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OnlineBilanz›Blog›Bilanz OHG

Bilanz OHG 2026: Pflichten, Fristen & Besonderheiten

Zuletzt aktualisiert: April 2026 · Lesezeit: ca. 10 Minuten

Die offene Handelsgesellschaft (OHG) unterliegt je nach Größe unterschiedlichen Bilanzierungs- und Offenlegungspflichten nach dem Handelsgesetzbuch (HGB). Welche Fristen gelten, wie Kapitalkonten dargestellt werden, wann eine Bilanzierungspflicht eintritt, welche Anforderungen beim Bilanz veröffentlichen bestehen und wie Sie die E-Bilanz übermitteln, erklärt dieser Beitrag mit Stand 2026. Ähnliche Pflichten gelten auch für andere Rechtsformen – etwa wenn Sie eine UG Bilanz erstellen müssen.

SG
Servet Gündogan

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Kurzantwort

Eine OHG muss als Handelsgesellschaft nach §§ 238, 242 HGB stets Bücher führen und eine Bilanz erstellen; die Befreiung nach § 241a HGB gilt nur für Einzelkaufleute. Die Frage, wer eine Bilanz erstellen darf, ist dabei auch für OHG-Gesellschafter relevant; für OHG ohne natürliche Person als Vollhafter gelten nach § 264a HGB die Vorschriften für Kapitalgesellschaften. Kapitalkonten werden im Eigenkapital aufgeteilt nach festen und variablen Bestandteilen ausgewiesen.

Wann muss eine OHG eine Bilanz erstellen?

Die Offene Handelsgesellschaft (OHG) ist nach § 238 Abs. 1 HGB grundsätzlich zur Buchführung und Bilanzierung verpflichtet, da sie als Handelsgesellschaft stets Kaufmann kraft Rechtsform ist. Anders als bei Einzelunternehmen oder GbR gibt es keine Schwellenwerte für Umsatz oder Gewinn — jede OHG muss unabhängig von ihrer Größe einen Jahresabschluss erstellen.

Rechtsgrundlagen der Bilanzierungspflicht

  • § 238 HGB: Jeder Kaufmann ist verpflichtet, Bücher zu führen und in diesen seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich zu machen.
  • § 242 HGB: Der Kaufmann hat zu Beginn seines Handelsgewerbes und für den Schluss eines jeden Geschäftsjahrs einen Jahresabschluss aufzustellen (Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung).
  • § 245 HGB: Der Jahresabschluss ist von sämtlichen persönlich haftenden Gesellschaftern zu unterzeichnen; die Aufstellung obliegt den geschäftsführenden Gesellschaftern (§ 120 Abs. 1 HGB).
  • § 264a HGB: OHG, bei denen kein persönlich haftender Gesellschafter eine natürliche Person ist (z. B. GmbH & Co. OHG), unterliegen den Vorschriften für Kapitalgesellschaften.

Praxis-Hinweis

Die Bilanzierungspflicht beginnt mit Aufnahme des Handelsgewerbes, spätestens mit Eintragung der OHG ins Handelsregister. Der erste Jahresabschluss ist für das erste (oft verkürzte) Rumpfgeschäftsjahr aufzustellen. Für Bilanzstichtag 31.12.2025 gilt das Geschäftsjahr 2025.

Im Gegensatz zur GmbH muss die OHG ihren Jahresabschluss nicht zwingend offenlegen — außer sie fällt unter § 264a HGB (keine natürliche Person als Vollhafter) oder unter das Publizitätsgesetz. Die Feststellung des Jahresabschlusses erfolgt nach § 121 HGB durch Gesellschafterbeschluss.

Welche Größenklassen gelten für die OHG nach § 267 HGB?

§ 267 HGB gilt nur für Kapitalgesellschaften und für Personenhandelsgesellschaften i. S. d. § 264a HGB, bei denen keine natürliche Person unbeschränkt haftet (z. B. GmbH & Co. OHG); für diese bestimmt die Größenklasse die Bilanzierungs-, Prüfungs- und Offenlegungspflichten. Für eine OHG mit natürlichen Personen als Vollhaftern sind die Größenklassen nicht maßgeblich; sehr große OHG (an drei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen zwei von drei Merkmalen: Bilanzsumme > 65 Mio. €, Umsatzerlöse > 130 Mio. €, > 5.000 Arbeitnehmer) unterliegen dem Publizitätsgesetz (§ 1 PublG).

Größenklasse Bilanzsumme Umsatzerlöse Arbeitnehmer
Klein ≤ 7,5 Mio. € ≤ 15 Mio. € ≤ 50
Mittelgroß ≤ 25 Mio. € ≤ 50 Mio. € ≤ 250
Groß > 25 Mio. € > 50 Mio. € > 250

Eine solche Gesellschaft gilt als klein, mittelgroß oder groß, wenn an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen mindestens zwei der drei Merkmale zutreffen. Die Größenklasse bleibt dann für die Folgegeschäftsjahre maßgeblich, bis erneut an zwei aufeinanderfolgenden Stichtagen eine andere Größenklasse erfüllt wird.

Besonderheit: OHG nach § 264a HGB

Ist bei einer OHG (oder KG) kein persönlich haftender Gesellschafter eine natürliche Person, wird sie nach § 264a HGB – unabhängig von ihrer Größe – wie eine Kapitalgesellschaft behandelt; die Größenklasse bestimmt den Umfang der Pflichten. Das bedeutet konkret:

  • Erstellung eines Anhangs nach den Vorschriften für Kapitalgesellschaften (§ 284 ff. HGB)
  • Prüfungspflicht durch einen Abschlussprüfer ab mittelgroßer Gesellschaft (§ 316 HGB)
  • Offenlegungspflicht im Unternehmensregister (§ 325 HGB)
  • Lagebericht ab mittelgroßer Gesellschaft (§ 264 Abs. 1 HGB)

Wie werden Kapitalkonten in der OHG-Bilanz dargestellt?

Eine zentrale Besonderheit der OHG-Bilanz ist die Darstellung des Eigenkapitals: Anders als bei der GmbH mit ihrem festen Stammkapital – oder der UG, für die eigene Bilanzpflichten und Prüffristen gelten – weist die OHG für jeden Gesellschafter ein separates Kapitalkonto aus. Diese Konten dokumentieren die individuelle Vermögensbeteiligung jedes Gesellschafters an der Gesellschaft.

Aufbau der Kapitalkonten nach § 120 HGB

Die Kapitalkonto-Struktur der OHG gliedert sich üblicherweise in zwei Konten je Gesellschafter:

<strong>Festkapitalkonto (Kapitalkonto I)</strong>

  • Einlagen (Bar- und Sacheinlagen)
  • Nachschüsse
  • Kapitalrückzahlungen

<strong>Variables Kapitalkonto (Kapitalkonto II)</strong>

  • Gewinnzuweisungen nach Gesellschaftsvertrag
  • Privatentnahmen der Gesellschafter
  • Verlustbeteiligungen

In der Bilanz wird das Eigenkapital auf der Passivseite für jeden Gesellschafter separat ausgewiesen. Die Summe aller Kapitalkonten ergibt das Gesamteigenkapital der OHG. Negative Kapitalkonten (wenn Entnahmen und Verluste die Einlagen übersteigen) sind nach h.M. gesondert zu kennzeichnen und werden vom positiven Eigenkapital abgezogen.

Bilanzausweis-Schema

Passiva – Eigenkapital: Kapitalkonto Gesellschafter A: 150.000 € Kapitalkonto Gesellschafter B: 120.000 € Kapitalkonto Gesellschafter C: -20.000 € Summe Eigenkapital: 250.000 €

Gewinnverteilung und Entnahmen

Die Gewinnverteilung richtet sich nach den Bestimmungen des Gesellschaftsvertrags. Fehlt eine Regelung, richten sich die Gewinnanteile seit dem MoPeG (01.01.2024) nach den vereinbarten Beteiligungsverhältnissen, hilfsweise nach dem Verhältnis der vereinbarten Werte der Beiträge, sonst nach Köpfen (§ 120 Abs. 1 HGB i. V. m. § 709 Abs. 3 BGB); die frühere 4-%-Regel des § 121 HGB a. F. ist entfallen. In der Praxis weichen Gesellschaftsverträge regelmäßig von dieser Regelung ab und bestimmen individuelle Verteilungsschlüssel.

Wie ist eine OHG-Bilanz aufgebaut?

Der Aufbau der OHG-Bilanz orientiert sich in der Praxis am Gliederungsschema des § 266 HGB; verpflichtend ist dieses nur für Kapitalgesellschaften und Gesellschaften i. S. d. § 264a HGB, für die übrige OHG gilt § 247 Abs. 1 HGB. Die OHG erstellt eine Bilanz (Vermögensübersicht) sowie eine Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). Anders als Kapitalgesellschaften ist die OHG nicht zur Erstellung eines Anhangs verpflichtet — außer sie fällt unter § 264a HGB.

Aktivseite der OHG-Bilanz

  • A. Anlagevermögen: Immaterielle Vermögensgegenstände, Sachanlagen, Finanzanlagen
  • B. Umlaufvermögen: Vorräte, Forderungen, Wertpapiere, Kassenbestand, Bankguthaben
  • C. Rechnungsabgrenzungsposten: Aktive Rechnungsabgrenzung nach § 250 HGB
  • D. Aktive latente Steuern: Nach § 274 HGB, nur bei Gesellschaften i. S. d. § 264a HGB (kleine sind befreit, § 274a HGB)

Passivseite der OHG-Bilanz

  • A. Eigenkapital: Kapitalkonten der Gesellschafter (nach § 120 HGB), ggf. Rücklagen
  • B. Rückstellungen: Pensionsrückstellungen, Steuerrückstellungen, sonstige Rückstellungen
  • C. Verbindlichkeiten: Gegliedert nach Fristigkeit und Art (Bankdarlehen, Lieferantenverbindlichkeiten, etc.)
  • D. Rechnungsabgrenzungsposten: Passive Rechnungsabgrenzung
  • E. Passive latente Steuern: Nach § 274 HGB, nur bei Gesellschaften i. S. d. § 264a HGB (kleine sind befreit, § 274a HGB)

Wichtig für die Praxis

Die OHG unterliegt nicht der Mindestkapitalvorschrift wie die GmbH. Das Eigenkapital kann daher auch negativ sein. In diesem Fall spricht man von einer bilanziellen Überschuldung, die bei der OHG allerdings nicht zu einem Insolvenzgrund führt, sofern mindestens ein persönlich haftender Gesellschafter eine natürliche Person ist (§ 19 Abs. 3 InsO) — anders als bei Kapitalgesellschaften.

Die Gewinn- und Verlustrechnung kann wahlweise nach dem Gesamtkostenverfahren oder Umsatzkostenverfahren erstellt werden (§ 275 HGB). In der Praxis wählen viele OHG das Gesamtkostenverfahren, da es der betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) entspricht und einfacher aus der laufenden Buchhaltung ableitbar ist.

Besteht für die OHG eine Offenlegungspflicht?

Grundsätzlich unterliegt die OHG keiner Offenlegungspflicht für ihren Jahresabschluss. Der Jahresabschluss wird nach § 121 HGB von den Gesellschaftern festgestellt und verbleibt intern. Das gilt für jede OHG mit mindestens einer natürlichen Person als Vollhafter, die nicht unter das Publizitätsgesetz fällt und stellt einen wesentlichen Unterschied zur GmbH dar, die nach § 325 HGB zur Offenlegung verpflichtet ist.

Ausnahmen: OHG nach § 264a HGB und Publizitätsgesetz

Ist kein persönlich haftender Gesellschafter eine natürliche Person (z. B. GmbH & Co. OHG), wird die OHG nach § 264a HGB wie eine Kapitalgesellschaft behandelt; sehr große OHG (an drei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen zwei von drei Merkmalen: Bilanzsumme > 65 Mio. €, Umsatzerlöse > 130 Mio. €, > 5.000 Arbeitnehmer) unterliegen dem Publizitätsgesetz (§ 1 PublG). Für Gesellschaften i. S. d. § 264a HGB gelten insbesondere folgende Pflichten:

  • Erstellung eines Anhangs nach § 284 ff. HGB
  • Prüfung durch einen Abschlussprüfer nach § 316 HGB (ab mittelgroßer Gesellschaft)
  • Offenlegung im Unternehmensregister nach § 325 HGB innerhalb von 12 Monaten nach Bilanzstichtag
  • Lagebericht ab mittelgroßer Gesellschaft (§ 264 Abs. 1 HGB)

Die Offenlegung erfolgt seit dem Inkrafttreten des DiRUG zum 01.08.2022 ausschließlich beim Unternehmensregister (www.unternehmensregister.de). Der Bundesanzeiger ist keine Einreichungsstelle mehr. Für den Bilanzstichtag 31.12.2025 endet die Offenlegungsfrist am 31.12.2026.

Ordnungsgeld bei Versäumnis

Bei verspäteter oder fehlender Offenlegung droht ein Ordnungsgeld nach § 335 HGB zwischen 2.500 und 25.000 Euro. Das Bundesamt für Justiz droht das Ordnungsgeld mit sechswöchiger Nachfrist an und setzt es anschließend fest; es kann sich gegen die Gesellschaft oder die vertretungsberechtigten Organmitglieder richten (§ 335 Abs. 1 HGB).

Offenlegungspflichtig sind in der Praxis vor allem OHG ohne natürliche Person als Vollhafter (§ 264a HGB) und sehr große OHG nach dem PublG. Wer unsicher ist, ob die eigene OHG offenlegungspflichtig ist, sollte Gesellschafterstruktur und Schwellenwerte prüfen — oder dies durch einen Steuerberater klären lassen.

Welche Fristen gelten für die Feststellung des Jahresabschlusses?

Anders als bei der GmbH gibt es für die OHG keine gesetzlich vorgeschriebene Frist zur Feststellung des Jahresabschlusses. Während die GmbH nach § 42a GmbHG den Jahresabschluss innerhalb von 8 Monaten (mittelgroße und große) bzw. 11 Monaten (kleine GmbH) feststellen muss, bestehen für die OHG nur indirekte Fristen. Die Billigung des Jahresabschlusses erfolgt bei Personengesellschaften nach anderen Regeln als bei Kapitalgesellschaften. Ähnlich wie beim Jahresabschluss der GbR gibt es bei Personengesellschaften deutlich flexiblere Regelungen als bei Kapitalgesellschaften.

Relevante Fristen für die OHG

Frist/Stichtag Rechtsgrundlage Gültigkeit
Steuererklärung ohne StB: 31.07.2026 § 149 AO Für Bilanzstichtag 31.12.2025
Steuererklärung mit StB: 01.03.2027 § 149 Abs. 3 AO Bei steuerlicher Beratung
Offenlegung (nur offenlegungspflichtige OHG): 31.12.2026 § 325 HGB 12 Monate nach Bilanzstichtag
Prüfung (nur prüfungspflichtige OHG): keine gesetzliche Frist § 316 HGB Vor Offenlegung abzuschließen

Die Feststellung erfolgt nach § 121 HGB durch Gesellschafterbeschluss. In der Praxis orientiert sich der Zeitpunkt an der Frist zur Abgabe der Steuererklärung. Da die Steuererklärungen auf dem Jahresabschluss beruhen, sollte die Feststellung spätestens bis zur Abgabefrist erfolgen — bei Erstellung der Erklärungen durch einen Steuerberater oder eine andere nach §§ 3, 4 StBerG befugte Person also bis zum 01.03.2027 für das Geschäftsjahr 2025.

Praxis-Tipp

Gesellschaftsverträge können eigenständige Fristen zur Aufstellung und Feststellung des Jahresabschlusses vorsehen. Solche Regelungen sind insbesondere sinnvoll, wenn die Gewinnausschüttung oder die Entnahmerechte an die Feststellung gekoppelt sind.

Feststellung durch Gesellschafterbeschluss

Der Jahresabschluss ist nach § 245 HGB von allen persönlich haftenden Gesellschaftern zu unterzeichnen und nach § 121 HGB durch Beschluss festzustellen. Üblicherweise geschieht dies in einer Gesellschafterversammlung, in der der Jahresabschluss vorgelegt, besprochen und durch Beschluss förmlich festgestellt wird. Die Feststellung ist konstitutiv: Erst damit wird der Jahresabschluss rechtsverbindlich.

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Was unterscheidet die OHG-Bilanz von der GmbH-Bilanz?

Obwohl sowohl OHG als auch GmbH zur Bilanzierung verpflichtet sind, bestehen erhebliche Unterschiede in Aufbau, Eigenkapitaldarstellung, Prüfungs- und Offenlegungspflichten. Diese Unterschiede ergeben sich aus der unterschiedlichen Rechtsform: Die OHG ist eine Personengesellschaft, die GmbH eine Kapitalgesellschaft.

<strong>Eigenkapitalausweis</strong>

  • Kein Mindestkapital
  • Negative Kapitalkonten möglich
  • § 120 HGB

<strong>Eigenkapitalausweis</strong>

  • Stammkapital fest
  • Kapitalerhaltungsvorschriften
  • § 272 HGB

<strong>Unterschrift/Feststellung</strong>

OHG: Alle persönlich haftenden Gesellschafter unterzeichnen (§ 245 HGB), Feststellung durch Gesellschafterbeschluss (§ 121 HGB). GmbH: Geschäftsführer erstellt, Gesellschafterversammlung stellt fest (§ 42a GmbHG).

Prüfungs- und Offenlegungspflichten im Vergleich

Kriterium OHG GmbH
Offenlegungspflicht Nur OHG i. S. d. § 264a HGB bzw. nach PublG Alle GmbH (§ 325 HGB)
Prüfungspflicht Nur mittelgroße/große OHG i. S. d. § 264a HGB bzw. nach PublG Mittelgroße und große GmbH
Anhang Nur OHG i. S. d. § 264a HGB Alle GmbH (Erleichterungen für kleine)
Lagebericht Nur mittelgroße/große OHG i. S. d. § 264a HGB Nur mittelgroße/große GmbH
Feststellungsfrist Keine gesetzliche Frist 8 bzw. 11 Monate (§ 42a GmbHG)

Ein weiterer wesentlicher Unterschied betrifft die Haftung: Bei der OHG haften alle Gesellschafter unbeschränkt persönlich mit ihrem Privatvermögen für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft (§ 126 HGB). Bei der GmbH ist die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Diese Haftungsstruktur wirkt sich auch auf die bilanzielle Darstellung und die Eigenkapitalstruktur aus.

Steuerliche Behandlung

Die OHG ist als Personengesellschaft steuerlich transparent: Die Gewinne werden unmittelbar den Gesellschaftern zugerechnet und bei diesen mit Einkommensteuer besteuert (§ 15 EStG). Die GmbH unterliegt als Kapitalgesellschaft der Körperschaftsteuer (§ 1 KStG), Ausschüttungen werden zusätzlich beim Gesellschafter mit Abgeltungsteuer oder im Teileinkünfteverfahren besteuert (Doppelbesteuerung).

Wann lohnt sich ein Steuerberater für den OHG-Jahresabschluss?

Die Erstellung des Jahresabschlusses einer OHG erfordert fundierte Kenntnisse im Handels- und Steuerrecht. Anders als bei der einfachen Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) müssen bei der Bilanzierung zahlreiche Bewertungsvorschriften, Abgrenzungsfragen und gesellschafterrechtliche Besonderheiten beachtet werden. Ein Steuerberater stellt sicher, dass der Jahresabschluss den gesetzlichen Anforderungen entspricht und steuerlich optimal gestaltet ist.

Typische Aufgaben des Steuerberaters bei der OHG-Bilanzierung

  • Kontierung und Erfassung aller Geschäftsvorfälle nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB)
  • Bewertung von Vermögensgegenständen nach § 252 ff. HGB (Anschaffungskosten, Abschreibungen, Teilwertabschreibungen)
  • Bildung von Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten, Pensionsverpflichtungen, Steuerrückstellungen
  • Ermittlung und Verteilung des Jahresergebnisses auf die Kapitalkonten der Gesellschafter
  • Erstellung der Steuererklärungen: Gewerbesteuererklärung, Feststellungserklärung, Umsatzsteuererklärung
  • Steuerliche Optimierung: Nutzung von Gestaltungsspielräumen, Abschreibungswahlrechte, Rücklagenbildung

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Wann ist die Beauftragung besonders sinnvoll?

  • Bei komplexer Gesellschafterstruktur mit mehreren Gesellschaftern und differenzierten Gewinnverteilungsregelungen
  • Wenn eine Änderung der Gesellschafterstruktur (z. B. Ausscheiden der letzten natürlichen Person als Vollhafter) Pflichten nach § 264a HGB auslösen kann
  • Bei der ersten Bilanzierung (Eröffnungsbilanz) nach Gründung oder Umwandlung
  • Wenn umfangreiche Investitionen steuerlich optimal abgebildet werden sollen
  • Bei gesellschaftsrechtlichen Veränderungen (Gesellschaftereintritt, -austritt, Kapitalveränderungen)
  • Wenn die OHG mit Kapitalgesellschaften verbunden ist (Organschaft, Beteiligungen)

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Monate nach Jahresende: Abgabefrist bei Beratung (§ 149 Abs. 3 AO)

§ 120

HGB: Unterzeichnung durch alle Gesellschafter

§ 121

HGB: Feststellung durch Gesellschafterbeschluss

Die Kosten für einen Steuerberater richten sich nach der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) und hängen vom Gegenstandswert ab – dem Mittelwert aus berichtigter Bilanzsumme und Jahresleistung (§ 35 Abs. 2 StBVV).

Häufig gestellte Fragen

Kann eine OHG freiwillig bilanzieren, auch wenn sie unter den Schwellenwerten liegt?

Eine OHG ist als Handelsgesellschaft stets buchführungs- und bilanzierungspflichtig (§§ 238, 242 HGB); die Befreiung nach § 241a HGB gilt nur für Einzelkaufleute. Freiwillig bilanzieren können dagegen z. B. Kleingewerbetreibende. Dies kann sinnvoll sein, um gegenüber Banken oder Geschäftspartnern ein professionelles Bild der Vermögenslage zu vermitteln oder um von den Vorteilen der doppelten Buchführung zu profitieren.

Muss jeder Gesellschafter der OHG den Jahresabschluss einzeln unterschreiben?

Nach § 245 HGB ist der Jahresabschluss vom Kaufmann unter Angabe des Datums zu unterzeichnen. Bei der OHG sind dies nach herrschender Auffassung sämtliche persönlich haftenden Gesellschafter – auch solche, die von der Geschäftsführung ausgeschlossen sind.

Was passiert, wenn die OHG die Offenlegungsfrist versäumt?

Bei Versäumnis der Offenlegungsfrist nach § 325 HGB droht ein Ordnungsgeldverfahren nach § 335 HGB. Das Bundesamt für Justiz kann ein Ordnungsgeld zwischen 2.500 und 25.000 Euro festsetzen. Bei wiederholter Pflichtverletzung können mehrere Ordnungsgelder verhängt werden. Zudem können Geschäftspartner und Banken das Fehlen des Jahresabschlusses negativ bewerten.

Kann eine OHG zur Kapitalgesellschaft (z. B. GmbH) umgewandelt werden?

Ja, nach dem Umwandlungsgesetz (UmwG) kann eine OHG in eine GmbH oder andere Rechtsform formwechselnd umgewandelt werden. Dabei bleiben die Identität und alle Verträge bestehen, es ändert sich lediglich die Rechtsform. Eine solche Umwandlung kann sinnvoll sein, um die persönliche Haftung der Gesellschafter zu beschränken oder bestimmte steuerliche oder finanzierungstechnische Vorteile zu nutzen.

Welche Rolle spielt der Gesellschaftsvertrag bei der Gewinnverteilung in der OHG-Bilanz?

Der Gesellschaftsvertrag regelt die Gewinnverteilung zwischen den Gesellschaftern. Fehlt eine Regelung, richten sich die Gewinnanteile seit dem MoPeG (01.01.2024) nach den vereinbarten Beteiligungsverhältnissen, hilfsweise nach dem Verhältnis der vereinbarten Werte der Beiträge, sonst nach Köpfen (§ 120 Abs. 1 HGB i. V. m. § 709 Abs. 3 BGB); die frühere 4-%-Regel des § 121 HGB a. F. ist entfallen. Diese Verteilung wird buchhalterisch über die variablen Kapitalkonten abgebildet und beeinflusst die Eigenkapitaldarstellung in der Bilanz.

Müssen OHGs ihre Bilanz elektronisch an das Unternehmensregister übermitteln?

Nur wenn die OHG offenlegungspflichtig ist – etwa als Gesellschaft i. S. d. § 264a HGB ohne natürliche Person als Vollhafter oder nach dem Publizitätsgesetz. Dann muss die Offenlegung seit dem 1. August 2022 ausschließlich elektronisch beim Unternehmensregister erfolgen; zulässige Formate nennt das Unternehmensregister.

Hinweis: Dieser Artikel dient zu allgemeinen Informationszwecken. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung. Gesetzliche Grundlagen: § 238 HGB – Buchführungspflicht, § 241a HGB – Befreiung von der Buchführungspflicht, § 267 HGB – Größenklassen, § 325 HGB – Offenlegung. Nächste redaktionelle Prüfung: Oktober 2026.

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Kennenlerntermin15 Min · Raphael Diener