Bilanz erstellen OHG 2026: Pflichten & Leitfaden
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 · Lesezeit: ca. 10 Minuten
Die offene Handelsgesellschaft (OHG) unterliegt als Personenhandelsgesellschaft klaren Bilanzierungspflichten nach HGB. Dieser Leitfaden erklärt, wer eine Bilanz erstellen muss, welche Gliederungs- und Bewertungsvorschriften gelten und wie sich Handels- von Steuerbilanz unterscheiden. Erfahren Sie außerdem, wann Offenlegungspflichten bestehen und wann sich fachkundige oder digitale Unterstützung lohnt.
Kurzantwort
Jede OHG, die ein Handelsgewerbe betreibt, muss nach § 238 ff. HGB Bücher führen und eine Bilanz erstellen. Die Handelsbilanz richtet sich nach den Vorschriften des HGB, die Steuerbilanz nach § 5 EStG. Anders als beim Jahresabschluss im Einzelunternehmen gelten für die OHG zusätzliche gesellschaftsrechtliche Anforderungen: Eine Offenlegungspflicht beim Unternehmensregister besteht grundsätzlich nur für OHG ohne natürliche Person als unbeschränkt haftenden Gesellschafter (§ 264a HGB) sowie für sehr große Gesellschaften nach dem Publizitätsgesetz. Unterstützung bei Erstellung und Bewertung bieten Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer.
Inhaltsverzeichnis
- Wer muss eine Bilanz für die OHG erstellen?
- Welche Bilanzierungspflichten gelten für die OHG nach HGB?
- Wie unterscheiden sich Handelsbilanz und Steuerbilanz bei der OHG?
- Welche Gliederungsvorschriften gelten für die OHG-Bilanz?
- Wie werden Vermögensgegenstände in der OHG-Bilanz bewertet?
- Welche Rückstellungen müssen in der OHG-Bilanz gebildet werden?
- Wie erfolgt die Gewinnverteilung bei der OHG?
- Muss die OHG ihren Jahresabschluss offenlegen?
- Wann lohnt sich die Beauftragung eines Steuerberaters für die OHG-Bilanz?
Wer muss eine Bilanz für die OHG erstellen?
Die Offene Handelsgesellschaft (OHG) ist als Personengesellschaft grundsätzlich zur Buchführung und Bilanzierung verpflichtet. Anders als bei Einzelunternehmern greift hier keine Befreiung nach § 241a HGB, da für die OHG als Handelsgesellschaft die Vorschriften für Kaufleute gelten (§ 6 Abs. 1 HGB) und § 241a HGB nur Einzelkaufleute erfasst. Damit sind alle OHGs unabhängig von Umsatz- oder Gewinngrenzen buchführungspflichtig nach § 238 HGB und müssen einen Jahresabschluss bestehend aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung aufstellen.
Die Pflicht zur Erstellung des Jahresabschlusses liegt bei den Gesellschaftern der OHG, die gemeinsam die Geschäftsführung ausüben. In der Praxis wird diese Aufgabe häufig an einen Steuerberater delegiert, der sowohl die laufende Buchhaltung als auch den Jahresabschluss erstellt und dabei die handels- und steuerrechtlichen Anforderungen sicherstellt.
Wichtig für GmbH & Co. OHG
Bei einer GmbH & Co. OHG, an der keine natürliche Person als unbeschränkt haftender Gesellschafter beteiligt ist, gelten besondere Regelungen: Die OHG unterliegt dann nach § 264a HGB den ergänzenden Vorschriften für Kapitalgesellschaften. Zusätzlich müssen die beteiligten GmbHs jeweils einen eigenen Jahresabschluss erstellen.
- OHG ist als Handelsgesellschaft (§ 6 Abs. 1 HGB) stets buchführungspflichtig
- Jahresabschluss besteht aus Bilanz und GuV nach § 242 Abs. 3 HGB
- Gesellschafter tragen gemeinsam die Verantwortung für die ordnungsgemäße Bilanzierung
- Delegation an einen Steuerberater ist zulässig und in der Praxis verbreitet
Welche Bilanzierungspflichten gelten für die OHG nach HGB?
Die Bilanzierungspflichten der OHG ergeben sich aus dem Handelsgesetzbuch und umfassen sowohl formelle als auch materielle Anforderungen. Nach § 242 Abs. 1 HGB muss jeder Kaufmann zu Beginn seines Handelsgewerbes und für den Schluss eines jeden Geschäftsjahrs einen Jahresabschluss aufstellen. Für OHGs mit Bilanzstichtag 31.12.2025 gelten die aktuellen Bewertungsvorschriften nach §§ 252 ff. HGB.
Aufstellungsfrist und Formvorschriften
Die OHG muss den Jahresabschluss innerhalb der handelsrechtlichen Fristen aufstellen. Für Personengesellschaften wie die OHG gibt es keine gesetzliche Feststellungsfrist im HGB — anders als bei Kapitalgesellschaften nach § 42a GmbHG. Dennoch sollte der Jahresabschluss zeitnah erstellt werden, insbesondere wenn steuerliche Abgabefristen einzuhalten sind. Die Finanzverwaltung fordert die Steuerbilanz und die Gewinnfeststellung üblicherweise innerhalb der Fristen nach § 149 AO.
| Pflicht | Rechtsgrundlage | Inhalt |
|---|---|---|
| Buchführung | § 238 HGB | Laufende, geordnete Aufzeichnung aller Geschäftsvorfälle |
| Inventur | § 240 HGB | Vermögensaufstellung zu Beginn und am Schluss des Geschäftsjahrs |
| Jahresabschluss | § 242 Abs. 3 HGB | Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung |
| Bewertung | §§ 252–256 HGB | Ansatz- und Bewertungsvorschriften für Vermögen und Schulden |
| Aufbewahrung | § 257 HGB | 10 Jahre für Bücher und Abschlüsse |
In der Praxis lassen OHGs die handelsrechtliche Bilanz und die steuerliche Gewinnermittlung häufig parallel erstellen. Ähnliche Herausforderungen kennen auch Gesellschafter einer GbR, die beim Erstellen der Bilanz für die GbR beide Abschlüsse aufeinander abstimmen müssen. Der beauftragte Steuerberater koordiniert in beiden Fällen die jeweiligen Abschlüsse so, dass die Daten konsistent sind und alle Fristen eingehalten werden — ohne dass die Gesellschafter sich mit den Details der GoB auseinandersetzen müssen.
Wie unterscheiden sich Handelsbilanz und Steuerbilanz bei der OHG?
Für die OHG ist neben der Handelsbilanz nach HGB steuerlich entweder eine Steuerbilanz aufzustellen oder die Handelsbilanz durch Zusätze und Anmerkungen an die steuerlichen Vorschriften anzupassen (§ 60 Abs. 2 EStDV). Beide Bilanzen dienen unterschiedlichen Zwecken und unterliegen teilweise abweichenden Bewertungsregeln, obwohl sie auf derselben Buchführung basieren.
Die Handelsbilanz nach HGB
Die Handelsbilanz wird nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) und den Bewertungsvorschriften der §§ 252 ff. HGB erstellt. Sie dient der Information der Gesellschafter über die Vermögens- und Ertragslage und ist Grundlage für die Gewinnverteilung. Das Maßgeblichkeitsprinzip nach § 5 Abs. 1 EStG besagt, dass die Handelsbilanz grundsätzlich auch für die steuerliche Gewinnermittlung maßgeblich ist — allerdings mit wichtigen Durchbrechungen.
Die Steuerbilanz nach EStG
Die Steuerbilanz weicht in bestimmten Punkten von der Handelsbilanz ab, insbesondere bei Wahlrechten und steuerlichen Sondervorschriften. Typische Abweichungen entstehen durch steuerliche Abschreibungsregeln (z. B. degressive AfA, wenn zugelassen), Bewertungswahlrechte nach § 6 EStG oder die Behandlung von Rückstellungen. In der Praxis werden häufig Überleitungsrechnungen erstellt, die die Unterschiede zwischen handels- und steuerrechtlichem Gewinn transparent machen.
Handelsbilanz (HGB)
- Grundlage: §§ 238 ff. HGB
- Zweck: Information der Gesellschafter
- Bewertung nach GoB und Vorsichtsprinzip
- Wahlrechte bei Rückstellungen und Abschreibungen
Steuerbilanz (EStG)
- Grundlage: § 5 Abs. 1 EStG + steuerliche Sondervorschriften
- Zweck: Ermittlung der Bemessungsgrundlage für Ertragsteuern
- Durchbrechung der Maßgeblichkeit durch steuerliche Wahlrechte
- Separate Gewinnfeststellung für Personengesellschaften
Achtung: Einheitliche Gewinnfeststellung erforderlich
Bei der OHG erfolgt die steuerliche Gewinnermittlung auf Ebene der Gesellschaft (einheitliche und gesonderte Feststellung nach § 180 Abs. 1 Nr. 2a AO). Der festgestellte Gewinn wird anschließend nach dem Gesellschaftsvertrag bzw. der gesetzlichen Regelung (§ 120 HGB i. V. m. § 709 Abs. 3 BGB) auf die Gesellschafter verteilt, die ihn in ihrer persönlichen Einkommensteuererklärung angeben müssen.
Welche Gliederungsvorschriften gelten für die OHG-Bilanz?
Die Gliederung der OHG-Bilanz richtet sich nach den Vorschriften des § 247 HGB sowie den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung. Anders als Kapitalgesellschaften, für die § 266 HGB ein detailliertes Gliederungsschema vorschreibt, unterliegen Personengesellschaften wie die OHG – außer Gesellschaften im Sinne des § 264a HGB – keiner Verpflichtung zur Einhaltung der Kapitalgesellschaftsgliederung. Dennoch hat sich in der Praxis eine Orientierung an diesem Schema bewährt, da es Vergleichbarkeit und Übersichtlichkeit gewährleistet.
Mindestgliederung nach § 247 HGB
Nach § 247 Abs. 1 HGB muss die Bilanz das Anlage- und Umlaufvermögen, das Eigenkapital, die Schulden sowie die Rechnungsabgrenzungsposten gesondert ausweisen und hinreichend aufgliedern. Für die OHG bedeutet dies: Die Bilanz muss die Vermögens- und Schuldposten so darstellen, dass ein sachverständiger Dritter sich ein verlässliches Bild von der wirtschaftlichen Lage machen kann.
Besonderheiten beim Eigenkapital der OHG
Ein zentraler Unterschied zur Kapitalgesellschaft liegt im Eigenkapitalausweis. Bei der OHG gibt es kein festes Stammkapital. Stattdessen werden Kapitalkonten der Gesellschafter geführt, die sich aus Einlagen, Entnahmen und dem anteiligen Gewinn oder Verlust zusammensetzen. Üblich ist die Unterscheidung in feste Kapitalkonten (Einlagen) und variable Kapitalkonten (Gewinn-/Verlustvortrag, laufender Gewinn). Diese sind im Eigenkapital der Bilanz getrennt oder zusammengefasst auszuweisen.
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Anlagevermögen nach Anlagearten (Sachanlagen, Finanzanlagen, immaterielle Vermögensgegenstände)
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Umlaufvermögen nach Liquiditätsnähe (Vorräte, Forderungen, Kassenbestand)
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Eigenkapital: Kapitalkonten der Gesellschafter (fest und variabel)
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Rückstellungen nach Fristigkeit und Art (Pensionen, Steuern, sonstige)
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Verbindlichkeiten nach Restlaufzeit und Sicherheiten
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Rechnungsabgrenzungsposten aktiv und passiv
Praxistipp: Kontenklassen richtig zuordnen
Wer die Bilanz selbst vorbereitet oder ein Buchhaltungsprogramm nutzt, sollte die Kontenklassen nach SKR 03 oder SKR 04 korrekt zuordnen. Das erleichtert die spätere Übernahme durch den Steuerberater und vermeidet Nacharbeiten bei der Jahresabschlusserstellung.
Wie werden Vermögensgegenstände in der OHG-Bilanz bewertet?
Die Bewertung der Vermögensgegenstände und Schulden in der OHG-Bilanz erfolgt nach den §§ 252 bis 256 HGB. Zentrale Prinzipien sind das Vorsichtsprinzip (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB), das Realisationsprinzip und das Imparitätsprinzip. Diese Grundsätze führen dazu, dass Gewinne erst bei Realisierung ausgewiesen werden, während Verluste bereits bei Bekanntwerden zu berücksichtigen sind.
Anschaffungs- und Herstellungskosten als Obergrenze
Vermögensgegenstände des Anlage- und Umlaufvermögens sind grundsätzlich mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten anzusetzen, vermindert um planmäßige oder außerplanmäßige Abschreibungen (§ 253 Abs. 1 HGB). Anschaffungskosten umfassen den Kaufpreis zuzüglich Nebenkosten wie Transport, Montage oder Notargebühren. Herstellungskosten bei selbst erstellten Anlagen oder Vorräten setzen sich aus Materialeinzelkosten, Fertigungseinzelkosten und angemessenen Teilen der Gemeinkosten zusammen (§ 255 Abs. 2 HGB).
Abschreibungen: planmäßig und außerplanmäßig
Beim abnutzbaren Anlagevermögen sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten durch planmäßige Abschreibungen auf die Nutzungsdauer zu verteilen (§ 253 Abs. 3 Satz 1 HGB). Üblich ist die lineare Abschreibung; in der Steuerbilanz können — je nach aktueller Rechtslage — auch degressive oder Leistungsabschreibungen zulässig sein. Bei voraussichtlich dauernder Wertminderung ist eine außerplanmäßige Abschreibung auf den niedrigeren beizulegenden Wert vorzunehmen (§ 253 Abs. 3 Satz 5 HGB).
| Vermögensgegenstand | Bewertungsansatz | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Grund und Boden | Anschaffungskosten | Keine planmäßige Abschreibung, nur bei Wertminderung |
| Gebäude | Anschaffungs-/Herstellungskosten abzgl. AfA | Nutzungsdauer 25–50 Jahre je nach Bauweise |
| Maschinen und Anlagen | Anschaffungskosten abzgl. AfA | Nutzungsdauer nach AfA-Tabelle (z. B. 8–12 Jahre) |
| Vorräte | Anschaffungs-/Herstellungskosten | Niederstwertprinzip bei gesunkenen Marktpreisen |
| Forderungen | Nennwert abzgl. Einzelwertberichtigungen | Pauschalwertberichtigung für allgemeines Ausfallrisiko |
Welche Rückstellungen müssen in der OHG-Bilanz gebildet werden?
Rückstellungen sind Verbindlichkeiten, die hinsichtlich ihrer Höhe oder ihres Eintritts ungewiss sind (§ 249 HGB). Sie dienen der periodengerechten Gewinnermittlung und der Umsetzung des Vorsichtsprinzips. Die OHG muss für alle erkennbaren Risiken und ungewisse Verbindlichkeiten Rückstellungen bilden, soweit sie am Bilanzstichtag wirtschaftlich verursacht sind.
Pflicht-Rückstellungen nach § 249 Abs. 1 HGB
Nach § 249 Abs. 1 HGB sind Rückstellungen für folgende Positionen verpflichtend zu bilden: (1) ungewisse Verbindlichkeiten, (2) drohende Verluste aus schwebenden Geschäften und (3) im Geschäftsjahr unterlassene Aufwendungen für Instandhaltung, die innerhalb der ersten drei Monate, oder für Abraumbeseitigung, die im folgenden Geschäftsjahr nachgeholt werden (§ 249 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 HGB), sowie (4) Gewährleistungen ohne rechtliche Verpflichtung (Kulanz). Typische Beispiele sind Rückstellungen für ausstehende Rechnungen, Prozessrisiken, Gewährleistungen oder Urlaubsansprüche von Mitarbeitern.
Pensionsrückstellungen bei Gesellschafter-Geschäftsführern
Bei OHGs können Pensionszusagen an angestellte Gesellschafter-Geschäftsführer oder fremde Geschäftsführer bestehen. Diese sind nach § 253 Abs. 1 Satz 2 HGB mit dem Erfüllungsbetrag anzusetzen, der nach versicherungsmathematischen Grundsätzen zu ermitteln ist. Steuerlich verlangt § 6a EStG u. a. eine schriftliche Zusage ohne schädliche Vorbehalte; bei Zusagen an Gesellschafter einer Personengesellschaft ist der Anspruch zudem korrespondierend in der Sonderbilanz des Gesellschafters zu aktivieren.
- Steuerrückstellungen: Für zu erwartende Nachzahlungen aus Gewerbe- oder Umsatzsteuer der Gesellschaft
- Urlaubsrückstellungen: Für am Bilanzstichtag noch nicht genommene Urlaubstage der Arbeitnehmer
- Gewährleistungsrückstellungen: Für erwartete Garantieleistungen aus bereits erbrachten Lieferungen oder Leistungen
- Prozessrückstellungen: Für laufende oder drohende Rechtsstreitigkeiten mit hinreichender Wahrscheinlichkeit einer Inanspruchnahme
- Pensionsrückstellungen: Für zugesagte Altersversorgung von Arbeitnehmern oder Geschäftsführern
Achtung: Keine Rückstellungen für allgemeine Geschäftsrisiken
Rückstellungen für allgemeine Geschäftsrisiken sind unzulässig; andere als die in § 249 Abs. 1 HGB genannten Rückstellungen dürfen nicht gebildet werden (§ 249 Abs. 2 HGB). Die früheren Aufwandsrückstellungen hat das BilMoG abgeschafft. Pauschale Gewährleistungsrückstellungen auf Basis von Erfahrungswerten sowie Kulanzrückstellungen (§ 249 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 HGB) bleiben dagegen zulässig.
Wie erfolgt die Gewinnverteilung bei der OHG?
Die Gewinnverteilung bei der OHG wird vorrangig durch den Gesellschaftsvertrag geregelt. Fehlt eine Vereinbarung, greift seit dem MoPeG (01.01.2024) die gesetzliche Regelung des § 120 Abs. 1 HGB i. V. m. § 709 Abs. 3 BGB: Maßgeblich sind die vereinbarten Beteiligungsverhältnisse, hilfsweise das Verhältnis der vereinbarten Beitragswerte; fehlen auch diese, erhält jeder Gesellschafter den gleichen Anteil.
Vertragliche Gestaltungsfreiheit nutzen
In der Praxis weicht die Gewinnverteilung häufig von der gesetzlichen Regelung ab. Üblich sind Vereinbarungen nach Kapitalanteilen, nach Arbeitsleistung oder nach kombinierten Schlüsseln. Auch Vorabgewinne, Tätigkeitsvergütungen oder Sondervergütungen für bestimmte Leistungen (z. B. Geschäftsführung, Spezialwissen) können im Gesellschaftsvertrag festgelegt werden. Diese Regelungen müssen im Jahresabschluss transparent dokumentiert und in der Kapitalkontenbewegung dargestellt werden.
Gesetzliche Regelung (§ 120 HGB, § 709 Abs. 3 BGB)
- Verteilung nach den vereinbarten Beteiligungsverhältnissen
- Hilfsweise nach Beitragswerten, sonst zu gleichen Teilen
- Gilt nur, wenn der Gesellschaftsvertrag nichts anderes regelt
Vertragliche Gestaltung (üblich)
- Verteilung nach Kapitalanteilen (z. B. 60/40 bei zwei Gesellschaftern)
- Tätigkeitsvergütungen für geschäftsführende Gesellschafter
- Kombinierte Modelle aus Vorabgewinn und variabler Verteilung
Steuerliche Behandlung der Gewinnverteilung
Für steuerliche Zwecke ist die Gewinnverteilung im Rahmen der einheitlichen und gesonderten Feststellung nach § 180 Abs. 1 Nr. 2a AO zu dokumentieren. Der Gewinn wird auf Ebene der OHG ermittelt und dann nach dem vereinbarten oder gesetzlichen Schlüssel auf die Gesellschafter verteilt. Jeder Gesellschafter versteuert seinen Anteil in seiner persönlichen Einkommensteuererklärung als Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 15 Abs. 1 Nr. 2 EStG). Bei der OHG entsteht zudem Gewerbesteuerpflicht; der Gewerbesteuer-Messbetrag wird ebenfalls auf die Gesellschafter verteilt, die ihn nach § 35 EStG teilweise auf ihre Einkommensteuer anrechnen können.
Tipp: Entnahmen und Einlagen dokumentieren
Entnahmen und Einlagen während des Geschäftsjahrs beeinflussen das Kapitalkonto und je nach Gesellschaftsvertrag ggf. die Gewinnverteilung. Eine saubere Dokumentation in der Buchhaltung und im Jahresabschluss vermeidet spätere Streitigkeiten zwischen den Gesellschaftern.
Muss die OHG ihren Jahresabschluss offenlegen?
Im Gegensatz zu Kapitalgesellschaften unterliegt die OHG als Personenhandelsgesellschaft grundsätzlich keiner Offenlegungspflicht nach § 325 HGB. Die umfassenden Publizitätspflichten für GmbH, AG und andere Kapitalgesellschaften gelten für die OHG nicht — mit einer wichtigen Ausnahme.
Ausnahme: Offenlegungspflichtige Personengesellschaften nach § 264a HGB
Die OHG wird offenlegungspflichtig, wenn keine natürliche Person persönlich haftender Gesellschafter ist (§ 264a Abs. 1 HGB). Das betrifft insbesondere die GmbH & Co. OHG, bei der ausschließlich GmbHs als Gesellschafter unbeschränkt haften. In diesem Fall gelten für die OHG dieselben Offenlegungs- und Prüfungspflichten wie für eine Kapitalgesellschaft — je nach Größenklasse nach § 267 HGB.
Für offenlegungspflichtige OHGs gilt: Der Jahresabschluss (Bilanz, GuV, ggf. Anhang und Lagebericht) muss innerhalb von 12 Monaten nach dem Bilanzstichtag beim Unternehmensregister eingereicht werden (§ 325 HGB). Seit dem DiRUG (in Kraft seit 01.08.2022) erfolgt die Offenlegung ausschließlich elektronisch über das Unternehmensregister — der Bundesanzeiger ist nicht mehr die zuständige Stelle.
| OHG-Typ | Offenlegungspflicht | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| OHG mit natürlichen Personen als Gesellschafter | Keine Offenlegungspflicht | — |
| GmbH & Co. OHG (keine natürliche Person haftet) | Offenlegungspflicht wie Kapitalgesellschaft | § 264a HGB |
| Kleine GmbH & Co. OHG (§ 267 Abs. 1 HGB) | Bilanz und Anhang; GuV freiwillig | § 326 Abs. 1 HGB |
| Mittelgroße/große GmbH & Co. OHG | Vollständiger Jahresabschluss + Lagebericht | § 325 HGB |
Ordnungsgeld bei Nichtoffenlegung
Wer als offenlegungspflichtige OHG den Jahresabschluss nicht oder verspätet beim Unternehmensregister einreicht, riskiert ein Ordnungsgeld nach § 335 HGB in Höhe von mindestens 2.500 Euro bis zu 25.000 Euro. Das Bundesamt für Justiz prüft automatisiert und verschickt Ordnungsgeldandrohungen.
Die Offenlegung wird häufig übersehen, besonders bei GmbH & Co. OHG-Strukturen. Es empfiehlt sich, jährlich zu prüfen, ob eine Offenlegungspflicht besteht, und die Einreichung beim Unternehmensregister direkt nach Fertigstellung des Jahresabschlusses einzuplanen.
Wann lohnt sich die Beauftragung eines Steuerberaters für die OHG-Bilanz?
Die Erstellung einer OHG-Bilanz erfordert fundierte Kenntnisse in Handels- und Steuerrecht, Bewertungsfragen und Gewinnermittlung. Selbst bei kleineren OHGs entstehen Fragestellungen zu Rückstellungen, Abschreibungen, der Behandlung von Gesellschafter-Darlehen oder der steueroptimalen Gewinnverteilung. Wer diese Aufgabe an einen Steuerberater delegiert, profitiert von Fachkenntnis, steuerlicher Gestaltungsberatung und Zeitersparnis.
Vorteile der Steuerberater-Unterstützung
- Fachkenntnis: Der Steuerberater kennt aktuelle HGB- und EStG-Vorschriften und setzt sie fachgerecht um
- Steueroptimierung: Nutzung aller Wahlrechte und Gestaltungsspielräume zur Minimierung der Steuerlast
- Zeitersparnis: Keine eigene Einarbeitung in komplexe Bewertungsfragen oder Formvorschriften
- Einheitliche Gewinnfeststellung: Koordination zwischen Handels- und Steuerbilanz sowie Erstellung der Feststellungserklärung
- Haftung: Der Steuerberater haftet für eigene Fehler und muss berufshaftpflichtversichert sein (§ 67 StBerG)
Digitale Unterstützung durch OnlineBilanz
OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen den Gesellschaftern. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung. Servet Gündogan ist als Büroleiter erster Ansprechpartner.
KI-gestützt
Jahresabschlussentwurf, optional mit Steuerberater-Prüfung
ab 499,95 €
netto zzgl. USt. (Kostenrechner)
digital
Datenübermittlung und Kommunikation
Mehr zur Software für den KI-gestützten Jahresabschlussentwurf finden Sie auf OnlineBilanz.de.
Häufig gestellte Fragen
Kann eine OHG auch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) erstellen?
Nein. Die OHG ist als Personenhandelsgesellschaft nach § 238 HGB buchführungspflichtig und muss zwingend eine Bilanz erstellen. Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung nach § 4 Abs. 3 EStG ist nur für Freiberufler und Kleingewerbetreibende ohne Handelsregistereintrag zulässig.
Muss jede OHG einen Lagebericht erstellen?
Nein. Einen Lagebericht müssen nur OHG im Sinne des § 264a HGB (keine natürliche Person als unmittelbar oder mittelbar unbeschränkt haftender Gesellschafter) aufstellen, wenn sie mittelgroß oder groß sind (§ 264 Abs. 1 HGB). Eine OHG mit natürlichen Personen als Gesellschaftern muss nach HGB keinen Lagebericht aufstellen.
Wer unterschreibt den Jahresabschluss der OHG?
Nach § 245 Satz 2 HGB haben alle persönlich haftenden Gesellschafter den Jahresabschluss unter Angabe des Datums zu unterzeichnen – bei der OHG also grundsätzlich alle Gesellschafter.
Welche Fristen gelten für die Feststellung des OHG-Jahresabschlusses?
Für die OHG gibt es keine gesetzliche Feststellungsfrist; § 42a GmbHG gilt nicht, auch nicht analog. Über die Feststellung entscheiden die Gesellschafter durch Beschluss (§ 121 HGB). Aufzustellen ist der Jahresabschluss innerhalb der einem ordnungsgemäßen Geschäftsgang entsprechenden Zeit (§ 243 Abs. 3 HGB); für OHG im Sinne des § 264a HGB gelten die Fristen des § 264 Abs. 1 HGB.
Können Gesellschafter ihr Privatvermögen in die OHG-Bilanz einbringen?
Ja, Gesellschafter können Wirtschaftsgüter als Einlage in die OHG einbringen. Diese werden dann Betriebsvermögen der OHG und in der Handelsbilanz nach § 253 HGB mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten angesetzt. Steuerlich ist zu unterscheiden: Eine Einbringung gegen Gewährung von Gesellschaftsrechten ist ein tauschähnlicher Vorgang; eine unentgeltliche Einlage wird grundsätzlich mit dem Teilwert bewertet (§ 6 Abs. 1 Nr. 5 EStG). Bei Übertragungen aus einem anderen Betriebsvermögen kann § 6 Abs. 5 EStG die Buchwertfortführung vorsehen.
Was passiert bei verspäteter Offenlegung des OHG-Jahresabschlusses?
OHG im Sinne des § 264a HGB, die ihrer Offenlegungspflicht nach § 325 HGB nicht fristgerecht nachkommen, riskieren ein Ordnungsgeldverfahren nach § 335 HGB. Das Bundesamt für Justiz kann Ordnungsgelder zwischen 2.500 und 25.000 Euro festsetzen. Die 12-Monats-Frist läuft ab dem Bilanzstichtag (z. B. 31.12.2025 → Offenlegung bis 31.12.2026).
Hinweis: Dieser Artikel dient zu allgemeinen Informationszwecken. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung. Gesetzliche Grundlagen: Handelsgesetzbuch (HGB), Einkommensteuergesetz (EStG), GmbH-Gesetz (GmbHG), Unternehmensregister. Nächste redaktionelle Prüfung: Oktober 2026.









Fabian Klement
Jakob Röß
Dr. Jeannine Dinnebier
