Betriebsabrechnungsbogen (BAB): Aufbau, Berechnung und Beispiel
Wie viel kostet die Verwaltung wirklich, und wie fließt das in den Verkaufspreis eines Produkts ein? Der Betriebsabrechnungsbogen beantwortet genau diese Frage: Er verteilt die Gemeinkosten eines Unternehmens auf die Kostenstellen, die sie verursacht haben, und liefert damit die Grundlage für eine fundierte Kalkulation.
Kurzantwort
Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) ist eine tabellarische Rechnung der Kostenstellenrechnung: In den Zeilen stehen die Gemeinkostenarten, in den Spalten die Kostenstellen. Er verteilt die Gemeinkosten mithilfe von Verteilungsschlüsseln auf die Kostenstellen und ermittelt daraus Gemeinkostenzuschlagssätze, die anschließend in die Kalkulation der Verkaufspreise einfließen.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Betriebsabrechnungsbogen?
Der Betriebsabrechnungsbogen gehört zur Kosten- und Leistungsrechnung (internes Rechnungswesen) und ist dort das zentrale Instrument der Kostenstellenrechnung. Seine Aufgabe: die Gemeinkosten eines Unternehmens verursachungsgerecht auf die Kostenstellen zu verteilen, in denen sie angefallen sind – etwa Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb.
Einzelkosten und Gemeinkosten
Für den BAB ist die Unterscheidung zwischen zwei Kostenarten entscheidend:
Einzelkosten
Kosten, die einem Produkt oder einem Auftrag direkt und eindeutig zugerechnet werden können – zum Beispiel das Material, das in ein bestimmtes Produkt eingeht.
Gemeinkosten
Kosten, die mehreren Produkten oder Aufträgen gemeinsam dienen und sich nicht direkt zuordnen lassen – etwa Miete, Energie oder Gehälter der Verwaltung. Genau diese Kosten verteilt der BAB.
Aufbau: einstufiger und mehrstufiger BAB
Ein BAB listet in den Zeilen die Gemeinkostenarten und in den Spalten die Kostenstellen auf. Es gibt zwei Ausprägungen:
- Einstufiger BAB: enthält nur die Hauptkostenstellen (z. B. Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb) – geeignet für eine einfache Kostenübersicht.
- Mehrstufiger BAB: bezieht zusätzlich allgemeine Kostenstellen und Hilfskostenstellen ein – etwa Kantine, Fuhrpark oder innerbetriebliche Energieversorgung –, deren Kosten erst in einem weiteren Schritt auf die Hauptkostenstellen umgelegt werden, bevor die Zuschlagssätze gebildet werden.
Die vier Schritte im BAB
Rechenbeispiel
Ein Industriebetrieb hat vier Hauptkostenstellen: Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb. Nach der Primärkostenverteilung ergeben sich für die Kostenstelle Material Gemeinkosten von 16.000 € bei Einzelkosten (Zuschlagsgrundlage) von 80.000 €:
| Position | Wert |
|---|---|
| Gemeinkosten Kostenstelle Material | 16.000 € |
| Zuschlagsgrundlage (Materialeinzelkosten) | 80.000 € |
| Materialgemeinkostenzuschlagssatz | 16.000 € ÷ 80.000 € × 100 = 20 % |
Dieser Zuschlagssatz bedeutet: Für jeden Euro Materialeinzelkosten werden 20 Cent Materialgemeinkosten auf das Produkt umgelegt. Analog werden Fertigungs-, Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkostenzuschlagssätze ermittelt, die zusammen in die Kalkulation der Herstell- und Selbstkosten einfließen.
Wozu dient das Ergebnis?
Die im BAB ermittelten Gemeinkostenzuschlagssätze sind die Grundlage der Zuschlagskalkulation: Material-Einzelkosten plus Materialgemeinkosten ergeben die Materialkosten; zuzüglich Fertigungs-Einzelkosten und Fertigungsgemeinkosten ergeben sich die Herstellkosten; Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten (meist auf Basis der Herstellkosten) führen schließlich zu den Selbstkosten, auf deren Basis der Verkaufspreis kalkuliert wird.
Fazit
Der Betriebsabrechnungsbogen macht sichtbar, was in der Finanzbuchhaltung allein nicht erkennbar ist: wie viel welche Abteilung tatsächlich kostet und wie sich das auf den Preis eines einzelnen Produkts auswirkt. Für Unternehmen mit mehreren Kostenstellen und differenzierten Produkten ist er ein zentrales Werkzeug, um Kosten verursachungsgerecht zu verteilen und Preise realistisch zu kalkulieren.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Betriebsabrechnungsbogen (BAB) einfach erklärt?
Ein Betriebsabrechnungsbogen ist eine tabellarische Rechnung der Kostenstellenrechnung, die Gemeinkosten eines Unternehmens auf die einzelnen Kostenstellen verteilt und daraus Gemeinkostenzuschlagssätze für die Kalkulation ermittelt.
Was ist der Unterschied zwischen einem einstufigen und einem mehrstufigen BAB?
Ein einstufiger BAB enthält nur die Hauptkostenstellen wie Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb. Ein mehrstufiger BAB bezieht zusätzlich allgemeine Kostenstellen und Hilfskostenstellen ein, deren Kosten erst in einem weiteren Schritt auf die Hauptkostenstellen umgelegt werden.
Wie berechnet man den Gemeinkostenzuschlagssatz?
Der Gemeinkostenzuschlagssatz einer Kostenstelle ergibt sich, indem die Summe ihrer Gemeinkosten durch die zugehörige Zuschlagsgrundlage (meist die Einzelkosten der Kostenstelle) geteilt und mit 100 multipliziert wird.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Steuerliche Beratung im Einzelfall erteilen ausschließlich Steuerberater. Stand: Oktober 2026.







Fabian Klement
Jakob Röß
Dr. Jeannine Dinnebier