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Datum

Lesedauer

8–12 Minuten

OnlineBilanz›Blog›Minijob & Midijob

Minijob & Midijob — Was Arbeitgeber jetzt wissen müssen

Zuletzt aktualisiert: April 2025 · Lesezeit: ca. 12 Minuten

Minijobber und Midijobber beschäftigen viele deutsche Arbeitgeber — und die Regelungen sind komplexer als sie auf den ersten Blick erscheinen. Grenzen, Pauschalbeiträge, Anmeldefristen, Gleitzonenregelung, Rentenversicherungsoptionen: Wer hier Fehler macht, riskiert Nachforderungen von Sozialversicherungsbeiträgen. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Regelungen praxisnah.

SG
Servet Gündogan

Büroleiter OnlineBilanz · Stuttgart

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Verfasst von Servet Gündogan · April 2025⏱ ca. 12 Minuten

603 €

Monatliche Minijob-Grenze 2026 (dynamisch an Mindestlohn gekoppelt)

2.000 €

Obere Midijob-Grenze (Übergangsbereich mit Gleitzonenregelung)

~30 %

Gesamtbelastung Arbeitgeber beim Minijob (Pauschalbeiträge gesamt)

1. Minijob-Grundlagen: Grenze, Arten und Abgrenzung

Ein Minijob — offiziell: geringfügige Beschäftigung — liegt vor, wenn der regelmäßige Monatsverdienst die gesetzliche Geringfügigkeitsgrenze nicht überschreitet. Diese Grenze ist seit Oktober 2022 dynamisch an den gesetzlichen Mindestlohn gekoppelt. Sie ergibt sich aus: Mindestlohn × 10 Wochenarbeitsstunden × 52/12. Mit den Anpassungen des Mindestlohns 2026 verschiebt sich auch diese Grenze automatisch.

Muster für Arbeits- und Minijobvertrag mit allen Pflichtangaben nach dem Nachweisgesetz sowie die Werte für 2026 finden Sie auf der Seite Arbeitsvertrag & Minijobvertrag.

Minijob-Grenze 2026

Gesetzlicher Mindestlohn 2026: 13,90 € pro Stunde (ab 01.01.2026). Daraus ergibt sich eine monatliche Minijob-Grenze von 603 €. Die Grenze gilt für den regelmäßigen monatlichen Verdienst — ein gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten in bis zu zwei Kalendermonaten innerhalb eines Zeitjahres ist unschädlich (höchstens bis zum Doppelten der Grenze, § 8 Abs. 1b SGB IV).

Es gibt zwei Arten von Minijobs:

Entgeltmäßiger Minijob

Verdienst bis zur Geringfügigkeitsgrenze (603 €/Monat). Keine Begrenzung der Wochenstunden — entscheidend ist allein der Monatsverdienst. Die häufigste Form der geringfügigen Beschäftigung.

Kurzfristiger Minijob

Beschäftigung auf höchstens 3 Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr — unabhängig von der Entgelthöhe. Keine Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung. Anwendungsfall: saisonale Aushilfen, Ferienarbeit.

2. Pauschalbeiträge des Arbeitgebers beim entgeltmäßigen Minijob

Der Arbeitgeber trägt beim Minijob die Hauptlast der Abgaben. Der Arbeitnehmer ist weitgehend beitragsfrei (Ausnahme: Rentenversicherung mit Aufstockungsoption).

Beitragssatz vom Bruttoentgelt
Satz
Rentenversicherung (AG)
AG-Pauschale
15 %
Krankenversicherung (AG)
AG-Pauschale
13 %
Pauschalsteuer Lohnsteuer
inkl. SolZ, KiSt
2 %
Umlage U1 (Krankheit)
fest
0,8 %
Umlage U2 (Mutterschaft)
fest
0,22 %
Insolvenzgeldumlage
fest
0,15 %

Kein Arbeitnehmeranteil zur Kranken- und Arbeitslosenversicherung

Beim Minijob zahlt der Arbeitnehmer keine Beiträge zur Kranken-, Pflege- oder Arbeitslosenversicherung. Er bleibt aber rentenversicherungspflichtig und kann durch einen Eigenanteil (Differenz zum allgemeinen RV-Beitragssatz von 18,6 %) vollwertige Rentenansprüche aufbauen — oder sich davon befreien lassen.

3. Rentenversicherungspflicht: optieren oder befreien lassen?

Seit 2013 besteht für Minijobber grundsätzlich Rentenversicherungspflicht — mit einer wichtigen Ausnahme: Der Arbeitnehmer kann sich auf Antrag von dieser Pflicht befreien lassen. Die Entscheidung liegt beim Arbeitnehmer, nicht beim Arbeitgeber.

OptionRV-Beitrag ArbeitgeberRV-Beitrag ArbeitnehmerKonsequenz
Rentenversicherungspflichtig (Standard)15 % PauschaleDifferenz: 3,6 % (bei 18,6 % Gesamtbeitragssatz)Vollanspruch auf Rentenleistungen
Befreiung von der RV-Pflicht15 % Pauschale0 %Kein zusätzlicher Rentenanspruch, aber höheres Netto

Die Befreiung muss schriftlich beim Arbeitgeber beantragt werden. Der Arbeitgeber nimmt den Antrag zu den Entgeltunterlagen und meldet die Befreiung der Minijob-Zentrale. Er kann die Befreiung nicht eigenmächtig gewähren oder verweigern.

4. Anmeldung bei der Minijob-Zentrale

Minijobber werden nicht bei der regulären Krankenkasse des Arbeitnehmers, sondern bei der Minijob-Zentrale (Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See) gemeldet und abgerechnet. Die Anmeldung erfolgt mit der ersten Entgeltabrechnung, spätestens innerhalb von sechs Wochen nach Beschäftigungsbeginn; in den Branchen des § 2a SchwarzArbG ist zusätzlich eine Sofortmeldung spätestens bei Beschäftigungsaufnahme erforderlich. Verspätete Meldungen können Bußgelder auslösen.

  • Anmeldung über das Arbeitgeberportal: minijob-zentrale.de
  • Benötigt: Sozialversicherungsnummer des Arbeitnehmers, Beschäftigungsbeginn, voraussichtliches Entgelt
  • Monatliche Beitragsabführung bis zum drittletzten Bankarbeitstag des Monats
  • Lohnsteuerbescheinigung am Jahresende nur bei Besteuerung nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen — nicht bei pauschal versteuerten Minijobbern

5. Mehrere Minijobs: Zusammenrechnung und Fallen

Wer mehrere Arbeitgeber hat, muss die Zusammenrechnungsregeln kennen — denn sie treffen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichzeitig:

Nur Minijobs (ohne Hauptjob)

Mehrere Minijobs werden zusammengerechnet. Überschreiten sie gemeinsam die Geringfügigkeitsgrenze (603 €), werden alle Beschäftigungen sozialversicherungspflichtig. Jeder Arbeitgeber haftet dann für seinen Anteil der nicht abgeführten Beiträge.

Minijob neben versicherungspflichtiger Hauptbeschäftigung

Ein Minijob neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung bleibt geringfügig — kein Zusammenrechnen. Mehrere Minijobs neben der Hauptbeschäftigung werden jedoch zusammengerechnet; der zweite (und jeder weitere) Minijob wird versicherungspflichtig.

Arbeitgeber-Auskunftspflicht

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den neuen Minijobber nach weiteren Beschäftigungen zu befragen und die Angaben zu dokumentieren. Gibt der Arbeitnehmer falsche Auskunft, kann der Arbeitgeber zwar Rückgriff nehmen — ist aber zunächst selbst in der Pflicht. Die Befragung und die Antwort des Arbeitnehmers müssen schriftlich dokumentiert werden.

6. Der Midijob: die Gleitzone bis 2.000 €

Verdient ein Arbeitnehmer mehr als die Minijob-Grenze (603 €), aber nicht mehr als 2.000 € pro Monat, befindet er sich im sogenannten Übergangsbereich — dem früheren „Midijob“. Die Gleitzonenregelung schützt Arbeitnehmer mit niedrigen Löhnen vor unverhältnismäßig hohen Abzügen.

Einkommenszonen und Sozialversicherung

Minijob
Übergangsbereich / Midijob
Reguläre SV-Pflicht
0 €
603 €
2.000 €
über 2.000 €

Im Übergangsbereich zahlt der Arbeitnehmer reduzierte Sozialversicherungsbeiträge — berechnet nach einer Gleitformel, die dafür sorgt, dass der Beitragsanstieg am unteren Ende der Zone sanft einsteigt. Der Arbeitgeberbeitrag liegt dagegen an der Untergrenze etwa auf dem Niveau der Minijob-Pauschalen (ca. 28 %) und sinkt bis 2.000 € gleitend auf den regulären Arbeitgeberanteil (ca. 20 %).

MonatsverdienstAN-Beitrag SVAG-Beitrag SVGesamtbeitrag
603,01 € (Untergrenze)Nahezu 0 % (Gleitformel)Ca. 28 % (etwa Höhe der Minijob-Pauschalen)Ca. 28 % gesamt
1.300 € (Übergangsbereich Mitte)Reduziert (Gleitformel)Gleitend sinkend (über dem regulären Anteil)Ca. 39 % gesamt
2.000 € (obere Grenze)Normaler AN-Anteil ca. 20 %Voller AG-Anteil ca. 20 %Ca. 40 % gesamt
Über 2.000 € (regulär)Voller AN-Anteil ca. 20 %Voller AG-Anteil ca. 20 %Ca. 40 % gesamt

7. Minijob vs. Midijob vs. reguläres Beschäftigungsverhältnis

MerkmalMinijobMidijobRegulär (> 2.000 €)
VerdienstgrenzeBis 603 €/Monat603,01 € – 2.000 €/MonatUnbegrenzt
SV-Beiträge ArbeitnehmerKeine (außer opt. RV)Reduziert (Gleitformel)Voll (~20 %)
SV-Beiträge ArbeitgeberPauschale (~28 %)Gleitend von ~28 % auf ~20 %Voll (~20 %)
Krankenversicherung ANKeine (gesetzl. KV oder privat)Beitrag reduziertVoll beitragspflichtig
UrlaubsanspruchJa — gesetzlich (anteilig)Ja — gesetzlichJa — gesetzlich
KündigungsschutzJa — ab 6 MonatenJaJa
AnmeldestelleMinijob-ZentraleKrankenkasse des ANKrankenkasse des AN

8. Typische Arbeitgeberfehler

FehlerKonsequenzLösung
Minijobber nicht fristgerecht angemeldetBußgeld, Haftung für rückwirkende SV-BeiträgeFristgerechte Anmeldung bei der Minijob-Zentrale (ggf. Sofortmeldung)
Keine Befragung zu NebenbeschäftigungenHaftung für nachträgliche SV-Pflicht wenn Grenze überschrittenSchriftliche Befragung und Dokumentation bei Einstellung
Kein Urlaubsanspruch für Minijobber gewährtNachforderung von Urlaubsentgelt oder AbgeltungMinijobber haben vollen gesetzlichen Urlaubsanspruch (anteilig)
Überschreitung der Grenze nicht bemerktNachträgliche SV-Pflicht, Bußgelder, NachzahlungenMonatliches Monitoring des Entgelts, Frühwarnsystem
Midijob als Minijob abgerechnetFalsche Abführung — Differenz wird nachgefordertKorrekte Einordnung nach tatsächlichem Monatsverdienst

Minijobs klingen einfach — und genau das ist die Falle. Wer nicht systematisch auf die Verdienstgrenze achtet, wer keine schriftliche Befragung zu Nebenjobs macht und wer den Urlaubsanspruch vergisst, sitzt bei einer Prüfung des Rentenversicherungsträgers schnell in einem komplexen Nachzahlungsverfahren.

9. Häufige Fragen zu Minijob und Midijob

Was ist die Minijob-Grenze 2026?

603 € monatlich, dynamisch an den Mindestlohn (13,90 €) gekoppelt. Ein gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten in bis zu zwei Kalendermonaten innerhalb eines Zeitjahres ist unschädlich (§ 8 Abs. 1b SGB IV).

Welche Pauschalbeiträge zahlt der Arbeitgeber?

15 % Rentenversicherung, 13 % Krankenversicherung, 2 % pauschale Lohnsteuer, Unfallversicherung, Umlagen U1/U2, Insolvenzgeldumlage. Gesamt ca. 30–33 % des Bruttoentgelts.

Haben Minijobber Urlaubsanspruch?

Ja — Minijobber haben den gleichen gesetzlichen Urlaubsanspruch wie reguläre Arbeitnehmer, anteilig berechnet. Bei 5-Tage-Woche: 20 Tage; bei weniger Tagen entsprechend weniger. Der Anspruch besteht unabhängig von der Entgelthöhe.

Was ist der Unterschied zwischen Minijob und Midijob?

Beim Minijob (bis 603 €) zahlt der AG Pauschalbeiträge, der AN ist weitgehend beitragsfrei. Im Midijob-Übergangsbereich (603,01–2.000 €) zahlt der AN reduzierte SV-Beiträge nach Gleitformel, der AG einen Beitrag, der an der Untergrenze etwa den Minijob-Pauschalen entspricht und gleitend auf den regulären Anteil sinkt.

Kann ein Arbeitnehmer mehrere Minijobs haben?

Ja, aber die Verdienste werden zusammengerechnet. Überschreiten sie gemeinsam die Grenze, werden alle Beschäftigungen sozialversicherungspflichtig. Ein Minijob neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung bleibt in der Regel ein Minijob.

Wo werden Minijobber angemeldet?

Bei der Minijob-Zentrale (Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See) — nicht bei der Krankenkasse des Arbeitnehmers. Anmeldung mit der ersten Entgeltabrechnung, spätestens sechs Wochen nach Beschäftigungsbeginn; in den Branchen des § 2a SchwarzArbG Sofortmeldung bei Beschäftigungsaufnahme.

10. Fazit: Systemkenntnis schützt vor Haftung

Minijob und Midijob sind flexibel und für viele Arbeitgeber attraktiv — aber nur wenn sie korrekt gehandhabt werden. Die häufigsten Fehler sind organisatorischer Natur: fehlende Anmeldung, keine Befragung zu Nebenjobs, übersehene Urlaubsansprüche. Wer diese Punkte systematisch abarbeitet, hat beim Minijob wenig zu befürchten.

Hinweis: Allgemeine Information, kein Ersatz für individuelle Beratung. § 8 SGB IV, MiLoG. Aktuelle Beitragssätze und Grenzen prüfen Sie unter minijob-zentrale.de.

Ben
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Kennenlerntermin15 Min · Raphael Diener