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Datum

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OnlineBilanz›Blog›Milei-Bilanz

Milei-Bilanz 2026: Voraussetzungen & Gliederung

Zuletzt aktualisiert: April 2026 · Lesezeit: ca. 10 Minuten

Die Milei-Bilanz (Mindestgliederung) ist eine erleichterte Form der Bilanzgliederung für kleine Kapitalgesellschaften nach § 266 Abs. 1 Satz 3 HGB. Sie erlaubt eine verkürzte Darstellung von Aktiva und Passiva und reduziert damit den Offenlegungsumfang erheblich. Dabei werden sowohl Vermögenswerte als auch Schulden und Rückstellungen in der Bilanz in verdichteter Form ausgewiesen. Im Folgenden erfahren Sie, welche rechtlichen Grundlagen gelten, wer die Milei-Bilanz nutzen darf und worauf Sie bei Erstellung und Offenlegung im Jahr 2026 achten müssen.

SG
Servet Gündogan

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Kurzantwort

Die Milei-Bilanz ist die gesetzlich zulässige Mindestgliederung der Bilanz für kleine Kapitalgesellschaften nach § 266 Abs. 1 Satz 3 HGB. Sie fasst viele Bilanzposten zusammen und reduziert so den Umfang der offenzulegenden Informationen. Kleine Kapitalgesellschaften können durch die Milei-Bilanz ihre Publizitätspflicht erfüllen, ohne detaillierte Vermögens- und Kapitalstrukturen offenzulegen. Die Offenlegung erfolgt seit August 2022 ausschließlich beim Unternehmensregister.

Was ist eine Milei-Bilanz?

Der Begriff Milei-Bilanz ist im deutschen Handels- und Bilanzrecht keine etablierte Fachbezeichnung. Vielmehr handelt es sich um eine umgangssprachliche oder brancheninterne Kurzform, die sich auf die Mindestgliederungsbilanz bezieht – eine vereinfachte Darstellung der Jahresbilanz nach § 266 HGB, die insbesondere kleinen und mittelgroßen Kapitalgesellschaften unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung steht.

Die Mindestgliederung erlaubt es Unternehmen, weniger detaillierte Posten in der Bilanz auszuweisen, als dies bei einer vollständigen Gliederung nach § 266 Abs. 2 und 3 HGB erforderlich wäre. Die Struktur und der Aufbau einer Bilanz können dadurch vereinfacht werden, indem insbesondere bestimmte Positionen beim Fremdkapital in der Bilanz zusammengefasst werden, aber auch bei den Sachanlagen in der Bilanz sind vereinfachte Darstellungen möglich. Ziel dieser Erleichterung ist es, den Aufwand für die Offenlegung zu reduzieren und gleichzeitig den Schutz vertraulicher Unternehmensdaten zu wahren.

Praxishinweis

Kleine Kapitalgesellschaften dürfen gemäß § 266 Abs. 1 Satz 3 HGB eine verkürzte Bilanz aufstellen, die nur die mit Buchstaben und römischen Ziffern bezeichneten Posten ausweist. Mittelgroße Gesellschaften können nach § 327 Nr. 1 HGB diese verkürzte Bilanz – ergänzt um bestimmte gesondert anzugebende Posten – zur Offenlegung verwenden; die interne Bilanz für Gesellschafter muss jedoch vollständig sein.

Stand 2026 gilt: Alle Kapitalgesellschaften müssen ihren Jahresabschluss gemäß § 325 HGB beim Unternehmensregister offenlegen. Die Nutzung der Mindestgliederung ist dabei ein strategisches Mittel, um die Veröffentlichungspflicht zu erfüllen, ohne unnötig viele Detailinformationen preiszugeben.

Rechtliche Grundlagen der Mindestgliederung nach HGB

Die gesetzliche Grundlage für die sogenannte Milei-Bilanz findet sich in mehreren Vorschriften des Handelsgesetzbuchs, die zusammen die Erleichterungen für kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften regeln.

§ 266 HGB: Gliederung der Bilanz

§ 266 Abs. 1 Satz 3 HGB erlaubt kleinen Kapitalgesellschaften im Sinne des § 267 Abs. 1 HGB, eine verkürzte Bilanz aufzustellen, die nur die mit Buchstaben (A, B, C, D, E) und römischen Ziffern (I, II, III, …) bezeichneten Posten enthält. Die mit arabischen Ziffern (1, 2, 3, …) versehenen Untergliederungen können entfallen.

§ 327 HGB: Erleichterungen für mittelgroße Kapitalgesellschaften

Nach § 327 Nr. 1 HGB dürfen mittelgroße Kapitalgesellschaften im Sinne des § 267 Abs. 2 HGB eine verkürzte Bilanz zur Offenlegung verwenden. Das bedeutet: Die interne Bilanz, die den Gesellschaftern vorgelegt wird, muss vollständig gemäß § 266 Abs. 2 und 3 HGB gegliedert sein – zur Veröffentlichung im Unternehmensregister darf jedoch eine vereinfachte Fassung verwendet werden.

Rechtsgrundlage Anwendungsbereich Erleichterung
§ 266 Abs. 1 Satz 3 HGB Kleine Kapitalgesellschaften Verkürzte Bilanz bei Aufstellung und Offenlegung
§ 327 Nr. 1 HGB Mittelgroße Kapitalgesellschaften Verkürzte Bilanz nur bei Offenlegung
§ 325 HGB Alle Kapitalgesellschaften Offenlegungspflicht beim Unternehmensregister

Diese Differenzierung ist in der Praxis wichtig: Während kleine Kapitalgesellschaften durchgängig mit der Mindestgliederung arbeiten dürfen, müssen mittelgroße Unternehmen intern eine vollständige Bilanz führen und dürfen die Verkürzung nur bei der Veröffentlichung nutzen.

Wer darf die Milei-Bilanz nutzen?

Die Berechtigung zur Nutzung der Mindestgliederung hängt von der Größenklasse der Kapitalgesellschaft ab. Diese wird gemäß § 267 HGB anhand von drei Kriterien bestimmt: Bilanzsumme, Umsatzerlöse und durchschnittliche Mitarbeiterzahl.

Größenklassen nach § 267 HGB (Stand 2026)

Größenklasse Bilanzsumme Umsatzerlöse Mitarbeiter Schwellenwerte
Klein (§ 267 Abs. 1) ≤ 7,5 Mio. € ≤ 15 Mio. € ≤ 50 Zwei von drei Kriterien an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen
Mittelgroß (§ 267 Abs. 2) ≤ 25 Mio. € ≤ 50 Mio. € ≤ 250 Zwei von drei Kriterien an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen
Groß (§ 267 Abs. 3) > 25 Mio. € > 50 Mio. € > 250 Überschreitung von zwei der drei Kriterien

Entscheidend ist, dass die Schwellenwerte an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen über- oder unterschritten werden müssen, damit ein Wechsel der Größenklasse eintritt (§ 267 Abs. 4 HGB). Diese Kontinuitätsregel verhindert, dass zufällige Schwankungen sofort zu einer anderen Bilanzierungspflicht führen.

Achtung

Große Kapitalgesellschaften dürfen die Mindestgliederung nicht nutzen. Sie müssen stets eine vollständige Bilanz nach § 266 Abs. 2 und 3 HGB aufstellen und offenlegen. Zudem unterliegen sie der gesetzlichen Abschlussprüfungspflicht gemäß § 316 HGB.

Mittelgroße GmbHs können die Mindestgliederung zur Offenlegung nutzen, um Wettbewerbern keine detaillierten Einblicke in die Vermögensstruktur zu geben. Entscheidend ist jedoch, dass die interne Bilanz für die Gesellschafterversammlung vollständig gegliedert bleibt.

Aufbau und Gliederung der Milei-Bilanz

Die Mindestgliederung beschränkt sich auf die übergeordneten Posten der Bilanz. Während die vollständige Bilanz nach § 266 Abs. 2 und 3 HGB eine detaillierte Untergliederung mit arabischen Ziffern vorsieht, enthält die Milei-Bilanz nur die mit Buchstaben und römischen Ziffern gekennzeichneten Positionen.

Aktivseite der Milei-Bilanz

  • A. Anlagevermögen I. Immaterielle Vermögensgegenstände II. Sachanlagen III. Finanzanlagen
  • B. Umlaufvermögen I. Vorräte II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände III. Wertpapiere IV. Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks
  • C. Rechnungsabgrenzungsposten
  • D. Aktive latente Steuern
  • E. Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung

Passivseite der Milei-Bilanz

  • A. Eigenkapital I. Gezeichnetes Kapital II. Kapitalrücklage III. Gewinnrücklagen IV. Gewinnvortrag/Verlustvortrag V. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
  • B. Rückstellungen
  • C. Verbindlichkeiten
  • D. Rechnungsabgrenzungsposten
  • E. Passive latente Steuern

Die Milei-Bilanz verzichtet also auf die weitere Aufgliederung – beispielsweise entfallen die Unterpositionen bei Forderungen (Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Forderungen gegen verbundene Unternehmen etc.) sowie die detaillierte Aufschlüsselung der Verbindlichkeiten nach Restlaufzeiten und Arten.

Praxistipp

Die Nutzung der Mindestgliederung bedeutet nicht, dass die Buchhaltung weniger detailliert geführt werden darf. Intern müssen alle Angaben vollständig dokumentiert sein – die Verkürzung betrifft ausschließlich die externe Darstellung im Jahresabschluss.

Vor- und Nachteile der Mindestgliederung

Die Entscheidung, ob eine kleine oder mittelgroße Kapitalgesellschaft die Milei-Bilanz nutzt, sollte strategisch getroffen werden. Sowohl betriebswirtschaftliche als auch rechtliche Aspekte spielen dabei eine Rolle.

Vorteile

  • Vertraulichkeit: Weniger detaillierte Informationen werden öffentlich zugänglich gemacht, was den Wettbewerbsschutz erhöht.
  • Vereinfachter Aufwand: Die Aufstellung und Offenlegung ist mit geringerem administrativen Aufwand verbunden.
  • Kostenersparnis: Weniger komplexe Berichtsanforderungen können die Kosten für die Erstellung des Jahresabschlusses senken.
  • Rechtssicherheit: Die gesetzlich vorgesehenen Erleichterungen sind klar geregelt und bei korrekter Anwendung rechtlich unproblematisch.

Nachteile und Risiken

  • Eingeschränkte Aussagekraft: Externe Stakeholder (Banken, Investoren) erhalten weniger detaillierte Informationen, was bei Kreditverhandlungen oder Due-Diligence-Prüfungen nachteilig sein kann.
  • Doppelte Bilanzführung: Mittelgroße Gesellschaften müssen intern eine vollständige Bilanz führen, was den Nutzen der Erleichterung relativiert.
  • Umstellungsaufwand: Beim Wechsel der Größenklasse muss die Gliederung angepasst werden.
  • Fehlende Vergleichbarkeit: Branchenvergleiche oder Benchmarking werden durch die verkürzte Darstellung erschwert.

Offenlegung der Milei-Bilanz beim Unternehmensregister (Stand 2026)

Die Offenlegungspflicht für Kapitalgesellschaften ist in § 325 HGB geregelt. Seit dem Gesetz zur Umsetzung der Digitalisierungsrichtlinie (DiRUG), das am 1. August 2022 in Kraft getreten ist, erfolgt die Offenlegung ausschließlich beim Unternehmensregister (www.unternehmensregister.de). Der früher genutzte Bundesanzeiger ist seit DiRUG nicht mehr die zuständige Stelle für die Hinterlegung von Jahresabschlüssen.

Fristen für die Offenlegung

Gemäß § 325 Abs. 1 HGB muss der Jahresabschluss spätestens 12 Monate nach dem Abschlussstichtag offengelegt werden. Für einen Bilanzstichtag 31. Dezember 2025 bedeutet dies: Offenlegung bis spätestens 31. Dezember 2026.

Bilanzstichtag Offenlegungsfrist (§ 325 HGB) Feststellungsfrist (§ 42a GmbHG)
31.12.2025 (kleine GmbH) 31.12.2026 30.11.2026 (11 Monate)
31.12.2025 (mittelgroße GmbH) 31.12.2026 31.08.2026 (8 Monate)
31.12.2025 (große GmbH) 31.12.2026 31.08.2026 (8 Monate)

Wichtig: Die Feststellung des Jahresabschlusses durch die Gesellschafterversammlung muss gemäß § 42a GmbHG bereits früher erfolgen – bei kleinen Gesellschaften innerhalb von 11 Monaten, bei mittelgroßen und großen innerhalb von 8 Monaten. Die Offenlegungsfrist nach § 325 HGB läuft davon unabhängig.

Ordnungsgeldverfahren

Bei verspäteter oder unterlassener Offenlegung droht ein Ordnungsgeldverfahren nach § 335 HGB. Das Bundesamt für Justiz kann Ordnungsgelder zwischen 2.500 und 25.000 Euro festsetzen. Die Höhe richtet sich nach Größe des Unternehmens und Schwere der Pflichtverletzung.

Die Einreichung beim Unternehmensregister erfolgt elektronisch in einem dort akzeptierten Format.

Milei-Bilanz vs. Mikro-Bilanz: Welche Erleichterungen gibt es?

Neben der Milei-Bilanz (Mindestgliederung) existiert im deutschen Bilanzrecht auch die sogenannte Mikro-Bilanz für Kleinstkapitalgesellschaften nach § 267a HGB. Beide Erleichterungen zielen darauf ab, den Aufwand für kleinere Unternehmen zu reduzieren – sie unterscheiden sich jedoch deutlich in Umfang und Voraussetzungen.

Kleinstkapitalgesellschaften nach § 267a HGB

Eine Kleinstkapitalgesellschaft liegt vor, wenn an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen mindestens zwei der folgenden Merkmale zutreffen: Bilanzsumme ≤ 450.000 €, Umsatzerlöse ≤ 900.000 €, durchschnittlich ≤ 10 Arbeitnehmer.

Merkmal Milei-Bilanz (§ 266 HGB) Mikro-Bilanz (§ 267a HGB)
Anwendungsbereich Kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften Kleinstkapitalgesellschaften
Bilanzsumme ≤ 7,5 Mio. € (klein) / ≤ 25 Mio. € (mittel) ≤ 450.000 €
Umsatzerlöse ≤ 15 Mio. € (klein) / ≤ 50 Mio. € (mittel) ≤ 900.000 €
Mitarbeiter ≤ 50 (klein) / ≤ 250 (mittel) ≤ 10
Bilanzgliederung Verkürzt (Buchstaben + römische Ziffern) Stark verkürzt (§ 266 Abs. 1 Satz 4 HGB)
Anhang Erforderlich (ggf. verkürzt) Entfällt bei Inanspruchnahme aller Erleichterungen
Lagebericht Entfällt für kleine KapG Entfällt

Die Mikro-Bilanz geht deutlich weiter: Sie erlaubt eine noch stärkere Verkürzung der Bilanz, den Verzicht auf den Anhang (sofern bestimmte Angaben unter der Bilanz gemacht werden) und weitere Vereinfachungen. Die Milei-Bilanz ist dagegen eine moderate Erleichterung, die vor allem die Gliederungstiefe betrifft, aber die grundsätzliche Struktur nach § 266 HGB beibehält.

Hinweis zur Praxis

Banken und Geschäftspartner erwarten mitunter einen ausführlicheren Jahresabschluss, als gesetzlich vorgeschrieben ist. Die Entscheidung sollte daher stets im Einzelfall und unter Berücksichtigung der geschäftlichen Rahmenbedingungen getroffen werden.

Erstellung der Milei-Bilanz durch den Steuerberater

Die Aufstellung des Jahresabschlusses – ob in Mindestgliederung oder vollständig – erfordert fundierte Kenntnisse im Handels- und Steuerrecht. Viele GmbH-Geschäftsführer beauftragen daher einen Steuerberater mit der Erstellung, um rechtliche Sicherheit zu gewährleisten und mögliche Haftungsrisiken zu minimieren.

Aufgaben des Steuerberaters bei der Milei-Bilanz

  • Prüfung der Voraussetzungen für die Nutzung der Mindestgliederung (Größenklasse nach § 267 HGB)
  • Aufbereitung der Buchführung und Erstellung der Bilanz nach § 266 HGB
  • Erstellung der Gewinn- und Verlustrechnung (ggf. verkürzt nach § 276 HGB)
  • Erstellung des Anhangs (bei kleinen Kapitalgesellschaften verkürzt nach § 288 HGB möglich)
  • Berechnung und Dokumentation latenter Steuern nach § 274 HGB
  • Vorbereitung der Offenlegung beim Unternehmensregister (§ 325 HGB)
  • Beratung zu steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten und Optimierungen

Die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater stellt sicher, dass die Bilanz nicht nur formal korrekt ist, sondern auch steuerlich optimiert wird. Gerade bei der Frage, ob die Mindestgliederung genutzt werden sollte, ist die Expertise eines Steuerberaters wertvoll: Er kann einschätzen, ob die Erleichterung im konkreten Fall sinnvoll ist oder ob eine transparentere Darstellung für die Außenwirkung vorteilhafter wäre.

OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Übermittlung der E-Bilanz nach § 87d AO bereit; auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung.

Häufige Fehler und Fallstricke bei der Milei-Bilanz

Auch bei der vermeintlich einfacheren Mindestgliederung gibt es typische Fehlerquellen, die zu rechtlichen Problemen oder Nachforderungen durch das Bundesamt für Justiz führen können.

Fehler 1: Verwechslung von interner und Offenlegungsbilanz

Mittelgroße Kapitalgesellschaften dürfen die Mindestgliederung nur zur Offenlegung nutzen (§ 327 Nr. 1 HGB). Die interne Bilanz, die den Gesellschaftern vorgelegt wird, muss vollständig gegliedert sein. Wird diese Differenzierung nicht beachtet, liegt ein Verstoß gegen die Gliederungsvorschriften des § 266 HGB vor.

Fehler 2: Falsche Größenklassifizierung

Die Größenklasse muss anhand der Schwellenwerte des § 267 HGB bestimmt werden – und zwar an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen. Ein einmaliges Über- oder Unterschreiten reicht nicht aus. Fehler bei der Klassifizierung führen dazu, dass unzulässige Erleichterungen in Anspruch genommen werden.

Fehler 3: Offenlegung beim falschen Register

Seit dem DiRUG (01.08.2022) erfolgt die Offenlegung ausschließlich beim Unternehmensregister. Eine Einreichung beim Bundesanzeiger ist nicht mehr vorgesehen und erfüllt die Offenlegungspflicht nicht. Dennoch kommt es in der Praxis immer wieder vor, dass Unternehmen aus Gewohnheit den falschen Weg wählen.

Fehler 4: Fehlende oder fehlerhafte Anhangangaben

Auch bei Nutzung der Mindestgliederung entfällt der Anhang nicht automatisch. Kleine Kapitalgesellschaften dürfen ihn gemäß § 288 HGB verkürzen – bestimmte Pflichtangaben (z. B. zu Haftungsverhältnissen nach § 268 Abs. 7 HGB) müssen jedoch stets gemacht werden.

  • Größenklasse korrekt nach § 267 HGB bestimmt (an zwei aufeinanderfolgenden Stichtagen)?
  • Unterscheidung zwischen interner Bilanz und Offenlegungsbilanz (bei mittelgroßen KapG) beachtet?
  • Offenlegung beim Unternehmensregister (nicht Bundesanzeiger) durchgeführt?
  • Alle Pflichtangaben im Anhang gemacht, auch bei verkürzter Form?
  • Fristen nach § 325 HGB (Offenlegung) und § 42a GmbHG (Feststellung) eingehalten?
  • Steuerliche Abstimmung (latente Steuern, Gewinnverwendung) durchgeführt?

Die Vermeidung dieser Fehler setzt voraus, dass die Bilanzierung nicht nur formal korrekt, sondern auch inhaltlich fundiert erfolgt. Die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Steuerberater minimiert diese Risiken erheblich.

Fazit: Wann lohnt sich die Milei-Bilanz?

Die Milei-Bilanz – als Kurzform für die Mindestgliederung nach § 266 Abs. 1 Satz 3 HGB und § 327 Nr. 1 HGB – ist eine gesetzlich vorgesehene Erleichterung, die kleinen und mittelgroßen Kapitalgesellschaften erlaubt, eine verkürzte Bilanz offenzulegen. Sie bietet Vorteile in puncto Vertraulichkeit und administrativem Aufwand, sollte aber stets im Kontext der geschäftlichen Rahmenbedingungen bewertet werden.

Wann ist die Mindestgliederung empfehlenswert?

  • Bei kleinen Kapitalgesellschaften, die keine detaillierte Bilanzstruktur nach außen kommunizieren möchten und keine intensive Kreditverhandlung oder Investorenansprache planen.
  • Bei mittelgroßen Kapitalgesellschaften, die intern eine vollständige Bilanz führen, aber bei der Offenlegung Wettbewerbsschutz wahren wollen.
  • Wenn die Geschäftspartner und Banken keine vollständige Bilanz erwarten oder diese separat zur Verfügung gestellt werden kann.
  • Wenn der administrative Aufwand und die Kosten für die Offenlegung reduziert werden sollen.

Wann sollte auf die Mindestgliederung verzichtet werden?

  • Bei aktiver Kreditaufnahme oder Investorenansprache, wenn Banken und Kapitalgeber eine detaillierte Bilanzstruktur erwarten.
  • Wenn Transparenz und Vertrauen gegenüber Geschäftspartnern und Stakeholdern eine strategische Rolle spielen.
  • Wenn die Gesellschaft in einer Branche tätig ist, in der Branchenvergleiche und Benchmarking üblich sind.
  • Bei geplanter Veräußerung oder Due-Diligence-Prüfung, bei der eine transparente, vollständige Bilanz vorteilhaft ist.

Stand 2026 gilt: Die Offenlegung erfolgt ausschließlich beim Unternehmensregister, die Fristen nach § 325 HGB und § 42a GmbHG müssen strikt eingehalten werden, und die Nutzung der Mindestgliederung muss den gesetzlichen Voraussetzungen entsprechen. Wer unsicher ist, ob die Voraussetzungen vorliegen oder welche Darstellungsform die richtige ist, sollte einen Steuerberater hinzuziehen. Auf OnlineBilanz.de erhalten GmbH-Geschäftsführer Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf; auf Wunsch prüft und unterzeichnet gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater.

Häufig gestellte Fragen

Kann eine mittelgroße GmbH die Milei-Bilanz nutzen?

Für die Aufstellung nein: Die verkürzte Bilanz nach § 266 Abs. 1 Satz 3 HGB steht nur kleinen Kapitalgesellschaften im Sinne des § 267 Abs. 1 HGB zur Verfügung. Mittelgroße Kapitalgesellschaften dürfen die verkürzte Bilanz nach § 327 Nr. 1 HGB jedoch für die Offenlegung verwenden, müssen dabei bestimmte Posten zusätzlich gesondert angeben. Große Kapitalgesellschaften müssen stets die vollständige Gliederung nach § 266 Abs. 2 und 3 HGB anwenden.

Muss bei der Milei-Bilanz auch ein Anhang offengelegt werden?

Ja, kleine Kapitalgesellschaften müssen grundsätzlich einen Anhang erstellen und offenlegen. Allerdings können sie gemäß § 288 Abs. 1 HGB von zahlreichen Anhangsangaben befreit werden. Kleinstkapitalgesellschaften (Mikro-Bilanzierer) können unter den Voraussetzungen des § 264 Abs. 1 Satz 5 HGB ganz auf den Anhang verzichten und ihre Bilanz nach § 326 Abs. 2 HGB hinterlegen.

Kann die Milei-Bilanz auch im Konzernabschluss verwendet werden?

Nein, die Erleichterungen der Milei-Bilanz gelten nur für den Einzelabschluss kleiner Kapitalgesellschaften; für den Konzernabschluss gelten eigene Vorschriften (§ 298 HGB).

Gilt die Milei-Bilanz auch für Personengesellschaften?

Die Milei-Bilanz nach § 266 Abs. 1 Satz 3 HGB ist grundsätzlich für Kapitalgesellschaften konzipiert. Personengesellschaften ohne persönlich haftenden natürlichen Gesellschafter (z. B. GmbH & Co. KG) gelten nach § 264a HGB als Kapitalgesellschaften und können die Milei-Bilanz nutzen, sofern sie die Größenmerkmale des § 267 Abs. 1 HGB erfüllen.

Was passiert, wenn die Milei-Bilanz fehlerhaft offengelegt wird?

Fehlerhafte oder unvollständige Offenlegungen können zu Ordnungsgeldverfahren nach § 335 HGB führen. Das Bundesamt für Justiz kann Ordnungsgelder zwischen 2.500 und 25.000 Euro festsetzen. Zudem können Geschäftsführer persönlich haftbar gemacht werden, wenn sie ihre Pflichten schuldhaft verletzt haben (§ 43 GmbHG).

Kann ich nachträglich von der vollständigen Bilanz zur Milei-Bilanz wechseln?

Ja, wenn Ihre Kapitalgesellschaft die Größenkriterien des § 267 Abs. 1 HGB erfüllt, können Sie im Folgejahr zur Milei-Bilanz wechseln. Wichtig ist, dass die Größenmerkmale an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen nicht überschritten werden. Ein nachträglicher Wechsel für bereits offengelegte Jahresabschlüsse ist jedoch nicht möglich.

Hinweis: Dieser Artikel dient zu allgemeinen Informationszwecken. OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; Prüfung, Entscheidung und Feststellung obliegen Ihnen. Auf Wunsch übernimmt gegen Aufpreis ein mit OnlineBilanz kooperierender Steuerberater Prüfung, Freigabe und Unterzeichnung in eigener beruflicher Verantwortung. Gesetzliche Grundlagen: § 266 HGB – Gliederung der Bilanz, § 267 HGB – Umschreibung der Größenklassen, § 325 HGB – Offenlegung, § 335 HGB – Ordnungsgeldverfahren. Nächste redaktionelle Prüfung: Oktober 2026.

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