Betrag, Laufzeit, Zinssatz, Tilgung, Sicherheiten) schriftlich fixieren und von beiden Parteien unterzeichnen lassen.
- Marktübliche Verzinsung: Orientierung an aktuellen Kapitalmarkt- bzw. Bankzinsen für vergleichbare Risiken; bei Besicherung entsprechend niedriger.
- Regelmäßige Zins- und Tilgungszahlungen: Der Gesellschafter muss die vereinbarten Zahlungen tatsächlich leisten. Bloße Buchungen auf dem Verrechnungskonto ohne reale Zahlungsflüsse reichen nicht aus.
- Angemessene Besicherung: Bei größeren Darlehensbeträgen sollten Sicherheiten bestellt werden (z. B. Grundschulden, Verpfändung von Wertpapieren oder Lebensversicherungen).
- Dokumentation im Jahresabschluss: Ausweis als Forderung gegen Gesellschafter, Angabe im Anhang (soweit erforderlich) und transparente Darstellung der Laufzeit.
In der Praxis werden Gesellschafter-Darlehen häufig anfangs korrekt vereinbart, aber im Laufe der Zeit nicht mehr bedient. Dann wird es kritisch. Bei jedem Jahresabschluss sollte daher geprüft werden, ob die Vereinbarungen noch fremdüblich sind und die Zahlungen tatsächlich erfolgen.
Hinweis
OnlineBilanz.de stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf und die technische Übermittlung nach § 87d AO bereit; auf Wunsch prüft gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater den Abschluss.
Welche insolvenzrechtlichen Folgen haben Gesellschafterdarlehen?
Eine Forderung der GmbH gegen ihren Gesellschafter zieht in der Insolvenz der Insolvenzverwalter ein. Besondere Regeln gelten dagegen für Darlehen, die ein Gesellschafter der GmbH gewährt hat: Nach § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO werden Forderungen aus solchen Gesellschafterdarlehen nachrangig behandelt – sie werden also erst nach allen anderen Gläubigern bedient. Rückzahlungen auf solche Darlehen können angefochten werden.
Anfechtung von Rückzahlungen
Wurden Gesellschafterdarlehen in den letzten zwölf Monaten vor Insolvenzantrag zurückgezahlt, kann der Insolvenzverwalter diese Zahlungen nach § 135 InsO anfechten und zurückfordern. Hintergrund: Gesellschafter sollen ihre Darlehen nicht kurz vor der Insolvenz aus der Masse ziehen, während andere Gläubiger leer ausgehen; auf eine Krise kommt es seit dem MoMiG nicht mehr an.
Achtung
Praxis-Warnung: Wer als Gesellschafter in der Krise sein Darlehen zurückfordert oder auf das Verrechnungskonto auszahlen lässt, riskiert die spätere Rückforderung durch den Insolvenzverwalter. Zudem haftet der Geschäftsführer für Zahlungen an Gesellschafter, die zur Zahlungsunfähigkeit der GmbH führen mussten (§ 15b Abs. 5 InsO).
Unterscheidung: Fremdkapital oder Eigenkapital?
Steuerlich und bilanziell bleibt ein Gesellschafterdarlehen Fremdkapital. Insolvenzrechtlich ist es jedoch nachrangig – seit dem MoMiG unabhängig davon, ob es in der Krise gewährt oder stehengelassen wurde (§ 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO). Diese Doppelnatur führt in der Praxis häufig zu Missverständnissen. Für die Bilanzierung gilt: Das Darlehen bleibt eine Verbindlichkeit der GmbH und eine Forderung des Gesellschafters – bis zur Insolvenz.
| Rechtslage | Gesellschafterdarlehen | Fremdkapital (Bank) |
|---|---|---|
| Bilanzierung | Verbindlichkeit gegenüber Gesellschaftern (Passiva) | Verbindlichkeit (Passiva) |
| Steuerliche Behandlung | Fremdkapital, aber vGA-Risiko | Fremdkapital, Zinsen als BA |
| Insolvenz-Rang | Nachrangig nach § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO | Vorrangig (normale Insolvenzforderung) |
| Anfechtung | Ja, bei Rückzahlung im letzten Jahr vor Insolvenz | Nur bei kongruenter Deckung unter besonderen Voraussetzungen |
Praxisbeispiel: Wie funktioniert das Verrechnungskonto mit Gesellschafter?
In der Praxis wird oft ein Verrechnungskonto (auch: Gesellschafterkonto oder Kontokorrentkonto) geführt, auf dem alle Geschäftsvorfälle zwischen GmbH und Gesellschafter verbucht werden. Typische Buchungen sind: Gehaltszahlungen, Privatentnahmen, Einlagen, Darlehensgewährungen, Zinsen und Erstattungen.
Beispielfall: GmbH-Geschäftsführer mit Privatentnahmen
Die Müller GmbH hat einen Gesellschafter-Geschäftsführer, Herrn Müller (100 % Beteiligung). Im Jahr 2025 entnimmt er 30.000 € vom Geschäftskonto für private Zwecke. Es liegt kein schriftlicher Darlehensvertrag vor, keine Zinsvereinbarung und keine Tilgungsvereinbarung. Am 31.12.2025 beträgt das Verrechnungskonto 30.000 € zugunsten der GmbH (Forderung gegen Gesellschafter).
Buchung und Ausweis
| Datum | Buchungstext | Soll | Haben | Betrag (€) |
|---|---|---|---|---|
| 15.01.2025 | Privatentnahme Müller | Forderung Gesellschafter | Bank | 10.000 |
| 12.04.2025 | Privatentnahme Müller | Forderung Gesellschafter | Bank | 10.000 |
| 20.09.2025 | Privatentnahme Müller | Forderung Gesellschafter | Bank | 10.000 |
| 31.12.2025 | Saldo Verrechnungskonto | — | — | 30.000 |
In der Bilanz zum 31.12.2025 erscheint unter Forderungen gegen Gesellschafter der Betrag von 30.000 €. Da keine schriftliche Vereinbarung vorliegt und keine Zinsen vereinbart wurden, prüft das Finanzamt bei der Betriebsprüfung, ob eine verdeckte Gewinnausschüttung vorliegt.
Lösung: Nachträgliche Formalisierung
Die GmbH und Herr Müller schließen im Januar 2026 einen schriftlichen Darlehensvertrag über 30.000 € mit 5 % Zinsen p. a. und einer Laufzeit von 5 Jahren. Ab 2026 zahlt Herr Müller quartalsweise Zinsen und Tilgungen. Für 2025 bleibt das Risiko einer verdeckten Gewinnausschüttung, da rückwirkende Vereinbarungen mit einem beherrschenden Gesellschafter steuerlich nicht anerkannt werden.
Hinweis
Eine nachträgliche Formalisierung ist zwar besser als gar keine Vereinbarung, wird aber von der Finanzverwaltung kritisch gesehen. Am besten ist es, von Anfang an klare Verträge abzuschließen und die Zahlungen tatsächlich zu leisten.
Welche häufigen Fehler sollten GmbH-Geschäftsführer vermeiden?
In der Praxis zeigen sich immer wieder typische Fehler im Umgang mit Gesellschafterdarlehen. Diese führen regelmäßig zu steuerlichen Nachteilen, Haftungsrisiken und Problemen bei Betriebsprüfungen. Die folgenden Punkte sollten GmbH-Geschäftsführer unbedingt beachten.
Die häufigsten Fehlerquellen
-
Fehlende schriftliche Vereinbarung: Mündliche Absprachen oder gar keine Vereinbarung führen regelmäßig zur vGA.
-
Keine oder zu niedrige Verzinsung: Das Finanzamt erwartet marktübliche Zinsen (Fremdvergleich).
-
Keine tatsächlichen Zahlungen: Bloße Buchungen auf dem Verrechnungskonto ohne reale Zahlungsflüsse werden nicht anerkannt.
-
Unklare Laufzeit oder fehlender Tilgungsplan: Unbefristete Darlehen ohne Tilgungsvereinbarung gelten als nicht fremdüblich.
-
Fehlende Besicherung bei hohen Beträgen: Banken würden für vergleichbare Darlehen Sicherheiten verlangen – die GmbH sollte das auch.
-
Nachträgliche Darlehensverträge ohne Rückwirkung: Rückdatierungen sind unzulässig und können strafrechtlich relevant sein.
-
Vermischung von Gehalt und Darlehen: Offene Gehaltsforderungen dürfen nicht einfach in Darlehen umgebucht werden.
Die meisten Probleme entstehen durch fehlende Dokumentation. Es empfiehlt sich, Gesellschafterdarlehen von Anfang an sauber zu dokumentieren und die Verträge in der Buchhaltung zu hinterlegen. Das erspart später viel Ärger mit dem Finanzamt.
So vermeiden Sie die Fehler
Vor Darlehensgewährung
- Schriftlichen Darlehensvertrag aufsetzen (Muster beim Steuerberater)
- Marktübliche Konditionen prüfen (Zinssatz, Laufzeit, Sicherheiten)
- Gesellschafterbeschluss fassen (Dokumentation)
- Buchhaltung informieren (eigenes Konto anlegen)
Laufende Überwachung
- Zins- und Tilgungszahlungen termingerecht verbuchen
- Jährliche Prüfung der Werthaltigkeit im Jahresabschluss
- Änderungen schriftlich dokumentieren (z. B. Stundungen)
- Bei Krise: Keine Rückzahlungen ohne steuerliche Beratung
OnlineBilanz.de stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf und die technische Übermittlung nach § 87d AO bereit; auf Wunsch prüft gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater den Abschluss.
Welche Dokumentations- und Nachweispflichten bestehen?
Die ordnungsgemäße Dokumentation von Gesellschafterdarlehen ist nicht nur steuerlich geboten, sondern auch handelsrechtlich erforderlich. Nach § 238 HGB muss die Buchführung so beschaffen sein, dass ein sachverständiger Dritter innerhalb angemessener Zeit einen Überblick über die Geschäftsvorfälle erhält. Das gilt besonders für Geschäfte mit Gesellschaftern.
Erforderliche Unterlagen
- Schriftlicher Darlehensvertrag: Mit allen wesentlichen Vereinbarungen (Betrag, Laufzeit, Zinssatz, Tilgungsmodalitäten, Sicherheiten, Kündigungsrechte).
- Gesellschafterbeschluss: Bei GmbH mit mehreren Gesellschaftern sollte die Darlehensgewährung durch Gesellschafterbeschluss legitimiert werden.
- Kontoauszüge und Zahlungsnachweise: Alle Zahlungen (Darlehensauszahlung, Zinszahlungen, Tilgungen) müssen durch Bankbelege nachweisbar sein.
- Buchungsbelege: Jede Buchung auf dem Verrechnungskonto muss durch Belege (Rechnungen, Quittungen, Überweisungsträger) dokumentiert sein.
- Jahresabschlussunterlagen: Ausweis in der Bilanz, ggf. Erläuterung im Anhang nach § 285 HGB.
Die Aufbewahrungspflicht beträgt nach § 257 HGB und § 147 AO für Bücher und Jahresabschlüsse zehn Jahre, für Buchungsbelege acht Jahre. Bei Betriebsprüfungen durch das Finanzamt oder bei Insolvenzverfahren werden diese Unterlagen regelmäßig angefordert.
Hinweis
Eine lückenlose Dokumentation schützt nicht nur vor steuerlichen Nachforderungen, sondern auch vor persönlicher Haftung des Geschäftsführers. Kann die GmbH die Fremdüblichkeit des Darlehens nicht nachweisen, haftet der Geschäftsführer möglicherweise für entgangene Steuereinnahmen nach § 69 AO.
Aufbewahrung und Zugriff
Die Unterlagen müssen so aufbewahrt werden, dass sie jederzeit verfügbar und lesbar sind. Das gilt auch für elektronische Dokumente. Nach den GoBD (Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form) müssen digitale Dokumente revisionssicher archiviert werden. Eine bloße E-Mail-Ablage genügt nicht.
| Dokument | Aufbewahrungsfrist | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Darlehensvertrag | 8 Jahre (als Buchungsbeleg) | § 257 Abs. 1 Nr. 4 HGB |
| Buchungsbelege (Kontoauszüge, Rechnungen) | 8 Jahre | § 257 Abs. 1 Nr. 4 HGB |
| Jahresabschluss und Bilanz | 10 Jahre | § 257 Abs. 1 Nr. 1 HGB |
| Gesellschafterbeschlüsse | 8 Jahre (soweit Buchungsbeleg) | § 257 Abs. 1 Nr. 4 HGB |
Wer seinen Jahresabschluss durch einen Steuerberater erstellen lässt, profitiert davon, dass die Unterlagen im Rahmen der Erstellung gesichtet werden; die Aufbewahrungspflicht bleibt bei der GmbH.
Häufig gestellte Fragen
Kann eine GmbH Darlehen an Gesellschafter auch zinsfrei vergeben?
Grundsätzlich ja, steuerlich ist ein zinsloses Darlehen an einen Gesellschafter aber regelmäßig eine verdeckte Gewinnausschüttung. Der Zinsvorteil (Differenz zum marktüblichen Zinssatz) wird dem Einkommen außerbilanziell hinzugerechnet und erhöht Körperschaft- und Gewerbesteuer. Das gilt nicht nur bei beherrschenden Gesellschaftern; maßgeblich ist, ob ein fremder Dritter das Darlehen zu gleichen Bedingungen erhalten hätte.
Was passiert, wenn der Gesellschafter das Darlehen nicht zurückzahlen kann?
Wenn absehbar ist, dass der Gesellschafter das Darlehen nicht zurückzahlen kann, muss die GmbH eine Wertberichtigung (Einzelwertberichtigung) vornehmen oder die Forderung ganz abschreiben. Steuerlich wird die Gewinnminderung als verdeckte Gewinnausschüttung außerbilanziell korrigiert, wenn das Darlehen schon bei Hingabe nicht fremdüblich war (etwa ohne Sicherheiten bei absehbarer Zahlungsunfähigkeit des Gesellschafters). Ein Forderungsverzicht der GmbH zugunsten des Gesellschafters ist regelmäßig eine verdeckte Gewinnausschüttung, die das Einkommen der GmbH außerbilanziell erhöht.
Muss ein Darlehen an Gesellschafter notariell beurkundet werden?
Nein, ein Darlehensvertrag zwischen GmbH und Gesellschafter kann formfrei geschlossen werden. Allerdings empfiehlt sich dringend die Schriftform, um gegenüber Finanzamt, Sozialversicherung und im Insolvenzfall nachweisen zu können, dass es sich um ein echtes Darlehen und nicht um eine verdeckte Gewinnausschüttung oder Entnahme handelt. Der Vertrag sollte Darlehenssumme, Zinssatz, Laufzeit, Tilgungsplan und Sicherheiten enthalten.
Wie wirkt sich ein Darlehen an Gesellschafter auf die Liquidität der GmbH aus?
Ein Darlehen an den Gesellschafter reduziert sofort die liquiden Mittel der GmbH. Wird das Darlehen aus dem Cashflow nicht bedient oder nicht zurückgezahlt, kann dies die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft gefährden. Geschäftsführer müssen daher regelmäßig prüfen, ob die Darlehensgewährung die Liquiditätsplanung beeinträchtigt und ob die GmbH ihren laufenden Verpflichtungen (Löhne, Steuern, Lieferanten) noch nachkommen kann. Im Extremfall kann eine Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit zu Insolvenzanmeldungspflichten führen.
Gibt es Unterschiede zwischen GmbH, UG und AG bei der Bilanzierung von Gesellschafterdarlehen?
Die Grundsätze der Bilanzierung nach § 266 HGB gelten für alle Kapitalgesellschaften (GmbH, UG, AG) gleich: Ausweis unter Forderungen gegen Gesellschafter, Bewertung zum Nennwert, Werthaltigkeitsprüfung. Bei der UG (haftungsbeschränkt) ist besondere Vorsicht geboten, da das Stammkapital nur 1 Euro betragen kann und Darlehen an Gesellschafter schnell als Kapitalrückgewähr gewertet werden können. Bei der AG gilt eine strengere Vermögensbindung (§ 57 AktG); Kredite an Vorstandsmitglieder bedürfen eines Aufsichtsratsbeschlusses (§ 89 AktG). Insolvenzrechtlich sind die Regelungen identisch.
Kann ein Gesellschafter-Geschäftsführer sein eigenes Gehalt durch ein Darlehen ersetzen?
Nein, das ist steuerlich und sozialversicherungsrechtlich hochproblematisch. Ein Gehalt ist Arbeitsentgelt und unterliegt Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen. Wird stattdessen ein Darlehen gewährt, das faktisch nicht zurückgezahlt wird, kann das Finanzamt das als verdeckte Gewinnausschüttung oder als Lohnzahlung umqualifizieren. Zudem besteht das Risiko, dass die Sozialversicherung Beiträge nachfordert. Gehalt und Darlehen müssen klar getrennt und wirtschaftlich begründet sein.
Hinweis: Dieser Artikel dient zu allgemeinen Informationszwecken. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung. Gesetzliche Grundlagen: § 266 HGB – Gliederung der Bilanz, § 253 HGB – Zugangs- und Folgebewertung, § 8 Abs. 3 KStG – Verdeckte Gewinnausschüttung, § 39 InsO – Nachrangige Insolvenzforderungen.










Fabian Klement
Jakob Röß
Dr. Jeannine Dinnebier
