Umsatzsteuer zum Jahresabschluss buchen SKR03: 1780, 1789, 1790
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026 · Lesezeit: ca. 8 Minuten
Zum Bilanzstichtag müssen die Umsatzsteuer- und Vorsteuerkonten so abgeschlossen werden, dass die Bilanz genau die noch offene Schuld oder Forderung gegenüber dem Finanzamt zeigt. Dieser Beitrag erklärt die SKR03-Konten nach DATEV-Stand 2026, die Behandlung von Vorauszahlungen und Sondervorauszahlung, ein durchgerechnetes Beispiel und den Ausweis nach § 266 HGB. Einen allgemeinen Überblick bietet der Beitrag Buchung der Umsatzsteuer im Jahresabschluss.
Kurzantwort
Im SKR03 laufen Ausgangsumsatzsteuer auf 1771/1776, Vorsteuer auf 1571/1576 und die gezahlten Voranmeldungsbeträge auf 1780 Umsatzsteuer-Vorauszahlungen, eine Sondervorauszahlung auf 1781. Zum 31.12. werden diese Salden verrechnet: Eine noch offene Zahllast (meist Dezember bzw. viertes Quartal) wird auf 1789 Umsatzsteuer laufendes Jahr zusammengefasst und im Folgejahr als 1790 Umsatzsteuerverbindlichkeiten Vorjahr fortgeführt; ein Erstattungsanspruch auf 1545 Forderungen aus Umsatzsteuer. In der Bilanz erscheint die Schuld unter Passiva C. 8. Sonstige Verbindlichkeiten, ein Guthaben unter Aktiva B. II. 4. Sonstige Vermögensgegenstände.
Inhaltsverzeichnis
Konten im SKR03
| Konto | Bezeichnung (DATEV SKR03, 2026) |
|---|---|
| 1570 / 1571 / 1576 | Abziehbare Vorsteuer / Abziehbare Vorsteuer 7 % / Abziehbare Vorsteuer 19 % |
| 1577 | Abziehbare Vorsteuer nach § 13b UStG 19 % |
| 1548 | Vorsteuer in Folgeperiode/im Folgejahr abziehbar |
| 1545 | Forderungen aus Umsatzsteuer |
| 1771 / 1776 | Umsatzsteuer 7 % / Umsatzsteuer 19 % |
| 1787 | Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19 % |
| 1780 | Umsatzsteuer-Vorauszahlungen |
| 1781 | Umsatzsteuer-Vorauszahlungen 1/11 (Sondervorauszahlung) |
| 1789 | Umsatzsteuer laufendes Jahr |
| 1790 / 1791 | Umsatzsteuerverbindlichkeiten Vorjahr / frühere Jahre |
Die Erlöskonten 8300 und 8400 sowie Wareneingangskonten wie 3400 sind in DATEV Automatikkonten: Die Umsatzsteuer bzw. Vorsteuer wird beim Buchen des Bruttobetrags automatisch auf 1771/1776 bzw. 1571/1576 gebucht.
Laufende Buchungen
| Vorgang | Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|---|
| Ausgangsrechnung 10.000 € netto | 1400 Forderungen aus L+L | 8400 Erlöse 19 % USt (Umsatzsteuer automatisch auf 1776) | 11.900 € |
| Eingangsrechnung Ware 1.000 € netto | 3400 Wareneingang 19 % Vorsteuer (Vorsteuer automatisch auf 1576) | 1600 Verbindlichkeiten aus L+L | 1.190 € |
| Zahlung der Voranmeldungsschuld | 1780 Umsatzsteuer-Vorauszahlungen | 1200 Bank | Zahllast |
| Erstattung aus einer Voranmeldung | 1200 Bank | 1780 Umsatzsteuer-Vorauszahlungen | Erstattung |
| Sondervorauszahlung bei Dauerfristverlängerung | 1781 Umsatzsteuer-Vorauszahlungen 1/11 | 1200 Bank | 1/11 der Vorjahres-Vorauszahlungen |
Die Voranmeldung für Dezember ist am 10. Januar fällig, bei Dauerfristverlängerung am 10. Februar (§ 18 Abs. 1 UStG, § 46 UStDV); fällt der Tag auf ein Wochenende, verschiebt sich die Frist auf den nächsten Werktag.
Abschluss zum 31.12.
- Vollständigkeit: Alle Ausgangs- und Eingangsrechnungen des Jahres sind erfasst; Vorsteuer aus Rechnungen, die erst im neuen Jahr eingehen, gehört auf 1548 (Vorsteuer im Folgejahr abziehbar), weil der Vorsteuerabzug erst mit Vorliegen der Rechnung möglich ist.
- Abstimmung: Die Salden der Umsatzsteuer- und Vorsteuerkonten werden mit der Summe der Voranmeldungen Januar bis Dezember abgestimmt.
- Verrechnung: Umsatzsteuer abzüglich Vorsteuer ergibt die Jahressteuer laut Buchhaltung. Davon werden die auf 1780 gebuchten Zahlungen abgezogen. Bei Dauerfristverlängerung wird zusätzlich die Sondervorauszahlung (1781) angerechnet, die in der Regel mit der Dezember-Voranmeldung verrechnet wird.
- Ausweis: Ein verbleibender Betrag zugunsten des Finanzamts wird auf 1789 Umsatzsteuer laufendes Jahr zusammengefasst; im neuen Jahr wird er als 1790 Umsatzsteuerverbindlichkeiten Vorjahr vorgetragen und bei Zahlung ausgeglichen. Ein Überhang zugunsten der GmbH wird auf 1545 Forderungen aus Umsatzsteuer ausgewiesen.
DATEV und andere Programme fassen die Umsatzsteuerkonten in der Bilanz automatisch zusammen. Eine manuelle Umbuchung auf 1789 ist dann nicht zwingend, die Abstimmung aber trotzdem nötig.
Beispiel
Eine GmbH mit monatlichen Voranmeldungen ohne Dauerfristverlängerung hat zum 31.12.2025 folgende Salden:
| Konto | Saldo |
|---|---|
| 1776 Umsatzsteuer 19 % | 45.000 € Haben |
| 1771 Umsatzsteuer 7 % | 8.000 € Haben |
| 1576 Abziehbare Vorsteuer 19 % | 38.000 € Soll |
| 1571 Abziehbare Vorsteuer 7 % | 4.000 € Soll |
| 1780 Umsatzsteuer-Vorauszahlungen (gezahlt Januar bis November) | 10.000 € Soll |
Jahressteuer laut Buchhaltung: 53.000 € − 42.000 € = 11.000 €. Davon sind 10.000 € bereits gezahlt. Offen ist die Dezember-Zahllast von 1.000 €, die im Januar 2026 fällig wird. Sie wird als sonstige Verbindlichkeit ausgewiesen (Saldo auf 1789, im Folgejahr 1790). Die Bruttosumme von 11.000 € in der Bilanz auszuweisen wäre falsch, weil die Vorauszahlungen sonst unberücksichtigt blieben.
Mit Dauerfristverlängerung und einer Sondervorauszahlung von 900 € auf 1781 wäre die offene Schuld 1.000 € − 900 € = 100 €. Zur Sondervorauszahlung siehe Sondervorauszahlung verrechnen, buchen, erstatten.
Bilanzausweis
| Position | Ausweis |
|---|---|
| Umsatzsteuer-Zahllast | Passiva C. 8. Sonstige Verbindlichkeiten, bei mittelgroßen und großen Gesellschaften mit dem Vermerk „davon aus Steuern“ (§ 266 Abs. 3 HGB); kleine Gesellschaften dürfen die Verbindlichkeiten in einem Posten zusammenfassen (§ 266 Abs. 1 Satz 3 HGB) |
| Umsatzsteuer-Erstattungsanspruch | Aktiva B. II. 4. Sonstige Vermögensgegenstände (§ 266 Abs. 2 HGB) |
Forderungen und Verbindlichkeiten aus Umsatzsteuer gegenüber demselben Finanzamt werden in der Praxis saldiert ausgewiesen, soweit sie aufrechenbar sind. Der Betrag der Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr ist zu vermerken (§ 268 Abs. 5 Satz 1 HGB); bei der Umsatzsteuer ist das regelmäßig der volle Betrag.
Sonderfälle
Nicht abziehbare Vorsteuer
Vorsteuer, die nicht abziehbar ist – etwa auf Aufwendungen, für die nach § 15 Abs. 1a UStG ein Abzugsverbot gilt, oder auf Eingangsleistungen für steuerfreie Umsätze nach § 15 Abs. 2 UStG –, gehört zum Aufwand bzw. zu den Anschaffungskosten oder auf 4300 Nicht abziehbare Vorsteuer. Die private Nutzung eines Firmenwagens ist dagegen kein Fall nicht abziehbarer Vorsteuer, sondern eine umsatzsteuerpflichtige Wertabgabe bzw. Leistung an den Arbeitnehmer.
Innergemeinschaftlicher Erwerb und Reverse-Charge
- Innergemeinschaftlicher Erwerb (§ 1a UStG): Buchung des Nettobetrags auf 3425 Innergemeinschaftlicher Erwerb 19 % Vorsteuer und 19 % Umsatzsteuer; die Erwerbsteuer und die gleich hohe Vorsteuer werden automatisch gebucht.
- Sonstige Leistung eines EU-Unternehmers (§ 13b UStG): 3123 Sonstige Leistungen eines im anderen EU-Land ansässigen Unternehmers 19 % Vorsteuer und 19 % Umsatzsteuer; DATEV bucht 1577 und 1787 automatisch.
Umsatzsteuer früherer Jahre
Nachzahlungen oder Erstattungen für Vorjahre, etwa aus der Jahreserklärung oder einer Betriebsprüfung, werden nicht über die laufenden Konten 1576/1776 gebucht, weil sie sonst in die aktuelle Voranmeldung einfließen würden. Sie laufen über 1790 bzw. 1791. War der Vorjahresabschluss richtig, ist die Zahlung erfolgsneutral; eine Differenz aus einem Fehler früherer Jahre wird in laufender Rechnung erfasst, etwa über 2020 Periodenfremde Aufwendungen bzw. 2520 Periodenfremde Erträge.
Vorsteuerberichtigung nach § 15a UStG
Ändern sich bei Wirtschaftsgütern die für den Vorsteuerabzug maßgebenden Verhältnisse, ist die Vorsteuer innerhalb des Berichtigungszeitraums (5 Jahre, bei Grundstücken 10 Jahre) anteilig zu berichtigen. Keine Berichtigung erfolgt, wenn die Vorsteuer auf die Anschaffung 1.000 € nicht übersteigt (§ 44 Abs. 1 UStDV). Die Berichtigung wird in der Voranmeldung bzw. Jahreserklärung erklärt; die Gegenbuchung ist Aufwand oder Ertrag.
Fristen und Abstimmung
- Umsatzsteuer-Jahreserklärung 2025: ohne Steuerberater bis 31.07.2026, mit Steuerberater bis 01.03.2027 (§ 149 Abs. 2 und 3 AO), sofern das Finanzamt sie nicht vorab anfordert.
- Ist-Versteuerung: auf Antrag möglich bei einem Vorjahresumsatz bis 800.000 € (§ 20 UStG); dann entsteht die Steuer erst mit Zahlungseingang, und noch nicht bezahlte Ausgangsrechnungen enthalten zum Stichtag noch nicht entstandene Umsatzsteuer.
- Feststellung des Jahresabschlusses: bei kleinen GmbHs innerhalb von elf, sonst acht Monaten (§ 42a Abs. 2 GmbHG).
- Offenlegung: innerhalb von zwölf Monaten beim Unternehmensregister (§ 325 HGB); kleine GmbHs legen Bilanz und Anhang offen. Bei Versäumnis droht ein Ordnungsgeld von 2.500 € bis 25.000 € (§ 335 HGB).
Vor dem Abschluss sollten die Konten 1780/1781 mit dem Steuerkonto beim Finanzamt abgestimmt werden: Säumnis- oder Verspätungszuschläge gehören nicht auf diese Konten, sondern auf eigene Aufwandskonten (siehe Säumniszuschläge buchen).
Jahresabschluss mit OnlineBilanz
Mit OnlineBilanz erstellen Sie einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf, den Sie zur eigenen Verwendung herunterladen können. Soll die Einreichung über OnlineBilanz erfolgen, prüft, korrigiert und unterzeichnet ein namentlich benannter, kooperierender Steuerberater. Steuerliche Beratung im Einzelfall erteilen nur die nach dem Steuerberatungsgesetz dazu befugten Personen und Gesellschaften, insbesondere Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer.
Häufig gestellte Fragen
Wie wird die Umsatzsteuer zum Jahresabschluss im SKR03 gebucht?
Die Salden der Umsatzsteuer- und Vorsteuerkonten (z. B. 1776, 1771, 1576, 1571) werden mit den geleisteten Vorauszahlungen auf 1780 verrechnet. Eine verbleibende Zahllast wird auf 1789 Umsatzsteuer laufendes Jahr umgebucht und im Folgejahr als 1790 Umsatzsteuerverbindlichkeiten Vorjahr geführt; ein Erstattungsanspruch auf 1545 Forderungen aus Umsatzsteuer. Viele Buchhaltungsprogramme übernehmen diese Zusammenfassung automatisch.
Wo erscheint die Umsatzsteuer in der Bilanz?
Eine Zahllast unter Passiva C. 8. Sonstige Verbindlichkeiten, bei mittelgroßen und großen Gesellschaften mit dem Vermerk „davon aus Steuern“ (§ 266 Abs. 3 HGB). Ein Erstattungsanspruch unter Aktiva B. II. 4. Sonstige Vermögensgegenstände.
Was passiert mit der Sondervorauszahlung zum Jahresende?
Die Sondervorauszahlung (1781) wird bei Dauerfristverlängerung in der Regel mit der Voranmeldung für Dezember verrechnet, die erst im Februar abgegeben wird. Zum 31.12. wird sie daher mit der noch offenen Dezember-Zahllast verrechnet; wird die Dauerfristverlängerung beibehalten, ist für das neue Jahr eine neue Sondervorauszahlung zu leisten.
Bis wann ist die Umsatzsteuer-Jahreserklärung 2025 abzugeben?
Ohne Steuerberater bis 31.07.2026, mit Steuerberater bis 01.03.2027 (§ 149 Abs. 2 und 3 AO), sofern das Finanzamt die Erklärung nicht vorab anfordert.
Hinweis: Dieser Artikel dient zu allgemeinen Informationszwecken und ersetzt keine steuerliche Beratung im Einzelfall. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung. Grundlagen: § 266 HGB, § 18 UStG, § 149 AO; Kontonummern: DATEV-Standardkontenrahmen SKR03, gültig für 2026. Nächste redaktionelle Prüfung: April 2027.
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Fabian Klement
Jakob Röß
Dr. Jeannine Dinnebier
