Bilanz GmbH Pflicht 2026: Fristen & Offenlegung
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 · Lesezeit: ca. 10 Minuten
Jede GmbH ist zur Aufstellung, Feststellung und Offenlegung des Jahresabschlusses verpflichtet – unabhängig von Größe oder Geschäftstätigkeit. Diese Pflicht gilt auch für spezialisierte Unternehmensformen: So unterliegt etwa eine GmbH im Musikschulbereich denselben gesetzlichen Anforderungen wie jede andere Kapitalgesellschaft. Die Fristen nach § 325 HGB und § 42a GmbHG sowie die Pflichten nach § 264 HGB gelten ausnahmslos. Wer die Offenlegung im Unternehmensregister versäumt, riskiert Ordnungsgelder bis 25.000 Euro nach § 335 HGB.
Kurzantwort
Jede GmbH ist verpflichtet, einen handelsrechtlichen Jahresabschluss – bestehend aus Bilanz, GuV und Anhang (Kleinstkapitalgesellschaften unter den Voraussetzungen des § 264 Abs. 1 Satz 5 HGB ohne Anhang) – aufzustellen, durch die Gesellschafterversammlung feststellen zu lassen und im Unternehmensregister offenzulegen. Neben dieser handelsrechtlichen Pflicht müssen GmbHs ihren Jahresabschluss auch in elektronischer Form ans Finanzamt übermitteln; was dabei konkret zu beachten ist, erläutert der Überblick zur E-Bilanz-Pflicht für GmbHs. Die Feststellungsfrist beträgt 11 Monate für kleine GmbHs bzw. 8 Monate für mittelgroße und große GmbHs nach § 42a GmbHG; die Offenlegungsfrist liegt bei 12 Monaten nach § 325 HGB. Bei Versäumnis droht ein Ordnungsgeld von 2.500 bis 25.000 Euro.
Inhaltsverzeichnis
- Welche Bilanzpflicht besteht für eine GmbH?
- Wann muss der Jahresabschluss festgestellt werden?
- Wo und bis wann muss die Bilanz offengelegt werden?
- Welche Größenklasse hat meine GmbH?
- Muss der Jahresabschluss meiner GmbH geprüft werden?
- Was passiert bei verspäteter oder fehlender Offenlegung?
- Kann ich den Jahresabschluss selbst erstellen oder brauche ich einen Steuerberater?
- Gelten Besonderheiten für UG, ruhende GmbH oder Vorratsgesellschaften?
Welche Bilanzpflicht besteht für eine GmbH?
Jede GmbH ist als Kapitalgesellschaft nach § 264 Abs. 1 HGB unabhängig von ihrer Größe zur Aufstellung eines Jahresabschlusses verpflichtet. Diese Pflicht besteht ab der Gründung der Gesellschaft (bereits die Vor-GmbH ist buchführungspflichtig) und besteht während der gesamten Lebenszeit der Gesellschaft. Der Jahresabschluss besteht mindestens aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (GuV), die zudem als elektronische Bilanz an das Finanzamt zu übermitteln sind (§ 5b EStG). Je nach Größenklasse der GmbH kommen weitere Bestandteile hinzu.
Die Bilanzpflicht dient dem Gläubigerschutz, der Transparenz gegenüber Gesellschaftern und der steuerlichen Gewinnermittlung nach § 5 EStG. Sie gilt unabhängig davon, ob die GmbH operativ tätig ist, Gewinne erzielt oder sich in der Krise befindet. Auch eine sogenannte Vorratsgesellschaft oder eine ruhende GmbH muss ihren Jahresabschluss aufstellen, feststellen und offenlegen.
Rechtliche Grundlagen der Bilanzpflicht
Die Pflicht zur Aufstellung des Jahresabschlusses ergibt sich aus § 242 HGB (Aufstellungspflicht für alle Kaufleute) und § 264 HGB (speziell für Kapitalgesellschaften). Diese gesetzliche Bilanzierungspflicht beginnt bereits mit der Eröffnungsbilanz bei der GmbH-Gründung und setzt sich über die jährlichen Abschlüsse fort. Ergänzend regelt § 42a GmbHG die Fristen zur Feststellung des Jahresabschlusses durch die Gesellschafterversammlung.
Bestandteile des Jahresabschlusses nach Größenklasse
| Größenklasse | Bilanz | GuV | Anhang | Lagebericht |
|---|---|---|---|---|
| Kleinstkapitalgesellschaft | Ja | Ja | Optional (§ 264 Abs. 1 S. 5 HGB) | Nein |
| Kleine Kapitalgesellschaft | Ja | Ja | Ja | Nein |
| Mittelgroße Kapitalgesellschaft | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Große Kapitalgesellschaft | Ja | Ja | Ja | Ja |
Wann muss der Jahresabschluss festgestellt werden?
Der Jahresabschluss muss nicht nur aufgestellt, sondern auch durch die Gesellschafterversammlung festgestellt werden. Nach § 42a Abs. 2 GmbHG gelten für das Geschäftsjahr 2025 (Bilanzstichtag 31.12.2025) folgende Feststellungsfristen im Jahr 2026:
- Kleine GmbH: Der Jahresabschluss ist innerhalb von 11 Monaten nach Ablauf des Geschäftsjahres festzustellen, also bis spätestens 30. November 2026.
- Mittelgroße und große GmbH: Die Feststellung muss innerhalb von 8 Monaten erfolgen, also bis spätestens 31. August 2026.
- Die Frist beginnt mit dem Ablauf des Geschäftsjahres (i.d.R. 31.12.2025) und endet kalendermäßig am entsprechenden Tag des Folgejahres.
Fristversäumnis kann teuer werden
Eine verspätete Feststellung gefährdet die fristgerechte Offenlegung. Bei verspäteter oder unterlassener Offenlegung leitet das Bundesamt für Justiz automatisiert Ordnungsgeldverfahren nach § 335 HGB ein (2.500 bis 25.000 Euro). Die Frist ist unbedingt einzuhalten.
Die Feststellung erfolgt durch Gesellschafterbeschluss. Dieser sollte schriftlich dokumentiert werden; bei der Ein-Personen-GmbH ist eine Niederschrift vorgeschrieben (§ 48 Abs. 3 GmbHG). Erst nach der Feststellung darf der Jahresabschluss beim Unternehmensregister offengelegt werden.
Wo und bis wann muss die Bilanz offengelegt werden?
Nach § 325 HGB müssen alle Kapitalgesellschaften ihren festgestellten Jahresabschluss innerhalb von 12 Monaten nach Ablauf des Geschäftsjahres offenlegen. Für das Geschäftsjahr 2025 bedeutet dies: Offenlegung bis spätestens 31. Dezember 2026. Die Offenlegung erfolgt seit dem DiRUG (Gesetz zur Umsetzung der Digitalisierungsrichtlinie, in Kraft seit 01.08.2022) ausschließlich beim Unternehmensregister unter www.unternehmensregister.de.
Bundesanzeiger ist nicht mehr zuständig
Seit August 2022 ist der Bundesanzeiger nicht mehr die Offenlegungsstelle. Alle Veröffentlichungen laufen digital über das Unternehmensregister. Dort werden die Daten strukturiert hochgeladen und sind öffentlich einsehbar.
Was ist offenzulegen?
| Größenklasse | Bilanz | GuV | Anhang | Lagebericht | Bestätigungsvermerk |
|---|---|---|---|---|---|
| Kleinstkapitalgesellschaft | Ja (verkürzt) | Nein | Optional | Nein | Nein |
| Kleine Kapitalgesellschaft | Ja (verkürzt) | Nein oder verkürzt | Ja (verkürzt) | Nein | Falls geprüft: ja |
| Mittelgroße Kapitalgesellschaft | Ja (vollständig) | Ja (vollständig) | Ja | Ja | Ja |
| Große Kapitalgesellschaft | Ja (vollständig) | Ja (vollständig) | Ja | Ja | Ja |
Zusätzlich ist bei prüfungspflichtigen Gesellschaften der Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers offenzulegen. Die Gesellschafterliste nach § 40 GmbHG wird dagegen beim Handelsregister eingereicht und ist nicht Teil der Offenlegung nach § 325 HGB. Die Daten werden in einem zugelassenen elektronischen Format eingereicht.
Wer die Offenlegung selbst vornehmen möchte, benötigt ein Benutzerkonto beim Unternehmensregister und muss die Daten strukturiert aufbereiten. Viele Steuerberater übernehmen die Offenlegung im Rahmen der Jahresabschlusserstellung. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschluss- und E-Bilanz-Entwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung. Die Offenlegung beim Unternehmensregister obliegt der Gesellschaft.
Welche Größenklasse hat meine GmbH?
Die handelsrechtliche Größenklasse der GmbH bestimmt den Umfang der Bilanzierungspflichten, die Offenlegungserleichterungen und die Prüfungspflicht. Die Einstufung erfolgt nach § 267 HGB anhand von drei Schwellenwerten: Bilanzsumme, Umsatzerlöse und Mitarbeiterzahl. Eine GmbH wird einer Größenklasse zugeordnet, wenn sie an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen mindestens zwei der drei Merkmale erfüllt.
Schwellenwerte nach § 267 HGB (Stand 2026)
| Größenklasse | Bilanzsumme | Umsatzerlöse | Arbeitnehmer |
|---|---|---|---|
| Kleinstkapitalgesellschaft (§ 267a HGB) | ≤ 450.000 € | ≤ 900.000 € | ≤ 10 |
| Kleine Kapitalgesellschaft | ≤ 7,5 Mio. € | ≤ 15 Mio. € | ≤ 50 |
| Mittelgroße Kapitalgesellschaft | ≤ 25 Mio. € | ≤ 50 Mio. € | ≤ 250 |
| Große Kapitalgesellschaft | > 25 Mio. € | > 50 Mio. € | > 250 |
Die Größenklasse muss jährlich neu geprüft werden. Ein Wechsel der Größenklasse tritt erst ein, wenn an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen die Schwellenwerte über- oder unterschritten werden (§ 267 Abs. 4 HGB). Das verhindert kurzfristige Schwankungen und sorgt für Planbarkeit.
Praxis-Tipp: Größenklasse dokumentieren
Halten Sie die Berechnung der Größenklasse schriftlich im Anhang oder in den Arbeitsunterlagen fest. Das erleichtert die Prüfung durch Steuerberater und Abschlussprüfer und schafft Rechtssicherheit bei der Wahl der Offenlegungserleichterungen.
Muss der Jahresabschluss meiner GmbH geprüft werden?
Die Pflicht zur Prüfung des Jahresabschlusses durch einen Abschlussprüfer (Wirtschaftsprüfer oder vereidigter Buchprüfer) richtet sich nach der Größenklasse der GmbH gemäß § 316 HGB. Kleine GmbH und Kleinstkapitalgesellschaften sind grundsätzlich von der Prüfungspflicht befreit. Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften müssen ihren Jahresabschluss und ggf. den Lagebericht prüfen lassen.
| Größenklasse | Prüfungspflicht nach § 316 HGB |
|---|---|
| Kleinstkapitalgesellschaft | Nein |
| Kleine Kapitalgesellschaft | Nein |
| Mittelgroße Kapitalgesellschaft | Ja |
| Große Kapitalgesellschaft | Ja |
Auch wenn keine gesetzliche Prüfungspflicht besteht, kann die Satzung der GmbH oder ein Gesellschafterbeschluss eine freiwillige Prüfung vorsehen. Dies kann insbesondere bei Gesellschaften mit mehreren Gesellschaftern oder bei Bankenfinanzierungen sinnvoll sein.
Bestellung des Abschlussprüfers
Der Abschlussprüfer wird von der Gesellschafterversammlung bestellt, und zwar vor Ablauf des zu prüfenden Geschäftsjahres (§ 318 Abs. 1 S. 3 HGB). Für das Geschäftsjahr 2025 sollte der Prüfer also spätestens im Dezember 2025 bestellt werden. Versäumt die Gesellschafterversammlung die Bestellung, kann das Registergericht auf Antrag einen Prüfer bestellen.
Verspätete Prüferbestellung kann teuer werden
Wird kein Abschlussprüfer bestellt, obwohl Prüfungspflicht besteht, drohen Ordnungsgelder nach § 335 HGB. Zudem kann die Offenlegung nicht fristgerecht erfolgen, da der Bestätigungsvermerk fehlt. Außerdem kann ein ungeprüfter Jahresabschluss nicht festgestellt werden (§ 316 Abs. 1 Satz 2 HGB).
Der Prüfer erstellt nach Abschluss der Prüfung einen Bestätigungsvermerk nach § 322 HGB, der zusammen mit dem Jahresabschluss offengelegt wird. Bei Mängeln kann der Prüfer den Bestätigungsvermerk einschränken oder versagen.
Was passiert bei verspäteter oder fehlender Offenlegung?
Die Nichteinhaltung der Offenlegungspflicht nach § 325 HGB ist keine Bagatelle. Das Bundesamt für Justiz (BfJ) überwacht die Offenlegung automatisiert und leitet bei Verstößen ein Ordnungsgeldverfahren nach § 335 HGB ein. Das Ordnungsgeld beträgt zwischen 2.500 und 25.000 Euro und richtet sich nach der Größe der Gesellschaft, der Dauer der Verspätung und dem Verschulden.
12 Monate
Offenlegungsfrist nach § 325 HGB
2.500 – 25.000 €
Ordnungsgeld nach § 335 HGB
6 Wochen
Nachfrist nach Androhung (§ 335 Abs. 3 HGB)
Das Ordnungsgeld kann gegen die Gesellschaft oder persönlich gegen die gesetzlichen Vertreter (Geschäftsführer) festgesetzt werden. Es handelt sich nicht um eine Strafe im strafrechtlichen Sinne, sondern um ein Zwangsmittel zur Durchsetzung der Offenlegungspflicht. Wird die Offenlegung erst nach Ablauf der sechswöchigen Nachfrist nachgeholt, entfällt das Ordnungsgeld nicht (§ 335 Abs. 4 HGB).
Weitere Konsequenzen bei Offenlegungsverstößen
- Reputation: Fehlende Abschlüsse im Unternehmensregister sind für Geschäftspartner und Banken erkennbar.
- Weitere Ordnungsgelder: Unterbleibt die Offenlegung weiterhin, kann erneut ein Ordnungsgeld angedroht und festgesetzt werden.
- Haftungsrisiken: Bei Insolvenz der GmbH können Versäumnisse bei Buchführung und Bilanzierung Haftungs- und Strafbarkeitsrisiken für den Geschäftsführer begründen (z. B. § 15b InsO, § 283b StGB).
- Kreditprobleme: Banken verlangen regelmäßig den Nachweis der fristgerechten Offenlegung. Fehlt dieser, kann die Kreditwürdigkeit leiden.
In der Praxis wird der Ernst der Offenlegungspflicht häufig unterschätzt. Ein Ordnungsgeldverfahren ist kein Kavaliersdelikt – es kann sich auch persönlich gegen den Geschäftsführer richten und erhebliche finanzielle Folgen haben. Wer die Offenlegung selbst nicht sicher beherrscht, kann sie einem Steuerberater oder einem anderen Dienstleister übertragen.
Kann ich den Jahresabschluss selbst erstellen oder brauche ich einen Steuerberater?
Grundsätzlich dürfen Geschäftsführer den Jahresabschluss ihrer GmbH selbst erstellen – eine gesetzliche Pflicht zur Beauftragung eines Steuerberaters besteht nicht. In der Praxis ist die Erstellung jedoch anspruchsvoll: Sie setzt fundierte Kenntnisse in Handelsrecht (HGB), Steuerrecht (EStG, KStG, GewStG) und Rechnungslegungsstandards voraus. Fehler können teure Folgen haben – von Steuernachzahlungen über Ordnungsgelder bis hin zu persönlicher Haftung.
Wann lohnt sich die Erstellung durch einen Steuerberater?
Eigenständige Erstellung
- Sehr kleine, überschaubare GmbH (z. B. Holding ohne operative Tätigkeit)
- Geschäftsführer mit fundierter Buchhaltungs- und Bilanzkompetenz
- Einfache Geschäftsmodelle ohne komplexe Sachverhalte
- Nutzung professioneller Buchhaltungssoftware
Steuerberater beauftragen
- Komplexen Geschäftsvorfällen (z. B. Anlagevermögen, Rückstellungen, latente Steuern)
- Prüfungspflichtigen Gesellschaften (mittelgroß/groß)
- Unsicherheit bei steuerlichen Gestaltungen oder Sonderbilanzen
- Zeitersparnis und Haftungsabsicherung durch Berufshaftpflicht
Steuerberater haften für schuldhafte Pflichtverletzungen und müssen eine Berufshaftpflichtversicherung unterhalten (§ 67 StBerG). Zudem kennt er aktuelle Rechtsprechung, Verwaltungsanweisungen und branchenspezifische Besonderheiten. Die Kosten für einen Steuerberater richten sich nach der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) und sind als Betriebsausgaben steuerlich abzugsfähig.
OnlineBilanz: Jahresabschluss digital und transparent
OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschluss- und E-Bilanz-Entwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung.
Haftungsrisiko des Geschäftsführers
Der Geschäftsführer trägt die persönliche Verantwortung für die ordnungsgemäße Buchführung und Bilanzierung (§ 41 GmbHG, § 283b StGB). Bei vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Fehlern droht neben steuerlichen Sanktionen auch eine persönliche Haftung gegenüber der Gesellschaft oder Dritten. Wer sich unsicher ist, sollte daher professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen.
Gelten Besonderheiten für UG, ruhende GmbH oder Vorratsgesellschaften?
Auch Unternehmergesellschaften (UG haftungsbeschränkt), ruhende Gesellschaften und Vorratsgesellschaften unterliegen vollumfänglich der Bilanzpflicht nach § 264 HGB. Die Rechtsform und die operative Tätigkeit sind für die Bilanzpflicht unerheblich – entscheidend ist allein die Eintragung im Handelsregister als Kapitalgesellschaft.
Unternehmergesellschaft (UG)
Die UG ist eine Sonderform der GmbH mit reduziertem Stammkapital (§ 5a GmbHG). Sie unterliegt denselben Bilanzierungs-, Feststellungs- und Offenlegungspflichten wie eine klassische GmbH. Besonderheit: Die UG muss nach § 5a Abs. 3 GmbHG jährlich 25 % des um einen Verlustvortrag geminderten Jahresüberschusses in eine gesetzliche Rücklage einstellen; diese Pflicht entfällt erst, wenn das Stammkapital auf mindestens 25.000 Euro erhöht wird (§ 5a Abs. 5 GmbHG).
Diese Rücklage ist in der Bilanz zu bilden (§ 5a Abs. 3 GmbHG) und bei der Gewinnverwendung zu berücksichtigen. Eine UG, die keine Rücklage bildet oder diese falsch ausweist, riskiert gesellschaftsrechtliche Haftungsrisiken.
Ruhende GmbH und Vorratsgesellschaft
Eine GmbH gilt als ruhend, wenn sie keine operative Geschäftstätigkeit ausübt. Dennoch bleibt die Bilanzpflicht bestehen: Bilanz und GuV sind aufzustellen, der Jahresabschluss ist festzustellen und offenzulegen. In der Regel sind nur wenige Geschäftsvorfälle zu buchen (z. B. Bankgebühren, Steuerberatungskosten), dennoch müssen alle formalen Anforderungen erfüllt werden.
Häufiger Fehler: Ruhende GmbH ohne Jahresabschluss
Viele Geschäftsführer glauben, eine ruhende Gesellschaft sei von der Bilanzpflicht befreit. Das ist falsch. Auch ohne Umsätze muss jährlich ein Jahresabschluss erstellt und offengelegt werden. Andernfalls drohen Ordnungsgelder.
Vorratsgesellschaften, die lediglich im Handelsregister eingetragen sind und auf einen Käufer warten, unterliegen ebenfalls der Bilanzpflicht. Käufer sollten vor Übernahme prüfen, ob alle Jahresabschlüsse vorliegen und offengelegt wurden – andernfalls erben sie die Verpflichtungen und Risiken.
Häufig gestellte Fragen
Kann eine GmbH von der Bilanzpflicht befreit werden?
Nein. Jede GmbH ist als Kapitalgesellschaft nach § 264 Abs. 1 HGB unabhängig von Größe, Umsatz oder Geschäftstätigkeit verpflichtet, einen Jahresabschluss aufzustellen, festzustellen und offenzulegen. Eine Befreiung wegen geringer Größe, Untätigkeit oder Insolvenz gibt es nicht; lediglich in einen Konzernabschluss einbezogene Tochtergesellschaften können unter den Voraussetzungen des § 264 Abs. 3 HGB von Prüfung und Offenlegung befreit werden.
Wer unterschreibt den Jahresabschluss einer GmbH?
Der Jahresabschluss wird von allen Geschäftsführern gemeinsam aufgestellt und unterzeichnet (§ 245 HGB). Die Feststellung erfolgt anschließend durch Beschluss der Gesellschafterversammlung. Beide Schritte sind rechtlich zwingend und müssen dokumentiert werden.
Welche Konsequenzen hat eine fehlende Feststellung des Jahresabschlusses?
Ohne Feststellungsbeschluss durch die Gesellschafterversammlung ist der Jahresabschluss nicht rechtswirksam. Eine ordnungsgemäße Offenlegung ist dann nicht möglich, sodass ein Ordnungsgeldverfahren droht. Zudem fehlt die Grundlage für Gewinnausschüttungen, und bei Insolvenz können Geschäftsführer haftbar gemacht werden.
Muss eine GmbH auch bei Nullumsatz einen Jahresabschluss erstellen?
Ja. Die Bilanzpflicht ist unabhängig von Umsatz oder Geschäftsvorfall. Auch eine ruhende GmbH ohne operative Tätigkeit muss jährlich einen Jahresabschluss aufstellen, feststellen und offenlegen. Die Größenklasse spielt dabei keine Rolle – die Pflicht besteht ausnahmslos.
Kann die Offenlegungsfrist verlängert werden?
Nein. Die 12-Monats-Frist nach § 325 HGB ist gesetzlich fix und kann nicht verlängert werden – weder auf Antrag noch durch Beschluss. Wird die Frist überschritten, leitet das Bundesamt für Justiz automatisch das Ordnungsgeldverfahren ein. Wird die Offenlegung innerhalb der sechswöchigen Nachfrist nach der Androhung nachgeholt, wird kein Ordnungsgeld festgesetzt (§ 335 Abs. 3, 4 HGB).
Was ist der Unterschied zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz?
Die Handelsbilanz wird nach HGB für die Offenlegung erstellt und folgt handelsrechtlichen Bewertungsregeln. Die Steuerbilanz dient der Ermittlung des steuerlichen Gewinns nach EStG/KStG und kann durch Wahlrechte und steuerliche Vorschriften abweichen. Für die Offenlegungspflicht ist ausschließlich die Handelsbilanz maßgeblich.
Hinweis: Dieser Artikel dient zu allgemeinen Informationszwecken. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung. Gesetzliche Grundlagen: § 264 HGB – Pflicht zur Aufstellung des Jahresabschlusses, § 325 HGB – Offenlegung, § 267 HGB – Größenklassen, § 42a GmbHG – Feststellung des Jahresabschlusses, § 335 HGB – Ordnungsgeldverfahren. Nächste redaktionelle Prüfung: Oktober 2026.









Fabian Klement
Jakob Röß
Dr. Jeannine Dinnebier
