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Datum

Lesedauer

11–17 Minuten


OnlineBilanz›Blog›GoBD Buchhaltung 2026

GoBD-konforme Buchhaltung 2026

Zuletzt aktualisiert: April 2026 · Lesezeit: ca. 10 Minuten

Die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form (GoBD) bilden das Fundament für rechtssichere Buchhaltung und einen ordnungsgemäßen Jahresabschluss in der Buchhaltung. Für KMU bedeutet das 2026: revisionssichere Systeme, lückenlose Dokumentation und nachvollziehbare Prozesse. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie die GoBD-Anforderungen in der Praxis umsetzen.

SG
Servet Gündogan

Büroleiter OnlineBilanz · Stuttgart

Als Büroleiter ist Servet erster Ansprechpartner für Kunden. Er führt das Erstgespräch und koordiniert auf Wunsch die Zusammenarbeit mit kooperierenden Steuerberatern.

Hinweis: OnlineBilanz stellt Software und einen KI-gestützten Entwurf bereit. Steuerberatende Leistungen erbringen nur die nach dem Steuerberatungsgesetz dazu befugten Personen und Gesellschaften, insbesondere Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer.

Kurzantwort

GoBD-konforme Buchhaltung verlangt revisionssichere Software, vollständige und unveränderbare Aufzeichnungen, Verfahrensdokumentation sowie digitale Aufbewahrung für bis zu 10 Jahre (Buchungsbelege 8 Jahre). Moderne Technologien wie KI-gestützte Jahresabschlussvorbereitung können diese Anforderungen effizient unterstützen, sofern die menschliche Endkontrolle gewährleistet bleibt. Verstöße können zur Schätzung von Besteuerungsgrundlagen (§ 162 AO) führen.

Was sind die GoBD?

Die GoBD (BMF-Schreiben vom 28.11.2019, seitdem mehrfach geändert, u. a. am 11.03.2024) konkretisieren die Anforderungen des § 146 AO sowie § 238, § 239 und § 257 HGB an die elektronische Buchführung. Eine GoBD-konforme Buchführung erfordert die Einhaltung dieser gesetzlichen Vorgaben in der betrieblichen Praxis.

Sie gelten für alle buchführungspflichtigen Unternehmen unabhängig von der Größenklasse nach § 267 HGB und betreffen sowohl die laufende Finanzbuchhaltung als auch die Vorbereitung des Jahresabschlusses nach § 242 ff. HGB.

Hinweis

Die GoBD sind keine eigenständigen Rechtsnormen, sondern Verwaltungsanweisungen des BMF. Sie konkretisieren jedoch die gesetzlichen Anforderungen und werden von Finanzämtern und Betriebsprüfern als verbindlicher Maßstab herangezogen.

Zentrale Grundsätze der GoBD

  • Nachvollziehbarkeit und Nachprüfbarkeit: Jede Buchung muss vom Beleg bis zum Jahresabschluss lückenlos nachvollziehbar sein
  • Vollständigkeit: Alle buchungspflichtigen Geschäftsvorfälle müssen erfasst werden
  • Richtigkeit: Sachlich und rechnerisch korrekte Erfassung aller Vorfälle
  • Zeitgerechtheit: Unverzügliche, zeitnahe Erfassung der Geschäftsvorfälle
  • Ordnung: Systematische und strukturierte Erfassung nach festgelegtem Kontenrahmen
  • Unveränderbarkeit: Keine nachträglichen Änderungen ohne Protokollierung

Diese Grundsätze müssen in allen Phasen der Buchhaltung – von der Belegerfassung über die Buchung bis zur Aufbewahrung – eingehalten werden.

Anforderungen an die Buchhaltung

Die GoBD stellen konkrete Anforderungen an Organisation, Prozesse und technische Systeme der Buchhaltung. Für Kapitalgesellschaften gelten zusätzlich die speziellen Vorschriften des § 238 ff. HGB.

Vollständigkeit und Richtigkeit

Nach § 239 Abs. 2 HGB müssen alle Eintragungen vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet vorgenommen werden. Das bedeutet praktisch:

  • Jeder Geschäftsvorfall muss durch einen Beleg dokumentiert sein (Belegprinzip der GoB)
  • Buchungen dürfen nur mit gültigem Originalbeleg erfolgen
  • Stornobuchungen müssen als solche erkennbar sein und protokolliert werden
  • Lücken in der Chronologie oder Nummernkreisen sind unzulässig

Zeitgerechtheit der Erfassung

Geschäftsvorfälle sind zeitnah zu erfassen. Die GoBD verlangen keine tägliche Buchung; Kasseneinnahmen und -ausgaben sind jedoch täglich festzuhalten (§ 146 Abs. 1 Satz 2 AO). Für unbare Geschäftsvorfälle gilt eine Erfassung innerhalb von 10 Tagen als unbedenklich.

Achtung

Jahresabschlüsse, die die Buchführung erst Monate nach Geschäftsvorfall nachträglich erfassen, erfüllen nicht die Anforderung der Zeitgerechtheit. Dies kann zur Verwerfung der Buchhaltung durch das Finanzamt führen.

Unveränderbarkeit und Protokollierung

Nach den GoBD müssen Buchungen unveränderbar sein. Korrekturen dürfen nur durch Stornobuchungen erfolgen, die protokolliert werden und nachvollziehbar bleiben.

  • Buchhaltungssoftware mit automatischer Versionierung
  • Stornobuchungen statt Überschreiben bestehender Buchungen
  • Protokollierung aller Änderungen mit Zeitstempel und Benutzerkennung
  • Zugriffsrechte nach Rollen (Erfassung, Freigabe, Administration)

Software und Systemwahl

Die Wahl der Buchhaltungssoftware ist entscheidend für die GoBD-Konformität. Nach den GoBD-Vorgaben muss die Software die technischen Anforderungen an Unveränderbarkeit, Protokollierung und Revisionssicherheit erfüllen.

Zertifizierung und Revisionssicherheit

Eine GoBD-Zertifizierung ist keine gesetzliche Pflicht und entfaltet keine Bindungswirkung gegenüber der Finanzverwaltung. Wichtiger ist, dass die Software die technischen Anforderungen tatsächlich umsetzt:

  • Unveränderbarkeit gebuchter Datensätze
  • Vollständige Protokollierung aller Änderungen (Audit Trail)
  • Zeitstempel bei jeder Erfassung und Änderung
  • Benutzer- und Rechteverwaltung
  • Exportfähigkeit für Betriebsprüfung (GDPdU-Export nach § 147 Abs. 6 AO)

Hinweis

Nach § 147 Abs. 6 AO muss das System die Daten im Rahmen einer Außenprüfung in einem maschinell auswertbaren Format bereitstellen können.

Cloud-Systeme und Datensicherheit

Cloud-basierte Buchhaltungssysteme sind GoBD-konform zulässig, wenn sie die technischen Anforderungen erfüllen und die Daten revisionssicher gespeichert werden.

Vorteile Cloud-Systeme

  • Automatische Backups und Updates
  • Ortsunabhängiger Zugriff
  • Skalierbarkeit bei Wachstum
  • Geringere IT-Infrastruktur

Rechtliche Anforderungen

  • Speicherort im Inland oder in der EU (§ 146 Abs. 2, 2a AO)
  • Vertrag zur Auftragsverarbeitung (Art. 28 DSGVO)
  • Revisionssichere Archivierung
  • Datenzugriff für Betriebsprüfung

Schnittstellen zu anderen Systemen

Viele KMU nutzen zusätzlich zur Buchhaltungssoftware weitere Systeme (Warenwirtschaft, Kasse, Online-Shop). Auch diese Schnittstellen müssen GoBD-konform ausgestaltet sein:

  • Automatischer, protokollierter Datenimport ohne manuelle Nachbearbeitung
  • Keine nachträgliche Änderung importierter Daten ohne Protokoll
  • Aufbewahrung der Ursprungsdaten für die gesetzlichen Fristen (§ 147 AO, § 257 HGB)
  • Dokumentation der Datenwege in der Verfahrensdokumentation

Belegorganisation und Archivierung

Nach dem Belegprinzip der GoB darf keine Buchung ohne Beleg erfolgen. Die GoBD konkretisieren, wie digitale und papiergebundene Belege zu organisieren und aufzubewahren sind.

Grundsatz der digitalen Aufbewahrung

Belege, die in digitaler Form empfangen wurden (z. B. PDF-Rechnungen per E-Mail), müssen nach den GoBD auch digital aufbewahrt werden. Eine nachträgliche Digitalisierung von Papierbelegen ist zulässig, wenn sie den GoBD-Anforderungen entspricht.

8–10 Jahre

Aufbewahrungsfrist nach § 257 HGB

§ 147 AO

Gesetzliche Grundlage Finanzverwaltung

Unveränderbar

Belege müssen revisionssicher archiviert werden

Digitale Belegablage

Eine rechtssichere digitale Belegablage muss folgende Kriterien erfüllen:

  • Vollständigkeit: Alle Belege müssen archiviert werden
  • Unveränderbarkeit: Originalformat ohne nachträgliche Bearbeitung
  • Auffindbarkeit: Strukturierte Ablage mit eindeutiger Zuordnung zur Buchung
  • Nachvollziehbarkeit: Klare Verknüpfung zwischen Buchung und Beleg
  • Verfügbarkeit: Jederzeit lesbar und auswertbar während der gesamten Aufbewahrungsfrist

Benennung und Struktur

Eine sinnvolle Dateistruktur erleichtert die Prüfbarkeit erheblich. Empfohlene Systematik:

  • Jahrgangsweise Ordnerstruktur (2025, 2026 etc.)
  • Unterordner nach Belegart (Eingangsrechnungen, Ausgangsrechnungen, Kasse, Bank)
  • Eindeutige Dateinamen: Datum_Lieferant_Belegnummer (z. B. 2026-03-15_MusterGmbH_R2025-0234.pdf)
  • Verknüpfung zur Buchungsnummer in der Finanzbuchhaltung

Achtung

Das einfache Löschen oder Überschreiben von Belegen ist unzulässig. Auch fehlerhafte Belege müssen aufbewahrt und als storniert gekennzeichnet werden.

Papierbelege ersetzen: Scannen nach GoBD

Papierbelege können durch Scannen in digitale Form überführt und anschließend vernichtet werden, wenn das ersetzende Scannen GoBD-konform erfolgt und keine besonderen Pflichten zur Aufbewahrung des Papieroriginals bestehen. In der Praxis bewährt sind u. a.:

  • Bildqualität muss vollständige Lesbarkeit gewährleisten
  • Scanprozess muss in der Verfahrensdokumentation beschrieben sein
  • Vier-Augen-Prinzip bei der Qualitätskontrolle
  • Zeitnahe Erfassung (innerhalb von 10 Tagen nach Belegeingang)
  • Protokollierung des Scanvorgangs (Datum, Benutzer)

Für steuerlich besonders relevante Belege (z. B. Zolldokumente, notarielle Urkunden) sollte die Papierform jedoch aufbewahrt werden.

Verfahrensdokumentation

Die Verfahrensdokumentation ist nach den GoBD verpflichtend für alle Unternehmen, die ihre Buchhaltung elektronisch führen. Sie beschreibt die organisatorischen und technischen Prozesse der Buchführung.

Eine fehlende oder unzureichende Verfahrensdokumentation ist einer der häufigsten Mängel bei Betriebsprüfungen. Ohne Dokumentation kann das Finanzamt die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung grundsätzlich anzweifeln – mit der Folge von Schätzungen.

Inhalt der Verfahrensdokumentation

Die Verfahrensdokumentation muss mindestens folgende Bereiche abdecken:

Bereich Beschreibung
Allgemeine Beschreibung Unternehmen, verwendete Systeme, Verantwortlichkeiten
Belegwesen Belegerfassung, -prüfung, -archivierung (digital/Papier)
Buchungsprozess Kontierung, Freigabe, Verbuchung, Stornoprozess
Systemtechnik Software, Schnittstellen, Datensicherung, Zugriffsverwaltung
Aufbewahrung Archivierungssystem, Speicherorte, Verfügbarkeit
Datensicherheit Backup-Strategie, Zugriffsrechte, Protokollierung

Aufbau und Pflege

Die Verfahrensdokumentation sollte klar strukturiert, verständlich formuliert und aktuell gehalten werden. Bei Systemwechseln oder Prozessänderungen ist eine unverzügliche Anpassung erforderlich.

  • Schriftliche Dokumentation in einer lebenden Sprache (auf Verlangen mit Übersetzung, § 146 Abs. 3 AO)
  • Versionierung bei Änderungen mit Datum und Verantwortlichem
  • Nachvollziehbare Ablaufdiagramme für zentrale Prozesse
  • Beschreibung der Zuständigkeiten (wer darf erfassen, buchen, freigeben?)
  • Dokumentation von Schnittstellen zu Drittsystemen

Hinweis

Viele Softwareanbieter stellen Mustervorlagen für Verfahrensdokumentationen bereit. Diese müssen jedoch individuell an die tatsächlichen Prozesse des Unternehmens angepasst werden.

Prüfung und Datenzugriff

Das Finanzamt hat nach § 147 Abs. 6 AO das Recht, die digitalen Daten der Buchhaltung im Rahmen einer Betriebsprüfung zu prüfen. Die GoBD konkretisieren, in welcher Form dieser Datenzugriff erfolgen muss.

Drei Formen des Datenzugriffs

Das Finanzamt kann zwischen drei Zugriffsmöglichkeiten wählen:

Z1: Unmittelbarer Zugriff

Der Prüfer erhält direkten Lesezugriff auf das Buchhaltungssystem vor Ort.

Z2: Mittelbarer Zugriff

Das Unternehmen führt Auswertungen nach Vorgaben des Prüfers durch und stellt Ergebnisse bereit.

Z3: Datenträgerüberlassung

Export der Daten in standardisiertem Format (GoBD-XML, CSV) auf Datenträger.

In der Praxis wird meist Z3 (Datenträgerüberlassung) gewählt. Die Software muss daher einen strukturierten Export in prüfbarem Format ermöglichen.

GDPdU- und GoBD-Export

Der Datenexport muss vollständig, strukturiert und maschinell auswertbar sein. Folgende Datensätze sind mindestens bereitzustellen:

  • Stammdaten (Kontenrahmen, Debitoren, Kreditoren, Kostenstellen)
  • Buchungsdaten (alle Journale mit Buchungssatz, Datum, Betrag, Konto, Gegenkonto, Text)
  • Belege in unverändertem Originalformat (PDF, TIFF etc.)
  • Protokolldaten (Änderungen, Stornierungen, Benutzeraktionen)
  • Index-Dateien zur Verknüpfung von Buchungen und Belegen

Achtung

Unvollständige oder nachträglich veränderte Exporte können zur Verwerfung der Buchführung führen. Testen Sie den Export regelmäßig und dokumentieren Sie das Verfahren in der Verfahrensdokumentation.

Interne Kontrollen

Neben der externen Betriebsprüfung sind interne Kontrollen sinnvoll, um GoBD-Konformität laufend sicherzustellen:

  • Regelmäßige Prüfung der Vollständigkeit (Nummernkreise, Belegzuordnung)
  • Kontrolle der Protokolldateien auf ungewöhnliche Änderungen
  • Stichprobenhafte Nachvollziehbarkeit von Buchungen zum Beleg
  • Jährlicher Test des Datenexports (GoBD-Export)
  • Aktualisierung der Verfahrensdokumentation bei Prozessänderungen

Konsequenzen bei Verstößen

Verstöße gegen die GoBD können schwerwiegende steuerliche und handelsrechtliche Folgen haben. Das Finanzamt kann bei formellen Mängeln die Buchführung als nicht ordnungsgemäß verwerfen.

Verwerfung der Buchführung

Stellt die Betriebsprüfung fest, dass die Buchführung nicht den Anforderungen des § 238 HGB oder den GoBD entspricht, kann sie nach § 158 AO verworfen werden. Folgen:

  • Schätzung der Besteuerungsgrundlagen durch das Finanzamt (§ 162 AO)
  • Wegfall des Vertrauensschutzes: höhere Steuernachforderungen möglich
  • Hinzuschätzungen einschließlich Sicherheitszuschlägen möglich
  • Erschwerter Nachweis tatsächlicher Verhältnisse

Achtung

Schätzungen fallen in der Regel zuungunsten des Steuerpflichtigen aus. Bereits formelle Mängel – etwa fehlende Verfahrensdokumentation oder lückenhafte Belege – können ausreichen.

Straf- und bußgeldrechtliche Folgen

Neben steuerlichen Nachteilen drohen bei vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Verstößen weitere Konsequenzen:

Verstoß Rechtsgrundlage Sanktion
Nichtführung oder Manipulation von Büchern § 283b StGB Freiheitsstrafe bis 2 Jahre oder Geldstrafe
Steuerverkürzung durch falsche Angaben § 370 AO Freiheitsstrafe bis 5 Jahre oder Geldstrafe
Ordnungswidrigkeit bei leichteren Verstößen § 379 AO Geldbuße
Verletzung der Aufbewahrungspflicht § 283b StGB Freiheitsstrafe bis 2 Jahre oder Geldstrafe

Handelsrechtliche Konsequenzen

Auch handelsrechtlich kann eine nicht ordnungsgemäße Buchführung Folgen haben, insbesondere bei Kapitalgesellschaften:

  • Versagung des Bestätigungsvermerks durch Abschlussprüfer (§ 322 HGB)
  • Haftungsrisiko der Geschäftsführung nach § 43 GmbHG bei Pflichtverletzung
  • Ordnungsgeldverfahren bei verspäteter oder fehlerhafter Offenlegung nach § 335 HGB (2.500–25.000 Euro)
  • Bußgelder nach § 334 HGB bei Verstößen gegen Bilanzierungsvorschriften

Hinweis

Die Offenlegung des Jahresabschlusses erfolgt seit dem DiRUG (01.08.2022) ausschließlich beim Unternehmensregister, nicht mehr beim Bundesanzeiger. Die Frist beträgt 12 Monate nach Bilanzstichtag (§ 325 HGB).

Praktische Umsetzung für KMU

Für kleine und mittlere Unternehmen erscheinen die GoBD-Anforderungen auf den ersten Blick komplex. Mit strukturiertem Vorgehen und geeigneten Systemen lässt sich die Konformität jedoch effizient erreichen.

Schritt-für-Schritt-Plan zur GoBD-Konformität

  1. Software prüfen: Nutzen Sie eine zertifizierte oder nachweislich GoBD-konforme Buchhaltungssoftware mit Unveränderbarkeit, Protokollierung und Exportfunktion.
  2. Belegablage digitalisieren: Richten Sie eine strukturierte, revisionssichere digitale Belegablage ein. Digitale Eingangsbelege niemals ausdrucken, sondern im Original digital archivieren.
  3. Verfahrensdokumentation erstellen: Dokumentieren Sie Ihre Prozesse schriftlich – von der Belegerfassung bis zur Archivierung. Nutzen Sie ggf. Mustervorlagen Ihres Softwareanbieters.
  4. Zugriffsrechte regeln: Definieren Sie klar, wer Belege erfassen, buchen und freigeben darf. Richten Sie Benutzerkonten mit entsprechenden Berechtigungen ein.
  5. Regelmäßige Kontrollen: Prüfen Sie quartalsweise Vollständigkeit, Nummernkreise, Belegzuordnung und führen Sie Testexporte durch.
  6. Schulung der Mitarbeiter: Sensibilisieren Sie alle buchführenden Mitarbeiter für GoBD-Anforderungen und dokumentieren Sie Schulungen.

Typische Fehler vermeiden

Folgende Fehler werden bei Betriebsprüfungen besonders häufig festgestellt:

  • Digitale Belege ausdrucken und nur in Papierform aufbewahren
  • Nachträgliches Überschreiben von Buchungen ohne Stornobuchung
  • Fehlende oder veraltete Verfahrensdokumentation
  • Unvollständige Belegzuordnung (Buchungen ohne digitalen Beleg)
  • Lücken in Nummernkreisen ohne Erläuterung
  • Verspätete Erfassung von Geschäftsvorfällen (Monate nach Vorfall)

Kleine Unternehmen haben oft keine komplexeren Anforderungen als große – aber weniger Ressourcen. Investieren Sie frühzeitig in ein GoBD-konformes System und dokumentieren Sie Ihre Prozesse. Das spart im Prüfungsfall erheblich Zeit und Nerven.

Checkliste: Bin ich GoBD-konform?

  • Buchhaltungssoftware erfüllt technische Anforderungen (Unveränderbarkeit, Protokollierung, Export)
  • Alle digitalen Belege werden im Originalformat digital archiviert
  • Verfahrensdokumentation liegt vor und ist aktuell
  • Zugriffsrechte sind klar geregelt und dokumentiert
  • Buchungen erfolgen zeitnah (unbare Vorgänge innerhalb von 10 Tagen, Kasse täglich)
  • Stornoprozess ist definiert und wird eingehalten
  • Regelmäßige Backups und Datensicherung sind eingerichtet
  • GoBD-Export wurde erfolgreich getestet
  • Aufbewahrungsfristen (bis zu 10 Jahre, Buchungsbelege 8 Jahre, § 257 HGB) werden eingehalten
  • Schnittstellen zu Drittsystemen sind dokumentiert und GoBD-konform

Unterstützung durch Steuerberater

Viele KMU lagern die laufende Buchhaltung an einen Steuerberater aus. Auch in diesem Fall bleibt die Verantwortung für die GoBD-Konformität beim Unternehmen selbst (Geschäftsführer nach § 43 GmbHG).

Klären Sie vertraglich, wer welche Aufgaben übernimmt: Belegerfassung, Kontierung, Archivierung, Verfahrensdokumentation. Die technischen Systeme (Software, Belegablage) sollten auch bei Steuerberater-Unterstützung beim Unternehmen selbst GoBD-konform ausgestaltet sein.

Hinweis

OnlineBilanz stellt Software für einen KI-gestützten Jahresabschlussentwurf sowie die technische Datenübermittlung nach § 87d AO bereit; die GoBD-konforme Buchführung und Archivierung bleibt Aufgabe des Unternehmens.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine GoBD-Zertifizierung meiner Buchhaltungssoftware Pflicht?

Nein, eine formelle Zertifizierung ist keine gesetzliche Pflicht. Entscheidend ist, dass die Software die technischen Anforderungen der GoBD tatsächlich erfüllt: Unveränderbarkeit, Protokollierung, Exportfähigkeit. Ein Zertifikat entfaltet gegenüber der Finanzverwaltung keine Bindungswirkung (GoBD Rz. 181), kann aber bei der Softwareauswahl hilfreich sein.

Muss ich digitale Rechnungen ausdrucken oder kann ich sie digital aufbewahren?

Digitale Rechnungen müssen nach den GoBD zwingend im digitalen Originalformat aufbewahrt werden. Ein Ausdruck ersetzt nicht die digitale Archivierung. Das gilt für alle elektronisch empfangenen Belege (E-Mail, Download, EDI). Rechnungen sind als Buchungsbelege 8 Jahre aufzubewahren (§ 147 Abs. 3 AO, § 257 Abs. 4 HGB, § 14b UStG).

Was passiert, wenn ich keine Verfahrensdokumentation habe?

Eine fehlende Verfahrensdokumentation ist ein formeller Mangel, der bei einer Betriebsprüfung zur Verwerfung der Buchführung führen kann. Das Finanzamt kann dann die Besteuerungsgrundlagen nach § 162 AO schätzen – meist zuungunsten des Unternehmens. Die Dokumentation ist daher zwingend erforderlich.

Wie lange muss ich Buchhaltungsunterlagen aufbewahren?

Nach § 257 HGB und § 147 AO beträgt die Aufbewahrungsfrist für Bücher, Jahresabschlüsse und Inventare 10 Jahre, für Buchungsbelege 8 Jahre. Die Frist beginnt mit dem Schluss des Kalenderjahres, in dem die letzte Eintragung erfolgte. Für Geschäftsbriefe und sonstige Unterlagen gelten 6 Jahre. Die Aufbewahrung muss revisionssicher und jederzeit verfügbar erfolgen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken und ersetzt keine individuelle steuerliche oder rechtliche Beratung. Gesetzliche Grundlagen: BMF: GoBD-Verwaltungsanweisung, HGB im Volltext, Abgabenordnung (AO), Unternehmensregister. Nächste redaktionelle Prüfung: Oktober 2026.

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Kennenlerntermin15 Min · Raphael Diener