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Lesedauer

14–21 Minuten

OnlineBilanz›Blog›Bilanz OHG Checkliste

Bilanz OHG Checkliste 2026: Pflichten & Praxis

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 · Lesezeit: ca. 10 Minuten

Die offene Handelsgesellschaft (OHG) unterliegt als Kaufmann nach § 238 HGB der Buchführungs- und Bilanzierungspflicht. Doch welche Größenklasse gilt, welche Besonderheiten bestehen bei Gesellschafterkonten und Gewinnverteilung, und wann greift die Offenlegungspflicht? Diese Checkliste führt Sie Schritt für Schritt durch die Bilanzierung der OHG – von der Vorbereitung bis zur Einreichung beim Unternehmensregister.

SG
Servet Gündogan

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Als Büroleiter ist Servet erster Ansprechpartner für Kundinnen und Kunden. Er führt das Erstgespräch, betreut die Abläufe auf der Plattform und stimmt sich bei beauftragter Prüfung mit dem jeweils beauftragten, kooperierenden Steuerberater ab.

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Kurzantwort

Jede OHG ist nach § 238 HGB buchführungs- und bilanzierungspflichtig, unabhängig von ihrer Größe. Bei OHG i. S. d. § 264a HGB (keine natürliche Person als Vollhafter) bestimmt die Größenklasse nach § 267 HGB, ob Anhang, Lagebericht oder Prüfungspflicht erforderlich sind. Besonderheiten bestehen bei der Darstellung der Gesellschafterkonten im Eigenkapital und der Gewinnverteilung. Offenlegungspflichten greifen nur bei OHG i. S. d. § 264a HGB (§ 325 HGB) und bei sehr großen OHG nach dem Publizitätsgesetz.

Wann muss eine OHG eine Bilanz erstellen?

Die offene Handelsgesellschaft (OHG) ist nach § 238 Abs. 1 HGB grundsätzlich als Kaufmann zur ordnungsgemäßen Buchführung und damit auch zur Bilanzierung verpflichtet. Jede OHG muss daher einen Jahresabschluss erstellen, der aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung besteht (§ 242 Abs. 3 HGB). Die Buchführungspflicht entsteht mit Aufnahme des Handelsgewerbes, spätestens mit der Eintragung ins Handelsregister, und besteht unabhängig von Größe oder Umsatz fort.

Der Jahresabschluss ist gemäß § 243 Abs. 3 HGB innerhalb der einem ordnungsmäßigen Geschäftsgang entsprechenden Zeit aufzustellen; für OHG i. S. d. § 264a HGB gelten die Fristen des § 264 Abs. 1 HGB (drei bzw. bei kleinen Gesellschaften sechs Monate). Für OHGs, die nach § 264a HGB als Kapitalgesellschaft & Co. strukturiert sind (z.B. GmbH & Co. OHG), gelten erweiterte Offenlegungs- und Prüfungspflichten. Bei einer klassischen OHG ohne Komplementär-Kapitalgesellschaft besteht dagegen keine Offenlegungspflicht beim Unternehmensregister.

Hinweis

Eine OHG, die ausschließlich natürliche Personen als Gesellschafter hat, ist zwar zur Bilanzierung verpflichtet, muss den Jahresabschluss aber nicht veröffentlichen. Anders bei der GmbH & Co. OHG: Hier greifen die Offenlegungspflichten nach § 325 HGB über § 264a HGB.

Sonderfall: Kleinunternehmer-Regelung

Auch wenn eine OHG umsatzsteuerlich unter die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG fallen könnte, bleibt die handelsrechtliche Buchführungs- und Bilanzierungspflicht nach § 238 HGB bestehen. Dies gilt übrigens ebenso für andere Personengesellschaften: So trifft die Bilanzierungspflicht einer GbR unter bestimmten Voraussetzungen vergleichbare handelsrechtliche Anforderungen. Die umsatzsteuerliche Befreiung betrifft ausschließlich die Vorsteuerabzugsberechtigung und Umsatzsteuerpflicht, nicht jedoch die handelsrechtlichen Pflichten.

Welche Größenklasse gilt für die OHG?

Die handelsrechtlichen Größenklassen nach § 267 HGB gelten zunächst nur für Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, UG). Eine klassische OHG mit natürlichen Personen als Gesellschafter fällt nicht unter diese Regelung und hat daher keine formale Größenklassenzuordnung. Entscheidend wird die Größenklasse jedoch, sobald keine natürliche Person unbeschränkt haftet (z.B. GmbH & Co. OHG) – dann greifen die Vorschriften des § 264a HGB.

Größenklasse Bilanzsumme Umsatzerlöse Arbeitnehmer
Klein (§ 267 Abs. 1 HGB) ≤ 7,5 Mio. € ≤ 15 Mio. € ≤ 50
Mittelgroß (§ 267 Abs. 2 HGB) ≤ 25 Mio. € ≤ 50 Mio. € ≤ 250
Groß (§ 267 Abs. 3 HGB) > 25 Mio. € > 50 Mio. € > 250

Die Schwellenwerte müssen an zwei aufeinanderfolgenden Bilanzstichtagen überschritten (Aufstieg) bzw. unterschritten (Abstieg) werden. Für die Zuordnung genügen zwei von drei Merkmalen. Die Werte wurden zuletzt 2024 angehoben (für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2023 beginnen).

Achtung

Auch wenn eine klassische OHG nicht offenlegungspflichtig ist: Die Größenklassen sind dennoch relevant für interne Entscheidungen (z.B. Prüfungspflicht bei Kreditvergabe, Reporting gegenüber Banken). Zudem kann eine freiwillige Orientierung an den Größenklassen sinnvoll sein, um konsistente Bilanzierungsstandards zu etablieren.

Checkliste: Vorbereitung des OHG-Jahresabschlusses

Die Aufstellung einer ordnungsgemäßen Bilanz erfordert eine strukturierte Vorbereitung. Für OHG-Gesellschafter und Buchhalter ist es entscheidend, alle relevanten Unterlagen, Belege und Abstimmungen rechtzeitig bereitzustellen. Ähnlich wie bei der Bilanzerstellung einer GbR gelten auch für die OHG klare Schritte, die im Jahresabschlussprozess einzuhalten sind – die folgende Checkliste gibt einen strukturierten Überblick.

  • Kontenabstimmung: Alle Haupt- und Nebenbücher sind mit den Bank- und Kassenauszügen abgeglichen
  • Inventur: Warenbestand, Anlagevermögen und Forderungen sind körperlich oder buchmäßig erfasst (§ 240 HGB)
  • Abgrenzungen: Aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten (ARAP/PRAP) sind gebucht
  • Rückstellungen: Pensionsrückstellungen, Urlaubsrückstellungen, Steuerrückstellungen sind bewertet
  • Anlagenspiegel: Zu- und Abgänge, Abschreibungen sind dokumentiert
  • Forderungen und Verbindlichkeiten: Offene Posten sind abgestimmt, Wertberichtigungen geprüft
  • Belege: Alle buchungsrelevanten Belege sind vollständig, geordnet und GoBD-konform archiviert
  • Gesellschafterbeschlüsse: Entnahmen, Einlagen, Gewinnverteilungsschlüssel sind dokumentiert

Viele OHGs unterschätzen den Aufwand für Rückstellungen und Inventur. Gerade bei Gesellschafterwechsel oder Erweiterung der Haftungsstrukturen ist eine saubere Dokumentation unverzichtbar – nicht nur für das Finanzamt, sondern auch intern zwischen den Gesellschaftern.

Wer den Jahresabschluss nicht selbst erstellen möchte oder kann, kann auf digitale Lösungen oder fachkundige Unterstützung zurückgreifen. OnlineBilanz.de stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung.

Besonderheiten bei den Gesellschafterkonten der OHG

Bei der OHG gibt es keine Kapitalkonten im Sinne des GmbH-Rechts, sondern variable Gesellschafterkonten, die sich aus Einlagen, Entnahmen und Gewinnanteilen zusammensetzen. Jeder Gesellschafter verfügt über ein individuelles Kapitalkonto, das jährlich mit dem anteiligen Gewinn oder Verlust fortgeschrieben wird (§ 120 HGB). Die Bilanzierung dieser Konten folgt besonderen Regeln.

Aufbau und Struktur

In der Praxis wird häufig eine Zweiteilung vorgenommen: Ein festes Kapitalkonto (Kapitalkonto I) erfasst die ursprünglichen Einlagen und dient der Haftungsbasis. Das variable Kapitalkonto (Kapitalkonto II) nimmt Gewinne, Verluste, Entnahmen und laufende Einlagen auf. Diese Struktur ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber aus Gründen der Transparenz und Haftungsabgrenzung üblich.

Kapitalkonto I (fest)

Ursprüngliche Einlage, fester Haftungsrahmen, wird nur bei Gesellschafterwechsel oder Kapitalerhöhung verändert.

Kapitalkonto II (variabel)

Laufende Gewinne, Verluste, Entnahmen, Privateinlagen; kann negativ werden (Unterkonto).

Bei negativen Kapitalkonten (Unterkonten) kann der Gesellschafter beim Ausscheiden oder bei der Auflösung zum Ausgleich des Fehlbetrags verpflichtet sein; gegenüber Gläubigern haftet er ohnehin persönlich und unbeschränkt (§ 126 HGB). In der Bilanz werden negative Kapitalkonten im Regelfall auf der Aktivseite als Forderung an den Gesellschafter ausgewiesen oder im Eigenkapital mit Minuszeichen dargestellt.

Hinweis

Die korrekte Führung der Gesellschafterkonten ist nicht nur bilanzsteuerlich relevant, sondern auch gesellschaftsrechtlich: Bei Austritt oder Auflösung der OHG ist der Kontostand Grundlage für die Abfindungs- bzw. Auseinandersetzungsansprüche (vgl. § 728 BGB).

Gewinnverteilung und Entnahmen richtig buchen

Die Gewinnverteilung in der OHG richtet sich nach dem Gesellschaftsvertrag. Fehlt eine Regelung, richten sich die Gewinnanteile seit dem MoPeG (01.01.2024) nach den vereinbarten Beteiligungsverhältnissen, hilfsweise nach dem Verhältnis der vereinbarten Werte der Beiträge, sonst nach Köpfen (§ 120 Abs. 1 HGB i. V. m. § 709 Abs. 3 BGB); die frühere 4-%-Regel des § 121 HGB a. F. ist entfallen. In der Praxis weichen Gesellschaftsverträge jedoch häufig von dieser Regelung ab – z.B. durch Köpfe, Leistungsschlüssel oder variable Tantiemen.

Buchungstechnische Umsetzung

Am Jahresende wird der Gewinn oder Verlust auf die Gesellschafter verteilt. Die Buchung erfolgt im Abschlussbuchungssatz typischerweise so:

  • Gewinn- und Verlustkonto an Kapitalkonto II Gesellschafter A
  • Gewinn- und Verlustkonto an Kapitalkonto II Gesellschafter B

Entnahmen (Privatentnahmen, Gehälter an Gesellschafter-Geschäftsführer, Sachentnahmen) werden laufend direkt auf das variable Kapitalkonto II gebucht. Sie mindern das Eigenkapital, sind jedoch nicht als Betriebsausgaben abzugsfähig. Steuerlich wirken Entnahmen neutral; der Gewinn wird unabhängig von Entnahmen nach § 4 Abs. 1 EStG ermittelt.

Achtung

Vorsicht bei verdeckten Entnahmen: Nicht fremdübliche Leistungen der Gesellschaft an Gesellschafter (z. B. überhöhte Mietzahlungen) können steuerlich als Entnahmen qualifiziert werden und zu Nachzahlungen sowie Zinsen führen. Tätigkeitsvergütungen an Gesellschafter sind steuerlich ohnehin Sondervergütungen (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG).

Bewertung von Anlage- und Umlaufvermögen in der OHG-Bilanz

Die Bewertung des Vermögens in der OHG folgt den allgemeinen Grundsätzen des HGB. Nach § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB gilt das Vorsichtsprinzip: Vermögensgegenstände dürfen nicht überbewertet, Schulden nicht unterbewertet werden. Für das Anlagevermögen sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten (§ 253 Abs. 1 HGB) maßgeblich, vermindert um planmäßige und außerplanmäßige Abschreibungen.

Anlagevermögen

Das Anlagevermögen umfasst alle Gegenstände, die dazu bestimmt sind, dauerhaft dem Geschäftsbetrieb zu dienen (§ 247 Abs. 2 HGB). Dazu gehören Grundstücke, Maschinen, Fahrzeuge, Betriebs- und Geschäftsausstattung sowie immaterielle Vermögensgegenstände wie Software oder Patente. Die Abschreibung erfolgt nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer gemäß AfA-Tabellen der Finanzverwaltung. Lineare, degressive und Leistungsabschreibungen sind möglich, wobei die degressive AfA steuerlich nur in gesetzlich befristeten Zeiträumen zulässig ist (§ 7 Abs. 2 EStG) – derzeit für bewegliche Wirtschaftsgüter, die vom 01.07.2025 bis 31.12.2027 angeschafft oder hergestellt werden (höchstens das Dreifache der linearen AfA, maximal 30 %).

Grundstücke & Gebäude

Keine Abschreibung bei Grundstücken; Gebäude linear über 33 oder 50 Jahre (§ 7 Abs. 4 EStG).

Maschinen & Anlagen

AfA nach betriebsgewöhnlicher Nutzungsdauer, typisch 5–10 Jahre je nach Branche.

Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

Bis 800 € (netto): Sofortabschreibung möglich (§ 6 Abs. 2 EStG); alternativ Sammelposten für Wirtschaftsgüter über 250 € bis 1.000 € über 5 Jahre (§ 6 Abs. 2a EStG).

Umlaufvermögen

Das Umlaufvermögen (Vorräte, Forderungen, liquide Mittel) ist mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten anzusetzen, höchstens jedoch mit dem niedrigeren beizulegenden Wert am Bilanzstichtag (§ 253 Abs. 4 HGB – Niederstwertprinzip). Bei Vorräten ist das FIFO- oder Durchschnittsverfahren zulässig. Forderungen sind um uneinbringliche und zweifelhafte Beträge zu berichtigen (Einzelwertberichtigung, pauschalierte Wertberichtigung).

Hinweis

Bei der Inventur zum Bilanzstichtag (§ 240 HGB) ist eine körperliche, buchmäßige oder Stichtagsinventur möglich. Die OHG kann auch eine permanente Inventur oder zeitversetzte Stichprobeninventur durchführen, sofern die Nachvollziehbarkeit gewährleistet ist.

Rückstellungen und Verbindlichkeiten in der OHG-Bilanz

Rückstellungen sind gemäß § 249 HGB für ungewisse Verbindlichkeiten, drohende Verluste aus schwebenden Geschäften und unterlassene Instandhaltungen zu bilden. Sie dienen der periodengerechten Erfolgsermittlung und sind ein zentrales Instrument der Vorsicht. Für OHGs gelten dieselben Rückstellungsvorschriften (§§ 249, 253 HGB) wie für Kapitalgesellschaften; auch die Abzinsung nach § 253 Abs. 2 HGB gilt für alle Kaufleute.

Typische Rückstellungen in der OHG

  • Pensionsrückstellungen: Bei Zusagen an Gesellschafter-Geschäftsführer; Bewertung nach § 253 HGB mit dem Erfüllungsbetrag, abgezinst mit dem durchschnittlichen Marktzins der letzten 10 Jahre.
  • Urlaubsrückstellungen: Für noch nicht genommene Urlaubstage der Arbeitnehmer, bewertet mit Lohnkosten inkl. Sozialabgaben.
  • Steuerrückstellungen: Für bekannte, aber noch nicht festgesetzte Steuerlasten (insbesondere Gewerbesteuer; die Einkommensteuer betrifft die Gesellschafter persönlich).
  • Prozessrückstellungen: Bei laufenden Rechtsstreitigkeiten, sofern eine Inanspruchnahme wahrscheinlich ist.
  • Gewährleistungsrückstellungen: Bei Produktgarantien oder Dienstleistungszusagen.

Verbindlichkeiten sind mit dem Erfüllungsbetrag zu passivieren (§ 253 Abs. 1 Satz 2 HGB). Dazu zählen Darlehen, Lieferantenverbindlichkeiten, Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und sonstige Verbindlichkeiten. Der Vermerk von Restlaufzeiten bis zu einem Jahr (§ 268 Abs. 5 HGB) und die Angabe von Restlaufzeiten über fünf Jahre im Anhang (§ 285 Nr. 1 HGB) sind für OHG i. S. d. § 264a HGB (z.B. GmbH & Co. OHG) erforderlich.

Achtung

Unterlassene oder zu niedrig dotierte Rückstellungen führen zu einer Gewinnüberhöhung und damit zu überhöhten Steuervorauszahlungen. Bei Betriebsprüfungen werden Rückstellungen besonders kritisch geprüft – insbesondere Pensionsrückstellungen und Rückstellungen für drohende Verluste.

Anhang und Lagebericht: Welche Pflichten hat die OHG?

Eine klassische OHG mit ausschließlich natürlichen Personen als Gesellschafter ist nicht zur Erstellung eines Anhangs oder Lageberichts verpflichtet. Diese Pflichten gelten nach § 264 Abs. 1 HGB nur für Kapitalgesellschaften. Anders sieht es aus, wenn die OHG unter § 264a HGB fällt – also wenn kein persönlich haftender Gesellschafter eine natürliche Person ist (z.B. GmbH & Co. OHG). In diesem Fall ist die OHG kapitalgesellschaftsrechtlich zu behandeln.

Anhang (§ 284 HGB)

Der Anhang erläutert und ergänzt Bilanz und GuV. Er enthält Angaben zu Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Abweichungen, Haftungsverhältnissen, Eventualverbindlichkeiten sowie Angaben zu Gesellschaftern und Geschäftsführern. Kleine OHGs nach § 264a HGB in Verbindung mit § 288 HGB können Erleichterungen in Anspruch nehmen (verkürzter Anhang).

Lagebericht (§ 289 HGB)

Der Lagebericht gibt einen Überblick über die wirtschaftliche Lage, Geschäftsentwicklung, wesentliche Chancen und Risiken sowie Prognosen. Große kapitalmarktorientierte Gesellschaften mit mehr als 500 Arbeitnehmern müssen zusätzlich eine nichtfinanzielle Erklärung abgeben (§ 289b HGB). Für kleine OHGs nach § 264a HGB entfällt die Lageberichtspflicht vollständig (§ 264 Abs. 1 Satz 4 HGB).

Größenklasse OHG (§ 264a) Anhang Lagebericht
Klein Verkürzt (§ 288 HGB) Nein (befreit)
Mittelgroß Vollständig (§ 284 HGB) Ja (§ 289 HGB)
Groß Vollständig (§ 284 HGB) Ja, erweitert (§ 289 HGB)

Hinweis

Auch wenn keine gesetzliche Pflicht besteht, kann die freiwillige Erstellung eines Anhangs sinnvoll sein – etwa zur Dokumentation gegenüber Banken, Investoren oder für interne Transparenz zwischen den Gesellschaftern.

Prüfungspflicht und Feststellung des Jahresabschlusses

Die gesetzliche Prüfungspflicht nach § 316 HGB betrifft nur Kapitalgesellschaften ab einer bestimmten Größe. Eine klassische OHG ist daher nicht prüfungspflichtig, es sei denn, sie fällt unter § 264a HGB (z.B. GmbH & Co. OHG) und überschreitet die Schwellenwerte für mittelgroße Unternehmen. In diesem Fall muss der Jahresabschluss durch einen Wirtschaftsprüfer oder vereidigten Buchprüfer geprüft werden.

§ 316 Abs. 1 HGB

Prüfungspflicht ab mittelgroß

§ 319 HGB

Abschlussprüfer: WP bzw. vBP

§ 322 HGB

Bestätigungsvermerk bei Prüfung

Feststellung des Jahresabschlusses

Der Jahresabschluss der OHG wird durch die Gesellschafter festgestellt. Anders als bei der GmbH (§ 42a GmbHG) oder AG (§ 172 AktG) gibt es keine feste gesetzliche Frist für die Feststellung. Der Gesellschaftsvertrag kann jedoch eine Frist vorsehen. Die Feststellung erfolgt durch Gesellschafterbeschluss (§ 121 HGB), dokumentiert im Protokoll.

Bei einer GmbH & Co. OHG ist zu beachten: Die Komplementär-GmbH erstellt den Jahresabschluss und legt ihn den Gesellschaftern der OHG zur Feststellung vor. Die GmbH selbst hat wiederum eigene Feststellungs- und Offenlegungsfristen nach § 42a GmbHG (8 Monate, bei kleinen GmbH 11 Monate nach Bilanzstichtag) bzw. § 325 HGB (12 Monate).

Viele Gesellschafter unterschätzen die Bedeutung der formellen Feststellung. Ohne protokollierte Feststellung fehlt die Rechtsgrundlage für Gewinnausschüttungen – das kann bei späteren Streitigkeiten oder Gesellschafterwechseln zum Problem werden.

Hinweis

Wer Unterstützung benötigt, kann fachkundige Hilfe, etwa durch einen Steuerberater, in Anspruch nehmen. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung.

Offenlegung beim Unternehmensregister: Wann ist die OHG betroffen?

Seit dem Inkrafttreten des DiRUG (Gesetz zur Umsetzung der Digitalisierungsrichtlinie) am 01.08.2022 erfolgt die Offenlegung von Jahresabschlüssen ausschließlich beim Unternehmensregister – nicht mehr beim Bundesanzeiger. Das Unternehmensregister ist die zentrale elektronische Plattform für Unternehmenspublizität in Deutschland.

Eine klassische OHG mit ausschließlich natürlichen Personen als Gesellschafter ist nicht offenlegungspflichtig. Sie muss ihren Jahresabschluss weder beim Unternehmensregister noch bei einer anderen Stelle einreichen, sofern sie nicht unter das Publizitätsgesetz fällt. Anders ist es bei der GmbH & Co. OHG: Hier greift § 264a HGB, der die OHG wie eine Kapitalgesellschaft behandelt – mit allen Offenlegungs-, Prüfungs- und Berichtspflichten.

Offenlegungsfristen nach § 325 HGB

Für offenlegungspflichtige OHGs (§ 264a HGB) gilt: Der Jahresabschluss ist binnen 12 Monaten nach Bilanzstichtag elektronisch beim Unternehmensregister einzureichen. Für das Geschäftsjahr 2025 (Bilanzstichtag 31.12.2025) endet die Frist am 31.12.2026. Die Übermittlung erfolgt elektronisch über das Unternehmensregister (www.unternehmensregister.de).

  • Elektronische Einreichung via Unternehmensregister-Portal oder XBRL
  • Frist: 12 Monate nach Bilanzstichtag (§ 325 Abs. 1 HGB)
  • Bei verspäteter Offenlegung: Ordnungsgeldverfahren nach § 335 HGB (2.500–25.000 €)
  • Kleine OHGs nach § 264a: Bilanz und Anhang, keine GuV (§ 326 HGB); kein Lagebericht
  • Mittelgroße und große OHGs: vollständiger Jahresabschluss inkl. Lagebericht und Bestätigungsvermerk

Achtung

Das Bundesamt für Justiz überwacht die Offenlegungspflichten automatisiert. Bei Versäumnis wird ein Ordnungsgeldverfahren eingeleitet; das Ordnungsgeld wird zunächst mit sechswöchiger Nachfrist angedroht (§ 335 Abs. 3 HGB). Das Ordnungsgeld beträgt mindestens 2.500 € und kann bis zu 25.000 € betragen (§ 335 HGB). Bei fortgesetzter Nichtoffenlegung können weitere Ordnungsgelder folgen.

Die Offenlegung kann durch den Steuerberater als bevollmächtigter Vertreter erfolgen. Die Gesellschaft kann die Offenlegung auch selbst vornehmen.

Häufig gestellte Fragen

Kann eine OHG von der Bilanzierungspflicht befreit werden?

Nein. Jede OHG ist als Handelsgesellschaft nach § 105 Abs. 2 i. V. m. § 6 HGB Formkaufmann und damit nach § 238 HGB zur Buchführung und Bilanzierung verpflichtet – unabhängig von Umsatz oder Gewinn. Eine Befreiung wie bei Einzelkaufleuten nach § 241a HGB existiert für Personenhandelsgesellschaften nicht.

Was passiert, wenn die OHG die Bilanz verspätet erstellt?

Die verspätete Erstellung der Bilanz hat zunächst keine unmittelbaren Sanktionen, sofern keine Offenlegungspflicht besteht. Bei offenlegungspflichtigen OHG (§ 264a HGB, Publizitätsgesetz) droht jedoch bei verspäteter Offenlegung ein Ordnungsgeld nach § 335 HGB (2.500–25.000 Euro). Zudem können steuerliche Verspätungszuschläge nach § 152 AO anfallen, wenn die Steuererklärungen nicht fristgerecht eingereicht werden.

Müssen Gesellschafter der OHG persönlich haften, wenn die Bilanz fehlerhaft ist?

Ja. Die Gesellschafter einer OHG haften nach § 126 HGB persönlich, unbeschränkt und gesamtschuldnerisch für alle Verbindlichkeiten der Gesellschaft. Eine fehlerhafte Bilanz kann zu Steuernachforderungen, Bußgeldern oder zivilrechtlichen Ansprüchen führen – für die alle Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen einstehen. Eine sorgfältige Erstellung und Prüfung ist daher essentiell.

Kann die OHG ihre Bilanz nach IFRS statt HGB erstellen?

Nein, den Jahresabschluss (Einzelabschluss) muss die OHG nach HGB aufstellen (§§ 238 ff. HGB; bei OHG i. S. d. § 264a HGB zusätzlich §§ 264 ff. HGB). IFRS sind nur für Konzernabschlüsse nach § 315e HGB vorgesehen – verpflichtend für kapitalmarktorientierte, wahlweise für andere Mutterunternehmen.

Wie lange muss die OHG ihre Bilanzen aufbewahren?

Nach § 257 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 4 HGB müssen Jahresabschlüsse (Bilanzen, GuV) zehn Jahre aufbewahrt werden. Die Frist beginnt mit dem Schluss des Kalenderjahres, in dem die letzte Eintragung erfolgte. Buchungsbelege sind seit 2025 acht Jahre aufzubewahren (§ 147 Abs. 3 AO, § 257 Abs. 4 HGB).

Wer darf den Jahresabschluss der OHG unterzeichnen?

Nach § 245 HGB ist der Jahresabschluss bei der OHG nach herrschender Auffassung von sämtlichen persönlich haftenden Gesellschaftern zu unterzeichnen – unabhängig von ihrer Vertretungsbefugnis. Die Feststellung erfolgt durch Gesellschafterbeschluss (§ 121 HGB).

Hinweis: Dieser Artikel dient zu allgemeinen Informationszwecken. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung. Gesetzliche Grundlagen: Handelsgesetzbuch (HGB), GmbH-Gesetz (GmbHG), Abgabenordnung (AO), Unternehmensregister. Nächste redaktionelle Prüfung: Oktober 2026.

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Kennenlerntermin15 Min · Raphael Diener