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Lesedauer

16–24 Minuten

OnlineBilanz›Blog›Bilanzposten Freiberufler

Bilanzposten Freiberufler 2026: Aufbau & Gliederung

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 · Lesezeit: ca. 10 Minuten

Freiberufler, die eine Kapitalgesellschaft führen oder freiwillig bilanzieren, müssen ihre Bilanzposten nach HGB korrekt gliedern und bewerten. Dieser Leitfaden erklärt systematisch alle relevanten Posten der Aktivseite (Anlagevermögen, Umlaufvermögen) und Passivseite (Eigenkapital, Rückstellungen, Verbindlichkeiten) sowie Besonderheiten bei der Partnerschaftsgesellschaft mbB. Stand: 2026.

SG
Servet Gündogan

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Als Büroleiter ist Servet erster Ansprechpartner für Kundinnen und Kunden. Er führt das Erstgespräch, betreut die Abläufe auf der Plattform und stimmt sich bei beauftragter Prüfung mit dem jeweils beauftragten, kooperierenden Steuerberater ab.

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Kurzantwort

Freiberufler in Kapitalgesellschaften (z. B. GmbH, UG, AG) sind nach §§ 6, 242 HGB bilanzierungspflichtig. Die Bilanz gliedert sich in Aktiva (Anlagevermögen wie Praxisausstattung, EDV; Umlaufvermögen wie Forderungen, Bankguthaben) und Passiva (Eigenkapital, Rückstellungen, Verbindlichkeiten). Bewertung und Abschreibung folgen §§ 252 ff. HGB. Die Offenlegung erfolgt nach § 325 HGB im Unternehmensregister.

Sind Freiberufler überhaupt bilanzierungspflichtig?

Freiberufler im Sinne des § 18 EStG – Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater, Ingenieure, Journalisten und andere Katalogberufe – sind grundsätzlich nicht zur Bilanzierung verpflichtet. Sie ermitteln ihren Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG durch einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR), sofern sie nicht freiwillig zur Buchführung übergehen oder die Rechtsform eine Bilanzierungspflicht auslöst.

Eine Bilanzierungspflicht entsteht für Freiberufler in folgenden Fällen:

  • Die freiberufliche Tätigkeit wird in einer Rechtsform ausgeübt, die nach § 6 HGB als Kaufmann gilt (z. B. Freiberufler-GmbH, Rechtsanwalts-AG).
  • Der Freiberufler betreibt neben der freiberuflichen Tätigkeit ein Gewerbe, das einen kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert (§ 1 Abs. 2 HGB) oder für das ihn das Finanzamt nach Überschreiten der Grenzen des § 141 AO (Umsatz > 800.000 Euro oder Gewinn > 80.000 Euro) zur Buchführung auffordert.
  • Der Freiberufler hat sich freiwillig ins Handelsregister eintragen lassen (§ 2 HGB – Kannkaufmann); dies ist nur für einen Gewerbebetrieb möglich, nicht für die freiberufliche Tätigkeit selbst.
  • Für die freiberufliche Tätigkeit selbst gilt § 141 AO dagegen nicht – das Finanzamt kann Freiberufler nicht zur Buchführung verpflichten.

Praxis-Hinweis

Reine Freiberufler ohne Gewerbebetrieb und ohne Kapitalgesellschaft erstellen weiterhin eine EÜR – Bilanzposten spielen für sie nur dann eine Rolle, wenn sie freiwillig bilanzieren oder ihre Rechtsform (z. B. Freiberufler-GmbH) eine Buchführungspflicht nach HGB auslöst.

Im Folgenden betrachten wir daher ausschließlich bilanzierungspflichtige Freiberufler – also solche in Kapitalgesellschaften oder mit gewerblicher Tätigkeit – und erläutern, welche Bilanzposten für sie relevant sind.

Aufbau und Gliederung der Bilanz nach HGB für Freiberufler

Sobald eine Bilanzierungspflicht besteht, müssen Freiberufler ihren Jahresabschluss nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs (HGB) erstellen. Die Gliederung der Bilanz richtet sich nach § 266 HGB und unterscheidet zwischen Aktivseite (Vermögen) und Passivseite (Kapital und Schulden).

Aktivseite: Vermögenswerte des Freiberuflers

Die Aktivseite zeigt, wie das Kapital verwendet wird. Sie gliedert sich in:

<strong>A. Anlagevermögen</strong>

  • Immaterielle Vermögensgegenstände (z. B. Software, Lizenzen, selbsterstellte Datenbanken)
  • Sachanlagen (Praxisausstattung, IT-Hardware, Fahrzeuge, Büromöbel)
  • Finanzanlagen (Beteiligungen, Wertpapiere des Anlagevermögens)

<strong>B. Umlaufvermögen</strong>

  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (offene Honorare)
  • Sonstige Vermögensgegenstände (Vorauszahlungen, Kautionen)
  • Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten

Hinzu kommen C. Rechnungsabgrenzungsposten (z. B. vorausgezahlte Versicherungsprämien) und ggf. D. Aktive latente Steuern nach § 274 HGB.

Passivseite: Kapital und Verbindlichkeiten

Die Passivseite zeigt, woher das Kapital stammt:

<strong>A. Eigenkapital</strong>

  • Gezeichnetes Kapital (bei GmbH: Stammkapital)
  • Kapitalrücklagen
  • Gewinnrücklagen
  • Jahresüberschuss / Jahresfehlbetrag

<strong>B. Rückstellungen</strong>

  • Rückstellungen für Pensionen
  • Steuerrückstellungen
  • Sonstige Rückstellungen (z. B. für ausstehende Rechnungen, Jahresabschlusskosten)

Sowie C. Verbindlichkeiten (z. B. Bankkredite, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Steuerverbindlichkeiten) und D. Rechnungsabgrenzungsposten (z. B. im Voraus erhaltene Honorare).

Anlagevermögen: Typische Posten für Freiberufler

Das Anlagevermögen umfasst alle Vermögensgegenstände, die dem Betrieb dauerhaft dienen (§ 247 Abs. 2 HGB). Für Freiberufler sind insbesondere folgende Bilanzposten relevant:

I. Immaterielle Vermögensgegenstände

  • Software und Lizenzen: Kauf von Branchensoftware (z. B. Praxisverwaltung, CAD, Buchhaltung). Aktivierungspflicht nach § 246 Abs. 1 HGB, wenn entgeltlich erworben. Abschreibung über die Nutzungsdauer (meist 3–5 Jahre).
  • Selbsterstellte immaterielle Vermögensgegenstände: Eigene Datenbanken, Apps, Online-Plattformen – Aktivierungswahlrecht nach § 248 Abs. 2 Satz 1 HGB. Entwicklungskosten dürfen, müssen aber nicht aktiviert werden.
  • Geschäfts- oder Firmenwert: Entsteht beim Kauf einer Praxis oder Kanzlei. Differenz zwischen Kaufpreis und Nettovermögen. Planmäßige Abschreibung nach § 253 Abs. 3 HGB.

II. Sachanlagen

  • Praxisausstattung und Mobiliar: Behandlungsliegen, Laborgeräte, Büromöbel. Anschaffungskosten aktivieren, Abschreibung nach AfA-Tabellen (meist 10–13 Jahre).
  • Technische Anlagen und IT-Hardware: Server, Computer, Drucker – meist Abschreibung über 3 Jahre. GWG-Grenze beachten (800 Euro netto nach § 6 Abs. 2 EStG – in der Handelsbilanz oft analog angewendet).
  • Fahrzeuge: PKW, Transporter – Abschreibung über 6 Jahre. Bei Privatnutzung: beim Einzelunternehmer Entnahme nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG, in der GmbH in der Regel geldwerter Vorteil des Gesellschafter-Geschäftsführers.
  • Grundstücke und Gebäude: Bei Kauf von Praxisräumen – Gebäude abschreiben (linear 2–3 % p. a.), Grund und Boden nicht abschreiben.

III. Finanzanlagen

Beteiligungen an anderen Unternehmen, Wertpapiere des Anlagevermögens (z. B. langfristig gehaltene Anleihen), Ausleihungen. Bewertung zu Anschaffungskosten, Abschreibung bei dauerhafter Wertminderung nach § 253 Abs. 3 Satz 5 HGB.

Praxis-Hinweis: Abschreibung vs. Sofortabzug

Wirtschaftsgüter bis zur GWG-Grenze (800 Euro netto) können sofort als Betriebsausgabe abgezogen werden. Bei Werten darüber besteht Aktivierungspflicht und planmäßige Abschreibung über die Nutzungsdauer (alternativ Sammelposten für Wirtschaftsgüter von 250,01 bis 1.000 Euro, § 6 Abs. 2a EStG).

Umlaufvermögen: Forderungen und liquide Mittel

Das Umlaufvermögen umfasst alle Vermögenswerte, die nicht dauerhaft im Betrieb verbleiben, sondern im gewöhnlichen Geschäftsgang umgesetzt werden (§ 247 Abs. 2 HGB). Für Freiberufler sind vor allem relevant:

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

Offene Honorare für bereits erbrachte Leistungen – z. B. Arzthonorare, Beraterleistungen, Gutachten. Aktivierung zum Nominalwert, d. h. Bruttobetrag inkl. Umsatzsteuer. Bei Zweifel an der Einbringlichkeit: Einzelwertberichtigung nach § 253 Abs. 4 HGB oder pauschale Wertberichtigung (z. B. 1–2 % auf das gesamte Forderungsvolumen).

  • Forderungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr: Betrag bei jedem Posten vermerken (§ 268 Abs. 4 HGB).
  • Forderungen gegen Gesellschafter (GmbH): gesondert ausweisen oder im Anhang angeben (§ 42 Abs. 3 GmbHG).
  • Unverzinsliche Forderungen mit langer Laufzeit: Abzinsung auf den niedrigeren beizulegenden Wert (§ 253 Abs. 4 HGB).

Sonstige Vermögensgegenstände

Hierzu zählen Vorauszahlungen (z. B. geleistete Kautionen, Anzahlungen an Lieferanten), Steuererstattungsansprüche (z. B. Vorsteuer-Guthaben), Darlehen an Gesellschafter (bei Freiberufler-GmbH).

Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten

Barbestand in der Praxiskasse sowie Sichtguthaben und kurzfristige Festgelder auf Geschäftskonten. Stichtagsprinzip: Bewertung zum Nominalwert am Bilanzstichtag (31.12.2025).

Bilanzposten Bewertung Besonderheit Freiberufler
Forderungen a. L. u. L. Nominalwert abzgl. Wertberichtigung Hohe Forderungsquote typisch (lange Zahlungsziele bei Privatliquidation, Kassenabrechnungen)
Sonstige Vermögensgegenstände Nominalwert / Anschaffungskosten Selten – meist nur Kautionen
Kasse, Bank Nominalwert Praxiskasse oft gering, Bankkonto zentral

In freiberuflichen Praxen sind hohe Forderungsbestände häufig – etwa bei Ärzten mit Privatliquidation. Eine saubere Forderungsbewertung und zeitnahe Wertberichtigung zweifelhafter Posten ist entscheidend für ein realistisches Bilanzbild.

Eigenkapital: Rücklagen und Gewinnverwendung bei Freiberufler-Kapitalgesellschaften

Das Eigenkapital auf der Passivseite zeigt die Eigenmittel des Unternehmens. Bei bilanzierungspflichtigen Freiberuflern in Kapitalgesellschaften (z. B. Steuerberater-GmbH, Architekten-GmbH) gelten die Gliederungsvorschriften des § 266 Abs. 3 A. HGB:

I. Gezeichnetes Kapital

Bei der GmbH das Stammkapital (mindestens 25.000 Euro nach § 5 GmbHG), bei der UG (haftungsbeschränkt) mindestens 1 Euro (§ 5a GmbHG). Die Partnerschaftsgesellschaft mbB hat kein Mindestkapital und ist nicht nach HGB bilanzierungspflichtig; bilanziert sie freiwillig, wird das feste Kapital der Partner ausgewiesen.

II. Kapitalrücklage

Entsteht bei Einlagen, die über den Nennbetrag des Stammkapitals hinausgehen (Agio), oder bei Zuzahlungen ohne Erhöhung des Stammkapitals. Relevanz z. B. bei Gesellschafterwechsel oder Kapitalerhöhung.

III. Gewinnrücklagen

Thesaurierte Gewinne aus Vorjahren, die nicht ausgeschüttet wurden. Unterscheidung nach § 266 Abs. 3 A. III. HGB:

  • Gesetzliche Rücklage: Bei GmbH nicht zwingend (Ausnahme UG: § 5a Abs. 3 GmbHG), bei AG nach § 150 AktG vorgeschrieben.
  • Rücklage für Anteile an einem herrschenden oder mehrheitlich beteiligten Unternehmen: § 272 Abs. 4 HGB.
  • Satzungsmäßige Rücklagen: Wenn im Gesellschaftsvertrag vorgesehen.
  • Andere Gewinnrücklagen: Frei thesaurierte Gewinne – häufigster Posten bei Freiberufler-GmbHs.

IV. Gewinnvortrag / Verlustvortrag

Ergebnis der Vorjahre, das noch nicht durch Gewinnverwendungsbeschluss verteilt wurde.

V. Jahresüberschuss / Jahresfehlbetrag

Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres – wird nach Feststellung des Jahresabschlusses (spätestens 8 Monate, bei kleinen Gesellschaften 11 Monate nach Ablauf des Geschäftsjahres, § 42a Abs. 2 GmbHG) durch Gesellschafterbeschluss verwendet.

Achtung: Feststellungsfrist beachten

Der Jahresabschluss einer mittelgroßen oder großen GmbH muss spätestens 8 Monate nach Bilanzstichtag festgestellt werden (bei Bilanzstichtag 31.12.2025 also bis 31.08.2026). Kleine Kapitalgesellschaften haben 11 Monate Zeit. Unabhängig davon ist der Jahresabschluss spätestens 12 Monate nach dem Bilanzstichtag im Unternehmensregister offenzulegen (§ 325 Abs. 1a HGB).

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Rückstellungen und Verbindlichkeiten für Freiberufler

Neben Eigenkapital umfasst die Passivseite auch Fremdkapital – also Schulden und ungewisse Verpflichtungen. Für bilanzierungspflichtige Freiberufler sind folgende Posten praxisrelevant:

B. Rückstellungen

Rückstellungen decken ungewisse Verbindlichkeiten und drohende Verluste aus schwebenden Geschäften ab (§ 249 HGB). Sie müssen gebildet werden, wenn:

  • die Verpflichtung am Bilanzstichtag besteht,
  • die Inanspruchnahme wahrscheinlich oder sicher ist,
  • Höhe oder Zeitpunkt der Erfüllung ungewiss sind.
Rückstellungsart Anwendungsfall Freiberufler Rechtsgrundlage
Pensionsrückstellungen Gesellschafter-Geschäftsführer mit Pensionszusage § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB, Bewertung nach § 253 Abs. 2 HGB (Barwert)
Steuerrückstellungen Geschätzte Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer (bei GmbH) § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB
Rückstellung für Jahresabschlusskosten Kosten für Bilanzerstellung, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB (nach BFH-Rechtsprechung zulässig)
Rückstellung für ausstehende Rechnungen Leistungen erhalten, Rechnung noch nicht erhalten (z. B. Fremdleistungen, Wartungsverträge) § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB
Rückstellung für Gewährleistungen Bei Architekten, Ingenieuren: Haftung für Mängel § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB

C. Verbindlichkeiten

Verbindlichkeiten sind gewisse Schulden mit bekanntem Gläubiger und Betrag. Typische Posten:

  • Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten: Darlehen, Kontokorrentkredite – Angabe der Restlaufzeit erforderlich (bis 1 Jahr: Vermerk nach § 268 Abs. 5 HGB; über 5 Jahre: Anhangangabe nach § 285 Nr. 1 HGB).
  • Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen: Vorauszahlungen von Mandanten / Patienten auf noch zu erbringende Leistungen.
  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen: Offene Lieferantenrechnungen (z. B. Labormaterial, IT-Dienstleister).
  • Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern: Darlehen der Gesellschafter an die GmbH – Achtung: Verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) vermeiden durch angemessene Verzinsung und klare Verträge.
  • Sonstige Verbindlichkeiten: Lohnsteuer, Sozialversicherung, Umsatzsteuer – alle zum Stichtag fälligen Beträge.

Rechnungsabgrenzung und latente Steuern

Um den Periodenabgrenzungsgrundsatz (§ 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB) zu wahren, müssen Aufwendungen und Erträge dem Geschäftsjahr zugeordnet werden, zu dem sie wirtschaftlich gehören – unabhängig vom Zahlungszeitpunkt. Hierfür dienen Rechnungsabgrenzungsposten (RAP) und bei Kapitalgesellschaften ggf. latente Steuern.

Aktive Rechnungsabgrenzungsposten (ARAP)

Ausgaben vor dem Bilanzstichtag, die Aufwand nach dem Stichtag darstellen (§ 250 Abs. 1 HGB). Typische Beispiele für Freiberufler:

  • Vorausgezahlte Versicherungsprämien (z. B. Berufshaftpflicht für das Folgejahr)
  • Jahreslizenzen für Software (z. B. Kauf im Dezember 2025 mit Laufzeit bis Dezember 2026)
  • Mietzahlungen im Voraus
  • Jahresbeiträge für Kammern oder Verbände

Der Betrag wird aktiviert und im Folgejahr aufwandswirksam aufgelöst.

Passive Rechnungsabgrenzungsposten (PRAP)

Einnahmen vor dem Bilanzstichtag, die Ertrag nach dem Stichtag darstellen (§ 250 Abs. 2 HGB). Beispiele:

  • Vorauszahlungen von Mandanten auf noch zu erbringende Beratungsleistungen
  • Im Voraus erhaltene Honorare für Dauermandate (z. B. monatliche Betreuung)
  • Mieteinnahmen im Voraus (falls Freiberufler Räume untervermietet)

Der Betrag wird passiviert und im Folgejahr ertragswirksam aufgelöst.

Latente Steuern (§ 274 HGB)

Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften müssen latente Steuern berücksichtigen, wenn zwischen Handels- und Steuerbilanz temporäre Differenzen bestehen (§ 274 HGB); kleine Kapitalgesellschaften sind davon befreit (§ 274a Nr. 4 HGB). Relevante Fälle für Freiberufler:

<strong>Aktive latente Steuern</strong>

  • Höhere Bewertung in der Steuerbilanz (z. B. höhere Abschreibungen in der Handelsbilanz als steuerlich zulässig)
  • In der Handelsbilanz bereits gebildete Rückstellungen, die steuerlich erst später abziehbar sind
  • Aktivierungswahlrecht für einen Überhang aktiver latenter Steuern (§ 274 Abs. 1 Satz 2 HGB)

<strong>Passive latente Steuern</strong>

  • Höhere Bewertung in der Handelsbilanz (z. B. Aktivierung selbsterstellter Software nach § 248 Abs. 2 HGB, steuerlich Sofortabzug)
  • Stille Reserven in der Handelsbilanz, die steuerlich noch nicht realisiert wurden
  • Passivierungspflicht für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften (§ 274 Abs. 1 Satz 1 HGB)

Praxis-Tipp

Die Bildung latenter Steuern ist komplex und erfordert eine genaue Gegenüberstellung von Handels- und Steuerbilanz. Kleine Freiberufler-GmbHs sind von § 274 HGB befreit (§ 274a Nr. 4 HGB); im Einzelfall kann für passive latente Steuern eine Rückstellung nach § 249 HGB zu prüfen sein. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz.de kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung des Jahresabschlussentwurfs.

Besonderheiten bei der Partnerschaftsgesellschaft mbB

Die Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung (PartG mbB) ist eine beliebte Rechtsform für Freiberufler, die gemeinsam eine Sozietät führen (z. B. Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten). Sie kombiniert die steuerliche Transparenz einer Personengesellschaft mit einer Haftungsbeschränkung für berufliche Fehler.

Bilanzierungspflicht und Größenklassen

Die PartG mbB übt kein Handelsgewerbe aus, und ihre Partner können nur natürliche Personen sein (§ 1 Abs. 1 PartGG). Sie ist daher weder nach HGB noch nach § 141 AO buchführungspflichtig und kann ihren Gewinn durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln. Daraus folgt:

  • Die Vorschriften für Kapitalgesellschaften (§§ 264 ff. HGB) und die Größenklassen des § 267 HGB gelten für die PartG mbB nicht.
  • Ein Anhang oder Lagebericht ist nicht aufzustellen.
  • Eine Pflicht zur Offenlegung im Unternehmensregister nach § 325 HGB besteht nicht.

Eigenkapital in der PartG mbB

Bilanziert die PartG mbB freiwillig, gibt es anders als bei der GmbH kein Stammkapital. Das Eigenkapital wird typischerweise gegliedert in:

  • Festes Kapital: Einlagen der Partner, die dauerhaft im Unternehmen verbleiben.
  • Variables Kapital / Kapitalkonten II: Gewinnthesaurierungen und Entnahmen der Partner.
  • Jahresergebnis: Gewinn oder Verlust des laufenden Geschäftsjahres, wird anschließend auf die Kapitalkonten verteilt.

Die Gewinnverteilung erfolgt nach Partnerschaftsvertrag – etwa nach Köpfen oder nach Umsatzbeteiligung.

Haftungsbeschränkung und Versicherung

Die Haftung für berufliche Fehler ist auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt, wenn eine Berufshaftpflichtversicherung nach § 8 Abs. 4 PartGG besteht (Mindestversicherungssumme nach dem jeweiligen Berufsrecht).

Hinweis: Keine Offenlegungspflicht für die PartG mbB

Partnerschaftsgesellschaften mbB müssen keinen Jahresabschluss im Unternehmensregister offenlegen; § 325 HGB gilt nur für Kapitalgesellschaften und Personenhandelsgesellschaften im Sinne des § 264a HGB.

Die PartG mbB ist für freiberufliche Sozietäten eine verbreitete Rechtsform – steuerlich transparent, aber mit Haftungsschutz. Bilanziert sie freiwillig, unterscheidet sich die Eigenkapitalstruktur deutlich von der GmbH.

Bewertung und Abschreibung der Bilanzposten

Die Bewertung der Bilanzposten erfolgt nach den Grundsätzen der §§ 252 ff. HGB. Für Freiberufler sind insbesondere die folgenden Bewertungsregeln praxisrelevant:

Anlagevermögen: Anschaffungskosten und planmäßige Abschreibung

Vermögensgegenstände des Anlagevermögens werden zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten aktiviert (§ 253 Abs. 1 HGB). Diese sind um planmäßige Abschreibungen zu vermindern (§ 253 Abs. 3 HGB):

  • Lineare Abschreibung: Gleichmäßige Verteilung über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer (z. B. IT-Hardware 3 Jahre, Praxisausstattung 10 Jahre).
  • Außerplanmäßige Abschreibung: Bei dauerhafter Wertminderung (§ 253 Abs. 3 Satz 5 HGB) – z. B. Ausfall einer Software, Schaden an Gerät.
  • Zuschreibungsgebot: Wenn Gründe für außerplanmäßige Abschreibung entfallen, muss wieder aufgewertet werden (§ 253 Abs. 5 HGB) – außer beim Geschäfts- oder Firmenwert (§ 253 Abs. 5 Satz 2 HGB).

Umlaufvermögen: Niederstwertprinzip

Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens sind mit den Anschaffungskosten oder dem niedrigeren Zeitwert anzusetzen (§ 253 Abs. 4 HGB). Für Freiberufler bedeutet das:

  • Forderungen: Nominalwert abzüglich Einzelwertberichtigungen für zweifelhafte Forderungen oder pauschaler Wertberichtigung (z. B. 1 % auf einwandfreie Forderungen).
  • Liquide Mittel: Nominalwert – keine Bewertungsspielräume.

Verbindlichkeiten und Rückstellungen

Verbindlichkeiten sind mit dem Erfüllungsbetrag anzusetzen (§ 253 Abs. 1 Satz 2 HGB). Rückstellungen in Höhe des nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrags (§ 253 Abs. 1 Satz 2 HGB). Bei einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr: Abzinsung mit dem durchschnittlichen Marktzinssatz der vergangenen sieben Jahre (§ 253 Abs. 2 HGB).

Bilanzposten Bewertungsansatz Besonderheit
Anlagevermögen (Sachanlagen) Anschaffungskosten abzgl. planmäßiger AfA Lineare Abschreibung über Nutzungsdauer
Anlagevermögen (immaterielle VG) Anschaffungskosten abzgl. AfA; Aktivierungswahlrecht bei selbsterstellten VG Geschäfts- oder Firmenwert: keine Zuschreibung
Forderungen Nominalwert abzgl. Wertberichtigung Einzelwertberichtigung bei Zahlungsausfall
Rückstellungen Erfüllungsbetrag (ggf. abgezinst) Abzinsung bei > 1 Jahr Restlaufzeit
Verbindlichkeiten Erfüllungsbetrag Restlaufzeit angeben (§ 268 Abs. 5 HGB)

Offenlegung und Fristen im Unternehmensregister

Bilanzierungspflichtige Freiberufler in Kapitalgesellschaften (GmbH, UG, AG) müssen ihren Jahresabschluss offenlegen – und zwar im Unternehmensregister (nicht im Bundesanzeiger, der seit DiRUG am 01.08.2022 nur noch als Bekanntmachungsorgan dient).

Welche Unterlagen müssen offengelegt werden?

Der Umfang richtet sich nach der Größenklasse (§ 267 HGB) und der Rechtsform:

Größenklasse Offenzulegende Unterlagen Rechtsgrundlage
Kleine Kapitalgesellschaft Bilanz (verkürzt nach § 266 Abs. 1 Satz 3 HGB), Anhang (mit Erleichterungen nach § 288 HGB); GuV muss nicht offengelegt werden (§ 326 Abs. 1 HGB) § 325 Abs. 1, § 326 HGB
Mittelgroße Kapitalgesellschaft Bilanz (Erleichterungen nach § 327 HGB möglich), GuV, Anhang, Lagebericht, Bestätigungsvermerk § 325 Abs. 1 HGB
Große Kapitalgesellschaft Bilanz, GuV, Anhang, Lagebericht, Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers § 325 Abs. 1 HGB
PartG mbB Keine Offenlegungspflicht § 325 HGB nicht anwendbar

Fristen für Feststellung und Offenlegung

Die Fristen sind strikt und werden vom Bundesamt für Justiz überwacht:

  • Feststellung des Jahresabschlusses: Kleine Kapitalgesellschaften haben 11 Monate Zeit (§ 42a Abs. 2 GmbHG), mittelgroße und große 8 Monate (§ 42a Abs. 2 GmbHG). Bei Bilanzstichtag 31.12.2025: Feststellung bis 30.11.2026 (klein) bzw. 31.08.2026 (mittel/groß).
  • Offenlegung im Unternehmensregister: Spätestens 12 Monate nach Bilanzstichtag (§ 325 Abs. 1 HGB). Bei Bilanzstichtag 31.12.2025: Offenlegung bis 31.12.2026.
  • Ordnungsgeldverfahren: Bei Verstoß leitet das Bundesamt für Justiz ein Verfahren ein (§ 335 HGB). Ordnungsgeld zwischen 2.500 und 25.000 Euro – bei wiederholtem Verstoß höher.

Achtung: Automatische Überwachung

Das Bundesamt für Justiz prüft, ob alle offenlegungspflichtigen Unternehmen ihre Pflicht erfüllen. Säumige Unternehmen erhalten zunächst eine Androhung, dann folgt die Festsetzung des Ordnungsgeldes. Eine Verlängerung der Offenlegungsfrist ist gesetzlich nicht vorgesehen. Wird die Offenlegung erst nach Ablauf der sechswöchigen Nachfrist nachgeholt, kann das Ordnungsgeld herabgesetzt werden (§ 335 Abs. 4 HGB); bei unverschuldeter Fristversäumnis ist Wiedereinsetzung möglich (§ 335 Abs. 5 HGB).

Wie erfolgt die Offenlegung?

Die Einreichung erfolgt elektronisch über das Unternehmensregister (www.unternehmensregister.de). Erforderlich ist:

  1. Einmalige Registrierung beim Unternehmensregister.
  2. Upload der Unterlagen in einem vom Unternehmensregister zugelassenen Dateiformat (das ESEF-Format ist nur für kapitalmarktorientierte Unternehmen vorgeschrieben).
  3. Zahlung der Gebühren nach dem Justizverwaltungskostengesetz (KV Nr. 1420 ff. JVKostG).
  4. Bestätigung und Freischaltung – die Unterlagen sind dann öffentlich einsehbar.

OnlineBilanz.de stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung.

Viele Freiberufler-GmbHs verpassen die Offenlegungsfrist, weil sie den Prozess unterschätzen. Die Feststellung des Jahresabschlusses durch die Gesellschafterversammlung und die technische Einreichung im Unternehmensregister brauchen Zeit. Es empfiehlt sich, den Jahresabschluss innerhalb der Aufstellungsfrist (§ 264 Abs. 1 HGB: 3 Monate, bei kleinen Kapitalgesellschaften bis zu 6 Monate) zu erstellen, damit Feststellung und Offenlegung fristgerecht erfolgen können.

Häufig gestellte Fragen

Kann ein Freiberufler als Einzelunternehmer freiwillig bilanzieren?

Ja. Auch ohne gesetzliche Pflicht kann ein Freiberufler seinen Gewinn freiwillig durch Betriebsvermögensvergleich (§ 4 Abs. 1 EStG) ermitteln und eine Bilanz erstellen, etwa um Banken detailliertere Unterlagen vorzulegen oder auf die doppelte Buchführung umzustellen. Nach der Rechtsprechung des BFH ist er an die Wahl grundsätzlich für drei Wirtschaftsjahre gebunden; danach ist eine Rückkehr zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung möglich.

Welche Rechtsform müssen Freiberufler wählen, um bilanzierungspflichtig zu werden?

Freiberufler werden bilanzierungspflichtig, wenn sie ihre Tätigkeit in einer Kapitalgesellschaft (z. B. GmbH, UG, AG) ausüben – diese ist Formkaufmann (§ 6 HGB). Die Partnerschaftsgesellschaft (auch mbB) übt kein Handelsgewerbe aus (§ 1 Abs. 1 PartGG); sie sowie Freiberufler als Einzelunternehmer oder in einer GbR sind weder nach HGB noch nach § 141 AO buchführungspflichtig und können den Gewinn durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln.

Müssen immaterielle Wirtschaftsgüter wie der Praxis-Goodwill in der Freiberufler-Bilanz aktiviert werden?

Selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens dürfen nach § 248 Abs. 2 HGB aktiviert werden (Aktivierungswahlrecht). Ein selbst aufgebauter Praxis-Goodwill oder Mandantenstamm darf jedoch nicht angesetzt werden. Nur entgeltlich erworbene immaterielle Wirtschaftsgüter (z. B. Kauf einer Praxis) sind nach § 246 Abs. 1 HGB aktivierungspflichtig.

Wie werden Gesellschafterdarlehen in der Freiberufler-Bilanz behandelt?

Darlehen, die ein Gesellschafter der Freiberufler-Kapitalgesellschaft gewährt, sind auf der Passivseite unter Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern auszuweisen. Sie erhöhen die Bilanzsumme und unterliegen der Bewertung zu Erfüllungsbeträgen nach § 253 Abs. 1 Satz 2 HGB. Bei der GmbH sind Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern gesondert auszuweisen oder im Anhang anzugeben (§ 42 Abs. 3 GmbHG).

Was passiert, wenn ein Freiberufler die Offenlegungsfrist im Unternehmensregister versäumt?

Das Bundesamt für Justiz verhängt nach § 335 HGB ein Ordnungsgeld zwischen 2.500 und 25.000 Euro. Die Offenlegungspflicht selbst bleibt bestehen; bei wiederholter Säumnis drohen höhere Ordnungsgelder. Die Frist beträgt zwölf Monate nach dem Bilanzstichtag. Seit dem DiRUG (01.08.2022) erfolgt die Offenlegung ausschließlich beim Unternehmensregister, nicht mehr beim Bundesanzeiger.

Können Freiberufler in einer Partnerschaftsgesellschaft mbB Kleinstkapital-Erleichterungen nutzen?

Nein, diese Erleichterungen sind für sie nicht einschlägig: Die PartG mbB ist weder Kapitalgesellschaft noch Personenhandelsgesellschaft im Sinne des § 264a HGB. Sie unterliegt weder der handelsrechtlichen Bilanzierungspflicht noch der Offenlegungspflicht nach § 325 HGB; die Größenklassen der §§ 267, 267a HGB spielen für sie daher keine Rolle. Die Haftungsbeschränkung ergibt sich aus § 8 Abs. 4 PartGG.

Hinweis: Dieser Artikel dient zu allgemeinen Informationszwecken. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung. Gesetzliche Grundlagen: § 242 HGB (Pflicht zur Aufstellung), § 266 HGB (Gliederung der Bilanz), § 267 HGB (Größenklassen), § 325 HGB (Offenlegung). Nächste redaktionelle Prüfung: Oktober 2026.

Ben
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KI-Assistenz
Kennenlerntermin15 Min · Raphael Diener