Bilanzpflicht Einzelunternehmen 2026: Grenzen & Fristen
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 · Lesezeit: ca. 10 Minuten
Nicht jedes Einzelunternehmen muss eine Bilanz erstellen — entscheidend sind Umsatz, Gewinn und Rechtsform. Wer die gesetzlichen Schwellenwerte überschreitet, unterliegt der handelsrechtlichen oder steuerrechtlichen Bilanzpflicht. Dieser Ratgeber erklärt, wann Sie als Einzelunternehmer zur Bilanzierung verpflichtet sind, welche Fristen ab 2026 gelten und was bei Nichterfüllung droht.
Kurzantwort
Ein Einzelunternehmen ist bilanzierungspflichtig, wenn es Kaufmann ist und nicht nach § 241a HGB befreit ist (Befreiung bei nicht mehr als 800.000 € Umsatz und 80.000 € Jahresüberschuss an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen), oder wenn es steuerrechtlich nach § 141 AO zur Buchführung verpflichtet ist (mehr als 800.000 € Umsatz oder mehr als 80.000 € Gewinn). Freiberufler sind grundsätzlich von der Bilanzpflicht befreit. Die steuerliche Buchführungspflicht beginnt mit dem Wirtschaftsjahr, das auf die Bekanntgabe der Mitteilung des Finanzamts folgt (§ 141 Abs. 2 AO).
Inhaltsverzeichnis
- Wann besteht Bilanzpflicht für Einzelunternehmen?
- Unterschiede zwischen handelsrechtlicher und steuerrechtlicher Bilanzpflicht
- Schwellenwerte und Größenklassen für Einzelunternehmen
- Aufstellung und Fristen für den Jahresabschluss beim Einzelunternehmen
- Besteht eine Offenlegungspflicht für Einzelunternehmen?
- Umstellung von der EÜR auf die Bilanzierung
- Pflichtbestandteile des Jahresabschlusses beim Einzelunternehmen
- Konsequenzen bei Nichterfüllung der Bilanzpflicht
Wann besteht Bilanzpflicht für Einzelunternehmen?
Einzelunternehmen unterliegen der Bilanzierungspflicht nach § 238 Abs. 1 HGB, sobald sie als Kaufmann im Sinne des § 1 HGB gelten. Entscheidend ist, ob der Gewerbebetrieb nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert (§ 1 Abs. 2 HGB) oder ob eine Eintragung ins Handelsregister erfolgt ist (§ 2 HGB). Anders als bei Kapitalgesellschaften wie der GmbH tritt die Bilanzpflicht beim Einzelunternehmen nicht automatisch mit der Gründung ein, sondern hängt von objektiven Kriterien ab.
Gesetzliche Grundlagen der Bilanzierungspflicht
Die handelsrechtliche Buchführungs- und Bilanzierungspflicht beginnt für Einzelkaufleute mit der Eintragung ins Handelsregister (§ 2 HGB) oder sobald der Gewerbebetrieb nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert (§ 1 Abs. 2 HGB). Freiberufler sind grundsätzlich von der handelsrechtlichen Bilanzierungspflicht ausgenommen, können aber steuerlich zur Buchführung verpflichtet sein.
Praxis-Hinweis: Schwellenwerte 2026
Nach § 141 AO besteht steuerliche Buchführungspflicht ab einem Jahresumsatz von mehr als 800.000 Euro oder einem Gewinn über 80.000 Euro. Diese Schwellenwerte gelten unabhängig von der handelsrechtlichen Einordnung und führen – ab dem Wirtschaftsjahr nach Mitteilung durch das Finanzamt (§ 141 Abs. 2 AO) – zur Pflicht der Erstellung einer Bilanz statt einer einfachen Einnahmenüberschussrechnung (EÜR).
| Rechtsgrundlage | Schwellenwert | Folge |
|---|---|---|
| § 141 Abs. 1 Nr. 1 AO | Umsatz > 800.000 € | Buchführungspflicht |
| § 141 Abs. 1 Nr. 4 AO | Gewinn > 80.000 € | Buchführungspflicht |
| § 1 Abs. 2 HGB | kaufmännischer Geschäftsbetrieb | Handelsrechtliche Bilanzpflicht |
| § 2 HGB | Eintragung ins Handelsregister | Handelsrechtliche Bilanzpflicht |
Unterschiede zwischen handelsrechtlicher und steuerrechtlicher Bilanzpflicht
Beim Einzelunternehmen ist strikt zwischen der handelsrechtlichen Bilanzierungspflicht nach §§ 238 ff. HGB und der steuerrechtlichen Buchführungspflicht nach § 140, § 141 AO zu unterscheiden. Beide Verpflichtungen können parallel bestehen, haben jedoch unterschiedliche Anknüpfungspunkte und Rechtsfolgen. In der Praxis führt meist die steuerrechtliche Pflicht zum erstmaligen Erstellen einer Bilanz, während die handelsrechtliche Pflicht erst bei Handelsregistereintragung oder erheblichem Geschäftsumfang greift.
Handelsrechtliche Bilanzpflicht nach HGB
Die handelsrechtliche Bilanzierungspflicht entsteht nach § 238 Abs. 1 HGB für jeden Kaufmann. Für Einzelunternehmen bedeutet dies: Wer als Istkaufmann (§ 1 HGB) oder als eingetragener Kaufmann (§ 2 HGB) gilt, muss Bücher führen und jährlich eine Bilanz sowie eine Gewinn- und Verlustrechnung aufstellen. Die Handelsbilanz bildet die Grundlage für die steuerliche Gewinnermittlung nach § 5 Abs. 1 EStG, sofern keine abweichenden steuerlichen Bewertungsvorschriften greifen.
Steuerrechtliche Buchführungspflicht nach AO
Die steuerrechtliche Buchführungspflicht wird in § 140 AO geregelt und verweist für gewerbliche Unternehmen auf § 141 AO. Hier sind die oben genannten Schwellenwerte von 800.000 Euro Umsatz oder 80.000 Euro Gewinn maßgeblich. Wird einer der Schwellenwerte überschritten, beginnt die Buchführungspflicht mit dem Wirtschaftsjahr, das auf die Bekanntgabe der Mitteilung des Finanzamts folgt (§ 141 Abs. 2 AO). Die steuerliche Buchführungspflicht gilt unabhängig von einer Handelsregistereintragung.
Handelsrechtliche Bilanzpflicht
- Anknüpfung an Kaufmannseigenschaft (§ 1, § 2 HGB)
- Umfang nach Art und Größe des Betriebs
- Keine festen Schwellenwerte für Istkaufmann
- Offenlegung nur nach dem PublG
Steuerrechtliche Buchführungspflicht
- Anknüpfung an Umsatz- und Gewinnschwellen (§ 141 AO)
- 800.000 € Umsatz oder 80.000 € Gewinn
- Gilt auch ohne Handelsregistereintragung
- Keine Offenlegungspflicht
Schwellenwerte und Größenklassen für Einzelunternehmen
Die Größenklassen des § 267 HGB gelten nur für Kapitalgesellschaften und ihnen gleichgestellte Personenhandelsgesellschaften (§ 264a HGB) – nicht für Einzelkaufleute. Für Einzelunternehmen maßgeblich sind die Schwellenwerte des § 241a HGB, des § 141 AO und – bei sehr großen Unternehmen – des Publizitätsgesetzes. Die folgende Übersicht dient nur zur Orientierung, etwa bei einer geplanten Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft.
Größenklassen nach § 267 HGB (Stand 2026)
| Größenklasse | Bilanzsumme | Umsatzerlöse | Arbeitnehmer | Erfüllungsregel |
|---|---|---|---|---|
| Kleinstunternehmen (§ 267a) | ≤ 450.000 € | ≤ 900.000 € | ≤ 10 | 2 von 3 Merkmalen |
| Klein (§ 267 Abs. 1) | ≤ 7,5 Mio. € | ≤ 15,0 Mio. € | ≤ 50 | 2 von 3 Merkmalen |
| Mittelgroß (§ 267 Abs. 2) | ≤ 25,0 Mio. € | ≤ 50,0 Mio. € | ≤ 250 | 2 von 3 Merkmalen |
| Groß (§ 267 Abs. 3) | > 25,0 Mio. € | > 50,0 Mio. € | > 250 | 2 von 3 Merkmalen |
Die Zuordnung zu einer Größenklasse erfolgt nach dem Zwei-von-drei-Prinzip: Mindestens zwei der drei Schwellenwerte müssen an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen über- oder unterschritten werden, damit ein Wechsel der Größenklasse eintritt (§ 267 Abs. 4 HGB). Dies verhindert kurzfristige Schwankungen bei der Anwendung von Erleichterungsvorschriften.
Achtung: Größenklassen gelten nicht für Einzelunternehmen
Die Größenklassenregelungen des § 267 HGB gelten für Einzelunternehmen nicht – auch nicht bei Eintragung im Handelsregister. Einzelunternehmen haben grundsätzlich keine handelsrechtliche Offenlegungspflicht und müssen daher keine Größenklassenzuordnung vornehmen.
Aufstellung und Fristen für den Jahresabschluss beim Einzelunternehmen
Nach § 243 Abs. 3 HGB ist der Jahresabschluss innerhalb der einem ordnungsmäßigen Geschäftsgang entsprechenden Zeit aufzustellen. Für Einzelunternehmen, die als Kaufmann im Handelsregister eingetragen sind, gilt keine gesetzlich fest definierte Frist wie bei Kapitalgesellschaften. In der Praxis wird eine zeitnahe Aufstellung nach dem Bilanzstichtag erwartet. Anders verhält es sich bei der steuerlichen Abgabefrist: Hier gelten die Fristen nach § 149 AO für die Steuererklärung.
Handelsrechtliche Aufstellungsfristen
Während Kapitalgesellschaften nach § 264 Abs. 1 Satz 3 HGB den Jahresabschluss innerhalb der ersten drei Monate des Geschäftsjahres für das vergangene Geschäftsjahr aufstellen müssen, fehlt beim Einzelunternehmen eine vergleichbare konkrete Frist. Die Rechtsprechung legt den Begriff ordnungsmäßiger Geschäftsgang aus § 243 Abs. 3 HGB so aus, dass die Aufstellung ohne unangemessene Verzögerung zu erfolgen hat.
Steuerliche Abgabefristen nach § 149 AO
Für die steuerliche Gewinnermittlung und die Abgabe der Steuererklärung gelten die Fristen des § 149 AO. Ohne steuerliche Beratung ist die Steuererklärung bis zum 31. Juli des Folgejahres abzugeben. Bei Mandatierung eines Steuerberaters verlängert sich die Frist auf den letzten Februartag des übernächsten Jahres (für das Wirtschaftsjahr 2025 also bis 1. März 2027). Diese Fristverlängerung ist für buchführungspflichtige Einzelunternehmen von erheblicher praktischer Bedeutung.
31.07.2026
Abgabefrist ohne Steuerberater (Bilanzstichtag 31.12.2025)
28.02.2027
Verlängerte Frist mit Steuerberater
§ 243 Abs. 3
Aufstellung im ordnungsmäßigen Geschäftsgang (keine feste Frist)
Die verlängerten Abgabefristen bei steuerlicher Beratung verschaffen Einzelunternehmen deutlich mehr Zeit für eine sorgfältige Jahresabschlusserstellung. Gerade beim Übergang von der EÜR zur Bilanzierung ist diese Zeit wertvoll, um alle buchhalterischen Anforderungen korrekt umzusetzen.
Besteht eine Offenlegungspflicht für Einzelunternehmen?
Die Offenlegungspflicht nach § 325 HGB gilt grundsätzlich nur für Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, UG) und bestimmte Personenhandelsgesellschaften ohne natürliche Person als persönlich haftenden Gesellschafter (z. B. GmbH & Co. KG). Einzelkaufleute sind grundsätzlich nicht offenlegungspflichtig, selbst wenn sie im Handelsregister eingetragen sind und einen vollständigen Jahresabschluss nach HGB erstellen müssen. Eine Ausnahme gilt nur nach dem Publizitätsgesetz.
Ausnahmen von der Nicht-Offenlegungspflicht
Eine Offenlegungspflicht kann für Einzelunternehmen nur dann entstehen, wenn die Größenmerkmale des Publizitätsgesetzes (PublG) erreicht werden. Nach § 1 PublG sind Unternehmen jeder Rechtsform offenlegungspflichtig, wenn sie an drei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen mindestens zwei der drei folgenden Merkmale überschreiten: Bilanzsumme über 65 Mio. Euro, Umsatzerlöse über 130 Mio. Euro, mehr als 5.000 Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt.
Praxis-Tipp: Freiwillige Offenlegung
Einzelkaufleute können ihren Jahresabschluss freiwillig Geschäftspartnern oder Kreditgebern zur Verfügung stellen, um Transparenz zu schaffen. Gesetzlich vorgeschriebene Offenlegungen erfolgen seit dem 1. August 2022 (DiRUG) ausschließlich beim Unternehmensregister (www.unternehmensregister.de), nicht mehr im Bundesanzeiger.
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Einzelkaufleute haben keine Offenlegungspflicht nach § 325 HGB
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Auch bei Handelsregistereintragung bleibt die Bilanz nicht-öffentlich
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Offenlegungspflicht besteht nur bei Anwendung des Publizitätsgesetzes (PublG)
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Freiwillige Weitergabe an Banken oder Geschäftspartner ist möglich
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Offenlegung erfolgt ausschließlich beim Unternehmensregister, nicht beim Bundesanzeiger
Umstellung von der EÜR auf die Bilanzierung
Wenn ein Einzelunternehmen die Schwellenwerte nach § 141 AO überschreitet oder sich ins Handelsregister eintragen lässt, muss es von der einfachen Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) nach § 4 Abs. 3 EStG auf die Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 oder § 5 EStG umstellen. Diese Umstellung ist buchhalterisch und steuerlich komplex und erfordert die Erstellung einer Eröffnungsbilanz sowie die laufende doppelte Buchführung.
Erstellung der Eröffnungsbilanz
Der erste Schritt bei der Umstellung ist die Aufstellung einer Eröffnungsbilanz zum Beginn des ersten buchführungspflichtigen Wirtschaftsjahres. Hierbei werden die Wirtschaftsgüter grundsätzlich mit den Werten angesetzt, die sich bei durchgehender Bilanzierung ergeben hätten (z. B. Anlagevermögen mit fortgeführten Anschaffungskosten); stille Reserven werden nicht aufgedeckt. Besondere Beachtung verdienen offene Forderungen, Warenbestände und Verbindlichkeiten, die bisher in der EÜR nicht erfasst wurden. Die Differenz zwischen Vermögen und Schulden bildet das Eigenkapital zum Umstellungszeitpunkt.
Übergangsgewinn und steuerliche Folgen
Bei der Umstellung von der EÜR auf die Bilanzierung entsteht regelmäßig ein sogenannter Übergangsgewinn, der aus bisher nicht erfassten Wirtschaftsgütern und Verbindlichkeiten resultiert. Nach R 4.6 Abs. 1 EStR kann dieser Übergangsgewinn auf Antrag auf das Jahr des Übergangs und die beiden Folgejahre verteilt werden, um eine unverhältnismäßige Steuerbelastung zu vermeiden.
Wichtig: Rechtzeitige Vorbereitung der Umstellung
Die Umstellung von der EÜR auf die Bilanzierung sollte nicht erst nach Ablauf des Wirtschaftsjahres erfolgen, sondern idealerweise bereits während des laufenden Jahres vorbereitet werden. Eine unterjährige Bestandsaufnahme, die Implementierung einer Buchführungssoftware und die Erfassung aller Geschäftsvorfälle nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) erleichtern die Erstellung der Eröffnungsbilanz erheblich.
Wer die Umstellung professionell begleiten lassen möchte, findet bei spezialisierten Steuerberatern Unterstützung.
Pflichtbestandteile des Jahresabschlusses beim Einzelunternehmen
Der handelsrechtliche Jahresabschluss eines Einzelunternehmens besteht nach § 242 HGB aus der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). Anders als bei Kapitalgesellschaften muss grundsätzlich weder ein Anhang noch ein Lagebericht aufgestellt werden.
Die Bilanz nach § 247 HGB
Die Bilanz stellt die Vermögens- und Schuldenlage des Unternehmens zum Abschlussstichtag dar. Sie gliedert sich in Aktivseite (Vermögen) und Passivseite (Eigenkapital und Schulden). Das Gliederungsschema des § 266 HGB ist für Einzelkaufleute nicht vorgeschrieben; maßgeblich ist § 247 Abs. 1 HGB (gesonderter Ausweis und hinreichende Aufgliederung), wobei sich viele an § 266 HGB orientieren. Die Aktivseite umfasst Anlagevermögen (z. B. Grundstücke, Maschinen, Beteiligungen) und Umlaufvermögen (z. B. Vorräte, Forderungen, Kasse). Die Passivseite zeigt das Eigenkapital sowie die kurz- und langfristigen Verbindlichkeiten.
Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
Die GuV stellt den Erfolg des Unternehmens im abgelaufenen Geschäftsjahr dar. Ein Gliederungsschema ist für Einzelkaufleute nicht vorgeschrieben; häufig orientiert man sich an dem Gesamtkostenverfahren (§ 275 Abs. 2 HGB) oder dem Umsatzkostenverfahren (§ 275 Abs. 3 HGB). Das Gesamtkostenverfahren orientiert sich an der Art der Kosten (z. B. Materialaufwand, Personalaufwand), während das Umsatzkostenverfahren die Kosten nach Funktionsbereichen (Herstellungskosten, Vertriebskosten, Verwaltungskosten) gliedert. Sie muss klar und übersichtlich sein (§ 243 Abs. 2 HGB).
Bilanz (§§ 242, 247 HGB)
- Vermögenslage zum Stichtag
- Aktivseite: Anlage- und Umlaufvermögen
- Passivseite: Eigenkapital und Schulden
- Gliederung nach § 247 HGB (Orientierung an § 266 HGB)
GuV (§ 242 HGB)
- Erfolgsrechnung des Geschäftsjahres
- Gesamtkosten- oder Umsatzkostenverfahren
- Erträge und Aufwendungen
- Jahresüberschuss/-fehlbetrag
Anhang (nicht vorgeschrieben)
- Erläuterungen zu Bilanz und GuV
- Angabe von Bewertungsmethoden
- Haftungsverhältnisse
- Bei Einzelunternehmen grundsätzlich nicht erforderlich
Konsequenzen bei Nichterfüllung der Bilanzpflicht
Die Nichterfüllung der Bilanzierungs- und Buchführungspflicht zieht sowohl steuerliche als auch handelsrechtliche Konsequenzen nach sich. Bei Verstößen gegen die steuerliche Buchführungspflicht nach § 141 AO drohen Schätzungsbescheide des Finanzamts, Verspätungszuschläge und im Extremfall strafrechtliche Konsequenzen wegen Steuerhinterziehung. Bei Verstößen gegen handelsrechtliche Pflichten können Ordnungsgelder nach § 335 HGB verhängt werden, sofern eine Offenlegungspflicht besteht.
Steuerliche Folgen bei fehlender Buchführung
Kommt ein Einzelunternehmer seiner steuerlichen Buchführungspflicht nicht nach, ist das Finanzamt nach § 162 AO berechtigt, die Besteuerungsgrundlagen zu schätzen. Die Schätzung kann zu Ungunsten des Steuerpflichtigen ausfallen und zu erheblichen Nachzahlungen führen. Zudem können Verspätungszuschläge nach § 152 AO in Höhe von 0,25 % der festgesetzten Steuer pro Monat, mindestens jedoch 25 Euro pro Monat, festgesetzt werden. Bei Nichtabgabe der Steuererklärung kann zudem ein Zwangsgeld (§ 328 AO) festgesetzt werden; führt sie zu einer Steuerverkürzung, kommen eine Ahndung nach § 378 AO oder eine Strafverfolgung nach § 370 AO in Betracht.
Handelsrechtliche Ordnungsgelder (nur bei Offenlegungspflicht)
Da Einzelunternehmen grundsätzlich nicht offenlegungspflichtig sind, kommt ein Ordnungsgeldverfahren nach § 335 HGB in der Regel nicht zur Anwendung. Nur wenn ein Einzelunternehmen unter das Publizitätsgesetz fällt und seiner Offenlegungspflicht nach § 325 HGB nicht nachkommt, kann das Bundesamt für Justiz ein Ordnungsgeld zwischen 2.500 und 25.000 Euro festsetzen. Diese Situation ist in der Praxis jedoch äußerst selten.
Vorsicht: Schätzungen fallen oft ungünstig aus
Finanzamtliche Schätzungen orientieren sich an Richtsatzsammlungen und Vergleichsbetrieben. Verletzt der Steuerpflichtige seine Mitwirkungspflichten, darf das Finanzamt den Schätzungsrahmen zu seinen Lasten ausschöpfen. Eine ordnungsgemäße Buchführung und fristgerechte Abgabe des Jahresabschlusses ist daher nicht nur rechtlich geboten, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.
| Verstoß | Rechtsgrundlage | Sanktion |
|---|---|---|
| Keine Steuererklärung abgegeben | § 152 AO | Verspätungszuschlag 0,25 % / Monat, mind. 25 € / Monat |
| Buchführungspflicht nicht erfüllt | § 162 AO | Schätzung der Besteuerungsgrundlagen |
| Vorsätzliche Steuerhinterziehung | § 370 AO | Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis 5 Jahre |
| Offenlegungspflicht nicht erfüllt (nur PublG) | § 335 HGB | Ordnungsgeld 2.500–25.000 € |
Um steuerliche und rechtliche Risiken zu vermeiden, sollten Einzelunternehmer bei Überschreitung der Schwellenwerte zeitnah prüfen, ob sie fachkundige Unterstützung, etwa durch einen Steuerberater, benötigen.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich freiwillig eine Bilanz erstellen, obwohl ich nicht bilanzpflichtig bin?
Ja, die freiwillige Bilanzierung ist jederzeit möglich und kann bei Banken, Investoren oder zur besseren betriebswirtschaftlichen Steuerung vorteilhaft sein. Ein Wechsel zurück zur EÜR ist nach der Rechtsprechung des BFH allerdings grundsätzlich erst nach Ablauf von drei Wirtschaftsjahren möglich, sofern keine Buchführungspflicht besteht.
Was passiert, wenn ich im Folgejahr wieder unter die Schwellenwerte falle?
Steuerlich endet die Buchführungspflicht nach § 141 Abs. 2 Satz 2 AO mit Ablauf des Wirtschaftsjahres, das auf das Wirtschaftsjahr folgt, in dem das Finanzamt feststellt, dass die Voraussetzungen nicht mehr vorliegen. Handelsrechtlich setzt die Befreiung nach § 241a HGB voraus, dass die Schwellenwerte an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen nicht überschritten werden.
Muss ich als Einzelunternehmer einen Steuerberater beauftragen?
Nein, grundsätzlich können Sie Ihre Bilanz selbst erstellen. Fachkundige Unterstützung, etwa durch einen Steuerberater, kann sinnvoll sein, da Fehler in der Bilanzierung zu Steuernachzahlungen, Zuschlägen und bei groben Verstößen zu strafrechtlichen Konsequenzen führen können.
Gilt die Bilanzpflicht auch für nebenberufliche Einzelunternehmer?
Ja. Maßgeblich sind die Kaufmannseigenschaft bzw. die Schwellenwerte des § 141 AO – nicht, ob die Tätigkeit haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird. Auch nebenberufliche Einzelunternehmer müssen bilanzieren, sobald sie die gesetzlichen Grenzen überschreiten.
Welche Aufbewahrungsfristen gelten für Bilanzen und Bücher?
Nach § 257 HGB und § 147 AO müssen Jahresabschlüsse, Bilanzen, Inventare und Handelsbücher zehn Jahre, Buchungsbelege acht Jahre aufbewahrt werden. Die Frist beginnt mit dem Schluss des Kalenderjahres, in dem die letzte Eintragung erfolgte. Geschäftsbriefe sind sechs Jahre aufzubewahren.
Was ist der Unterschied zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz?
Die Handelsbilanz richtet sich nach den Vorschriften des HGB und dient der Information über die Vermögens- und Ertragslage. Die Steuerbilanz folgt den steuerrechtlichen Vorschriften und ist Grundlage für die Gewinnermittlung. Aufgrund unterschiedlicher Bewertungsvorschriften können sich Abweichungen ergeben.
Hinweis: Dieser Artikel dient zu allgemeinen Informationszwecken. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung. Gesetzliche Grundlagen: § 241a HGB (Befreiung von der Buchführungspflicht), § 141 AO (Buchführungs- und Aufzeichnungspflichten), § 267 HGB (Größenklassen), § 242 HGB (Pflicht zur Aufstellung). Nächste redaktionelle Prüfung: Oktober 2026.









Fabian Klement
Jakob Röß
Dr. Jeannine Dinnebier
