AfA Einbauküche 2026: Abschreibung & Nutzungsdauer
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026 · Lesezeit: ca. 8 Minuten
Eine Einbauküche wird steuerlich als ein einziges Wirtschaftsgut über 10 Jahre abgeschrieben – das hat der Bundesfinanzhof 2016 entschieden. Dieser Beitrag erklärt, was daraus für die Abschreibung in der GmbH folgt, wann die degressive AfA möglich ist, warum die GWG-Regeln meist nicht greifen und wie Austausch und Modernisierung zu behandeln sind.
Kurzantwort
Eine Einbauküche – Einbaumöbel, Spüle, Herd und Elektrogeräte – ist nach dem BFH-Urteil vom 3.8.2016 (IX R 14/15) ein einheitliches Wirtschaftsgut mit einer Nutzungsdauer von 10 Jahren. Linear sind das 10 % der Anschaffungskosten pro Jahr, im Anschaffungsjahr monatsgenau. Für Anschaffungen von Juli 2025 bis Dezember 2027 ist alternativ die degressive AfA mit 30 % vom Restbuchwert möglich. Weil die Küche als Ganzes zählt, können einzelne Teile nicht als GWG sofort abgeschrieben werden.
Die Nutzungsdauern anderer Wirtschaftsgüter finden Sie in unserer AfA-Tabelle 2026.
Inhaltsverzeichnis
Einbauküche als einheitliches Wirtschaftsgut
Früher behandelte die Finanzverwaltung Spüle und Herd als unselbständige Gebäudebestandteile und die übrigen Küchenteile als eigenständige Wirtschaftsgüter. Diese Sicht hat der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 3.8.2016 (IX R 14/15) aufgegeben: Eine Einbauküche mit Spüle, Herd, Einbaumöbeln und Elektrogeräten ist ein einheitliches Wirtschaftsgut. Sie ist kein Teil des Gebäudes, sondern wird getrennt davon abgeschrieben.
Daraus folgt dreierlei: Die Küche wird als Ganzes aktiviert, einzelne Bestandteile können nicht gesondert als geringwertige Wirtschaftsgüter behandelt werden, und die Erneuerung der kompletten Küche ist eine neue Anschaffung und kein sofort abziehbarer Erhaltungsaufwand.
Welche Nutzungsdauer gilt?
Der BFH hat für die Einbauküche eine Nutzungsdauer von 10 Jahren angesetzt. Eine eigene Position für Einbauküchen enthält die amtliche AfA-Tabelle für allgemein verwendbare Anlagegüter nicht; die 10 Jahre beruhen auf dieser Rechtsprechung und werden in der Praxis allgemein angewendet. Eine kürzere Nutzungsdauer ist nur vertretbar, wenn sie im Einzelfall begründet und nachgewiesen werden kann, etwa bei außergewöhnlich intensiver Nutzung.
Bei einer gebraucht erworbenen Einbauküche ist die Restnutzungsdauer nach Alter und Zustand zu schätzen.
AfA berechnen: linear und degressiv
Anschaffungskosten
Zu den Anschaffungskosten (§ 255 Abs. 1 HGB) gehören neben dem Kaufpreis die Lieferung, die Montage und die Anschlusskosten für Wasser, Abwasser und Strom. Bei vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen, also im Regelfall bei der GmbH, wird netto aktiviert.
Lineare AfA
Bei 10 Jahren Nutzungsdauer beträgt die lineare AfA 10 % pro Jahr (§ 7 Abs. 1 EStG). Im Anschaffungsjahr wird monatsgenau zeitanteilig abgeschrieben (§ 7 Abs. 1 Satz 4 EStG).
Degressive AfA
Die degressive AfA nach § 7 Abs. 2 EStG ist für bewegliche Wirtschaftsgüter nur in bestimmten Anschaffungszeiträumen zulässig:
| Anschaffungszeitraum | Höchstsatz | Bei 10 Jahren Nutzungsdauer |
|---|---|---|
| 01.01.2020 – 31.12.2022 | 25 %, max. 2,5-fach linear | 25 % |
| 01.04.2024 – 31.12.2024 | 20 %, max. 2-fach linear | 20 % |
| 01.07.2025 – 31.12.2027 | 30 %, max. 3-fach linear | 30 % |
Die degressive AfA wird jeweils vom Restbuchwert berechnet. Ein späterer Wechsel zur linearen AfA ist zulässig, der umgekehrte Wechsel nicht.
Beispielrechnung
Eine GmbH kauft am 15.07.2025 eine Einbauküche für ihre Büroküche: Kaufpreis 12.000 €, Lieferung 300 €, Montage 700 €, Anschaffungskosten insgesamt 13.000 € netto.
Linear: 2025: 13.000 € × 10 % × 6/12 = 650 €; ab 2026: 1.300 € pro Jahr.
Degressiv (Anschaffung im begünstigten Zeitraum): 2025: 13.000 € × 30 % × 6/12 = 1.950 €; 2026: (13.000 € − 1.950 €) × 30 % = 3.315 €.
GWG, Sammelposten und § 7g EStG
Geringwertige Wirtschaftsgüter bis 800 € netto können sofort abgeschrieben werden (§ 6 Abs. 2 EStG); für Wirtschaftsgüter über 250 € bis 1.000 € netto kann wahlweise ein Sammelposten gebildet werden, der über fünf Jahre aufgelöst wird (§ 6 Abs. 2a EStG). Beides setzt voraus, dass das Wirtschaftsgut selbständig nutzbar ist.
Daran scheitert es bei der Einbauküche: Ihre Bestandteile sind Teil des einheitlichen Wirtschaftsguts und nicht selbständig nutzbar. Eine Aufteilung der Rechnung in Einzelpositionen ändert daran nichts. Nur ein frei stehendes Gerät, das unabhängig von einer Einbauküche angeschafft und genutzt wird, kann selbst ein GWG sein.
Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung
Für bewegliche Wirtschaftsgüter kommen Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung nach § 7g EStG in Betracht, auch für eine GmbH. Voraussetzung ist ein Gewinn von höchstens 200.000 Euro im Wirtschaftsjahr des Abzugs und eine ausschließliche oder fast ausschließliche (mindestens 90 %) betriebliche Nutzung in einer inländischen Betriebsstätte im Jahr der Anschaffung und im Folgejahr. Eine Büroküche in den eigenen Geschäftsräumen kann diese Voraussetzungen erfüllen; bei langfristiger Vermietung an Dritte sind sie dagegen regelmäßig nicht erfüllt.
Einbauküche in vermieteten Immobilien
Gehört eine vermietete Immobilie zum Betriebsvermögen einer GmbH, wird die mitvermietete Einbauküche getrennt vom Gebäude aktiviert und über 10 Jahre abgeschrieben; die AfA ist Betriebsausgabe. Bei privaten Vermietern ist sie Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung. Abschreiben darf nur, wer die Küche angeschafft hat; schafft der Mieter die Küche an, hat der Vermieter keine AfA.
Die AfA läuft unabhängig von Mieterwechseln weiter. Sie beginnt mit der Anschaffung der Küche, nicht mit dem Beginn eines Mietverhältnisses.
Ausweis in der GmbH-Bilanz
Die Einbauküche wird unter den Sachanlagen im Posten A.II.3. „Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung“ ausgewiesen (§ 266 Abs. 2 HGB) und mit den Anschaffungskosten abzüglich planmäßiger Abschreibungen bewertet (§ 253 Abs. 1 und 3 HGB). Bei voraussichtlich dauernder Wertminderung, etwa nach einem Wasserschaden, ist außerplanmäßig abzuschreiben (§ 253 Abs. 3 Satz 5 HGB).
Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften stellen die Entwicklung des Anlagevermögens im Anlagenspiegel im Anhang dar (§ 284 Abs. 3 HGB); kleine Kapitalgesellschaften sind davon befreit (§ 288 Abs. 1 HGB). Eine Anlagenbuchhaltung mit Anschaffungsdatum, Anschaffungskosten, Nutzungsdauer und AfA ist in jedem Fall sinnvoll.
Handels- und Steuerbilanz stimmen bei linearer AfA in der Regel überein. Die degressive AfA nach § 7 Abs. 2 EStG und die Sonderabschreibung nach § 7g EStG sind steuerliche Wahlrechte, die unabhängig von der Handelsbilanz ausgeübt werden können (§ 5 Abs. 1 Satz 1 EStG).
Einbauküche in einer Wohnung für den Geschäftsführer
Überlässt die GmbH dem Geschäftsführer eine Wohnung mit Einbauküche, bleiben Wohnung und Küche Vermögen der GmbH; die GmbH schreibt die Küche ab. Entscheidend ist, auf welcher Grundlage die Überlassung erfolgt:
- Vereinbarte Miete: Zahlt der Geschäftsführer eine fremdübliche Miete, liegt eine normale Vermietung vor.
- Teil der Vergütung: Ist die verbilligte oder unentgeltliche Überlassung im Anstellungsvertrag vereinbart, ist der Vorteil beim Geschäftsführer als Sachbezug Arbeitslohn (§ 8 Abs. 2 EStG).
- Ohne klare Vereinbarung: Bei einem Gesellschafter-Geschäftsführer droht eine verdeckte Gewinnausschüttung (§ 8 Abs. 3 Satz 2 KStG).
Eine Küche in der privaten Wohnung des Geschäftsführers, die ihm selbst gehört, ist dagegen kein Vermögen der GmbH und wird dort nicht abgeschrieben.
Reparatur, Modernisierung und Austausch
| Maßnahme | Behandlung | Beispiel |
|---|---|---|
| Reparatur, Ersatz einzelner Teile | Sofort abziehbarer Erhaltungsaufwand | Neue Scharniere, defekter Wasserhahn, Ersatz eines einzelnen Geräts |
| Erweiterung oder wesentliche Verbesserung | Nachträgliche Anschaffungskosten, AfA über die Restnutzungsdauer | Zusätzliche Schränke, Geschirrspüler, wo vorher keiner war |
| Komplette Erneuerung | Neue Anschaffung; alte Küche ausbuchen, neue über 10 Jahre abschreiben | Alte Küche entfernt, neue Küche eingebaut |
Beim Komplettaustausch wird der Restbuchwert der alten Küche als Aufwand aus dem Anlagenabgang erfasst (sonstiger betrieblicher Aufwand). Ein Verkaufserlös wird dem Restbuchwert gegenübergestellt; die Differenz ist Gewinn oder Verlust aus dem Abgang.
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Häufig gestellte Fragen
Kann eine Einbauküche degressiv abgeschrieben werden?
Ja, wenn sie in einem der gesetzlichen Zeiträume angeschafft wurde: 2020 bis 2022 (bis 25 %), April bis Dezember 2024 (bis 20 %) oder nach dem 30.06.2025 bis Ende 2027 (bis 30 %, höchstens das Dreifache des linearen Satzes). Bei 10 Jahren Nutzungsdauer sind das für Anschaffungen von Juli 2025 bis Dezember 2027 30 % vom Restbuchwert. Außerhalb dieser Zeiträume gilt die lineare AfA mit 10 % pro Jahr.
Muss ich die Einbauküche als Ganzes oder einzeln abschreiben?
Als Ganzes. Nach dem BFH-Urteil vom 3.8.2016 (IX R 14/15) ist eine Einbauküche mit Spüle, Herd, Einbaumöbeln und Elektrogeräten ein einheitliches Wirtschaftsgut mit einer Nutzungsdauer von 10 Jahren. Einzelne Bestandteile können deshalb nicht als geringwertige Wirtschaftsgüter sofort abgeschrieben werden.
Was passiert, wenn die Einbauküche vor Ablauf der Nutzungsdauer ausgetauscht wird?
Die alte Küche wird ausgebucht; ihr Restbuchwert ist Aufwand aus dem Anlagenabgang. Ein Verkaufserlös wird dem Restbuchwert gegenübergestellt. Die neue Küche wird mit ihren Anschaffungskosten aktiviert und erneut über 10 Jahre abgeschrieben. Ein Komplettaustausch ist kein sofort abziehbarer Erhaltungsaufwand.
Welche Nebenkosten gehören zu den Anschaffungskosten der Einbauküche?
Neben dem Kaufpreis gehören Lieferung, Montage und Anschlusskosten zu den Anschaffungskosten (§ 255 Abs. 1 HGB). Bei vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen wird netto aktiviert.
Gilt für gebrauchte Einbauküchen eine andere Nutzungsdauer?
Ja. Bei einer gebraucht erworbenen Einbauküche wird die Restnutzungsdauer nach Alter und Zustand geschätzt; die AfA richtet sich dann nach dieser Restnutzungsdauer statt nach den vollen 10 Jahren.
Hinweis: Dieser Artikel dient zu allgemeinen Informationszwecken und ersetzt keine steuerliche Beratung im Einzelfall. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung. Grundlagen: § 7 EStG, § 6 EStG, § 7g EStG, § 253 HGB, BFH-Urteil vom 3.8.2016, IX R 14/15. Nächste redaktionelle Prüfung: April 2027.
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Fabian Klement
Jakob Röß
Dr. Jeannine Dinnebier
